Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
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Werden wir in 50 Jahren alle Englisch als Amtssprache haben, weil alles andere ineffizient geworden ist?
Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
StefanMStefanM 1244378573|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo,

Dies ist eine neue Serie im Forum. Ich nenne sie Threads reloaded. Darin möchte ich einige meiner früheren Gedanken aus den Tiefen des SELFHTML-Forumsarchivs herauskramen und noch mal neu in den Raum stellen. Jedesmal mit einem kleinen, vorangestellten Intro wie diesem hier. Der erste Thread reloaded wurde im Original am 12.05.2000 gepostet. Die damalige Diskussion kann im SELFHTML-Forumsarchiv nachgelesen werden. Für diesen Blogeintrag wurde das Thread-Ausgangsposting an ein, zwei Stellen leicht geändert (zum Zweck einer klareren Gedankenführung).


Wir befinden uns in einem weltweiten Medium, das zweifellos dabei ist, unsere Erde schneller umzukrempeln als alle technischen Erfindungen vor ihm. Die Überbrückung von Distanzen schrumpft auf den Augenblick zusammen, den es dauert, auf die Maustaste zu klicken. Dadurch kommt sich vieles nahe und durcheinander, was ehemals sauber oder zumindest viel klarer voneinander getrennt war. Menschen, ihre Lebensweisen, Ansichten und Vorstellungen, aber auch ihre Sprachen.

Es gibt eine interessante neue Portalseite fuer Links zu allem, was mit Wörterbüchern, Lexika, automatischen Übersetzungen und linguistischen Spezialanwendungen für bestimmte Sprachen zu tun hat: yourdictionary.com. Wenn man von dort aus auf Entdeckungsreise geht, kann man staunend erleben, wie viele Wörterbuecher es gibt im Netz, die meisten davon mittlerweile durchsuchbar.

Wir haben viele Sprachen auf der Welt. Diese unterschiedlichen Sprachen konnten entstehen, weil Völker, Stämme, Klans usw. ohne oder nur mit sehr wenig Kontakt zu anderen Menschen ihre Kultur und ihren Alltag über Generationen hinweg entwickeln konnten. Es gibt ja unter Linguisten die Theorie, dass alle Sprachen ursprünglich von einer Sprache abstammen. Aber durch vergleichende Sprachwissenschaft ist das wohl kaum beweisbar. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Sprachen, auch wenn es viele Gruppen und Familien gibt.

Noch spannender als die Frage, ob es irgendwann in den Frühzeiten des homo sapiens eine Einheitssprache gab, finde ich allerdings die Frage, ob die Menschheit auf eine solche Einheitssprache wieder zusteuert, und ob ein Medium wie das Internet diese Tendenz begünstigt.

Beobachtbar ist zumindest, dass das Englische sich immer weiter von den übrigen "Weltsprachen" Französisch, Spanisch und Portugiesisch abhebt. Chinesisch hat zwar möglicherweise die meisten Sprecher, aber es hat deshalb trotzdem keine Bedeutung als Weltsprache, denn eine Weltsprache ist eine Sprache, die als Verständigungssprache von ganz unterschiedlichen Muttersprachlern genutzt wird. Immer mehr Menschen aber, die unterschiedliche Muttersprachen sprechen und miteinander zu tun bekommen, sei es beruflich, auf Reisen, oder eben durch das Internet, einigen sich letztendlich auf Englisch als Verständigungssprache. Auch die Häufigkeit, mit der ein Normaldeutscher etwa mit dem Englischen konfrontiert wird, dürfte sich im Laufe der letzten dreißig Jahre vervielfacht haben. War die Ausbildung von Weltsprachen bis vor wenigen Jahrzehnten noch durch die europäische Kolonialisierung der übrigen Kontinente gesteuert, so werden heute zunehmend die Einflüsse des global Business, aber auch der internationalen Wissenschaft und Technik maßgeblich. Und auf all diesen Ebenen hat sich Englisch längst durchgesetzt.

