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This is the discussion related to the wiki page Die schwierige Kunst der Leichten Sprache.
Verständlich ist nicht immer leicht
ClaudiaBerlinClaudiaBerlin 1252408486|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Ich hatte immer schon den Anspruch, gut verständlich zu schreiben. Extrem verschachtelte Sätze, Fachwortgewitter, Bezüge auf Autoritäten, die "man" kennen muss etc. sind mir suspekt. Ich interpretiere sowas meist als Versuch, sich mangels beeindruckender Inhalte wenigstens in der Form deutlich über die ungebildete Masse zu erheben.

Das heißt aber nicht, dass dem Leser keinerlei Anstrengung abverlangt werden darf. Die Aufmerksamkeitsspanne sollte durchaus einen langen Satz bewältigen können - auch einen, der nicht mit dem Subjekt beginnt. "Leichte Sprache" ist genauso anstrengend zu schreiben und genauso öde zu lesen wie gängiges Marketing-Blabla. Ich denke nicht im Traum daran, meine Ausdrucksfähigkeit so zu verstümmeln, wie es diejenigen propagieren, die alle Welt mit Texten fürs Niveau geistiger Behinderung beglücken wollen.

Wie überall gilt: die Sprache ist der jeweiligen Zielgruppe anzupassen, wenn man ihr etwas vermitteln oder verkaufen will, bzw. Offizielles zu verlautbaren hat. Und natürlich sind alle Ämter und Behörden, Firmen und Institutionen in der Pflicht, ihre Anträge, Formulare und andere Text-Monster möglichst in VERSTÄNDLICHER SPRACHE heraus zu geben - da ist noch eine Menge zu tun.

Aber solange ich "einfach so" schreibe, entstehen Texte, wie sie eben kommen: ich schreibe nur mit, was der "innere Schreiber" mir vorflüstert - und am besten wird es, wenn möglichst wenig Scheren und Zensoren im Kopf daran herum docktern. Da werde ich den Teufel tun und die Sprache weiter mutwillig nach unten nivellieren, wohin der allgemeine Ausdruck ja sowieso tendiert: Scannen statt lesen, kurze Sätze, Listen statt Absätze, damit das Auge sich in der Buchstabenwüste nicht so langweilt - und immer wieder eine unterhaltsame Zwischenüberschrift, klar!

Nolens volens passt man sich im Web tendenziell dieser Schlicht-Schreibe an, packt auch noch klare Keywords in die Überschrift, da das Gefunden-werden wichtiger ist als eine Headline, die neugierig macht. Im ersten Satz dann am besten gleich zum Punkt kommen, denn wer weiß schon, ob der Leser noch einen zweiten verkraftet?? Ist ja so anstrengend, sind so viele Wörter..

Na, du merkst, ich könnt' mich da aufregen - lass es aber bleiben und schreibe weiter, wie es kommt. Auch mal richtig lange Sätze! Schließlich will ich durchaus Leser anziehen, die zu solch vertieften Geistesleistungen noch fähig, willens und in der Lage sind - es könnten Freunde werden! :-)

unfold Verständlich ist nicht immer leicht by ClaudiaBerlinClaudiaBerlin, 1252408486|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Verständlich ist nicht immer leicht
StefanMStefanM 1252411518|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Claudia,

schön, dass du die Diskussion mal hierhin verlagerst. Die anderen 9 Reaktionen auf den Blog-Eintrag stehen leider in Facebook. Aber vielleicht ist das ja kein Zufall: Die Miniatur-Böxchen, in denen Kommentare in Facebook stehen, sind kaum geeignet, um mehr als zwei Leichtsprechsätze aufzunehmen. Alles Weitere wird bereits mit einem [mehr]-Link ausgeblendet. Da wird man also schon von der Plattform genötigt, sich kurz zu fassen. Insofern folgt Facebook genau dem Trend, den du anprangerst.

Meine These im obigen Beitrag ist ja: Verständlichkeit ist eine Frage der lauteren Absichten beim Schreiben. Leichte Sprache ist dagegen eine Frage von Technik, also etwas, dessen Beherrschung man erlernen und bewusst anwenden muss. Ein verständlicher Text kann dem Leser durchaus abverlangen, genau zu lesen, um den Inhalt wirklich zu erfassen. Deshalb hat es m.E auch keinen Sinn, Regeln für verständliche Texte aufzustellen. Anders bei Leichter Sprache: dort kann ein explizites Regelwerk dafür sorgen, dass Leichte Sprache als solche messbar (im Idealfall sogar computertechnisch validierbar) wird. Das können sich dann alle Dokumente anstelle oder zusätzlich zum valid-(X)HTML-Sticker aufkleben.

Die Notwendigkeit für Dokumente in Leichter Sprache sehe ich sehr wohl. Allerdings wäre es lächerlich zu fordern, dass alles nur noch in Leichter Sprache geschrieben werden soll. Wir lesen ja auch an schicken Flatscreens und nicht mit Braille-Zeilen, nur aus Solidarität mit den Blinden. Ich denke, es ist schon viel erreicht, wenn z.B. jeder Website-Anbieter sich mal Gedanken macht, ob es eigene Inhalte gibt, die man zusätzlich und separat in Leichter Sprache anbieten kann. Bei vielen Websites könnte das beispielsweise einfach eine Zusammenfassung der Inhalte und Thesen sein, die dort zu finden sind. Noch besser wäre es, wenn es dafür auch HTML-Markup gäbe (hallo HTML5-WG - mitnotiert? *g*), was es Betroffenen letztlich erleichtern würde, in semantischen Suchmaschinen gezielt nach Inhalten in Leichter Sprache zu suchen.

