Hallo Dr. Hasenbein,
welcome back, aber welch profaner Name, gemessen am Himmel ;-)
Wofür soll man auch zahlen? Für ein indoktrinierendes mittelmässiges Informationsangebot?
Wenn es ein freiwilliges Bezahlmodell ist, kein Problem. So etwa Premium-Sender mit verschlüsseltem Programm. Soll ja angeblich auch ansatzweise mit Nicht-Sex-und-Nicht-Fußball-Inhalten funktionieren.
Meine persönliche Bindung an die Öffentlich-Rechtlichen sieht so aus, dass werktags morgens ARD/ZDF-Frühstücksfernsehen läuft. Da gucke ich dann immer mal wieder hin, so ähnlich wie in den fast ständig vorhandenen Browser-Tab mit Twitter. Mit dem Unterschied, dass ich im Fernsehen nichts beitragen kann. Missen möchte ich das Frühstücksfernsehen allerdings nicht. Irgendwie gehört das bei mir seit den frühen 90ern zum Tagesbeginn. Und mit dem Fernseher irgendwo im Raum kann ich immer noch besser mampfen als mit einem Laptop direkt zwischen Teller, Käse und Kaffee.
Aber ich käme niemals auf die Idee, in dem, was dort geboten wird, eine "Informationsgrundversorgung" zu erblicken. Gut, es gibt ja auch andere Sendungen. Die ganzen ambitionierten Sachen auf 3Sat, oder die sehr empfehlenswerten Nachrichten auf Kika. Doch das sind alles Minderheitenprogramme. Von "Informationsgrundversorgung" für die breite Masse kann da keine Rede sein.
Ich kann mich erinnern, als ich so vier, fünf Jahre alt war. Zu Besuch bei den Großeltern in Koblenz. Mein Opa hörte morgens immer Radio. Er interessierte sich zum Beispiel sehr für die Wasserstandsmeldungen von Rhein und Mosel. Kein Wunder. Die Großeltern wohnten in der Mayener Straße, ganz nah an der Mosel. Das war dann echte Informationsgrundversorgung. Heute nur noch vergleichbar mit Stau- oder Blitzermeldungen. Aber die gibts bei den Privaten auch. Und da gibt es sogar mutige Anti-Sender, die absichtlich keine Blitzermeldungen bringen, weil sie der Ansicht sind, dass jeder, der schneller fährt als erlaubt, eben damit rechnen muss, geblitzt zu werden. So was könnte man glatt "Bildung" nennen und Zwangsabgaben dafür verlangen. Oder etwa nicht?
Wie gut jedenfalles, dass ich auf nichts von alledem mehr angewiesen bin. Im Netz kann ich mich informieren, wann und wie tief ich will, kann News entsprechend meiner Interessen filtern. Es ist keine gemeinwesentliche Informations-Grundversorgung mehr, sondern eine hochgradig individualisierte Informationsversorgung. Gesellschaft besteht auf dieser Ebene nicht mehr darin, dass alle das Gleiche konsumieren und dann über zwei, drei mögliche Ansichten darüber streiten. Auf dieser Ebene besteht Gesellschaft darin, dass hochgradig individualisierte Wesen ad hoc und ohne dauerhafte Bindungsverpflichtungen Gemeinsamkeiten teilen. In eine solche Gesellschaft passt einfach kein Modell zu einer Informations-Grundversorgung mehr hinein.
viele Grüße
Stefan Münz