Meine Fragen, die ich nach diesen Bemerkungen mal zur Diskussion in den Raum werfen will, sind folgende:

Wird Englisch den Planeten erobern und andere Sprachen in den Rang von Lokal- und Zweitsprachen zurückdrängen? Ist es z.B. vorstellbar, dass Englisch in 50 Jahren weltweit in fast allen Ländern als Amtssprache eingeführt sein wird, während die herkömmlichen Sprachen dieser Länder etwa auf die Bedeutung zurücksinken, die bei uns die Dialekte haben (liebevoll gepflegt, aber nicht wirklich wichtig)?

Ist es wünschenswert, dass eine Sprache alle anderen verdrängt? Ist damit nicht auch eine Verarmung des Sagbaren verbunden? Wird eine Sprache, die nur zwei, drei Wortvarianten fuer "Schnee" kennt, in einem arktischen Land nicht für schreckliche Sprachverarmung sorgen? Oder geht das gar nicht? Könnte es nicht vielmehr so kommen, dass sich zwar eine Sprache durchsetzt, diese aber lokal extrem "koloriert" wird, so dass Sprachvarianten entstehen, die doch schon fast wieder eigene Sprachen sind?

Und welche Rolle spielt eigentlich der Einfluss der geschriebenen Sprache? Durch das Internet ist der Anteil schriftlicher Kommunikation zwischen Menschen extrem angestiegen. Neue, sprachrelevante Bausteine wie Smileys und Emoticons sind die sichtbaren Folgen. Könnte es sein, dass die Menschen auch dahin steuern, immer weniger miteinander zu reden und sich immer mehr zu schreiben? Mit den damit verbundenen sprachlichen Folgen wie mehr Symbolzeichen, Abkürzungen, formalen Elementen? So dass am Ende die Leute mehr XML reden als Englisch?

Wie stark verändert das Internet die Sprachenwelt? Nicht mehr als die alte Welt der Zeitungen und Fernsehsender? Oder mehr? Einerseits sind Informationen aller nur erdenklichen Sprachen im Web viel näher als in jedem anderen Medium. Andererseits wächst im Netz aus eben dieser Nähe heraus das Bedürfnis nach Verständigung über Sprachgrenzen hinweg. Was wird die elektronische Nähe bewirken: mehr Interessen für andere Sprachen und Sprachenvielfalt, oder Sprachvereinheitlichung in Richtung Esperanto-Englisch?

viele Grüße
Stefan Münz

unfold Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by StefanMStefanM, 1244378573|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
toschotoscho 1244382273|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Ich glaube, das Internet ist noch ein bißchen zu jung, als daß man hierüber schon eine Prognose abgeben könnte.

Ein Nebeneinander von Welt- und Muttersprachen hat es schon immer gegeben: Im alten Rom sprach die Oberschicht Griechisch, im Mittelalter und in der Frühaufklärung Latein, später Französisch. Eine echte Verdrängung ist nie passiert, obwohl diese Beispiele viel, viel länger wirkten als bisher das Internet.

Neu ist an unserer Situation ist vielleicht die systeminterne Selbstverstärkung der Präferenz zum Englischen: Fast alle künstlichen Sprachen, mit denen das Internet »gebaut« wird, setzen zumindest rudimentäre Englischkenntnisse voraus, und trotz »Web 2.0« sind Produktion und Publikation noch deutlich stärker aneinander gebunden als zu früheren Zeiten.

Im 18. Jahrhundert mußte man kein Französisch können, um ein Buch zu drucken. Wer mal einen Raubdruck der Encyclopédie in die Hand bekommt, sieht, was ich meine.

Aber wer heute kein Englisch versteht, stößt sehr bald seine Grenzen, wenn er die spezifischen Möglichkeiten des Internets ausreizen will. Das beginnt schon mit den Begriffen (Chat, Newsfeed, URL); bei Anleitungen, Fehlermeldungen und Software-Oberflächen hat man oft gar keine Wahl mehr.

Hinzu kommt ein »physikalischer« Druck: Wenn wir Texte speichern, dann verwenden wir mehr und mehr eine Zeichenkodierung, die sich am Unicode-Standard orientiert: UTF-8 oder UTF-16. Und Unicode bevorzugt das Englische; dessen Zeichen stehen ganz vorne. In UTF-8 ist ein kyrillisches Zeichen doppelt so groß wie ein englisches, eines aus einer afrikanischen Sprache (wenn es denn überhaupt schon aufgenommen wurde) manchmal sogar drei- oder viermal so groß. Da braucht man also für einen Text die vielfache Speichermenge.

