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		<title>Webkompetenz</title>
		<link>http://webkompetenz.wikidot.com</link>
		<description>Das Webkompetenz-Projekt behandelt die technischen, sozialen, politischen und philosophischen Aspekte des Mediums World Wide Web. Es widmet sich den Entwicklungen im Web, den Einflüssen, denen das Web ausgesetzt ist, und den Folgen des Web für das reale Leben.</description>
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		<lastBuildDate>Sun, 19 May 2013 05:21:13 +0000</lastBuildDate>
		
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				<title>SMV oder der Haken der Online-Demokratie</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:116</link>
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&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:116/smv.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 120px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;smv.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Ein scheinbar unbedeutender Streit innerhalb der Piratenpartei ist in Wirklichkeit eine Herausforderung an unser Demokratieverständnis. Da sind alle gefordert.
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940870&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Sat, 11 May 2013 21:39:06 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:116/smv.png" style="width: 120px; height: 120px; float: left; margin-right: 15px;" alt="smv.png" class="image" /> Ein scheinbar unbedeutender Streit innerhalb der Piratenpartei ist in Wirklichkeit eine Herausforderung an unser Demokratieverständnis. Da sind alle gefordert. <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>SMV steht für „<strong>s</strong>tändige <strong>M</strong>itglieder<strong>v</strong>ersammlung“ und ist ein Konzept innerhalb der Piratenpartei, das für eine bessere Abstimmung zwischen Abgeordneten und Basis sorgen soll - eine Art beschlussfähiger Dauerparteitag, und zwar online. Eigentlich, sollte man meinen, für die Piraten die normalste Sache der Welt. Doch weit gefehlt - die Orangen tragen erbitterte Kämpfe deswegen aus. Marina Weisband hat beispielsweise ihr weiteres Engagement für die Partei davon abhängig gemacht, dass dieses Instrument eingeführt wird. Andere, wie der Parteivorsitzende Sebastian Nerz, argumentieren dagegen.</p> <p>Der Zankapfel, um den es bei der Sache geht, hat mit einer „systembedingten Eigenschaft“ jeder Art von Online-Demokratie zu tun. Denn diese erfordert - zumindest der Software gegenüber - den Verzicht auf einen Grundpfeiler unseres heutigen Demokratieverständnisses: nämlich das Prinzip der <strong>geheimen</strong> Wahl. Multi-User-Webanwendungen, denen es nicht egal ist, welcher Benutzer was genau tut, benötigen immer irgend eine Art von Authentifizierung. Damit wissen sie aber auch immer, welcher Benutzer was genau tut. Und selbst wenn sie es selber so schnell wie möglich wieder vergessen möchten: in die Datensätze, die sie in ihre Datenbanken schreiben, müssen sie doch wieder die Benutzerzuordnung schreiben. Sonst könnten sie einem angemeldeten Benutzer nicht einmal auflisten, an welchen Abstimmungen er sich beteiligt hat, oder wie er sich bei der Abstimmung verhalten hat. Und Liquid-Democracy-Verfahren wie <strong>Delegated Voting</strong>, also das Delegieren der eigenen Stimme in einer bestimmten Abstimmung an eine andere Person oder Partei, die in dieser Frage die gewünschte eigene Position vertritt, wäre ebenfalls nicht möglich.</p> <p>Kurzum: wer Online-Demokratie, Liquid Democracy und all das will, und sei es auch nur, um es erst mal innerhalb einer netz-affinen politischen Partei auszuprobieren, muss sich vom Prinzip der geheimen Wahl verabschieden. Für viele ist das aber gleichbedeutend mit einem Abschied von der Demokratie als solcher. Denn, so argumentieren sie, eine Wahl, bei der zumindest durch Auswertung von gespeicherten Daten herausfindbar ist, wer wie gewählt hat, verhindert mutige Opposition und individuelle Gewissensentscheidungen - also genau die Werte, die an Demokratien so geschätzt werden.</p> <p>Letztlich müssen wir alle abwägen, wie bedingungslos wir auf dem Prinzip der geheimen Wahl beharren wollen, oder ob uns andere Dinge wichtiger sind - zum Beispiel echte Partizipation an beliebigen Entscheidungsverfahren mit Hilfe einer eigenen, frei einsetzbaren Stimme. Der Haken, um den es bei der SMV geht, und der Zankapfel, um den die Piraten da ringen, ist also alles andere als ein lächerlicher Streit in einer Kleinpartei, die von vielen immer noch nicht ernst genommen wird. Was die Piraten da austragen, ist der Kampf um das Demokratieverständnis angesichts der neuen technischen Möglichkeiten, demokratisches Abstimmen zu organisieren. Geopfert werden soll die geheime Wahl, und gewonnen werden soll damit das ständige Überallmitwählenkönnen.</p> <p>Um eines noch mal zu klar zu stellen: es ist <strong>nicht</strong> so, dass zwangsweise am Bildschirm steht: „dies ist das Profil von Emma Müller aus Vorderzarten. Emma Müller hat bei folgenden Abstimmungen teilgenommen und dabei wie folgt abgestimmt“. Aber es ist so, dass die Software, die all das verwaltet, genau das weiß und speichert, und dass es genügt, wenn ein Administrator sein Gehalt aufbessern möchte, indem er gewünschte Datenbankexzerpte an Interessenten verkauft.</p> <p>Der Graben, um den es bei dem von außen betrachtet scheinbar lächerlichen SMV-Gezänk geht, ist also in Wirklichkeit einer der tiefsten und am wenigsten reflektierten Gräben, die derzeit durch die Bevölkerung gehen. Er hat letztlich zahlreiche andere Aspekte, die vordergründig nichts mit Online-Demokratie zu tun haben. Der Klarnamenzwang in vielen Social Networks beispielsweise, oder die Debatten rund um Google Streetview. Die meisten Menschen fordern einen transparenten Staat, eine transparente Industrie, aber selber möchten sie geheim wählen und in höchstem Maße unidentifizierbar sein. Gerade die Piraten fordern gerne beides. Doch bei einer Online-Demokratie wird letztlich auch der Bürger transparent. Und genau deswegen sind die Auseinandersetzungen so heftig. Die Diskussion dreht sich also letztlich darum, ob unsere tradierten Vorstellungen von Demokratie und Privatsphärenschutz als erstrebens- und erhaltenswert oder als nicht mehr zeitgemäß und unlogisch zu bewerten sind.</p> <p>Ein harter Brocken also, den die Piraten da verhandeln. Wer möchte, kann sofort an der Verhandlung teilnehmen. Aber nur unter den Bedingungen der Online-Demokratie: <a href="https://lqfb.piratenpartei.de/">https://lqfb.piratenpartei.de/</a></p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940870" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
				 	]]>
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:115</guid>
				<title>LTE zum Verzweifeln</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:115</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:115/lte.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 116px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;lte.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Vodafone, die Telekom und o2 treiben derzeit in Deutschland massiv den LTE-Ausbau voran, um flächendeckend Highspeed-Internetzugänge zu ermöglichen. Doch wer dabei zu rechnen beginnt, wird schnell traurig.
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940870&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 07:22:20 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:115/lte.jpg" style="width: 120px; height: 116px; float: left; margin-right: 15px;" alt="lte.jpg" class="image" /> Vodafone, die Telekom und o2 treiben derzeit in Deutschland massiv den LTE-Ausbau voran, um flächendeckend Highspeed-Internetzugänge zu ermöglichen. Doch wer dabei zu rechnen beginnt, wird schnell traurig. <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Die nachfolgenden Rechenbeispiele sind erstens arg theoretisch, zweitens nur so genau wie Pi mal Daumen, und drittens berücksichtigen sie viele Faktoren gar nicht &#8212; zum Beispiel, dass es nicht nur Download-Traffic, sondern auch Upload-Traffic gibt. Dennoch stimmen sie aber vielleicht etwas nachdenklich.</p> <p>Jedenfalls sieht es so aus, als ob es nun in Deutschland nicht mehr ewig dauern wird, bis man in einem Dorf, das mit Ausbau-Priorität 1 eingestuft ist, mit <a href="http://www.lte1.de/">LTE</a> (Long Term Evolution, dem künftigen Standard für Highspeed-Mobilfunk) versorgt sein wird. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, sollte es noch dieses Jahr (2011) klappen. Da kann man ja schon mal wagen zu schauen, was an Tarifen angeboten wird. Das derzeit üppigste existierende Angebot stammt von <a href="http://www.ltemobile.de/lte-tarife/vodafone-lte-tarife/">Vodafone</a> und beinhaltet für knapp 60 Euro (mit Flatrate-Telefonie ins deutsche Festnetz knapp 70 Euro pro Monat) bei einer 50MBit/s-Verbindung 30&#160;GB Datenvolumen im Monat. Sind diese verbraucht, wird die Verbindungsgeschwindigkeit von 50MBit/s auf 384KBit/s reduziert, also etwa auf 1/130 der angepriesenen Geschwindigkeit. 384KBit/s ist die klassische DSL-Lite-Geschwindigkeit, das Mofa unter den Kraftfahrzeugen.</p> <p>Nun habe ich ja nicht vor, das gesamte Internet herunterzuladen. Aber wenn ich mit 50MBit/s ca. 6&#160;MB pro Sekunde downloaden kann, würde ich satte 21&#160;GB in einer Stunde schaffen. Das entspricht etwa sechs Spielfilmen in DVD-Qualität. Dann würden mir nach dieser ersten, berauschenden Stunde als Kunde des üppigen Vodafone-Tarifs noch 9&#160;GB Volumen (zwei Spielfilme) und 719 restliche Stunden im Monat verbleiben.