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This is the discussion related to the wiki page Die Einseitigkeit des Realtime-Web.
Chräcker (guest) 1251191795|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Bei diesem minutenaktuellem Netzoutput der "Gemeinde" kommt ja noch ein weiteres Phänomen dazu. Man beschäftigt sich fast ausschließlich mit sich selbst. Hinweise auf Meinungen aussenstehender werden gerade noch zur Abgrenzung der eigenen Innenräume heran gelassen, gerne Schnekleklopferisch… aber letztendlich dreht es sich immer nur um das Netz selbst. Da möchte man fast sagen: logisch: woanders sind die Leute ja auch kaum noch. (Von Ausnahmen immer immer immer abgesehen.)

Da will ich eitler Tropf mich mal selbst zitieren.

"ich sitze vor einem Fenster, das wegen dem Monitor meistens abgedunkelt ist. Hinter mir, auf der anderen Seite des Raumes, befindet sich ein Fenster und eine Tür zum Garten. Ich glaube, die meisten von uns sollten öfter mal den Computer ausmachen und sich einfach mal umdrehen. "

Gilt freilich auch ausdrücklich alles für mich selbst!

PS. von meinem Vorurteil, daß das gleichzeitige Nutzen von zwei chatfenstern, TV-Streamfenster, Arbeitsfenster und Nebenbeispielfenster auch eine gewisse Beliebigkeit sich einschleicht, will ich auch nicht lassen. Jeden Kneipentischgesprächspartner, der beim quatschen gleichzeitig sms-e laufend verschickt, würde ich ja auch beleidigt sitzen lassen…. aber vielleicht bin ich auch nur alt. Oder gerade? ;-)

unfold by Chräcker (guest), 1251191795|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re:
Chräcker (guest) 1251197791|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

PS. Huch, das soll natürlich Schenkelklopferich lauten und weiter unten "nebebeiSpielFenster"

unfold Re: by Chräcker (guest), 1251197791|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re:
StefanMStefanM 1251310440|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Chräcker,

Hinweise auf Meinungen aussenstehender werden gerade noch zur Abgrenzung der eigenen Innenräume heran gelassen

Naja, genaugenommen ist das ja die Regel, dass man das Andere zur Grenzbestimmung des Eigenen nutzt und nicht als Wert an sich. Aber es ist eben nur dann die Regel, wenn das Denken im Ich verhaftet ist (was aber leider meistens der Fall ist). Schafft es das Denken dagegen, sich aus dem Wunsch- und Willensapparat "Ich" herauszuwinden, wird es frei für das Andere, das dann gar nicht mehr als "das Andere" erlebt wird. OK, aber das sind bekannte Philosophenhüte, die andere schon viel besser herausgearbeitet haben. Richtig finde ich jedenfalls deine Beobachtung, dass das schnelle Echtzeit-Publizieren, wenn es erst mal zum Dauerstress wird, der Ego-Motivierung folgt. Nicht zufällig mag ich den Begriff Statusphäre. Status ist mehr als nur eine Zustandsmeldung. Status ist auch das, was im Wort Statussymbol das Narzistische ist. "Schaut her, das beschäftigt mich jetzt gerade!" — mit dem Unterton: "hey, das bin ich!" Der Grund sind die Abonnenten, die Follower. Man statuiert ja nicht ins Blaue hinein, sondern man bedient seine Getreuen mit frischer Ich-Ware. Und das verleitet in höchstem Maße …

viele Grüße
Stefan Münz

last edited on 1251310619|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover by StefanM + show more
unfold Re: by StefanMStefanM, 1251310440|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Peter Müller (guest) 1251215133|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

"Thank you very many…" wie die Leningrad Cowboys zu sagen pflegten. Du sprichst mir aus der Seele. "Konzentration" ist die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf ein Thema, und das scheint mir bei aller Aktualität manchmal ein bisschen auf der Strecke zu bleiben. Siehe z. B. "Die Sache mir der Aufmerksamkeit".

