Vorwort

Jenseits von Wikipedia

In einem Medium wie dem World Wide Web, wo sich Texte digital und online verbreiten, fehlen die klassischen Bedingungen, die früher eine klare Trennung zwischen Autoren und Lesern nötig machten. Es gibt im Web keine Druck- und Lagerkosten. Deshalb entfällt die Notwendigkeit produzierender Verlage und verteilender Händler. Begrenzte Auflagen von Schrifttum gehören der Vergangenheit an. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten im Web, direkt und frei zu publizieren. Möglichkeiten, die jedem offenstehen. Nicht mal mehr ein eigener PC und ein heimischer Internetzugang sind dazu erforderlich. Denn moderne Web-Anwendungen ermöglichen web-basiertes Bearbeiten neuer oder bestehender Web-Inhalte. Redaktionelle Tätigkeiten sind damit von jedem Internet-Café aus möglich, oder mit mobilen Geräten.

Doch der Geist tut sich noch vielerorts schwer, mit der Technik Schritt zu halten. Von dem Grundgedanken, dass Autoren und Leser zwei völlig getrennte Spezies sind, kann man sich nach Jahrhunderten der Buchwelt und der Broadcasting-Medien nur mühsam lösen. Nicht zuletzt deshalb entwickelte sich das Web zunächst auch in Richtung eines reinen Präsentationsmediums. Spontan publiziert wurde zunächst nur in Communities und Foren, doch da nannten sich Beiträge „Postings“ und wurden von den Akteuren meist nicht als redaktionelle oder publizistische Arbeit empfunden.

Wikipedia ist das erste publizistisch orientierte Projekt im Web, bei dem es im großen Stil gelungen ist, die Grenzen zwischen Nutznießen und Mitmachen, zwischen Rezipieren und Publizieren, zwischen Leser und Autor aufzuheben. Wikipedia hat es geschafft, binnen zehn Jahren zu der Enzyklopädie der Menschheit zu werden.

Da eine Enzyklopädie das Wissen der Menschheit speichert, ist es kein Wunder, dass viele Menschen etwas dazu beitragen können. Denn es geht ja schließlich nicht nur um große Persönlichkeiten oder Geschehnisse, sondern auch um die Ortschaften dieser Welt, um Modelleisenbahnen, Hunderassen und die soziale Wirklichkeit, die aus Hypotheken, Kindererziehung, Arbeit und Urlaubmachen besteht. Gerade heimatkundliches, zeitgeschichtliches oder arbeitspraktisches Wissen ist am ehesten in der Breite der Bevölkerung gespeichert. Wikipedia ist es gelungen, die normale Bevölkerung zu ermutigen, solches Wissen beizutragen.

So viel Respekt Wikipedia dafür auch gebührt: Es wäre jedoch verkehrt, das Phänomen „Wiki“ auf Wikipedia zu reduzieren. Was die allgemeine Enzyklopädie im Großen schafft, ist auch in begrenzteren Umgebungen möglich. Ein Wiki ist beispielsweise bestens dafür geeignet, um Workflow-Prozesse innerhalb eines Unternehmens abzubilden. Solches Wissen ist kein Allgemeinwissen, wohl aber ein wichtiges Grundlagenwissen für hunderte oder tausende Beschäftigte des Unternehmens. Ein Wiki kann auch akribische Backgrounds zu jeder Nebenfigur der Star-Wars-Trilogie sammeln. Das ist zwar nur für wirklich hartgesottene Fans interessant, doch davon gibt es genügend. Ein Wiki ist auch eine gute Wahl für eine Schulklasse, die einen Schullandheimaufenthalt in London plant, erlebt und verarbeitet. Denn dabei werden eine Menge Erwartungen, Erlebnisse und Erfahrungen produziert, unterstützt und ergänzt durch Multimedia-Material. Leser bestimmter Bücher, Benutzer bestimmter Kameras, Fahrer bestimmter Autos, Partnersuchende, Alleinerziehende, Krebskranke, Dorfbewohner ohne Breitbandanschluss – sie alle sind Gruppen mit gemeinsamer Basis, und damit sind sie auch denkbare Kandidaten für eine gemeinsame, wiki-basierte Plattform im Web.

Egal ob für den internen Workflow im Intranet, ob zum Meinungsaustausch, zum Planen von Aktionen, als Kundgebungsorgan oder als reine Profil-Site: In diesem Buch werden Sie eine Software-Lösung kennen lernen, die den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht wird. Es handelt sich um eine Wiki-Lösung, mit der Sie auch bloggen, Foren betreiben oder umfangreiche Dokumentationsprojekte verwalten können. Sie können damit innerhalb von wenigen Minuten eine brauchbare, kostenlose, gehostete Webpräsenz errichten. Sie können die frei erhältliche OpenSource-Software aber auch auf einem eigenen Intranet- oder Internet-Server installieren, um alle Möglichkeiten ohne Beschränkungen auszureizen. Zwischen diesen Extremen gibt es verschiedene weitere Hosting-Modelle. In allen Fällen jedoch profitieren Sie von den zahlreichen mächten Funktionen einer über Jahre gereiften Content-Management-Software im Wiki-Stil.

Wikidot ist auf typische Wiki-Projekte mit vielen Benutzern und informellen, nicht immer leicht vorhersehbaren Entstehungsprozessen vorbereitet. Es lässt sich aber ebensogut als Ein-Benutzer-Publikations-Engine einsetzen. Die Software bietet alle Möglichkeiten, schreibt jedoch keine bestimmte Nutzungsform vor. Der Autor dieses Buches arbeitet seit 2007 mit Wikidot und pflegt damit unter anderem sein Webprojekt Webkompetenz, das unter anderem ein bekanntes Blog inklusive Side-Blog zu aktuellen Web-Themen anbietet, den vollständigen Inhalt des bekannten HTML5-Handbuchs, sowie ein Diskussionsforum und weitere Inhalte. Auch das vorliegende Buch wird dort im Volltext angeboten. Die Adresse lautet http://webkompetenz.wikidot.com/. Das Buch profitiert also von viel praktischer Erfahrung. Auch Grenzen und Schwächen der Software wird es Ihnen nicht verschweigen. Denn wie jede andere Software kann auch Wikidot noch schneller, noch flexibler und noch einfacher werden. Allen, die ernsthaftes Interesse daran haben, an konkreten Verbesserungen mitzuwirken, steht die weltweite Wikidot-Community offen, die sich — wie sollte es anders sein — ebenfalls mit Hilfe eines Wikidot-Wikis organisiert.

Und an wen richtet sich dieses Buch? An Entscheider natürlich, die vielleicht nicht alle technischen Details interessieren, wohl aber die grundsätzlichen Konzepte, Software-Umgebungen und Möglichkeiten von Wikidot. Weiterhin natürlich an Webdesigner, sofern es ums Anpassen oder Erstellen eigener Layouts geht, sowie an Redakteure, die das volle Potenzial der Wikidot-Software nutzen wollen, um Inhalte zu konzipieren, zu strukturieren und einzupflegen. Im Fall von Eigen-Installationen außerdem auch an Administratoren und Entwickler, die Rechner- und Software-Landschaften pflegen. Darüber hinaus enthält das Buch noch Community- und Kommunikationstipps für alle, die mit Wikidot ein Forum oder Forensystem betreiben möchten.

Zum Abschluss des Vorworts noch ein Statement von Michal Frackowiak, dem Gründer und federführenden Entwickler von Wikidot:

[folgt (der arme Kerl weiß noch gar nichts von seinem Glück :-)]

 

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