</p> <p>Ich kann natürlich auch mal andersherum rechnen. Wenn ich konstant am Internet-Tropf hängen möchte, Tag und Nacht, bedeutet das bei 720 Stunden im Monat, dass ich pro Stunde nicht mehr als 41,6&#160;MB an Traffic verursachen darf. Das entspricht einer konstanten Download-Rate von etwa 11,5&#160;KB pro Sekunde, also etwas mehr, als man mit einer 64KBit-ISDN- oder einer 56er-Modem-Verbindung schafft. Nun soll ich mal nicht so unrealistisch sein, bitte. Irgendwann muss ich ja auch mal schlafen. Stimmt. Aber ich bin nicht allein. Wir haben vier Rechner und Rechnerbesitzer in unserer Familie, die alle an dieser Leitung hängen. Und diese Familienmitglieder haben zum Teil recht stark abweichende Wachphasen, so dass meistens zwischen 18 und 20 Stunden am Tag mindestens ein Rechner online ist, meistens sogar zwei und nicht selten drei gleichzeitig.</p> <p>Puh, ganz schön viele Rechenparameter, um den tatsächlichen Volumenbedarf zu ermitteln. Vielleicht hilft ja mal ein Blick in den Volumenverbrauch der aktuell verwendeten Fritz!Box. 40&#160;GB weist diese für den vergangenen Monat aus, für die ganze Familie. Und das, wo wir uns jedes Anschauen eines YouTube-Videos drei mal überlegen, weil das bei unserer aktuellen DSL-Lite-Downloadgeschwindigkeit ein totaler Krampf ist. Man kann damit ein Video nicht einfach streamen - nein, man startet es, drückt Pause, lässt es weiter laden, geht Kaffee trinken, und nach 10 Minuten kann man dann 5 Minuten Video gucken. Wenn nun plötzlich alles mit mit 50MBit/s flutschen würde, dann würde sich das Nutzungsvolumen in der Familie sicher gleich mal verdreifachen (und das ist wahrscheinlich noch eine beschönigende Schätzung). Der Familienbedarf würde also bei mindestens 120&#160;GB im Monat liegen (wahrscheinlich noch deutlich höher) und wäre demnach mindestens vier mal so hoch, wie der üppigste aller gegenwärtigen LTE-Tarife an Volumen beinhaltet.</p> <p>Vier mal so hoch? Vier &#8212; da war doch was &#8230; richtig. Wir haben vier Rechner im Haus &#8212; mein Notebook für unterwegs zähle ich mal nicht dazu. Da könnte man doch einfach diesen üppigen Vodafone-Tarif für jeden Rechner einzeln bestellen. Das Familien-LAN könnte man ja weiter über die alte Fritz!Box betreiben, und ins Internet könnte dann jeder mit seinem eigenen LTE-Surfstick. Hätte zudem zwei große Vorteile. Erstens gäbe es keine Streitereien innerhalb der Familie („du und dein Scheiß-Spiel sind schuld, dass wir jetzt alle wieder kriechen müssen, obwohl der Monat gerade mal eine Woche alt ist“). Und zweitens könnte man den persönlichen Surfstick auch mal mitnehmen und von unterwegs aus nutzen. Allerdings zahlt man, weil der üppigste aller gegenwärtig verfügbaren LTE-Tarife ein sogenannter Zuhause-Tarif ist, bei Nutzung außerhalb der Zuhause-Zone etwas mehr als einen Euro pro Stunde an zusätzlichen Zeittaktgebühren. Was allerdings noch verkraftbar ist, wenn man vielleicht mal drei, vier Stunden die Woche von unterwegs aus surfen will. Das aber immerhin mit LTE-Geschwindigkeit, sofern man sich in einer LTE-abgedeckten Gegend befindet. Weniger verkraftbar sind dagegen die 240 Euro im Monat, die vier der üppigsten Vodafone-Tarife kosten würden. Oder 280 Euro, wenn man über diese neue Telekommunikationsverbindung zugleich telefonieren will. Und das will man ja. Denn ansonsten müsste man noch zusätzlich den alten Telekom-Telefonanschluss weiter subventionieren. Dann lieber gleich in die neuen Technologien investieren. Stellt sich nur die Frage der Gegenfinanzierung. Oder besser gesagt, sie stellt sich nicht. Es geht einfach nicht.</p> <p>Nein, ich will kein Anbieter-Bashing betreiben. Ich verstehe ja, dass Mobilfunknetze zutiefst sozialistisch sind, weil sich alle Funkzellennutzer die jeweils verfügbare Gesamtbandbreite brüderlich teilen müssen. Und die Gesamtbandbreite eines Mobilfunkmasts ist nun mal begrenzt. Man könnte natürlich 10 Masten statt einen hinstellen. Aber erstens würde das fast so viel kosten wie - keine Ahnung - 100 Meter Straße? Und zweitens könnte man dann die Strahlenbelastung wohl schon mit bloßem Auge erkennen. Und das will ja nun wirklich niemand, dass man die Strahlenbelastung sehen kann.</p> <p>Ganz ehrlich: wenn Vodafone heute anrufen würde, um mir mitzuteilen, dass LTE nun verfügbar wäre bei uns, und ob wir Interesse an einem der Vodafone-Tarife hätten - ich würde wahrscheinlich verzweifeln und sagen „ich weiß nicht“.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940870" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
				 	]]>
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					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:114</guid>
				<title>GooglePlus - nichts oder etwas Besonderes?</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:114</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 118px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;gplus.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Google hat seinen nächsten Versuch gestartet, um im Bereich SocialMedia Fuß zu fassen. Nach ersten persönlichen Erfahrungen mit dem neuen Network wird es Zeit, die Gedanken zu sortieren. Fazit: ich liebe es, aber nicht jeder ist ich :-)&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Eigentlich veröffentlicht am 03.07.2011&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Viele, viele Artikel sind in den ersten 48 Stunden zum &lt;a href=&quot;https://plus.google.com/&quot;&gt;brandneuen Social Network&lt;/a&gt; von Google geschrieben worden. Den meisten fällt nichts Besseres ein als irgendeine Variation von „Angriff auf Facebook“ für den Titel oder Aufmacher zu verwenden. Der gemeine Wirtschaftsteil-Zeitungsleser versteht offenbar keine andere Sprache als „wer will wen fressen“. Ohne Zweifel möchte Google in den Markt eindringen, der gegenwärtig von Facebook dominiert wird. Allerdings gibt es derzeit auf Google+ noch gar keine social-sensitive (auch keine kontext-sensitive und nicht mal sonst igendwelche) Werbung, was die vom Marketing her denkenden Beobachter wohl durch die Bank vergessen haben zu erwähnen. Jedenfalls ist die fehlende Werbung finde ich Grund genug, Google+ erst mal nicht aus Marketing-Sicht zu betrachten, sondern ausschließlich aus konzeptioneller Sicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl ich in der Vergangenheit so einiges zu möglichen Google-Plänen für ein Social Network geschrieben habe (z.B. &lt;a href=&quot;http://webkompetenz.wikidot.com/blog:107&quot;&gt;Eine Prognose für das Social Network von Google&lt;/a&gt;), war mir nicht danach, beim Bekanntwerden der Nachricht, dass Google nun tatsächlich ein solches Network gelauncht hat, gleich in die Trompete zu blasen. Auch als ich am nächsten Vormittag erfreulicherweise bereits die erforderliche Einladung erhielt, um an der Beta-Phase teilzunehmen, wollte ich nicht gleich, während ich meine ersten Gehversuche auf der Plattform machte, darüber schreiben. Ich wollte es einfach erst mal ein wenig nutzen und „wirken lassen“.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile sind der erste und der zweite Lebenstag im neuen Netzwerk vorbei. Ich folge fast 200 Leuten, und weit über 300 Leute folgen mir. Die Timeline ist bestens gefüllt, und viele der Early Adaptors sprühen erst mal vor Aktivität. Das wird sich vermutlich in nächster Zeit legen. Dann wird sich zeigen, wer da bleibt, aktiv Inhalte beiträgt und das Network zu einem echten Netzwerk macht. Zumindest so viel lässt sich sagen: die Chancen stehen diesmal deutlich besser als im Februar 2010, als der GoogleMail-Social-Ergänzungsservice &lt;a href=&quot;http://www.google.com/buzz&quot;&gt;Buzz&lt;/a&gt; gelauncht wurde. Während Buzz beim Start viel Verwirrung, Kritik und Kopfschütteln auslöste, sind die Stimmen bei Google+ fast durchweg positiv, nicht wenige sogar voll des Lobes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis jedoch fundiertere Bemerkungen zum Erfolg und zur Nutzung möglich sind, möchte ich lieber erst einmal etwas über die Konzepte von Google+ schreiben und ein paar Ideen dazu äußern, wie man diese Konzepte sinnvoll nutzen kann.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Die Sache mit den Kreisen (Circles)&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Obwohl die Standard-Ansicht des Google-Network für Facebook-User eigentlich sehr vertraut ist, ist das Erste, was man als erfolgreich eingeloggter Neu-User auf Google+ zu sehen bekommt, doch sehr neu und ungewohnt: nämlich die sogenannte &lt;strong&gt;Circles-Ansicht&lt;/strong&gt;. Die gibt es in dieser Form in Facebook, LinkedIn, Xing, MySpace oder StudiVZ nicht. Zwar lassen sich „Freunde“ auf Facebook ebenfalls in Listen (Gruppen) organisieren. Doch bei Facebook ist diese Funktion so unauffällig implementiert, dass sie kaum genutzt wird. Konzeptionell vergleichbar ist in dieser Hinsicht nur das OpenSource-Netzwerk &lt;a href=&quot;https://joindiaspora.com/&quot;&gt;Diaspora&lt;/a&gt;, das eine ähnlich starke Betonung verschiedener Lebensbereiche und Kontaktformen kennt. Dort werden sie als &lt;strong&gt;Aspekte&lt;/strong&gt; bezeichnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Circles-Ansicht von Google+ kann man Benutzer auswählen oder suchen und diese in persönliche „Schubladen“ einordnen. Diese Schubladen werden optisch ansprechend als Kreise (circles) visualisiert. Man kann gefundene User einem oder beliebig vielen persönlichen Kreisen zuordnen. Ein paar typische Kreise wie „Freunde“, „Bekannte“, „Familie“ usw. sind beim Einstieg bereits vorhanden. Man kann beliebig neue Kreise hinzufügen, ändern oder entfernen. In der oberen Fensterhälfte werden gefundene User angezeigt, in der unteren die Circles. Durch einfaches Ziehen eines oben angezeigten Users mit der Maus in einen Circle wird der User hinzugefügt. Es ist keineswegs verboten und organisatorisch oft sogar sinnvoll, einen User mehr als einem Kreis zuzuordnen (dazu weiter unten noch mehr):&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-circles.png&quot; style=&quot;width: 600px; height: 244px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Kreise von Google+&lt;/strong&gt;: Intuitiv bedienbar, doch ein mächtiges Werkzeug, dessen richtiger Einsatz möglicherweise einiges an Überlegungen erfordert.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Namen der User im oberen Bereich öffnen beim Überfahren mit der Maus einen Tooltipp, der wiederum eine anklickbare Version des Namens enthält. Die Links führen zu den Profilseiten der entsprechenden User. Dort bekommt man neben dem Profilbild allerdings nur das zu sehen, was die Profil-Inhaber als öffentlich zugänglich definiert haben:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/glus-profil.png&quot; style=&quot;width: 600px; height: 323px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die neuen Profilseiten von Google&lt;/strong&gt;: Die neuen Profilseiten von Google&lt;br /&gt;