Ich mag "asynchron". Ob das wirklich nur an unserem Alter liegt?

unfold by Peter Müller (guest), 1251215133|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re:
StefanMStefanM 1251313743|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Peter,

klasse Link ("Die Sache mit der Aufmerksamkeit")!

viele Grüße
Stefan Münz

unfold Re: by StefanMStefanM, 1251313743|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Du spricht mir aus der Seele!
Claudia (guest) 1251319663|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Und du findest sogar noch die Muße, die innere Sammlung, die einen solchen Artikel gebiert - Glückwunsch!

Ich fühl mich wahrlich nicht als "Nerd" und verweigere mich immer schon hartnäckig den kleinen Fensterchen mit irgendwelchen Meldungen als Dauereinrichtung auf meinem PC. Mein Mitmachen ist noch immer bewusstes EINTAUCHEN in diese Streams, was mir am besten gelingt, wenn ich eigendynamisch eine Website ansurfe: das Twitter-Home ist quasi ein Ort in der Ortlosigkeit - und ich hasse es, wenn diese "Orts-Anmutung" verschwinden will!

Dennoch: deinen Artikel hatte ich noch nicht zur Hälfte gelesen, da hatte ich Titel und Link schon zusammen mit einem Zitat an MENTO geschickt. Und wenig später lese ich deine Worte von den "drehenden Tellern" auf Twitter, Facebook, FriendFeed und Posterous, die man am rotieren halten muss…

…na aber hallo, Posteros kannte ich ja noch gar nicht! Offenbar gehöre ich nicht zu den gut Informierten in Sache Echtzeitweb/neue Dienste. Klick - und schon bin ich weg auf einer kleinen Erkundungstour bei Posterous: immerhin, die haben glatt noch das nervige "Anlegen eines Accounts" eingespart .. ich staune.. na super, sogar richtig zukunftsweisend!!

Ach ja, wo war ich noch grad? Webkompetenz, Stefan schrieb zum Problem, die Teller am Kreisen zu halten… alles klar! Da schau' ich doch gleich mal auf meine Friendfeed-Seite, ob der Link schon angekommen ist. Mittlerweile hab' ich sogar noch ein besseres Zitat im Artikel gefunden, wenn ich wollte, könnte ich MENTO updaten. Dafür nutze ich so ein Browser-Plugin, denn wenn ein Fenster NUR auf mein Kommando aufpringt (und nicht DAUERND da ist!), bin ich gar nicht soooo abgeneigt, sowas zu nutzen. :-)

Nö, noch kein Eintrag! Friendfeed BREMST das Echtzeit-Web, das ist mir schon öfter aufgefallen. Vermutlich haben sie nicht genug Geld/Finanzierung, sich mehr Hardware zu leisten, damit das flotter geht. (Und wenn etwas wirklich groß wird, kann irgendwann nur noch Google sagen "Yes, we can!" …abschweif….)

Da das reale Leben - im Moment durch das Tippen fleischlicher Finger auf der Tatstatur repräsentiert - immer ein wenig langsam ist, ist mittlerweile genug Zeit vergangen: Friendfeed hat upgedatet und sogar gleich an Twitter weiter gemeldet. Allerdings lese ich in beiden Fällen eine unvollständige URL: http://webkompetenz.wikidot.com/blog anstatt http://webkompetenz.wikidot.com/blog:47
- Mist!

Ich lasse es mal stehen, werde eh' noch SELBST etwas dazu twittern - mir reicht schon völlig, wie ich mich grade eben noch in Fehlfunktionen von Wikidot verhedderte. Denn eigentlich bin ich ja Mitglied, kann einloggen und bequemer kommentieren, was ich auch gleich in die Tat umsetzen wollte. Leider war das gespeicherte Passwort falsch, hab' mir vermutlich das Neueste nicht notiert. Also gut "Passwort vergessen" geklickt, Mailadresse eingegeben und verblüfft die Meldung gelesen:

"The email can not be sent to this address."

Huch, was habe ich verbrochen? Es ist ganz bestimmt die richtige Mailadresse, richtig geschrieben! Zuerst sucht die wohlerzogene Userin die Schuld bei sich selbst und es dauerte einige Versuche, bis ich mich auf die Suche nach einem "Kontakt" begab, um nachzufragen, warum das System meine Adresse nicht mehr kennt. Auf der Wikidot-Startseite erfuhr ich immerhin, dass es aktuelle Wikidot-Service Problems gibt. Welch eine Erleichterung.. nun ja, dann wird eben als "Fremde" kommentiert, ich kann ja meinen Namen angeben!

