Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Jede Webseite wird von Anwendern, die sie aufrufen, wahrgenommen. Das bedeutet, es laufen vorwiegend unterbewusste Prozesse ab, die z. B. bestimmen, was von der Seite überhaupt beachtet wird und was nicht, was zuerst beachtet wird und was erst später oder was spontan als störend oder ablenkend empfunden wird.

Von der Mitte nach links oben

Webseiten erscheinen im Anzeigefenster eines Browsers. Der Blick des Anwenders ist beim Aufbau einer neuen Seite in der Regel zunächst auf die Fenstermitte gerichtet, wandert dann aber, wenn der Inhalt erscheint, nach oben links. Was aus der Fenstermitte her gesehen nordwestlich liegt, wird demnach tendenziell am ehesten wahrgenommen und alles, was südöstlich liegt, am ehesten überhaupt nicht.

Allerdings lässt sich diese Aussage nicht verallgemeinern. Sogenannte Eye-Catcher wie bewegte Elemente oder alleinstehende Grafiken können dazu führen, dass die Wahrnehmung schnell einer anderen Richtung folgt.

Eye-Catcher-Overkill und Banner-Blindheit

Eye-Catcher sind gut, solange sie einzeln auftreten. Ein wohl platzierter Eye-Catcher lenkt die Aufmerksamkeit in eine vom Anbieter gewünschte Richtung und kann sie von ihrer Default-Nordwest- Route abbringen.

Jede Webseite jedoch, auf der mehrere Eye-Catcher um die sofortige Aufmerksamkeit buhlen, sorgt beim Anwender für eine unterbewusste Panik, die umso stärker ist, je weiter die Eye-Catcher auseinanderliegen. Dieser Effekt entsteht vor allem auf Seiten, die voll mit teilweise animierter Werbung sind und wo die Werbeflächen oben, links und rechts zu finden sind. Der eigentliche Inhalt verkommt dabei zur Marginalie.

Bei geübten Anwendern hat man aber noch eine andere Reaktion festgestellt: Der typische, 468x60 Pixel große Werbebanner, der von vielen werbefinanzierten Sites oben mittig platziert ist, wird oftmals gar nicht mehr wahrgenommen, genauer gesagt, unterbewusst automatisch ausgeblendet. Der Effekt wird auch als Banner-Blindheit bezeichnet. Das Phänomen dürfte sich auf alle Werbeflächen ausdehnen, die der Anwender bereits vor Aufruf einer Seite erwartet.

Nähe und Ähnlichkeit

Aus der Gestaltpsychologie stammen zwei wichtige Gesetze: das Gesetz der Nähe und das Gesetz der Ähnlichkeit.

  • Das Gesetz der Nähe besagt, dass nahe beieinanderliegende Elemente als zusammengehörig empfunden werden, während Elemente, die weiter auseinanderliegen, als nicht zusammengehörig

empfunden werden.

  • Das Gesetz der Ähnlichkeit besagt, dass ähnlich aussehende Elemente als zusammengehörig empfunden werden, während Elemente mit unterschiedlichem Aussehen als nicht zusammengehörig

empfunden werden.

Es gibt also zwei Mittel, um zusammengehörige Elemente rein optisch in Zusammenhang zu bringen: Nähe oder gleiches Aussehen.

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Nähe und Ähnlichkeit in einem Webformular

Im Formular der Abbildung wird sowohl durch Nähe als auch durch Ähnlichkeit für Ordnung gesorgt:

  • Der Abstand einer Feldbeschriftung zum zugehörigen Eingabefeld ist kleiner als der Abstand zwischen Eingabefeld und Beschriftung des nächsten Feldes (durch das Gesetz der Nähe wird zusammengerückt, was zusammengehört).
  • Gleichartige Felder sind gleich lang – im Beispiel die Felder für Vorname und Zuname (durch das Gesetz der Ähnlichkeit erscheinen diese beiden Felder optisch zusammengehöriger als das Feld zur Altersangabe).

Solche Zusammenhänge mögen trivial erscheinen, aber dennoch wird in der Praxis immer wieder dagegen verstoßen.

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