Die alten Profilseiten gibt es nicht mehr. Die neuen sind Teil von Google+ und vereinen Postings aus Google+, hochgeladene Bilder, Videos, für gut befundene Web-Inhalte („+1“) und derzeit noch Postings von Google Buzz.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Eines sollte man sich bei der Sache mit den Kreisen grundsätzlich überlegen: nämlich ob man die Circles überhaupt nutzen möchte oder nicht. Das mündet in die Frage, wie man Google+ letztlich nutzen möchte. Typische Power-User der Webszene neigen dazu, die meisten Inhalte einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Das ist in Google+ problemlos möglich. Eigene Status-Beiträge lassen sich nicht nur an einen oder beliebig viele eigene Circles senden, sondern auch an einen Pseudo-Circle namens &lt;strong&gt;öffentlich&lt;/strong&gt;. Und damit ist wirklich das offene, weite Web gemeint, und nicht etwa nur die begrenzte Sphäre aller registrierten Google+-User. Als öffentlich deklarierte Beiträge sind über eine eigene URL-Adresse erreichbar. Da Postings bei Google+ keine Längenbegrenzung kennen, könnte so mancher Side-Blogger bei Posterous oder Tumblr sich überlegen, ob er nicht lieber gleich via Google+ publizieren sollte. Für Networker, die vor allem öffentlich wirken wollen, empfiehlt es sich, einen Circle für alle User anzulegen, denen man folgen möchte, z.B. einen Circle namens Alle. In diesen Circle zieht man dann alle User, denen man folgen möchte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Google+ bedient aber auch das umgekehrte Bedürfnis: Austausch jenseits von E-Mail ja, aber nur in sehr begrenztem Maße und möglichst kontrolliert. Die Circles-Ansicht sagt leider nicht explizit, was sie eigentlich meint: „Bilde nicht nur dein reales Leben ab! Sei ganz hemmungslos und steck deine Kontakte in Schubladen, die du immer schon dafür gewünscht hast. Niemand außer dir kann sehen, wen du in welche Schublade gesteckt hast. Scheu dich also nicht, auch Schubladen wie &lt;em&gt;Dummschwätzer&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Nur-mit-Kneifzange&lt;/em&gt; einzurichten!“ Im Regelfall einen Kreis für web-aktive Arbeitskollegen vielleicht, einen für den erweiterten Familien-Klan, einen für den ganz realen Dorf-Tratsch, einen für die Vereinsmitstreiter, und einen „Ouh-la-la“-Kreis. Das wirkt erst mal alles sehr abstrakt. Um User in eine oder mehrere geeignete Schubladen zu stecken, muss man sich einfach in Gedanken vorstellen, eine Status-Meldung zu posten. Etwa einen Hochzeitsgruß an die entfernte Cousine dritten Grades. Das betrifft den Familien-Klan-Kreis, aber nicht die Berufskollegen. Ein andermal möchte man vielleicht lieber einen soeben entdeckten, fundierten Fachartikel über konkurrierende Weichmacher-Techniken bei Kinderspielzeug teilen, weil man in der Chemie-Branche für solche Weichmacher-Techniken beschäftigt ist: das geht die Berufskollegen an. Das sind alles klare Zuordnungsfälle. Leider ist das Leben jedoch komplexer und hält sich nicht an bestimmte Schubladen. Angenommen, man regt sich persönlich sehr über die Rodung des Regenwaldes für die Interessen von McDonalds auf, oder darüber, dass Stefan Raab im Alleingang bestimmt, wer aus deutscher Sicht am European Song Contest teilnimmt. Das interessiert villeicht einige Familienmitglieder, einige Vereinskollegen, und einige Berufskollegen. In diesem Fall beginnt das Wagnis, eine solche Status-Meldung an all diese Circles zu senden, auch auf die Gefahr hin, bei einigen andersdenkenden Circle-Usern böse anzuecken. Wenn man vorhat, sich auch mal non-konform zu äußern, kann man sich aber auch mit der Definition geeigneter Spezial-Circles helfen. Zum Beispiel mit Circles wie &lt;em&gt;Regenwald-Abholzungs-Gegner&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Nie-wieder-Raab-Lena-Kult&lt;/em&gt;. Dort kann man genau die User einordnen, die als Zielgruppe für Gedanken dieser Art in Frage kommen. Das ist zwar ein wenig Einrichtungsarbeit, aber dafür kann man extrem zielgruppengerecht posten. Eine Option, die vor allem auch für den Business-Bereich interessant ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei jedem Beitrag, den man in Google+ postet, kann man genau festlegen, an welchen oder welche Benutzer(kreis(e)) das Posting gehen soll:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an einen bestimmten Benutzer:&lt;/strong&gt; (das ist die Privatnachrichtenfunktion innerhalb von Google+, sie ist gewissermaßen einfach ein Spezialfall für Statusmeldungen). Dazu einfach im Adressierungsfeld den Namen des Benutzers tippen. Beim Tippen werden sofort Vorschläge angeboten. Einfach den gewünschten User auswählen. So wird der ausgewählte User zum Nachrichtenempfänger.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an mehrere bestimmte Benutzer:&lt;/strong&gt; dazu einfach die zuvor beschriebene Prozedur mehrmals wiederholen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an einen bestimmten Kreis (Circle):&lt;/strong&gt; dazu einfach den Link Kreise oder Personen hinzufügen oder Weitere &amp;#8230; hinzufügen anklicken. Eine Liste mit den definierten Kreisen wird angeboten. Einfach den gewünschten Kreis auswählen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an mehrere bestimmte Kreise:&lt;/strong&gt; dazu einfach die zuvor beschriebene Prozedur mehrmals wiederholen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an alle eigenen Kreise:&lt;/strong&gt; dazu einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste auswählen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an erweiterte Kreise:&lt;/strong&gt; auch dazu einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste auswählen. Dann geht das Posting auch an alle User, die Usern folgen, die einem selbst folgen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an die Öffentlichkeit:&lt;/strong&gt; auch dazu einfach den entsprechenden Eintrag (öffentlich) aus der Liste wählen. Das Posting ist dann innerhalb von Google+ für alle in der Timeline sichtbar, die einem folgen. Darüber hinaus ist es auf der eigenen Profilseite jedoch auch öffentlich im Web sichtbar (auch für User ohne Google+), mitsamt aller Kommentare.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an beliebige Kombinationen:&lt;/strong&gt; also beispielsweise an einen bestimmten Kreis und zwei zusätzliche bestimmte Benutzer.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;an beliebige E-Mailadressen:&lt;/strong&gt; dazu im nachfolgenden Abschnitt mehr.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-posting.png&quot; style=&quot;width: 402px; height: 298px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;&lt;strong&gt;Beiträge posten - eine leistungsstarke Funktion&lt;/strong&gt;: Beiträge bestehen wahlweise aus reinem Text oder Text plus einem Bild, Text plus einem Video, Text plus einem Link (inklusive möglicher Grafik aus der verlinkten Zielseite) oder aus Text plus einer persönlichen Standortermittlung („ich halte mich gerade hier und da auf“) mittels Geolocation.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Freiwillige Vernetzung statt bidirektionaler Freundschaften&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Das Hinzufügen anderer User zu eigenen Kreisen bedeutet lediglich, dass man künftig selber in der eigenen Timeline alles mitbekommt, was diese anderen User mit einem teilen. Umgekehrt ist das jedoch nicht so. Die anderen User erhalten lediglich eine Benachrichtigung darüber, dass man sie zu eigenen Kreisen (aber nicht, zu welchen Kreisen!) hinzugefügt hat. Es ist jedoch anders als bei Facebook keine Freundschaftsbestätigung erforderlich. Die Vernetzung funktioniert also nach dem reinen Follower-Prinzip, so wie bei Twitter. Das mag auf den ersten Blick kein gewaltiger Unterschied sein, doch in Wirklichkeit steckt dahinter eine völlig andere Vernetzungsphilosophie. Der Blogger Mario Sixtus hat das &lt;a href=&quot;http://sixtus.cc/its-the-asynchronicity-stupid-google&quot;&gt;in einem Artikel herausgearbeitet&lt;/a&gt; und als asymmetrische Vernetzung bezeichnet. Diese Art der Vernetzung ist wesentlich web-typischer als die symmetrische und stets bidirektionale „Freundschafts“-Vernetzung bei Facebook, Xing oder vielen anderen Networking-Plattformen. Auch Hyperlinks im Web zeigen stets in eine Richtung, ohne auf der Zielseite automatisch einen Rückverweis zu generieren (Ausnahme: Trackbacks).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Überhaupt bemüht sich Google+ deutlich, nach außen hin offener zu sein als Facebook. So kann man in seine persönlichen Kreise auch User aufnehmen, die Google+ gar nicht nutzen. Es genügt, wenn man sie in seinen Google-Kontakten innerhalb von GoogleMail mit einer gültigen E-Mail-Adresse (die keine GoogleMail-Adresse sein muss) angelegt hat. Dann werden sie als Personen angeboten, die man in seine Circles ziehen kann. Sendet man nun ein Posting an einen Circle, erhalten User, die nicht bei Google+ sind, das Posting als E-Mail. Ferner ist es möglich, Postings auch direkt an beliebige E-Mail-Adressen zu senden. Dazu einfach in der bereits weiter oben beschriebenen Adressierungszeile eine gültige E-Mail-Adresse eingeben und die Eingabe mit der [Tabulator]-Taste abschließen. Das Posting wird damit zu einer E-Mail an den entsprechenden Empfänger. Solche E-Mails sind allerdings eine Einweg-Kommunikation, d.h. die Empfänger können nicht direkt darauf antworten. Wenn ihre Antworten als Kommentare zum Posting erscheinen sollen, müssen sie selbst bei bei GooglePlus anmelden. Dazu bietet Google in den so versendeten Mails die direkte Möglichkeit an.