Den Namen ja - aber verdammt nochmal nicht die Website!!! Weder gelingt es, die vollständige URL des Digital Diary einzugeben, noch die URL des Webwriting-Magazins. Ärgerlich - aber egal, ich lass mich jetzt nicht weiter ablenken!!!

Tja - was wollte ich eigentlich sagen? Da muss ich doch glatt nochmal auf den Artikel schauen, denn es ist ja schon jede Menge bis an den Rand gefüllte Echtzeit verstrichen, seit ich den Text (schließlich doch) zu Ende gelesen hatte. Und es fällt mir sogar wieder ein, denn ich hab' noch ein Antik-Hirn, das in der Gutenberggalaxis mit ihren dicken Wälzern (Wahnsinn!!!) sozialisiert wurde. Das prägt.

Alsdenn: wenn wir so weiter machen, schaffen wir es noch, so Echtzeit-vernetzt zu sein, dass wir endlich mit dem Entwicklungsstand der Ameisen konkurrieren können. Die machen das zwar mittels anderer Techniken, doch weiß jede stets, was jetzt zu tun ist inmitten der riesigen, unübersichtlichen, vieldimensionalen Ameisenwelt.

Und zwar ganz OHNE Denken zwischen Input und Output. Ist das nicht toll ???

unfold Du spricht mir aus der Seele! by Claudia (guest), 1251319663|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Du spricht mir aus der Seele!
Chräcker (guest) 1251354064|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Ich habe schmunzelt versucht, Deinen "lese-Verarbeitungsgang" mit zu verfolgen, nun ist mir arg schwindelig und ich merke: hui, bin ich draussen. (Nein nein, keine Angst, mein Ego ist immer noch so groß, daß ich in Wirklichkeit denke: bin ich normal *zwinker*)

Ich fange einen Artikel an zu lesen, und höre, wenn er mich fesselt, unten auf. Danach nehme ich die Verarbeitung, die ich ja schon beim lesen angefangen habe, und die Verarbeitung, die ich bei "bestimmte Stellen noch mal lesen" dazu nehme und die Verarbeitung, die ich beim schlendern zur Senseo-Maschine leiste, zusammen und überlege, ob ich nicht dazu etwas beisteuern will (ich hüpf ja gerne auf Bühnen) oder gar jemanden von erzählen könnte. Meistens einen Menschen, den ich, auch Stunden später, sehe.

Nicht selten filtern diese Stunden dann die Menge an "das-muß-ich-Dir-erzählen" auf eine weit geringere Menge runter, der Rest ist Kommunikativ erst mal weg.

Restextrakte des aufgenommenen werden dann im Hirn gelagert und pappen dann in Meinungsbildungen zu anderen verwandten Themen wieder mit an.

Ich rotiere und verteile also weit weniger. Deswegen schaue ich wahrscheinlich immer noch staunend (freilich etwas heimlich abgrenzend herab, verrate ich aber niemanden) auf die Aufmerksamkeitserschaffungsmaschinen im Netz, die mir manchmal wie Schneeballsystemkanonen vorkommen. Blöd nur, wenn man Schnee, wie ich, zuweilen ja auch mag. ;-)

unfold Re: Du spricht mir aus der Seele! by Chräcker (guest), 1251354064|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Digitale Gemütlichkeit
recipient (guest) 1251718865|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hm, wieso muss ich gerade an Stefan Karzauninkats gemütliche Laube denken, der Mutter aller sozialen Netzwerke? Facebook? Pah! Damals wog man die Bits noch einzeln per Hand ab, jawohl!

Mindestens einen Vorteil hatte es tatsächlich: Man überlegte sich gut, was man schrieb und hatte viel Zeit, Gelesenes zu überdenken, bevor man sich dazu äußerte. Kurzum: Es wurde weniger geschrieben, aber mehr gesagt.

Aber vielleicht bin ich auch nur ein alter Sack, dem rieselnder Kalk den Blick auf die Vergangenheit verklärt. ;-)

unfold Digitale Gemütlichkeit by recipient (guest), 1251718865|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
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