Das wird auf die hier gefragte Entwicklung keinen großen Einfluß nehmen; aber ich sehe es durchaus als Symptom eines Anglozentrismus’, der viel tiefer geht als geschriebener oder gesprochener Text. Und gerade beim letztgenannten Beispiel sehe ich keinen Weg, wieder ein völlig gleichberechtigtes Nebeneinander mehrerer Sprachen zu erwirken.

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by toschotoscho, 1244382273|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
Sky D (guest) 1244387888|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Lese ich da die Behauptung heraus, das die Kodierung Unicode diskriminiert? :)
Beste Grüße!
Sky

PS: BTW, ich habe in meinem anderen Kommentar kurz die Zentralismusgläubigkeit bzw. den Internationalismus einiger referenziert, hier lese ich den Gegenpart heraus: "gleichberechtigtes Nebeneinander mehrerer Sprachen". Das wäre natürlich erst recht nicht erstrebenswert.

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by Sky D (guest), 1244387888|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
toschotoscho 1244388265|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Lese ich da die Behauptung heraus, das die Kodierung Unicode diskriminiert? :)

Ja.

"gleichberechtigtes Nebeneinander mehrerer Sprachen". Das wäre natürlich erst recht nicht erstrebenswert.

Warum nicht? In vielen Ländern funktioniert das doch.

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by toschotoscho, 1244388265|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
Sky D (guest) 1244389863|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

M.E. die falschen Kategorien, wenn es um Technisches geht, Sprache ist Technik.
Zwischen Unicode und UTF ist zudem noch zu unterscheiden, aber lassen wir das…
Ich kann das Wort "Diskriminierung" ehrlich gesagt nicht mehr hören, irgendwie haben die Soziologen so den Fuß in die Politik bekommen und generieren seitdem Ungemach.
Ein durchreglementiertes "diskriminierungsfreies" [1] Internet wäre das Letzte, das ich wünsche. Aber zu so etwas wird es - trotz aller Bemühungen entsprechend aufgestellter Kräfte (gerade auch deutscher Kräfte, LOL) - nicht kommen.

[1] Diskriminierungsverbote generieren zwingend Diskriminierung, eine der vielen Pointen beim Soziologendeutsch.

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by Sky D (guest), 1244389863|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
StefanMStefanM 1244402357|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Toscho,

Ein Nebeneinander von Welt- und Muttersprachen hat es schon immer gegeben: Im alten Rom sprach die Oberschicht Griechisch, im Mittelalter und in der Frühaufklärung Latein, später Französisch. Eine echte Verdrängung ist nie passiert, obwohl diese Beispiele viel, viel länger wirkten als bisher das Internet.

Das waren aber in der Regel Gesellschaften, in denen die Verwendung bestimmter Sprachen an Stände oder Gesellschaftsschichten gebunden waren. Ich würde, um die gegenwärtigen Entwicklungen zu vergleichen, eher mal die Ex-Kolonialstaaten in Afrika anführen. Dort hat sich in einigen Fällen die Kolonialsprache, z.B. Französisch, als Amtssprache gehalten, auch wenn die gesprochene Sprache eine andere ist. Die aufgezwungene Kolonialsprache hat sich also als offizielle Verkehrssprache so zweckmäßig erwiesen, dass man sie nicht mehr missen wollte.

Nun werden wir zwar nicht kolonialisiert (auch wenn einige "Anti-Imperialisten", die sich heute meist als radikale Globalisierungsgegner definieren, das anders sehen), aber wir haben es zweifellos mit einem zunehmenden "Sprachdruck" seitens des Englischen zu tun. Es ist tatsächlich so, dass Leute, die kein Englisch können, immer schneller Probleme bekommen. Aber selbst wer kein oder nur sehr wenig Englisch gelernt hat, lernt zumindest ständig Vokabular hinzu — quasi in Superlearning-Methode. Dafür sorgen schon Produktwerbung, Produktbezeichnungen usw.