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Timeline mit Extras&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Die Standard-Ansicht von Google+ orientiert sich an dem Timeline-Paradigma, das gegenwärtig alle nennenswerten Social Networks einsetzen. Der zentrale Inhalt besteht also aus Beiträgen von anderen Usern, denen man selbst folgt, genauer, aus Beiträgen, zu deren Empfängern man gehört. In der Navigation links lässt sich die Timeline auf Kreise reduzieren. So kann man beispielsweise mit einem Klick das Netzrauschen der Timeline auf Beiträge enger Vertrauter reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/glus-timeline.png&quot; style=&quot;width: 402px; height: 459px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;&lt;strong&gt;Das Timeline-Paradigma herrscht auch bei Google+&lt;/strong&gt;: Postings erscheinen allerdings nicht stur absteigend nach Zeitpunkt sortiert, sondern ähnlich wie bei Google Buzz absteigend nach dem Zeitpunkt des neuesten Kommentars. Dadurch verändern sich auch die Positionen der Beiträge laufend, was für weniger geübte User sicher erst mal verwirrend ist.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Neben der Timeline bietet Google+ allerdings schon jetzt einige Zusatzfunktionen an, die es in dieser Form in anderen Netzwerken nicht gibt. So etwa der Bereich &lt;strong&gt;Sparks&lt;/strong&gt;. Diesen Bereich muss man sich man sich als eine Art &lt;a href=&quot;http://www.google.com/alerts?hl=de&quot;&gt;Google Alerts&lt;/a&gt; innerhalb der Networking-Oberfläche vorstellen. Man definiert sich Stichwörter, die einen interessieren, und erhält einen automatischen News-Stream. Dieser besteht vor allem aus Links zu „relevanten“ Zeitungs- und Magazin-Artikeln. Gedacht ist die Funktion einerseits zur schnellen Recherche für SocialMedia-News-Verbreiter. Aber auch für Einsteiger, die noch nicht so viele Kontakte haben und deren Timeline folglich noch nicht sehr abwechselungsreich ist, sind die Sparks ein Abwechselungsfaktor. Die Sparks sind links in der Navigation erreichbar, unterhalb der eigenen Kreise.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-sparks.png&quot; style=&quot;width: 602px; height: 524px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;&lt;strong&gt;Sparks - der News- und Input-Service von Google+&lt;/strong&gt;: Zu frei definierbaren Stichwörtern werden aktuelle Links zu Zeitschriften- und Magazinartikel zum Thema angeboten. In diesem Bereich spielt Google natürlich seine Macht als Suchmaschine voll aus.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Als aufregendstes neues Feature wird jedoch von vielen Usern die sogenannte &lt;strong&gt;Hangout&lt;/strong&gt;-Funktion gewertet. Das ist eine Video-Chat-Funktion für bis zu 10 User. Gleichzeitig kann noch ein YouTube-Video angezeigt werden. Überflüssig zu sagen, dass diese Funktion nur für sehr breitbandige Internetanschlüsse geeignet ist. Mit der von der Bundesregierung propagierten 1-MBit-Standardversorgung kommt man bei Hangout jedenfalls nicht weit. Ferner wird eine Webcam benötigt. Da diese vor allem bei Notebooks seit Jahren zur eingebauten Standardausrüstung gehören, ist diese Hardware-Voraussetzung jedoch bei vielen Usern erfüllt. Software-seitig ist außerdem noch das GoogleTalk-Video-Plugin erforderlich. Das lässt sich jedoch gegebenenfalls automatisch nachinstallieren - es ist für Windows, Mac und Linux verfügbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer sich langweilt, startet einfach eine Hangout-Sitzung und kann die Benutzer, die ihm folgen, darüber informieren. Um einen eigenen Hangout zu starten, steht rechts von der Timeline eine Schaltfläche Hangout starten zur Verfügung. Wer Zeit und Lust hat, kann sich in die Hangout-Sitzung einklinken. Über von anderen gestartete Hangouts erfährt man innerhalb der Timeline und hat dort die Möglichkeit, der Hangout-Sitzung beizutreten. So kann man zu zweit oder mit mehreren Leuten gleichzeitig „abhängen“. Nur den chilligen Ibiza-Strandbar-Sound hat Google noch nicht eingebaut. Das Hangout-Feature ist aber nicht nur zum Abhängen da, sondern auch für realitätsnahe Online-Meetings interessant. Google hat mit Hangout tief in eine wichtige Business-Kerbe von Skype geschlagen. Und Facebook reagiert anscheinend panisch besorgt mit einer Integration der &lt;a href=&quot;http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-Facebook-bringt-Skype-Integration-1272128.html&quot;&gt;Video-Chat-Funktion von Skype&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-hangout.png&quot; style=&quot;width: 400px; height: 480px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;&lt;strong&gt;Startvorgang eines Hangouts&lt;/strong&gt;: Das Handling ist intuitiv, und Google bemüht sich, für ein Lächeln zu sorgen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Schon weitaus selbstverständlicher, ressourcenfreundlicher und gewohnter als Hangout ist für viele User die normale &lt;strong&gt;Chat&lt;/strong&gt;-Funktion. Diese ist weitgehend der von Facebook nachempfunden. Etwas undurchsichtig ist derzeit noch, welche Kontakte überhaupt als chat-fähige Kontakte angeboten werden. Der Grund dafür ist, dass die Chat-Funktionalität über &lt;a href=&quot;http://www.google.com/talk/intl/de/&quot;&gt;Google Talk&lt;/a&gt; realisiert ist. Es werden nur Chat-Partner angeboten, für die in den Google-Kontakten von GoogleMail eine E-Mail-Adresse (und zwar die GoogleMail-Adresse) eingetragen ist. Eine Besonderheit beim Chat ist jedoch die sogenannte &lt;strong&gt;Huddle&lt;/strong&gt;-Funktion. Diese ermöglicht es, mit einen ganzen Circle gleichzeitig zu chatten, also Circles zu Chaträumen zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Integration, APIs und all das, was Facebook so beliebt gemacht hat&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Gegenwärtig ist Google+ nur etwas für Vernetzungs-Puristen. Es bietet Networking und Teilen von Inhalten auf bislang höchstem Niveau, aber man kann bislang weder lustige Herzen versenden noch virtuelle Schafe züchten. Es gibt noch keine Fan-Seiten der Sorte „Wir-wollen-Guttenberg-zurück“ und keine Branding-Seiten für Markengläubige. Doch letztere sind genau das, &lt;a href=&quot;https://plus.google.com/109568960804534353862/posts/2XQcCqrAUYq&quot;&gt;was Google bereits angekündigt hat&lt;/a&gt;. Denn Google ist klar, dass ein reines Network ohne den ganzen Klimbim, der Facebook berühmt gemacht hat, heute nicht mehr ausreicht. Gerade um Unternehmen und damit potentielle Werbekunden zu binden, sind Network-Präsenzen jenseits persönlicher Profile erforderlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine dokumentierte Programmierschnittstelle (API) gibt es bislang auch noch nicht für Google+, und folglich auch noch keine „Apps“. Es ist allerdings sicher, dass früher oder später eine solche Schnitstelle eingeführt wird. Bereits jetzt können sich &lt;a href=&quot;https://services.google.com/fb/forms/plusdevelopers/&quot;&gt;interessierte Entwickler registrieren&lt;/a&gt;. Irgendwann wird es dann wohl auch Geburtstagsherzen und Zynga-Schafe auf Google+ geben. Dennoch ist fraglich, ob Google+ jemals die Normalbürger-Akzeptanz von Facebook erreichen wird. Möglicherweise wird es eher zum Netzwerk für netzaffine Menschen, für &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Geek&quot;&gt;Geeks&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Nerd&quot;&gt;Nerds&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Digerati&quot;&gt;Digerati&lt;/a&gt;. Denn die sind ohnehin die treueste Google-Klientel. Die sehr aufgeräumte, moderne, &lt;a href=&quot;http://www.tuaw.com/2011/06/28/google-was-designed-by-macintosh-team-member-andy-hertzfeld/&quot;&gt;von einem Apple-Designer entworfene Oberfläche&lt;/a&gt; von Google+, die Google mittlerweile auch für andere Anwendungen übernimmt, spricht nicht unbedingt alle Teenies und Omis an. Das würde aber im Umkehrschluss bedeuten, dass bei Facebook weitgehend die „Intellektuellen“ abwandern. Doch all das gehört wieder zu den Prognosen, für die es im Augenblick einfach noch zu früh ist.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Die echte Alternative bleibt Diaspora&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Eines haben Google+ und Facebook bei aller Konkurrenz jedoch gemeinsam: es sind beides Angebote großer Unternehmen. Alle von den Benutzern produzierten Daten werden auf unternehmenseigenen Serverfarmen gespeichert. Wer prinzipielle Einwände gegen diese Form hat, eigene Daten im Netz zu hinterlassen, wird bei Google+ genauso enthaltsam bleiben wie bei Facebook. In diesem Fall bleibt das dezentral organisierte OpenSource-Network Diaspora die gegenwärtig sinnvollste Alternative (siehe dazu auch meinen älteren Artikel &lt;a href=&quot;http://webkompetenz.wikidot.com/blog:89&quot;&gt;Erste Erfahrungen mit Diaspora&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Und wie kommt man nun an Google+? Und was ist mit Google-Apps-Usern?