Intranets als Nervensysteme

07.07.1999

Als Lektüre zu einer eventuellen Diskussion empfehle ich den folgenden Artikel:

Michael Klein: "Intranets- Nervensystem, Gedächtnis und Gehirn"
http://www.inm.de/inm_info/intranet.html (Anmerkung zehn Jahre später: Link funktioniert nicht mehr, Publikation ist offenbar auch gar nicht mehr online. Schade, wenn man Gedanken so vor dem Netz „schützen“ muss — das kontakariert irgendwie den ganzen Inhalt!)

Es geht darin vor allem um die wachsende Bedeutung von Intranets. Die These des Autors lautet, dass Unternehmen, die sich jetzt kein ordentliches Intranet zulegen, bald wahrscheinlich nicht mehr überlebensfähig sein werden — unabhängig vom Gegenstand des Unternehmens.

Denn Intranets erfüllen zunehmend die Aufgabe von zentralen Nervensystemen innerhalb der Unternehmensorganisation. Unternehmen, die auf so etwas ganz verzichten oder die so etwas nur in Ansätzen und rudimentär entwickeln, sind dann wie Lebewesen ohne Nervensystem — plump und nicht fähig zu blitzschnell im gesamten Körper kommunizierten Reaktionen.

Ein funktionierendes und erfolgreiches Intranet, so der Autor, übernimmt die gleichen Funktionen wie ein Nervensystem. Es ist die unternehmenskörperliche Basis für Denken und Handeln des Unternehmens.

Entsprechend müssen solche Intranets technisch ausgelegt sein. Sie müssen allen Mitarbeitern ausreichende Informationsmöglichkeiten bieten. Informationen sollten bedarfsgerecht und profilgerecht verfügbar sein (wer muss was und wieviel wissen, sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig könnten schädlich sein). Kommunikation muss möglich sein und gefördert werden. Auch die Kommunikationsmöglichkeiten sollten skalierbar sein — öffentliche Plätze fuer alle, geschlossene Räume fuer bestimmte Gruppen, Projekte usw.

Und — das ist dem Autor des Artikels ganz wichtig: alle Mitarbeiter müssen lernen, mit den Möglichkeiten des Intranets umzugehen. Denn Intranets werden nur dann zu erfolgreichen Nervensystemen, wenn alle Ecken und Enden wirklich daran angeschlossen sind, versorgt werden und rückmelden können.

Das hat gewaltige Folgen für manche Unternehmensstrukturen. Die alte, noch immer sehr beliebte „top-down“-Struktur passt mit dem Netzgedanken nicht mehr zusammen. Denn der Netzgedanke besteht aus mehr als nur aus Hyperlinks — der Netzgedanke verändert unsere gesamte Vorstellungswelt, aus der heraus wir die Welt gestalten. Aufzuhalten ist der Netzgedanke nicht mehr — er frisst sich mit ziemlich hoher Geschwindigkeit ins kollektive Unterbewusstsein. Wer überleben will, tut gut daran, ihn zu verinnerlichen.


Ursprünglich gepostet im SELFHTML Forum:
http://forum.de.selfhtml.org/archiv/1999/7/t4778/#m23242


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