GEZocke bald am Ende?
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Die längst überfällige breite Diskussion um die GEZ hat endlich begonnen.
GEZocke bald am Ende?
StefanMStefanM 1256945870|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo,

GEZ-Gebühr vor dem Aus? So ähnlich erwartungsfroh titeln derzeit viele Artikel. Worum die Politiker allerdings debattieren, ist lediglich die Frage, ob die Gebühr künftig geräteabhängig sein soll wie bisher, oder haushaltsbezogen. Also wichtigtuerische Scheingefechte über nichts und wieder nichts, damit scheinbar dauernd was modernisiert wird, aber in Wirklichkeit alles so bleibt wie es ist, wie üblich.

Dabei wäre das mal eine schöne Hausaufgabe für das Netz: wenn sich mal Millionen Betroffene übers Netz zu einem Mega-Flashmob verabreden würden und ihre GEZahlungen von einem Monat auf den anderen einstellen, wäre die Organisation von einem Monat auf den anderen erledigt. Denn so viele Verfahren, wie sie dann anstrengen müsste, könnte sie unmöglich bewältigen.

Zwangsabgaben sind jedenfalls kein akzeptables Instrument mehr in einer Medienlandschaft, in der es für Information, Aufklärung und politische Bildung längst keine feste Zuständigkeit mehr gibt. Und Volksmusikabende sollen sich gefälligst ein anderes, eigenes Geschäftsmodell suchen.

Während also die Ministerpräsidenten der Länder zwischen Geräteabgabe und Haushaltsabgabe schwanken, könnte die Tatsache, dass das Thema nun mal wieder in die Medien gekommen ist, vielleicht auch eine neue Diskussion im Diesseits auslösen.

viele Grüße
Stefan Münz

unfold GEZocke bald am Ende? by StefanMStefanM, 1256945870|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: GEZocke bald am Ende?
Dr.Hasenbein (guest) 1257710823|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Man zahlt ja in der Praxis oft nicht, ich habe jedenfalls nie gezahlt. Da ich weiss, dass auch andere nicht zahlen und dort auch gar nicht weiter kontrolliert wird. Kommt ein Kontrolleur, dann weist man ihn ab. In bestimmten Wohngegenden (also da, wo auch kein Müll sortiert wird) kommt auch keiner mehr.
Wofür soll man auch zahlen? Für ein indoktrinierendes mittelmässiges Informationsangebot?
Naah, ich nicht. Seit längerem sowieso nicht mehr, in einigen EU-Ländern (vermutlich auch anderswo, die GEZ-Medien sind im Ausland ja heilfroh, sich verbreiten zu dürfen) bekommt man GEZ-Fernsehen kostenlos auf den Teller - und schaut dennoch nicht hin.
Letztlich ist es ja eine Steuer, die nicht vollziehbar ist und auch so angelegt ist, dass nur die Dummen zahlen.
Die deutsche Wirtschaft hat man aber ganz gut rangekriegt über die PC-Gebühr, eine weitere Abgabe halt, ein weiterer Standortnachteil.
Im internationalen Vergleich gehts demzufolge auch weiter nach unten. Muss nicht schlecht sein, die Nettoempänger der EU freuen sich.
MFG, Dr.Hasenbein

unfold Re: GEZocke bald am Ende? by Dr.Hasenbein (guest), 1257710823|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: GEZocke bald am Ende?
StefanMStefanM 1257804169|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Dr. Hasenbein,

welcome back, aber welch profaner Name, gemessen am Himmel ;-)

Wofür soll man auch zahlen? Für ein indoktrinierendes mittelmässiges Informationsangebot?

Wenn es ein freiwilliges Bezahlmodell ist, kein Problem. So etwa Premium-Sender mit verschlüsseltem Programm. Soll ja angeblich auch ansatzweise mit Nicht-Sex-und-Nicht-Fußball-Inhalten funktionieren.

Meine persönliche Bindung an die Öffentlich-Rechtlichen sieht so aus, dass werktags morgens ARD/ZDF-Frühstücksfernsehen läuft. Da gucke ich dann immer mal wieder hin, so ähnlich wie in den fast ständig vorhandenen Browser-Tab mit Twitter. Mit dem Unterschied, dass ich im Fernsehen nichts beitragen kann. Missen möchte ich das Frühstücksfernsehen allerdings nicht. Irgendwie gehört das bei mir seit den frühen 90ern zum Tagesbeginn. Und mit dem Fernseher irgendwo im Raum kann ich immer noch besser mampfen als mit einem Laptop direkt zwischen Teller, Käse und Kaffee.

Aber ich käme niemals auf die Idee, in dem, was dort geboten wird, eine "Informationsgrundversorgung" zu erblicken. Gut, es gibt ja auch andere Sendungen. Die ganzen ambitionierten Sachen auf 3Sat, oder die sehr empfehlenswerten Nachrichten auf Kika. Doch das sind alles Minderheitenprogramme. Von "Informationsgrundversorgung" für die breite Masse kann da keine Rede sein.

Ich kann mich erinnern, als ich so vier, fünf Jahre alt war. Zu Besuch bei den Großeltern in Koblenz. Mein Opa hörte morgens immer Radio. Er interessierte sich zum Beispiel sehr für die Wasserstandsmeldungen von Rhein und Mosel. Kein Wunder. Die Großeltern wohnten in der Mayener Straße, ganz nah an der Mosel. Das war dann echte Informationsgrundversorgung. Heute nur noch vergleichbar mit Stau- oder Blitzermeldungen. Aber die gibts bei den Privaten auch. Und da gibt es sogar mutige Anti-Sender, die absichtlich keine Blitzermeldungen bringen, weil sie der Ansicht sind, dass jeder, der schneller fährt als erlaubt, eben damit rechnen muss, geblitzt zu werden. So was könnte man glatt "Bildung" nennen und Zwangsabgaben dafür verlangen. Oder etwa nicht?

Wie gut jedenfalles, dass ich auf nichts von alledem mehr angewiesen bin. Im Netz kann ich mich informieren, wann und wie tief ich will, kann News entsprechend meiner Interessen filtern. Es ist keine gemeinwesentliche Informations-Grundversorgung mehr, sondern eine hochgradig individualisierte Informationsversorgung. Gesellschaft besteht auf dieser Ebene nicht mehr darin, dass alle das Gleiche konsumieren und dann über zwei, drei mögliche Ansichten darüber streiten. Auf dieser Ebene besteht Gesellschaft darin, dass hochgradig individualisierte Wesen ad hoc und ohne dauerhafte Bindungsverpflichtungen Gemeinsamkeiten teilen. In eine solche Gesellschaft passt einfach kein Modell zu einer Informations-Grundversorgung mehr hinein.

viele Grüße
Stefan Münz

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