&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Derzeit haben Benutzer von Google Apps noch keine Möglichkeit, Google+ zu nutzen. Google hat jedoch angekündigt, dass Google+ auf jeden Fall auch für Apps-User zur Verfügung gestellt werden soll. Es steht natürlich jedem Benutzer frei, sich bis dahin einen normalen Google-Account einzurichten. Um in der geschlossenen Beta-Phase an Google+ teilnehmen zu können, muss man jedoch von einem existierenden Google+-Benutzer explizit eingeladen werden. Der offizielle Einladen-Button wurde jedoch von Google vorläufig wieder kassiert, da es anfangs offenbar zu schnell voran ging mit dem gezielten Fluten der Benutzermassen. Es genügt aber in der Regel, ein Posting an eine @gmail.com- oder @googlemail.com-Adresse zu senden, um den entsprechenden Empfänger zu befähigen, ins Network einzutreten. Mein Angebot: wer seine GoogleMail-Adresse &lt;a href=&quot;https://spreadsheets.google.com/a/muenznet.com/spreadsheet/viewform?hl=de&amp;amp;formkey=dFdvNm44cTBMZ1JvYVcxWDQyRzhwWnc6MQ#gid=0&quot;&gt;in diesem Formular&lt;/a&gt; einträgt, erhält von mir wenn möglich eine Einladung zu Google+.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940870&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Thu, 21 Jul 2011 18:40:41 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus.png" style="width: 120px; height: 118px; float: left; margin-right: 15px;" alt="gplus.png" class="image" /> Google hat seinen nächsten Versuch gestartet, um im Bereich SocialMedia Fuß zu fassen. Nach ersten persönlichen Erfahrungen mit dem neuen Network wird es Zeit, die Gedanken zu sortieren. Fazit: ich liebe es, aber nicht jeder ist ich :-)<br /> <span class="legend">Eigentlich veröffentlicht am 03.07.2011</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Viele, viele Artikel sind in den ersten 48 Stunden zum <a href="https://plus.google.com/">brandneuen Social Network</a> von Google geschrieben worden. Den meisten fällt nichts Besseres ein als irgendeine Variation von „Angriff auf Facebook“ für den Titel oder Aufmacher zu verwenden. Der gemeine Wirtschaftsteil-Zeitungsleser versteht offenbar keine andere Sprache als „wer will wen fressen“. Ohne Zweifel möchte Google in den Markt eindringen, der gegenwärtig von Facebook dominiert wird. Allerdings gibt es derzeit auf Google+ noch gar keine social-sensitive (auch keine kontext-sensitive und nicht mal sonst igendwelche) Werbung, was die vom Marketing her denkenden Beobachter wohl durch die Bank vergessen haben zu erwähnen. Jedenfalls ist die fehlende Werbung finde ich Grund genug, Google+ erst mal nicht aus Marketing-Sicht zu betrachten, sondern ausschließlich aus konzeptioneller Sicht.</p> <p>Obwohl ich in der Vergangenheit so einiges zu möglichen Google-Plänen für ein Social Network geschrieben habe (z.B. <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:107">Eine Prognose für das Social Network von Google</a>), war mir nicht danach, beim Bekanntwerden der Nachricht, dass Google nun tatsächlich ein solches Network gelauncht hat, gleich in die Trompete zu blasen. Auch als ich am nächsten Vormittag erfreulicherweise bereits die erforderliche Einladung erhielt, um an der Beta-Phase teilzunehmen, wollte ich nicht gleich, während ich meine ersten Gehversuche auf der Plattform machte, darüber schreiben. Ich wollte es einfach erst mal ein wenig nutzen und „wirken lassen“.</p> <p>Mittlerweile sind der erste und der zweite Lebenstag im neuen Netzwerk vorbei. Ich folge fast 200 Leuten, und weit über 300 Leute folgen mir. Die Timeline ist bestens gefüllt, und viele der Early Adaptors sprühen erst mal vor Aktivität. Das wird sich vermutlich in nächster Zeit legen. Dann wird sich zeigen, wer da bleibt, aktiv Inhalte beiträgt und das Network zu einem echten Netzwerk macht. Zumindest so viel lässt sich sagen: die Chancen stehen diesmal deutlich besser als im Februar 2010, als der GoogleMail-Social-Ergänzungsservice <a href="http://www.google.com/buzz">Buzz</a> gelauncht wurde. Während Buzz beim Start viel Verwirrung, Kritik und Kopfschütteln auslöste, sind die Stimmen bei Google+ fast durchweg positiv, nicht wenige sogar voll des Lobes.</p> <p>Bis jedoch fundiertere Bemerkungen zum Erfolg und zur Nutzung möglich sind, möchte ich lieber erst einmal etwas über die Konzepte von Google+ schreiben und ein paar Ideen dazu äußern, wie man diese Konzepte sinnvoll nutzen kann.</p> <h3><span>Die Sache mit den Kreisen (Circles)</span></h3> <p>Obwohl die Standard-Ansicht des Google-Network für Facebook-User eigentlich sehr vertraut ist, ist das Erste, was man als erfolgreich eingeloggter Neu-User auf Google+ zu sehen bekommt, doch sehr neu und ungewohnt: nämlich die sogenannte <strong>Circles-Ansicht</strong>. Die gibt es in dieser Form in Facebook, LinkedIn, Xing, MySpace oder StudiVZ nicht. Zwar lassen sich „Freunde“ auf Facebook ebenfalls in Listen (Gruppen) organisieren. Doch bei Facebook ist diese Funktion so unauffällig implementiert, dass sie kaum genutzt wird. Konzeptionell vergleichbar ist in dieser Hinsicht nur das OpenSource-Netzwerk <a href="https://joindiaspora.com/">Diaspora</a>, das eine ähnlich starke Betonung verschiedener Lebensbereiche und Kontaktformen kennt. Dort werden sie als <strong>Aspekte</strong> bezeichnet.</p> <p>In der Circles-Ansicht von Google+ kann man Benutzer auswählen oder suchen und diese in persönliche „Schubladen“ einordnen. Diese Schubladen werden optisch ansprechend als Kreise (circles) visualisiert. Man kann gefundene User einem oder beliebig vielen persönlichen Kreisen zuordnen. Ein paar typische Kreise wie „Freunde“, „Bekannte“, „Familie“ usw. sind beim Einstieg bereits vorhanden. Man kann beliebig neue Kreise hinzufügen, ändern oder entfernen. In der oberen Fensterhälfte werden gefundene User angezeigt, in der unteren die Circles. Durch einfaches Ziehen eines oben angezeigten Users mit der Maus in einen Circle wird der User hinzugefügt. Es ist keineswegs verboten und organisatorisch oft sogar sinnvoll, einen User mehr als einem Kreis zuzuordnen (dazu weiter unten noch mehr):</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-circles.png" style="width: 600px; height: 244px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend"><strong>Die Kreise von Google+</strong>: Intuitiv bedienbar, doch ein mächtiges Werkzeug, dessen richtiger Einsatz möglicherweise einiges an Überlegungen erfordert.</span></div> <p>Die Namen der User im oberen Bereich öffnen beim Überfahren mit der Maus einen Tooltipp, der wiederum eine anklickbare Version des Namens enthält. Die Links führen zu den Profilseiten der entsprechenden User. Dort bekommt man neben dem Profilbild allerdings nur das zu sehen, was die Profil-Inhaber als öffentlich zugänglich definiert haben:</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/glus-profil.png" style="width: 600px; height: 323px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend"><strong>Die neuen Profilseiten von Google</strong>: Die neuen Profilseiten von Google<br /> Die alten Profilseiten gibt es nicht mehr. Die neuen sind Teil von Google+ und vereinen Postings aus Google+, hochgeladene Bilder, Videos, für gut befundene Web-Inhalte („+1“) und derzeit noch Postings von Google Buzz.</span></div> <p>Eines sollte man sich bei der Sache mit den Kreisen grundsätzlich überlegen: nämlich ob man die Circles überhaupt nutzen möchte oder nicht. Das mündet in die Frage, wie man Google+ letztlich nutzen möchte. Typische Power-User der Webszene neigen dazu, die meisten Inhalte einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Das ist in Google+ problemlos möglich. Eigene Status-Beiträge lassen sich nicht nur an einen oder beliebig viele eigene Circles senden, sondern auch an einen Pseudo-Circle namens <strong>öffentlich</strong>. Und damit ist wirklich das offene, weite Web gemeint, und nicht etwa nur die begrenzte Sphäre aller registrierten Google+-User. Als öffentlich deklarierte Beiträge sind über eine eigene URL-Adresse erreichbar. Da Postings bei Google+ keine Längenbegrenzung kennen, könnte so mancher Side-Blogger bei Posterous oder Tumblr sich überlegen, ob er nicht lieber gleich via Google+ publizieren sollte. Für Networker, die vor allem öffentlich wirken wollen, empfiehlt es sich, einen Circle für alle User anzulegen, denen man folgen möchte, z.B. einen Circle namens Alle. In diesen Circle zieht man dann alle User, denen man folgen möchte.</p> <p>Google+ bedient aber auch das umgekehrte Bedürfnis: Austausch jenseits von E-Mail ja, aber nur in sehr begrenztem Maße und möglichst kontrolliert. Die Circles-Ansicht sagt leider nicht explizit, was sie eigentlich meint: „Bilde nicht nur dein reales Leben ab! Sei ganz hemmungslos und steck deine Kontakte in Schubladen, die du immer schon dafür gewünscht hast. Niemand außer dir kann sehen, wen du in welche Schublade gesteckt hast. Scheu dich also nicht, auch Schubladen wie <em>Dummschwätzer</em> oder <em>Nur-mit-Kneifzange</em> einzurichten!“ Im Regelfall einen Kreis für web-aktive Arbeitskollegen vielleicht, einen für den erweiterten Familien-Klan, einen für den ganz realen Dorf-Tratsch, einen für die Vereinsmitstreiter, und einen „Ouh-la-la“-Kreis. Das wirkt erst mal alles sehr abstrakt. Um User in eine oder mehrere geeignete Schubladen zu stecken, muss man sich einfach in Gedanken vorstellen, eine Status-Meldung zu posten. Etwa einen Hochzeitsgruß an die entfernte Cousine dritten Grades. Das betrifft den Familien-Klan-Kreis, aber nicht die Berufskollegen. Ein andermal möchte man vielleicht lieber einen soeben entdeckten, fundierten Fachartikel über konkurrierende Weichmacher-Techniken bei Kinderspielzeug teilen, weil man in der Chemie-Branche für solche Weichmacher-Techniken beschäftigt ist: das geht die Berufskollegen an. Das sind alles klare Zuordnungsfälle. Leider ist das Leben jedoch komplexer und hält sich nicht an bestimmte Schubladen. Angenommen, man regt sich persönlich sehr über die Rodung des Regenwaldes für die Interessen von McDonalds auf, oder darüber, dass Stefan Raab im Alleingang bestimmt, wer aus deutscher Sicht am European Song Contest teilnimmt. Das interessiert villeicht einige Familienmitglieder, einige Vereinskollegen, und einige Berufskollegen. In diesem Fall beginnt das Wagnis, eine solche Status-Meldung an all diese Circles zu senden, auch auf die Gefahr hin, bei einigen andersdenkenden Circle-Usern böse anzuecken. Wenn man vorhat, sich auch mal non-konform zu äußern, kann man sich aber auch mit der Definition geeigneter Spezial-Circles helfen. Zum Beispiel mit Circles wie <em>Regenwald-Abholzungs-Gegner</em> oder <em>Nie-wieder-Raab-Lena-Kult</em>. Dort kann man genau die User einordnen, die als Zielgruppe für Gedanken dieser Art in Frage kommen. Das ist zwar ein wenig Einrichtungsarbeit, aber dafür kann man extrem zielgruppengerecht posten. Eine Option, die vor allem auch für den Business-Bereich interessant ist.