Letztlich wird wohl auch viel davon abhängen, ob sich durch immer mehr Vernetzung auch intersprachliche Vernetzung zunimmt. Wenn diese massiv zunimmt, ist daraus doch zumindest ein Zunehmen von Pidgin-Englisch ableitbar. Oder die Babelfische werden eben doch so gut, dass sie Pidgin-Effekte verhindern. Innerhalb der Google-Welt lässt sich ja schon vieles automatisch übersetzen, z.B. auch E-Mails. Nur ist die Qualität der Übersetzungen oft noch so lausig, dass sie eher für Erheiterung sorgen als für mehr Verständigung. Aber da kann sich in ein paar Jahrzehnten ja auch viel tun…

Unicode bevorzugt das Englische; dessen Zeichen stehen ganz vorne. In UTF-8 ist ein kyrillisches Zeichen doppelt so groß wie ein englisches, eines aus einer afrikanischen Sprache (wenn es denn überhaupt schon aufgenommen wurde) manchmal sogar drei- oder viermal so groß. Da braucht man also für einen Text die vielfache Speichermenge.

Auf UTF trifft das zu, auf Unicode als solches nicht. Dort gibt es nur ältere Modelle mit zwei Byte und neuere mit vier Byte Breite pro Zeichen. Aber richtig ist natürlich, dass IT-Standards für Zeichenkodierung seit jeher im englischen Sprachraum entstanden sind, weshalb das englische Alphabet die Logenplätze bekommen hat. Das Gleiche ist es mit den künstlichen Sprachen, wie du richtig bemerkst (danke für diesen Link übrigens ;-). Das alles färbt ab. Ich hab mir beispielsweise angewöhnt, beim Programmieren nur englischsprachige Bezeichnernamen zu verwenden. Manchmal bemühe ich sogar erst mal ein Wörterbuch, um eine Variable wie gewünscht zu benennen. Und genau diese schleichende, irgendwann gar nicht mehr reflektierte Verwendung des Englischen meine ich, wenn ich etwas salopp frage, ob "eh alles Englisch" werden wird.

viele Grüße
Stefan Münz

Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
Sky D (guest) 1244405544|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

"Ich hab mir beispielsweise angewöhnt, beim Programmieren nur englischsprachige Bezeichnernamen zu verwenden. Manchmal bemühe ich sogar erst mal ein Wörterbuch, um eine Variable wie gewünscht zu benennen. Und genau diese schleichende, irgendwann gar nicht mehr reflektierte Verwendung des Englischen meine ich, wenn ich etwas salopp frage, ob "eh alles Englisch" werden wird."

Nur eine Randbemerkung, lieber Stefan, aber das war eine sehr reflektierte Verwendung des Englischen.
Englische Namen für alles was zu benennnen ist sind m.E. Standard.

Arabisch, Chinesisch und Indisch (vorsichtshalber die Anmerkung: die beiden letztgenannten sind Sprachfamilien, die sehr unterschiedliche Sprachen halten) sind übrigens auch irgendwie im Kommen.

MFG, Sky

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by Sky D (guest), 1244405544|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
toschotoscho 1244412439|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Ich würde, um die gegenwärtigen Entwicklungen zu vergleichen, eher mal die Ex-Kolonialstaaten in Afrika anführen.

Ich würde mich inzwischen so weit korrigieren, daß wir kein vergleichbares Beispiel finden werden. Ich hätte nicht damit anfangen sollen. :)

Denn der Sprachdruck (Vorschläge für einen besseren Ausdruck?) führt jetzt ja gerade an der »Amtssprache« ebenso vorbei wie an der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht oder Klasse. Gab es das schon einmal?

Letztlich wird wohl auch viel davon abhängen, ob sich durch immer mehr Vernetzung auch intersprachliche Vernetzung zunimmt. Wenn diese massiv zunimmt, ist daraus doch zumindest ein Zunehmen von Pidgin-Englisch ableitbar. Oder die Babelfische werden eben doch so gut, dass sie Pidgin-Effekte verhindern.

