Von der vollkommenen Offenheit - Parräsismus

21 Apr 2011 18:48

Zunächst mal fehlt noch ein klassizistischer Ismus für das Ideal, um das es hier geht. Kraft meines redaktionellen Amtes nenne ich es Parräsismus (vom altgriechischen παῤῥησία, „Offenheit“, „Unerschrockenheit“ im zivilcouragierten Sinne).

Der Zustand an sich ist ideal, ähnlich wie der reine Kommunismus. Der Frieden wird eigentlich nur gestört durch ein paar böse Egos, die etwas Gemeinfreies einfach an sich reißen (Kommunismus), oder die sich durch Geheimhaltung Vorteile verschaffen (Parräsismus). Die Frage ist, wie viele solcher bösen Egos es eigentlich gibt? Ist es die überwältigende Mehrheit, so dass der Idealzustand eine schöne Fata Morgana für Tagträumer bleibt? Oder sind es vielleicht gar nicht so viele, so dass Parräsismus zumindest teilweise implementierbar ist? Oder sind es vielleicht sogar wirklich nur einzelne, gegen die der Idealzustand durchaus durchsetzbar wäre?

Eines ist sicher: war der Kommunismus das Ideal des sozialistisch geprägten Zeitalters, so ist Parräsismus das Ideal des individualistisch geprägten Zeitalters - der Jetztzeit also. Bleiben noch ein paar Kleinigkeiten zu klären, wie etwa Schamgefühle, Intimsphäre und Rückzugsbedürfnisse. Aber diejenigen, die den Parräsismus, um den es hier geht, vertreten, denken halt erst mal vom Bildschirm her.

Am 17. und 18 Mai findet in Berlin die sechste NEXT Conference statt. Das Buzzword der diesjährigen Veranstaltung lautet Data Love: Data is free. Data can not be owned. No man, machine or system shall interrupt the flow of data. Locking data is a crime against datanity. So weit die SinnerSchrader-Philosophie dahinter. Etwas weniger bekannt, weil weniger SinnerSchrader-buzzy ist die Initiative I Am Open. Dort werden die Offenheits-Jünger eher direkt angesprochen: Wir sollten keine Angst haben vor dem Bekennen und unsere Scham endlich ablegen. Raus aus den Stuben. Privatsphäre war gestern. Genießen wir endlich die Freiheit die uns die Demokratie bietet. Ganz nebenbei. Was hat Privatsphäre mit dem Konzept der Freiheit zu tun? Rein gar nichts.

Vieles tut sich jedenfalls derzeit, das in die gleiche Richtung zeigt.

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