</p> <p>Bei jedem Beitrag, den man in Google+ postet, kann man genau festlegen, an welchen oder welche Benutzer(kreis(e)) das Posting gehen soll:</p> <ul> <li><strong>an einen bestimmten Benutzer:</strong> (das ist die Privatnachrichtenfunktion innerhalb von Google+, sie ist gewissermaßen einfach ein Spezialfall für Statusmeldungen). Dazu einfach im Adressierungsfeld den Namen des Benutzers tippen. Beim Tippen werden sofort Vorschläge angeboten. Einfach den gewünschten User auswählen. So wird der ausgewählte User zum Nachrichtenempfänger.</li> <li><strong>an mehrere bestimmte Benutzer:</strong> dazu einfach die zuvor beschriebene Prozedur mehrmals wiederholen.</li> <li><strong>an einen bestimmten Kreis (Circle):</strong> dazu einfach den Link Kreise oder Personen hinzufügen oder Weitere &#8230; hinzufügen anklicken. Eine Liste mit den definierten Kreisen wird angeboten. Einfach den gewünschten Kreis auswählen.</li> <li><strong>an mehrere bestimmte Kreise:</strong> dazu einfach die zuvor beschriebene Prozedur mehrmals wiederholen.</li> <li><strong>an alle eigenen Kreise:</strong> dazu einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste auswählen.</li> <li><strong>an erweiterte Kreise:</strong> auch dazu einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste auswählen. Dann geht das Posting auch an alle User, die Usern folgen, die einem selbst folgen.</li> <li><strong>an die Öffentlichkeit:</strong> auch dazu einfach den entsprechenden Eintrag (öffentlich) aus der Liste wählen. Das Posting ist dann innerhalb von Google+ für alle in der Timeline sichtbar, die einem folgen. Darüber hinaus ist es auf der eigenen Profilseite jedoch auch öffentlich im Web sichtbar (auch für User ohne Google+), mitsamt aller Kommentare.</li> <li><strong>an beliebige Kombinationen:</strong> also beispielsweise an einen bestimmten Kreis und zwei zusätzliche bestimmte Benutzer.</li> <li><strong>an beliebige E-Mailadressen:</strong> dazu im nachfolgenden Abschnitt mehr.</li> </ul> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-posting.png" style="width: 402px; height: 298px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend"><strong>Beiträge posten - eine leistungsstarke Funktion</strong>: Beiträge bestehen wahlweise aus reinem Text oder Text plus einem Bild, Text plus einem Video, Text plus einem Link (inklusive möglicher Grafik aus der verlinkten Zielseite) oder aus Text plus einer persönlichen Standortermittlung („ich halte mich gerade hier und da auf“) mittels Geolocation.</span></div> <h3><span>Freiwillige Vernetzung statt bidirektionaler Freundschaften</span></h3> <p>Das Hinzufügen anderer User zu eigenen Kreisen bedeutet lediglich, dass man künftig selber in der eigenen Timeline alles mitbekommt, was diese anderen User mit einem teilen. Umgekehrt ist das jedoch nicht so. Die anderen User erhalten lediglich eine Benachrichtigung darüber, dass man sie zu eigenen Kreisen (aber nicht, zu welchen Kreisen!) hinzugefügt hat. Es ist jedoch anders als bei Facebook keine Freundschaftsbestätigung erforderlich. Die Vernetzung funktioniert also nach dem reinen Follower-Prinzip, so wie bei Twitter. Das mag auf den ersten Blick kein gewaltiger Unterschied sein, doch in Wirklichkeit steckt dahinter eine völlig andere Vernetzungsphilosophie. Der Blogger Mario Sixtus hat das <a href="http://sixtus.cc/its-the-asynchronicity-stupid-google">in einem Artikel herausgearbeitet</a> und als asymmetrische Vernetzung bezeichnet. Diese Art der Vernetzung ist wesentlich web-typischer als die symmetrische und stets bidirektionale „Freundschafts“-Vernetzung bei Facebook, Xing oder vielen anderen Networking-Plattformen. Auch Hyperlinks im Web zeigen stets in eine Richtung, ohne auf der Zielseite automatisch einen Rückverweis zu generieren (Ausnahme: Trackbacks).</p> <p>Überhaupt bemüht sich Google+ deutlich, nach außen hin offener zu sein als Facebook. So kann man in seine persönlichen Kreise auch User aufnehmen, die Google+ gar nicht nutzen. Es genügt, wenn man sie in seinen Google-Kontakten innerhalb von GoogleMail mit einer gültigen E-Mail-Adresse (die keine GoogleMail-Adresse sein muss) angelegt hat. Dann werden sie als Personen angeboten, die man in seine Circles ziehen kann. Sendet man nun ein Posting an einen Circle, erhalten User, die nicht bei Google+ sind, das Posting als E-Mail. Ferner ist es möglich, Postings auch direkt an beliebige E-Mail-Adressen zu senden. Dazu einfach in der bereits weiter oben beschriebenen Adressierungszeile eine gültige E-Mail-Adresse eingeben und die Eingabe mit der [Tabulator]-Taste abschließen. Das Posting wird damit zu einer E-Mail an den entsprechenden Empfänger. Solche E-Mails sind allerdings eine Einweg-Kommunikation, d.h. die Empfänger können nicht direkt darauf antworten. Wenn ihre Antworten als Kommentare zum Posting erscheinen sollen, müssen sie selbst bei bei GooglePlus anmelden. Dazu bietet Google in den so versendeten Mails die direkte Möglichkeit an.</p> <h3><span>Timeline mit Extras</span></h3> <p>Die Standard-Ansicht von Google+ orientiert sich an dem Timeline-Paradigma, das gegenwärtig alle nennenswerten Social Networks einsetzen. Der zentrale Inhalt besteht also aus Beiträgen von anderen Usern, denen man selbst folgt, genauer, aus Beiträgen, zu deren Empfängern man gehört. In der Navigation links lässt sich die Timeline auf Kreise reduzieren. So kann man beispielsweise mit einem Klick das Netzrauschen der Timeline auf Beiträge enger Vertrauter reduzieren.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/glus-timeline.png" style="width: 402px; height: 459px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend"><strong>Das Timeline-Paradigma herrscht auch bei Google+</strong>: Postings erscheinen allerdings nicht stur absteigend nach Zeitpunkt sortiert, sondern ähnlich wie bei Google Buzz absteigend nach dem Zeitpunkt des neuesten Kommentars. Dadurch verändern sich auch die Positionen der Beiträge laufend, was für weniger geübte User sicher erst mal verwirrend ist.</span></div> <p>Neben der Timeline bietet Google+ allerdings schon jetzt einige Zusatzfunktionen an, die es in dieser Form in anderen Netzwerken nicht gibt. So etwa der Bereich <strong>Sparks</strong>. Diesen Bereich muss man sich man sich als eine Art <a href="http://www.google.com/alerts?hl=de">Google Alerts</a> innerhalb der Networking-Oberfläche vorstellen. Man definiert sich Stichwörter, die einen interessieren, und erhält einen automatischen News-Stream. Dieser besteht vor allem aus Links zu „relevanten“ Zeitungs- und Magazin-Artikeln. Gedacht ist die Funktion einerseits zur schnellen Recherche für SocialMedia-News-Verbreiter. Aber auch für Einsteiger, die noch nicht so viele Kontakte haben und deren Timeline folglich noch nicht sehr abwechselungsreich ist, sind die Sparks ein Abwechselungsfaktor. Die Sparks sind links in der Navigation erreichbar, unterhalb der eigenen Kreise.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-sparks.png" style="width: 602px; height: 524px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend"><strong>Sparks - der News- und Input-Service von Google+</strong>: Zu frei definierbaren Stichwörtern werden aktuelle Links zu Zeitschriften- und Magazinartikel zum Thema angeboten. In diesem Bereich spielt Google natürlich seine Macht als Suchmaschine voll aus.</span></div> <p>Als aufregendstes neues Feature wird jedoch von vielen Usern die sogenannte <strong>Hangout</strong>-Funktion gewertet. Das ist eine Video-Chat-Funktion für bis zu 10 User. Gleichzeitig kann noch ein YouTube-Video angezeigt werden. Überflüssig zu sagen, dass diese Funktion nur für sehr breitbandige Internetanschlüsse geeignet ist. Mit der von der Bundesregierung propagierten 1-MBit-Standardversorgung kommt man bei Hangout jedenfalls nicht weit. Ferner wird eine Webcam benötigt. Da diese vor allem bei Notebooks seit Jahren zur eingebauten Standardausrüstung gehören, ist diese Hardware-Voraussetzung jedoch bei vielen Usern erfüllt. Software-seitig ist außerdem noch das GoogleTalk-Video-Plugin erforderlich. Das lässt sich jedoch gegebenenfalls automatisch nachinstallieren - es ist für Windows, Mac und Linux verfügbar.</p> <p>Wer sich langweilt, startet einfach eine Hangout-Sitzung und kann die Benutzer, die ihm folgen, darüber informieren. Um einen eigenen Hangout zu starten, steht rechts von der Timeline eine Schaltfläche Hangout starten zur Verfügung. Wer Zeit und Lust hat, kann sich in die Hangout-Sitzung einklinken. Über von anderen gestartete Hangouts erfährt man innerhalb der Timeline und hat dort die Möglichkeit, der Hangout-Sitzung beizutreten. So kann man zu zweit oder mit mehreren Leuten gleichzeitig „abhängen“. Nur den chilligen Ibiza-Strandbar-Sound hat Google noch nicht eingebaut. Das Hangout-Feature ist aber nicht nur zum Abhängen da, sondern auch für realitätsnahe Online-Meetings interessant. Google hat mit Hangout tief in eine wichtige Business-Kerbe von Skype geschlagen. Und Facebook reagiert anscheinend panisch besorgt mit einer Integration der <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-Facebook-bringt-Skype-Integration-1272128.html">Video-Chat-Funktion von Skype</a>.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:114/gplus-hangout.png" style="width: 400px; height: 480px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend"><strong>Startvorgang eines Hangouts</strong>: Das Handling ist intuitiv, und Google bemüht sich, für ein Lächeln zu sorgen.