Google Grid - Checkout

von Stefan Münz, 02.03.2007

PayPal kennt man, zumindest wenn man EBay nicht nur vom Hörensagen her kennt. Dank des Auktionsriesen hat sich PayPal bereits zu einem Quasi-Standard für rasche Online-Bezahlung entwickelt. PayPal fungiert zwischen Käufer und Verkäufer als unabhängige Zahlungsschnittstelle. Es müssen weder Bankverbindungsdaten ausgetauscht noch Zahlungsweisen ausgehandelt werden. PayPal übernimmt gegen einen Transaktionszins die Abwicklung. Zahlt ein Käufer über PayPal, erscheint der bezahlte Betrag im Paypal-Konto des Verkäufers ohne Verzögerung. Das erlaubt beispielsweise deutlich schnellere Lieferungen — in vielen Branchen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

PayPal hat über 100 Millionen Kunden, und als Partner von EBay, der wohl größten Massenumsatz-Zentrale im Web, muss sich PayPal eigentlich keine Zukunftssorgen machen. Doch Google lässt auch dieses Segment nicht in Ruhe und führt Google Checkout ins Rennen. Mit speziellen Konditionen versucht Google Checkout, Verkäufer für den Service zu gewinnen. So liegen die Transaktionskosten, die Google Checkout von Verkäufern verlangt, spürbar unter denen von PayPal. Besonders interessant ist jedoch die Kopplung mit dem bekannteren Service Google AdSense. Umsätze, die ein Web-Anbieter über die Schaltung von AdSense-Anzeigen auf seiner Website erzielt, kann er direkt als Guthaben für Transaktionskosten umlegen, falls er zugleich Waren verkauft und dabei Google Checkout als Bezahlsystem anbietet.

Aus Käufersicht ist ein Google-Checkout-Konto genauso unproblematisch wie ein PayPal-Konto. Wer über eine Registrierung bei Google verfügt bzw. eine E-Mail-Adresse bei Google Mail hat, kann Google Checkout sofort nutzen. Nun reden wir ja hier vom Google Grid. Über einfache Checkout-Kunden, also Käufer, erfährt Google nicht nur deren Bankverbindungsdaten und/oder Kreditkartennummern. Auch sämtliche Einkäufe, die solche Kunden über das Checkout-System tätigen, landen im Datenbestand des Suchmaschinenprimus. Wir resümieren: über das Social Network Orkut erhält der Grid eine Menge Input darüber, wer wen kennt und mit wem verklüngelt ist. Über das Checkout-System kommen Konsumverhalten, Produktvorlieben und Kaufgewohnheiten dazu.

Ähnlich wie Orkut scheint Google aber auch bei Checkout derzeit noch nicht das volle Potential ausschöpfen zu wollen. Mit einem Link auf der Startseite der Websuche, die 90% aller Webanwender fast täglich benutzen, würde sich das vermutlich schlagartig ändern. Bei all den Services des Grid versucht man offensichtlich, diese erst in Ruhe und mit einer Art "Beta-Publikum" reifen zu lassen, was sicherlich auch vernünftig ist. Der Schritt zur offenen Kampfansage gegen etablierte Riesen wie PayPal im Bereich des Online-Payments oder MySpace im Bereich der Social Networks will wohlüberlegt sein, denn mehr als eine Anlaufchance wird es wohl nicht geben.

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