Hallo Swen,
Warum sollen wir überhaupt weiterhin Parteien wählen? Ich bin für eine Weiterentwicklung des Wahlaktes hin zu Delegated voting.
Das sind ja lauter tolle neue Begriffe, die ich noch gar nicht kannte! Zum Verständnis vielleicht mal die Grafik aus dem WP-Artikel:
Ich verstehe das so: Rechts der blauen, gestrichelten Linie sind Personen, die ein Problem so oder so lösen wollen, z.B. das Problem "Kinderpornografie im Internet" oder das Problem "Steinkohlesubvention". Diese Personen können Hinz und Kunz sein. Wer am meisten Stimmen erhält, darf seine Lösung durchsetzen. Jede Person rechts der Linie hat ebenso wie jede andere Person eine Stimme, d.h. überall, wo keine Zahl drunter steht, muss man sich einfach eine 1 denken. Dann ist das Prinzip leicht zu verstehen. Was links der gestrichelten Linie passiert, könnten Networking-Prozesse sein. Personen "rotten sich zusammen" und wählen einen Repräsentanten, der soundsoviele Stimmen repräsentiert. So entstehen aus kleinen Zellen immer größere Zellklumpen an Wählern einer bestimmten Lösung.
Man könnte sagen, es handelt sich um einen Volksentscheid, jedoch nicht in der Form, dass dieser zentral organisiert an einem bestimmten Wahltag abgehalten wird. Stattdessen könnte man sich vorstellen, dass es für die Entscheidungsfindung eine zeitliche Frist von z.B. zwei Monaten gibt. In dieser Zeit kann das Thema im Netz diskutiert werden. Zunächst kann sich jeder der eine Lösung für das gestellte Problem hat auf die rechte Seite der blauen gestrichelten Linie aufstellen. Über die üblichen Netzkanäle kann er andere davon informieren. Wer einer Lösung zustimmt, kann das einzeln und direkt tun. Erfolgversprechender ist es jedoch, nicht einfach nur selber zuzustimmen, sondern in der eigenen Netzumgebung andere Leute zu suchen, die ebenfalls der gleichen Lösung zustimmen und sich von denen als Gruppenrepräsentanten wählen zu lassen (Zellklumpenbildung).
Belohnt werden bei diesem Verfahren also folgende Eigenschaften:
- Eigeninitiative
- Networking
- Zivilcourage
So weit klingt das alles ganz prima. Die Frage ist nur, wie das in einer Realität funktionieren würde, in der Lobbyisten ihre Interessen um jeden Preis wahren oder durchsetzen wollen, und in der es nur so von Menschen wimmelt, die immerzu feste Hierarchien suchen und deshalb mit situationsabhängigen Repräsentanten nichts anfangen können.
Auf jeden Fall lässt es tief blicken, dass es bislang überhaupt nur die englischen Ausdrücke für all das gibt. Trotzdem kann man schon vereinzelt auf deutschsprachige Auseinandersetzungen mit dem Thema stoßen, z.B.:
Danke jedenfalls für diese neuen Denkanstöße, Swen!
viele Grüße
Stefan Münz