</span></div> <p>Schon weitaus selbstverständlicher, ressourcenfreundlicher und gewohnter als Hangout ist für viele User die normale <strong>Chat</strong>-Funktion. Diese ist weitgehend der von Facebook nachempfunden. Etwas undurchsichtig ist derzeit noch, welche Kontakte überhaupt als chat-fähige Kontakte angeboten werden. Der Grund dafür ist, dass die Chat-Funktionalität über <a href="http://www.google.com/talk/intl/de/">Google Talk</a> realisiert ist. Es werden nur Chat-Partner angeboten, für die in den Google-Kontakten von GoogleMail eine E-Mail-Adresse (und zwar die GoogleMail-Adresse) eingetragen ist. Eine Besonderheit beim Chat ist jedoch die sogenannte <strong>Huddle</strong>-Funktion. Diese ermöglicht es, mit einen ganzen Circle gleichzeitig zu chatten, also Circles zu Chaträumen zu machen.</p> <h3><span>Integration, APIs und all das, was Facebook so beliebt gemacht hat</span></h3> <p>Gegenwärtig ist Google+ nur etwas für Vernetzungs-Puristen. Es bietet Networking und Teilen von Inhalten auf bislang höchstem Niveau, aber man kann bislang weder lustige Herzen versenden noch virtuelle Schafe züchten. Es gibt noch keine Fan-Seiten der Sorte „Wir-wollen-Guttenberg-zurück“ und keine Branding-Seiten für Markengläubige. Doch letztere sind genau das, <a href="https://plus.google.com/109568960804534353862/posts/2XQcCqrAUYq">was Google bereits angekündigt hat</a>. Denn Google ist klar, dass ein reines Network ohne den ganzen Klimbim, der Facebook berühmt gemacht hat, heute nicht mehr ausreicht. Gerade um Unternehmen und damit potentielle Werbekunden zu binden, sind Network-Präsenzen jenseits persönlicher Profile erforderlich.</p> <p>Eine dokumentierte Programmierschnittstelle (API) gibt es bislang auch noch nicht für Google+, und folglich auch noch keine „Apps“. Es ist allerdings sicher, dass früher oder später eine solche Schnitstelle eingeführt wird. Bereits jetzt können sich <a href="https://services.google.com/fb/forms/plusdevelopers/">interessierte Entwickler registrieren</a>. Irgendwann wird es dann wohl auch Geburtstagsherzen und Zynga-Schafe auf Google+ geben. Dennoch ist fraglich, ob Google+ jemals die Normalbürger-Akzeptanz von Facebook erreichen wird. Möglicherweise wird es eher zum Netzwerk für netzaffine Menschen, für <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geek">Geeks</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nerd">Nerds</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digerati">Digerati</a>. Denn die sind ohnehin die treueste Google-Klientel. Die sehr aufgeräumte, moderne, <a href="http://www.tuaw.com/2011/06/28/google-was-designed-by-macintosh-team-member-andy-hertzfeld/">von einem Apple-Designer entworfene Oberfläche</a> von Google+, die Google mittlerweile auch für andere Anwendungen übernimmt, spricht nicht unbedingt alle Teenies und Omis an. Das würde aber im Umkehrschluss bedeuten, dass bei Facebook weitgehend die „Intellektuellen“ abwandern. Doch all das gehört wieder zu den Prognosen, für die es im Augenblick einfach noch zu früh ist.</p> <h3><span>Die echte Alternative bleibt Diaspora</span></h3> <p>Eines haben Google+ und Facebook bei aller Konkurrenz jedoch gemeinsam: es sind beides Angebote großer Unternehmen. Alle von den Benutzern produzierten Daten werden auf unternehmenseigenen Serverfarmen gespeichert. Wer prinzipielle Einwände gegen diese Form hat, eigene Daten im Netz zu hinterlassen, wird bei Google+ genauso enthaltsam bleiben wie bei Facebook. In diesem Fall bleibt das dezentral organisierte OpenSource-Network Diaspora die gegenwärtig sinnvollste Alternative (siehe dazu auch meinen älteren Artikel <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:89">Erste Erfahrungen mit Diaspora</a>).</p> <h3><span>Und wie kommt man nun an Google+? Und was ist mit Google-Apps-Usern?</span></h3> <p>Derzeit haben Benutzer von Google Apps noch keine Möglichkeit, Google+ zu nutzen. Google hat jedoch angekündigt, dass Google+ auf jeden Fall auch für Apps-User zur Verfügung gestellt werden soll. Es steht natürlich jedem Benutzer frei, sich bis dahin einen normalen Google-Account einzurichten. Um in der geschlossenen Beta-Phase an Google+ teilnehmen zu können, muss man jedoch von einem existierenden Google+-Benutzer explizit eingeladen werden. Der offizielle Einladen-Button wurde jedoch von Google vorläufig wieder kassiert, da es anfangs offenbar zu schnell voran ging mit dem gezielten Fluten der Benutzermassen. Es genügt aber in der Regel, ein Posting an eine @gmail.com- oder @googlemail.com-Adresse zu senden, um den entsprechenden Empfänger zu befähigen, ins Network einzutreten. Mein Angebot: wer seine GoogleMail-Adresse <a href="https://spreadsheets.google.com/a/muenznet.com/spreadsheet/viewform?hl=de&amp;formkey=dFdvNm44cTBMZ1JvYVcxWDQyRzhwWnc6MQ#gid=0">in diesem Formular</a> einträgt, erhält von mir wenn möglich eine Einladung zu Google+.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940870" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
				 	]]>
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:113</guid>
				<title>IPv6 und die Netzneutralität</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:113</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:113/ip6nn.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 118px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;ip6nn.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Ein weniger bekanntes, neues Feature des neuen IP-Adress-Standards könnte der Anfang vom Ende der Gleichbehandlung aller Datenübertragungen im Internet sein.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Eigentlich veröffentlicht am 24.06.2011&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Am 8. Juni 2011 lief, was die Mehrzahl der Internet-User vermutlich gar nicht gemerkt hat, ein weltweiter Testversuch für das künftige IPv6-Protokoll. Der Versuch verlief für die am Test teilnehmenden Unternehmen, darunter auch Google und Facebook, hoch erfreulich. Grünes Licht also für eine baldige Einführung. Nötig ist die Einführung auf jeden Fall, da der Adressraum der bisherigen IP-Adressen, die binär aufgelöst einfach eine 4 Byte große Zahl darstellen, seit Februar 2011 erschöpft ist. Zwar können Provider großer Adressräume durch dynamisch vergebene IP-Adressen innerhalb ihres Adressraums das Problem in der Praxis noch leidlich umgehen. Doch erstens kann es nach dem bisherigen IP-Adressvergabe-Schema keine neuen, großen Provider mehr geben, da alle großen Adressräume vergeben sind, und zweitens sind dynamische, wechselnde IP-Adressen für viele zukunftsträchtige Internet-Anwendungsbereiche zum Teil unbrauchbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das neue &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/IPv6&quot;&gt;IPv6-Protokoll&lt;/a&gt; besteht nicht mehr wie das bisherige IP4-Protokoll aus 4 Zahlen zwischen 0 und 255, sondern aus 8 Zahlen zwischen 0 und 65.536. Damit sind 340 Sextillionen IPs adressierbar. Zum Vergleich: seit Anbeginn des Wetters auf unserem Globus soll etwa 1 Sextillion Schneeflocken auf die Erde niedergegangen sein (&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2000/02/Unendliche_Variation&quot;&gt;Quelle&lt;/a&gt;). Doch das IPv6-Protokoll, mit dessen Entwicklung bereits 1995 begonnen wurde, und das seit 1998 in der Internet-Spezifikation &lt;a href=&quot;http://tools.ietf.org/html/rfc2460&quot;&gt;RFC 2460&lt;/a&gt; vorliegt, beseitigt nicht nur bis auf weiteres die Adressierungsengpässe im Netz. Es sorgt auch für eine Performance-Steigerung beim Protokollteil von Datenübertragungen, und es bietet verschiedene neue Features an. Dazu gehört zum Beispiel die von vorneherein eingebaute Möglichkeit einer &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/IPsec&quot;&gt;IPsec&lt;/a&gt;-Verschlüsselung der übertragenen Daten, oder auch die Angabe der Priorität eines Datenpakets für die Flusssteuerung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und genau an dieser Prioritätsangabe, die in einem IPv6-Headerfeld namens &lt;em&gt;Traffic Class&lt;/em&gt; gespeichert wird, entzündet sich die Kritik. Gedacht ist die Prioritätsangabe für Anwendungen, welche die &lt;strong&gt;Dienstgüte&lt;/strong&gt; (&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/QoS&quot;&gt;Quality of Service - QoS&lt;/a&gt;) messen. Das betrifft beispielsweise IP-basierte Echtzeit-Sprachübertragungen, also Internet-Telefonie. Durch die Priorisierungsangabe kann ein Internetdienst wie beispielsweise Skype bereits auf IP-Ebene die Dienstgüte, also die Sprachqualität beeinflussen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Protokollspezifikation von IPv6 sieht für das Prioritätsfeld &lt;em&gt;Traffic Class&lt;/em&gt; Werte von 0 bis 15 vor, also 16 unterschiedliche Prioritätsstufen. Dabei wird grob unterschieden zwischen dem Wertebereich 0 bis 7 und dem Wertebereich 8 bis 15. Pakete mit einem Prioritätswert zwischen 0 und 7 gelten als Verlierer, solche mit einem Wert zwischen 8 und 15 als Gewinner. Denn Pakete mit Werten zwischen 0 und 7 sollen bei hoher Netzlast vernachlässigt werden, während Pakete mit 8 bis 15 bevorzugt werden sollen. Werte von 8 bis 15 sollen laut Protokoll nur für Echtzeitanwendungen reserviert sein. Andere Dienste (darunter auch HTTP, FTP oder Mailprotokolle wie POP3, IMAP oder SMTP) sollen sich mit Werten von 0 bis 7 begnügen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Echtzeit-Anwendungen, die auf das Messen der Dienstgüte angewiesen sind, profitieren ganz eindeutig davon, wenn Pakete bereits auf TCP-Ebene nach brauchbar und unbrauchbar vorsortiert und in entsprechender Priorität weitergeleitet werden. In der Fachsprache wird die Priorisierung von IP-Paketen zum Zweck der Verbesserung der Dienstgüte auch als &lt;strong&gt;Qualitätsdifferenzierung&lt;/strong&gt; bezeichnet. Für diesen und keinen anderen Zweck ist das Traffic-Class-Feld gedacht. Die Spezifikation