viele Grüße
Stefan Münz

unfold Re: Verständlich ist nicht immer leicht by StefanMStefanM, 1252411518|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Verständlich ist nicht immer leicht
ClaudiaBerlinClaudiaBerlin 1252438641|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hi Stefan,

dein Verweis auf die leider auf Facebook einlaufenden Kommentare erinnert mich daran, dass mir erst vor wenigen Tagen die "einfache Sprache" eingefallen ist, als ich nämlich mit einer Überschrift für einen Blog-Artikel liebäugelte, der da laute sollte "warum Facebook böse ist". :-)

Vielleicht schreib' ich ihn ja noch, mich nervt es auch ein wenig, dass ich zu meinen Tweets und Diary-Artikeln dort Kommentare bekomme: von recht lieben Menschen, die ich ungern enttäusche. Trotzdem nervt es, auch noch dort in die Minifensterchen schreiben zu sollen - meist verführt das Format ja eher zu Stimmfühlungslauten als zu ernsthaftem Austausch.

"Böse" ist Facebook, weil es nur nimmt und nicht gibt: die dortigen Inhalte stehen NICHT als anderswo einspeisbarer RSS-Feed zur Verfügung. Sie wollen kein Mega-Knoten im Netz sein, sondern das Zentrum - und das ist im Sinne einer multipolaren Netzstruktur, wie wir sie kennen und schätzen, "böse".

unfold Re: Verständlich ist nicht immer leicht by ClaudiaBerlinClaudiaBerlin, 1252438641|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Verständlich ist nicht immer leicht
StefanMStefanM 1252440243|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Claudia,

von mir schärfste Bitte, den Artikel vom bösen Facebook zu schreiben! Genau das ist es nämlich. Facebook ist closed, nicht open. Im Gegensatz zu Twitter und anderen Services. Kein RSS-Feed für draußen, nichts. Sie feiern ja schon, dass man sein Beiträge nun als öffentlich deklarieren kann. Aber vielleicht sollte ich auch einfach nur aufhören, dort meine Blogbeiträge zu posten. Facebook ist vielleicht wirklich nur für den Social-Talk zwischendurch.

viele Grüße
Stefan Münz

unfold Re: Verständlich ist nicht immer leicht by StefanMStefanM, 1252440243|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Verständlichkeit von Texten
west47 (guest) 1252409694|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Es gibt das klassische Hamburger Verständlichkeitsmodell von Reinhard Tausch, Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun, das im Rahmen eines Forschungsprojekts "Textverständlichkeit" in den siebziger Jahren entstanden ist und auf die Analyse und Verbesserung von Texten abzielte. Es gibt dabei vier Merkmale eines Textes, die man berücksichtigen muss:

  • Einfachheit
  • Gliederung - Ordnung
  • Kürze - Prägnanz
  • Anregende Zusätze
unfold Verständlichkeit von Texten by west47 (guest), 1252409694|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Chräcker (guest) 1252413596|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Oh Hilfe. Das kann ich nicht. Kurze Sätze? Da fehlt mir meistens die Zeit. Ich kann nur lange Sätze. Gerne mit vielen Kommas. Noch lieber mit Wortschöpfungen. Und am liebsten mit Klammerteilen. Oder "am aller allerliebsten". Wir Rheinländer dürfen ja alles steigern.

Dafür versuche ich anderes. Ich vergleiche komplizierte Dinge gerne mit Alltagsdingen. Oder Alltagssituationen. Immerhin.

Puh ist das anstrengend. Ich werde doch wieder komplizierter schreiben. Aber: in meinem Stadtteil versuche ich schon, einfacher zu sprechen. Immerhin! Nur in der Schrift will mir das nicht gelingen. obwohl manche sagen werden: im Stadtteil auch nicht. Wenn die wüßten.

Gleichwohl: wirklich spannendes Thema. Wir sitzen alle recht hoch. Und wähnen uns dabei sogar noch höher sitzend, als wir es in Wirklichkeit tun. Schreibt man tun? Egal. Ich schreibe "tun".

Jetzt habe ich immerhin eines wie immer gemacht: viel geschrieben.

Ach ja: gerne fordere ich in Fachforen: erklär es doch mal so, daß mein Sohn (7 Jahre) es versteht.

unfold by Chräcker (guest), 1252413596|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Leichte und leichtere Sprache
Kerstin (guest) 1252480268|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Schön, dass Du das Thema Leichte Sprache aufgreifst. Ich denke, dass wesentlich mehr in Leichte Sprache übersetzt werden kann, als man so denkt. Gute Beispiele sind die Übersetzungen verschiedener Dossiers bei 1000fragen.de. Übersetzt wurden dort unter anderem die Informationsmaterialien zu Bioethik und Pränatale Diagnostik.

@Claudia
Ich kenne niemanden, der verlangt, dass alle Texte grundsätzlich in Leichter Sprache geschrieben sein sollen. Die Forderungen nach Leichter Sprache richten sich vor allem an den Gesetzgeber. Es geht also vor allem um Gesetzestexte, Verordnungen, Schreiben von Ämtern, Verträge…Diese Texte sollten _auch_ in Leichter Sprache zur Verfügung stehen und nicht statt.

Es gibt außerdem einen Unterschied zwischen leichterer Sprache und Leichter Sprache. Leichtere Sprache geht in Richtung allgemeine Verständlichkeit. Texte in Leichter Sprache sind an Menschen mit Lernschwierigkeiten gerichtet und sind spezielle Texttypen.

unfold Leichte und leichtere Sprache by Kerstin (guest), 1252480268|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
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