Auf diesen Wink möchte ich in ein paar Jahren nochmal zurückkommen. Ich halte es nämlich für möglich, daß zunehmende Pidgin-Effekte einer Vervollkommnung der automatischen Übersetzer entgegenwirken.

Obwohl … wenn ich mir die Ergebnisse der aktuellen Übersetzer ansehe, könnte ich vermuten, daß eben diese Software das Pidgin erst fördert. :)

Auf UTF trifft das zu, auf Unicode als solches nicht. Dort gibt es nur ältere Modelle mit zwei Byte und neuere mit vier Byte Breite pro Zeichen.

Jein. Unicode bevorzugt schon durch die Reihenfolge das Englische, bzw. Sprachen, die Varianten des lateinischen Alphabets benutzen.
Beispiel HTML: Man muß ein HTML-Dokument zwar nicht in einem UTF kodieren, aber wenn man Zeichen außerhalb der aktuellen Kodierung verwendet, braucht man Entities (so vorhanden) oder numerische Zeichenreferenzen. Und die referenzieren eben Unicode-Positionen, wobei man führende Nullen weglassen kann.

Naja, ich habe ja selbst gesagt, daß ich darin eher ein Symptom sehe als einen relevanten … Sprachdruckverstärker.

Ich hab mir beispielsweise angewöhnt, beim Programmieren nur englischsprachige Bezeichnernamen zu verwenden. Manchmal bemühe ich sogar erst mal ein Wörterbuch, um eine Variable wie gewünscht zu benennen.

Das halte ich genauso. Interoperabilität heißt eben meistens auch, daß jeder den Code lesen und verstehen kann – und jeder versteht … Englisch.
Was ist eigentlich Rekursion? ;)

Ich mußte mich vor ein paar Monaten durch PHP-Code wühlen, der von den Kommentaren über Variablen und Funktionsnamen komplett in Italienisch gehalten war. Tippfehler inklusive.
Da leuchtet der Vorteil einer »Standardsprache« sehr deutlich ein.
Die Frage ist eben, wie man selbst damit umgeht. Ich werde nie das Verb »downloaden« verwenden, aber einen Link mit dieser Funktion nenne auch ich »Download«. In einigen Fällen wähle ich aber bewußt eine veraltete Wendung, weil sie den Text belebt.

Gruß
Thomas

P.S. Kriegt man die Namen der Autoren anders in die Newsfeedanzeige als durch eine »Unterschrift«?

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by toschotoscho, 1244412439|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
Sky D (guest) 1244387596|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Englisch wächst und wächst als Sprache, täglich kommen neue Wörter hinzu, die nur regionale Bedeutung haben, die genau Anzahl der Wörter habe ich mal gekannt, aber vergessen, es sind jedenfalls mindestens doppelt so viele wie im Deutschen.
Dennoch wird es _nicht_ zu einer Vereinheitlichung der Sprachen kommen.
Und zwar aus Systemgründen, es wird auch nicht bspw. zu einem Weltstaat und einer Weltregierung kommen.
Englisch wird sich vermutlich nicht einmal als Fremdsprache Nr.1 langfristig durchsetzen.
Mit diesen Aussagen soll natürlich nicht die wichtige Bedeutung der englischen Sprache in Frage gestellt werden. :)

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by Sky D (guest), 1244387596|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
toschotoscho 1251384296|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Ich erlaube mir mal eine kleine Reanimation. Eben habe ich beim Ausmisten im Feedreader diesen Artikel auf Telepolis gefunden:

Harald Taglinger: Das Internet in Zahlen (22.07.2009)

Taglinger bezieht sich auf diese Grafik und kommt zu einem bemerkenswerten Schluß:

Das Internet erlebt sein grösstes Wachstum in Regionen, die eigene Schriften und Sprachen nutzen. English als Lingua Franca des Webs verliert an Bedeutung. Wir merken es nur nicht, weil wir auf Seiten ausserhalb des eigenes Kulturkreises nicht zu finden sind.

