HTML 5 - WHATWG oder W3-Konsortium?

Die WHATWG (das Akronym steht für Web Hypertext Application Technology Working Group) ist eine Arbeitsgruppe, die durch eine Kooperation von Firmen ins Leben gerufen wurde. So sind die Mozilla Foundation, Opera Software und Apple Computer maßgeblich an der WHATWG beteiligt. 2004 gegründet, verstand sich die WHATWG von Beginn an als Stachel für das W3-Konsortium. Der Grund dafür ist, dass dringend benötigte neue Standards, gerade bei den Basissprachen wie HTML oder CSS, beim W3-Konsortium viel zu lange Reifezeiten haben. Dazu kommt, dass die Arbeitsgruppen des W3-Konsortiums zu akademisch begründbaren, aber leider praxisfernen Konzepten neigen. Die WHATWG wurde deshalb mit dem Ziel gegründet, bei wichtigen Web-Standards ein Korrektiv für die Arbeit des W3-Konsortiums zu sein. Da die Verzahnung von WHATWG und W3-Konsortium jedoch sehr eng ist — viele WHATWG-Mitglieder sind oder waren auch W3C-Mitglieder — versteht sich die WHATWG nicht als Konkurrenz zum W3-Konsortium. Vielmehr sieht die WHATWG ihre Aufgabe darin, mit oder ohne das W3-Konsortium praxisnahe Konzepte zu entwickeln, die dann ans W3-Konsortium übergeben werden.

So ist es auch bei HTML 5. In diesem Fall arbeiten WHATWG und W3-Konsortium mittlerweile eng zusammen. Auf der Current-Work-Seite der WHATWG zu HTML 5 können Interessierte verfolgen, wie die Spezifikation entsteht. Wer es ganz genau wissen möchte, kann auch den Web-Apps-Tracker aufrufen, wo alle Änderungen am Dokument protokolliert werden. Die jeweils aktuelle Dokumentversion wird gleichzeitig zum W3-Konsortium durchgereicht, wo es derzeit als Editor's Draft zu HTML 5 einsehbar ist. Das Dokument der künftigen HTML-5-Spezifikation ist also an zwei Stellen auf zwei Servern aufrufbar, hat jedoch unterhalb des Inhaltsverzeichnisses (Table of Contents) in beiden Fällen den gleichen Inhalt. Es ist also trotz der zwei Webadressen eine einzige neue Spezifikation, die da entsteht. Zumindest gilt das, solange die Allianz zwischen WHATWG und W3-Konsortium hält.

Diese Allianz selbst war kein ganz einfacher Prozess. Es begann damit, dass das W3-Konsortium im April 2007 seine HTML-Arbeitsgruppe neu formierte und dabei auch die interessierte Öffentlichkeit mit einbezog. Zum Austausch mit dem erweiterten Interessentenkreis diente und dient vor allem die Mailingliste der W3C-HTML-Arbeitsgruppe. Durch diese Mailingliste kam nach entsprechenden Diskussionen und Abstimmungen letztlich die Allianz zwischen WHATWG und der HTML-Arbeitsgruppe des W3-Konsortiums zustande. Das Dokument der künftigen HTML-Spezifikation profitiert zweifellos von der Allianz. Denn die WHATWG treibt die Entwicklung voran und versucht endlos lange Review-Prozesse, wie sie für das W3-Konsortium typisch geworden sind, schon im Vorfeld zu vermeiden. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass ein Bruch der Allianz die Arbeit am nächsten HTML-Standard wohl um Jahre zurückwerfen würde. Es liegt also im Interesse aller Web-Entwickler, dass W3-Konsortium und WHATWG ihre Arbeit im Verbund vollenden.

page_revision: 2, last_edited: 1192738254|%e %b %Y, %H:%M %Z (%O ago)