Ver-she-bungen im Modern English
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Is a fellow doing well if she expresses herself like this?
Ver-she-bungen im Modern English
StefanMStefanM 1257353862|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo,

in letzter Zeit bin ich bei englischen Texten im Netz vermehrt über Konstruktionen wie die gestolpert, die in der Summary zu diesem Thread steht. Noch so ein Beispiel:

Every eligible participant has a single vote, and is therefore a potential voter. She may either withold her vote or cast it. She may vote for anyone (Quelle: http://zelea.com/project/votorola/d/theory.xht)

Ein anderes Beispiel:

This poor sheep was abandoned because she's a bit different from other sheep. She feels very sad and needs a new home (aus einer Facebook-Status-Message, generiert von einem englischsprachigen Spiel)

Im ersten Fall dachte ich noch, dass es vielleicht eine Art politisch korrekter Gesamtausdruck für "he" und "she" ist. Aber wenn Schafe auch dazu gehören, kann es ja wohl kaum noch um Geschlechtergleichbehandlung gehen.

In Facebook bekam ich den Hinweis, mich mit einem freundlichen Anglisten und Anbieter von Englischkursen in Verbindung zu setzen. Der antwortete mir, dass es eigentlich politisch korrekt sei, den Plural "they" zu benutzen. Also etwa so:

Every eligible participant has a single vote, and is therefore a potential voter. They may either withold their vote or cast it. They may vote for anyone.

*grusel*, aber OK. Einige übereifrige Leute, so der Fachmann, würden stattdessen mittlerweile die weibliche Form benutzen. Das ist wohl so ähnlich, wie es bei uns Lehrer und Schüler gibt, dann LehrerInnen und SchülerInnen, und schließlich einfach nur noch Lehrerinnen und Schülerinnen.

Macht der Sexus das Leben noch spannend, so wird der Genus zunehmend zum Ärgernis. Die englische Sprache macht ja im Bereich der bestimmten Artikel mit the und a bereits vor, dass es auch ohne geht. Die Genus-Neutralisierung durch den Plural ist eine Möglichkeit. Die andere wäre einfach das Singular-Neutrum. Also etwa so:

Every eligible participant has a single vote, and is therefore a potential voter. It may either withold its vote or cast it. It may vote for anyone.

Aber dabei gruselts wahrscheinlich den native speakern … ;-)

Any suggestions?

viele Grüße
Stefan Münz

unfold Ver-she-bungen im Modern English by StefanMStefanM, 1257353862|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Ver-she-bungen im Modern English
Auge (guest) 1257387345|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo

Any suggestions?

Mir stellt sich dabei immer wieder die Frage, was das grammatikalische Geschlecht mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat. Meine persönliche Antwort lautet: nichts. Schon als ich vor etwa zwanzig Jahren erstmals bei einer in der linken Szene engagierten FrauIn damit konfrontiert wurde, fand ich das seltsam bis albern. Ich achte doch jemanden anderen Geschlechts mit einer solchen Verballhornung der Sprache nicht mehr (oder weniger). Abgesehen davon liest sich ein Text, der genderisiert ist, irgendwie komisch. Ich komme dabei jedenfalls, ähnlich wie bei einigen Konstrukten der neuen deutschen Rechtschreibung (Schifffahrt *brrrr*), immer wieder aus dem Tritt.

Ich benutze also meine Muttersprache so, wie ich es gelernt habe und ignoriere geflissentlich diesen Blödsinn. Zudem ignoriere ich, dass der Unfug nun offensichtlich auch in andere Sprachen Einzug hält.

Tschö, Auge

unfold Re: Ver-she-bungen im Modern English by Auge (guest), 1257387345|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Ver-she-bungen im Modern English
Hannelore Vonier (guest) 1257778226|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Ja, diese Schwarzen Schafe auf Facebook… Ich habe eine Antwort auf diesen Beitrag geschrieben (Sprache im Web: Politisch “über” korrekt?). Wikidot ist ja deiner Beschreibung nach eine eierlegende Wollmilchsau - würde ich sofort verwenden, hätte ich nicht schon genug Sites am Hals. Kann das Ding auch Trackbacks?

- Hannelore

unfold Re: Ver-she-bungen im Modern English by Hannelore Vonier (guest), 1257778226|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Ver-she-bungen im Modern English
StefanMStefanM 1257795630|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Hannelore,

Ich habe eine Antwort auf diesen Beitrag geschrieben (Sprache im Web: Politisch “über” korrekt?)

Sehr guter und fundierter Artikel! Werde ich in die hiesige Linkroll aufnehmen.
Daraus:

Was wir nicht in Sprache hören oder lesen, denken wir auch nicht

Die Untersuchungen zu dem Thema kannte ich nicht. Sehr interessant. Aber sprachliche Verrenkungen von LehrerInnen bis zu Krankenschwestern-/brüdern bringen uns trotz dieser Erkenntnisse finde ich nicht weiter. Denn spätestens, wenn man dann jeden zugehörigen Artikel und jedes Possesivpronomen doppelt deklinieren soll ("seines/ihres" usw.), wirds einfach nur lächerlich. Aber welche Auswege bleiben?

Irgendwie trainieren, die geschlechtsspezifische Beeinflussung des Denkens, das die Versuche z.B. im Fall der Romanfiguren nachweisen, loszuwerden? Also dahin kommen, beim Wort "Romanhelden" wie selbstverständlich auch an weibliche Figuren denken zu können. Doch wie kann man so was trainieren?

Die Sprache vorsichtig und in angemessenem Tempo ("die große Sprachreform von 2020") in Richtung Neutrum-Orientierung umbauen? Also "das Haarschneidperson" als Oberbegriff für Friseur und Friseuse? Abgesehen von der Frage, ob sich dabei wirklich alle geschlechtsbevorzugenden Sprachausdrücke bereinigen lassen, hat das irgendwie den Geruch von Eindeutschungsmaßnahmen im Dritten Reich.

Die einfachste Lösung ist vielleicht, das alles nicht so bierernst zu nehmen. Geschlechtliche Unterdrückung ist wohl kaum durch Sprache entstanden. Allenfalls ist der Sprachgebrauch ein Spiegel längerfristiger zurückliegender Unterdrückungsverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Sprachgebrauch, wenn es erst mal 500 Jahre Gleichberechtigung unter den Geschlechtern gibt, von selber Lösungen findet …

Wikidot ist ja deiner Beschreibung nach eine eierlegende Wollmilchsau - würde ich sofort verwenden, hätte ich nicht schon genug Sites am Hals. Kann das Ding auch Trackbacks?

Pingbacks kann es, Trackbacks nicht.

viele Grüße
Stefan Münz

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