Extrapolierte man das jetzt in SF-Manier, käme man auf drei Modelle:

  1. Die Regionalisierung ist eine vorübergehende Phase, die letztlich doch unter der Dominanz des »Ersten« (der angelsächsischen Welt) dahinschmilzt.
  2. Sie führt zu mehreren großen Blöcken »paralleler« Internets (gibt es schon einen Plural?) mit jeweils einer dominanten Sprache, Justiz und Ökonomie.
  3. Sie ist der erste Schritt einer zunehmenden Zerfaserung, die solange voranschreitet, bis sie nicht mehr reguliert werden kann.

Gruß
Thomas

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by toschotoscho, 1251384296|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
StefanMStefanM 1251496391|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

Hallo Toscho,

erst mal dankeschön, dass du dir die Zeit genommen hast, deine neuen Erkenntnisse zu dem Thema in diesen "alten" Thread zu posten.

Die Grafik ist durchaus interessant. Allerdings halte ich es für einen Trugschluss zu folgern, dass Englisch weniger bedeutend als Chinesisch sei, nur weil es 253 Mio. chinesisch sprechende und schreibende User gibt gegenüber 220 Mio. englisch sprachenden. In welcher Sprache sind die Basis-Dokumente des Internet noch mal geschrieben? In welcher Sprache die Spezifikation zu HTML? Wo kommen Google, Facebook, Wikipedia und Twitter her? Wie redet der internationale Luftverkehr? Die Masse von Sprechern sagt nichts über den Einfluss einer Sprache bzw. deren Kultur aus. Auch viele Chinesen bemühen sich, Englisch zumindest zu verstehen, aber wohl nur sehr wenige english native speakers, die sich bemühen, Chinesisch zu verstehen. Man kann das als Überheblichkeit der westlichen Kultur abtun, als Kultur-Imperialismus anprangern und was weiß ich noch alles. Ändern tut das jedoch vorläufig nichts.

Andererseits glaube ich auch nicht, dass das Sprechen und Schreiben in der eigenen Sprache nicht so schnell ausstirbt. Ich sehe auch nicht unbedingt ein deutlich erhöhtes Maß an intersprachlichen Kontakten im Netz. Zumindest, wenn man zu einem vergleichsweise großen Sprachkreis gehört wie wir Deutschsprachigen (laut Grafik 52 Mio. Internet-User), hat man eher die Tendenz, in seinem Sprachkreis zu bleiben. Ganz anders sieht das bei deutlich kleineren Sprachkreisen aus, die in ihrer eigenen Sprache viel weniger vorfinden. Griechen zum Beispiel, Letten oder Niederländer. Die orientieren sich viel stärker international, aber wenn, dann tendenziell zum englischen Sprachraum. Und selbst andere fernöstliche Sprecher, wie etwa die Japaner, lesen so rein gefühlsmäßig eingeschätzt eher was Englisches als was Chinesisches.

viele Grüße
Stefan Münz

Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch?
toschotoscho 1251528514|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover

In welcher Sprache sind die Basis-Dokumente des Internet noch mal geschrieben? In welcher Sprache die Spezifikation zu HTML?

Die wurden fast alle übersetzt. Ich halte zumindest für denkbar, daß der Übersetzungsprozeß irgendwann auch mal in die andere Richtung läuft, falls dann überhaupt noch jemand Interesse an einheitlichen Standards hat.

Ein Chinese muß heute kaum Englisch können und kann doch XML oder Python schreiben (mehr Beispiele).

Griechen zum Beispiel, Letten oder Niederländer. Die orientieren sich viel stärker international, aber wenn, dann tendenziell zum englischen Sprachraum.

Das entspräche meinem Modell 2. :)

Und selbst andere fernöstliche Sprecher, wie etwa die Japaner, lesen so rein gefühlsmäßig eingeschätzt eher was Englisches als was Chinesisches.

Hm. Kann ich nicht beurteilen. Mein Versuch, Japanisch zu lernen, ist irgendwann steckengeblieben.
Aber soviel weiß ich noch: Das Japanische teilt sich viele Schriftzeichen mit dem Chinesischen; der Schriftverkehr zwischen beiden Sprachräumen erfordert also deutlich weniger Lernaufwand als der mit dem Englischen.

unfold Re: Babelfische im Internet - oder wird eh alles Englisch? by toschotoscho, 1251528514|%e %b %Y, %H:%M %Z|agohover
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