schreibt deswegen auch ausdrücklich vor, dass die Prioritätsangabe nur anfänglich von einer Anwendung gesetzt werden und dann auf dem gesamten Weg bis zum Empfänger nicht mehr verändert werden darf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist jedoch technisch ohne weiteres möglich, diese Regel zu umgehen und IP-Pakete auf ihrem Weg vom Sender zum Empfänger zu manipulieren, also etwa den Wert des IPv6-Header-Feldes &lt;em&gt;Traffic Class&lt;/em&gt; zu verändern. Etwa zu dem Zweck, damit Daten bestimmter Dienste oder Sender-Empfänger-Verbindungen bevorzugt übertragen werden. Das Gebot der Netzneutralität soll genau so etwas verhinern. Doch die Versuchung ist groß - bei den großen, privaten Leitungsvermittlern und Leitungsbetreibern. Während der Bandbreitenbedarf andauernd weiter ansteigt, fallen die Datenübertragungspreise immer weiter. Netzbetreiber könnten jedoch Milliarden von Dollar verdienen, wenn das Gebot der Netzneutralität fallen würde. Denn viele große Unternehmen würden viel dafür bezahlen, Vorfahrt für eigene Daten im Netz zu erhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Traffic-Class-Feld im Header von IPv6-Paketen ist sicher keine bewusst eingeführte Unterwanderung der Netzneutralität. Es dient allein dem beschriebenen Zweck der Qualitätsdifferenzierung bei QoS-abhängigen Internetanwendungen wie IP-Telefonie. Es &lt;strong&gt;könnte&lt;/strong&gt; allerdings zur Unte﻿rwanderung des Netzneutralitätsgrundsatzes missbraucht werden, vorausgesetzt, es kommt zu entsprechenden Deals zwischen Interessenten und leitungsvermittelnden Providern. Das könnte auch unauffällig durch Einzelabsprachen unter der Hand geschehen, so dass es nur schwer nachweisbar ist. Um so wichtiger ist es, dass der Grundsatz der Netzneutralität durch weltweit einheitliche gesetzliche Regelungen geschützt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei alledem muss man auch berücksichtigen, dass den „Gegnern“ der Netzneutralität durchaus klar ist, dass sie ein wunderbar funktionierendes Gleichbehandlungsmodell vor den Augen von zig Millionen Usern aus Gründen von Profitinteressen stürzen wollen. Da ist natürlich unauffällige Massenmanipulation mit den Mitteln der Sprachverweichlichung angesagt. Es gibt durchaus kritische Stimmen, die etwa den oben beschriebenen Begriff „Qualitätsdifferenzierung“ für reinen Marketing-Nebel halten (z.B. &lt;a href=&quot;http://www.wahl.de/themen/qualit%C3%A4tsdifferenzierung&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;). Obwohl die Unterscheidung zwischen Netzneutralität und Qualitätsdifferenzierung aus technischer Sicht durchaus einleuchtet, so besteht zweifellos die Gefahr, dass diese feinsinnige Unterscheidung, die Normal-Usern nur schwer vermittelbar ist, ein wunderbarer Ansatzpunkt ist für Sprachmanipulation. Qualitätsdifferenzierung als Deckmäntelchen für Eingriffe in die Netzneutralität. Eine Lektüre wie die &lt;a href=&quot;http://www.house-of-it.eu/dynasite.cfm?dsmid=15593&amp;amp;newsid=6941&amp;amp;ref=15986&quot;&gt;Ankündigung zum TK-Tag Hessen 2011&lt;/a&gt;, die nur so strotzt vor sprachlich wohl formulierter Gier nach dem Fall der Netzneutralität, zeigt deutlich, dass solche Warnungen nicht grundlos sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Traffic-Class-Feld im Header von IPv6-Paketen kann Echtzeitübertragungen im Internet effizienter machen. Es könnte aber auch der künftige Speicherort für eine Zwei- oder Mehrklassengesellschaft der Internetnutzer werden. Es liegt an uns, den aktiven Netz-Usern, den zunehmenden Marketing-Nebel der Profiteure von einem Fall der Netzneutralität konsequent wegzupusten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940870&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Wed, 20 Jul 2011 15:01:47 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:113/ip6nn.jpg" style="width: 120px; height: 118px; float: left; margin-right: 15px;" alt="ip6nn.jpg" class="image" /> Ein weniger bekanntes, neues Feature des neuen IP-Adress-Standards könnte der Anfang vom Ende der Gleichbehandlung aller Datenübertragungen im Internet sein.<br /> <span class="legend">Eigentlich veröffentlicht am 24.06.2011</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Am 8. Juni 2011 lief, was die Mehrzahl der Internet-User vermutlich gar nicht gemerkt hat, ein weltweiter Testversuch für das künftige IPv6-Protokoll. Der Versuch verlief für die am Test teilnehmenden Unternehmen, darunter auch Google und Facebook, hoch erfreulich. Grünes Licht also für eine baldige Einführung. Nötig ist die Einführung auf jeden Fall, da der Adressraum der bisherigen IP-Adressen, die binär aufgelöst einfach eine 4 Byte große Zahl darstellen, seit Februar 2011 erschöpft ist. Zwar können Provider großer Adressräume durch dynamisch vergebene IP-Adressen innerhalb ihres Adressraums das Problem in der Praxis noch leidlich umgehen. Doch erstens kann es nach dem bisherigen IP-Adressvergabe-Schema keine neuen, großen Provider mehr geben, da alle großen Adressräume vergeben sind, und zweitens sind dynamische, wechselnde IP-Adressen für viele zukunftsträchtige Internet-Anwendungsbereiche zum Teil unbrauchbar.</p> <p>Das neue <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/IPv6">IPv6-Protokoll</a> besteht nicht mehr wie das bisherige IP4-Protokoll aus 4 Zahlen zwischen 0 und 255, sondern aus 8 Zahlen zwischen 0 und 65.536. Damit sind 340 Sextillionen IPs adressierbar. Zum Vergleich: seit Anbeginn des Wetters auf unserem Globus soll etwa 1 Sextillion Schneeflocken auf die Erde niedergegangen sein (<a href="http://www.zeit.de/2000/02/Unendliche_Variation">Quelle</a>). Doch das IPv6-Protokoll, mit dessen Entwicklung bereits 1995 begonnen wurde, und das seit 1998 in der Internet-Spezifikation <a href="http://tools.ietf.org/html/rfc2460">RFC 2460</a> vorliegt, beseitigt nicht nur bis auf weiteres die Adressierungsengpässe im Netz. Es sorgt auch für eine Performance-Steigerung beim Protokollteil von Datenübertragungen, und es bietet verschiedene neue Features an. Dazu gehört zum Beispiel die von vorneherein eingebaute Möglichkeit einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/IPsec">IPsec</a>-Verschlüsselung der übertragenen Daten, oder auch die Angabe der Priorität eines Datenpakets für die Flusssteuerung.</p> <p>Und genau an dieser Prioritätsangabe, die in einem IPv6-Headerfeld namens <em>Traffic Class</em> gespeichert wird, entzündet sich die Kritik. Gedacht ist die Prioritätsangabe für Anwendungen, welche die <strong>Dienstgüte</strong> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/QoS">Quality of Service - QoS</a>) messen. Das betrifft beispielsweise IP-basierte Echtzeit-Sprachübertragungen, also Internet-Telefonie. Durch die Priorisierungsangabe kann ein Internetdienst wie beispielsweise Skype bereits auf IP-Ebene die Dienstgüte, also die Sprachqualität beeinflussen.</p> <p>Die Protokollspezifikation von IPv6 sieht für das Prioritätsfeld <em>Traffic Class</em> Werte von 0 bis 15 vor, also 16 unterschiedliche Prioritätsstufen. Dabei wird grob unterschieden zwischen dem Wertebereich 0 bis 7 und dem Wertebereich 8 bis 15. Pakete mit einem Prioritätswert zwischen 0 und 7 gelten als Verlierer, solche mit einem Wert zwischen 8 und 15 als Gewinner. Denn Pakete mit Werten zwischen 0 und 7 sollen bei hoher Netzlast vernachlässigt werden, während Pakete mit 8 bis 15 bevorzugt werden sollen. Werte von 8 bis 15 sollen laut Protokoll nur für Echtzeitanwendungen reserviert sein. Andere Dienste (darunter auch HTTP, FTP oder Mailprotokolle wie POP3, IMAP oder SMTP) sollen sich mit Werten von 0 bis 7 begnügen.</p> <p>Echtzeit-Anwendungen, die auf das Messen der Dienstgüte angewiesen sind, profitieren ganz eindeutig davon, wenn Pakete bereits auf TCP-Ebene nach brauchbar und unbrauchbar vorsortiert und in entsprechender Priorität weitergeleitet werden. In der Fachsprache wird die Priorisierung von IP-Paketen zum Zweck der Verbesserung der Dienstgüte auch als <strong>Qualitätsdifferenzierung</strong> bezeichnet. Für diesen und keinen anderen Zweck ist das Traffic-Class-Feld gedacht. Die Spezifikation schreibt deswegen auch ausdrücklich vor, dass die Prioritätsangabe nur anfänglich von einer Anwendung gesetzt werden und dann auf dem gesamten Weg bis zum Empfänger nicht mehr verändert werden darf.</p> <p>Es ist jedoch technisch ohne weiteres möglich, diese Regel zu umgehen und IP-Pakete auf ihrem Weg vom Sender zum Empfänger zu manipulieren, also etwa den Wert des IPv6-Header-Feldes <em>Traffic Class</em> zu verändern. Etwa zu dem Zweck, damit Daten bestimmter Dienste oder Sender-Empfänger-Verbindungen bevorzugt übertragen werden. Das Gebot der Netzneutralität soll genau so etwas verhinern. Doch die Versuchung ist groß - bei den großen, privaten Leitungsvermittlern und Leitungsbetreibern. Während der Bandbreitenbedarf andauernd weiter ansteigt, fallen die Datenübertragungspreise immer weiter. Netzbetreiber könnten jedoch Milliarden von Dollar verdienen, wenn das Gebot der Netzneutralität fallen würde. Denn viele große Unternehmen würden viel dafür bezahlen, Vorfahrt für eigene Daten im Netz zu erhalten.</p> <p>Das Traffic-Class-Feld im Header von IPv6-Paketen ist sicher keine bewusst eingeführte Unterwanderung der Netzneutralität. Es dient allein dem beschriebenen Zweck der Qualitätsdifferenzierung bei QoS-abhängigen Internetanwendungen wie IP-Telefonie. Es <strong>könnte</strong> allerdings zur Unte﻿rwanderung des Netzneutralitätsgrundsatzes missbraucht werden, vorausgesetzt, es kommt zu entsprechenden Deals zwischen Interessenten und leitungsvermittelnden Providern. Das könnte auch unauffällig durch Einzelabsprachen unter der Hand geschehen, so dass es nur schwer nachweisbar ist. Um so wichtiger ist es, dass der Grundsatz der Netzneutralität durch weltweit einheitliche gesetzliche Regelungen geschützt wird.</p> <p>Bei alledem muss man auch berücksichtigen, dass den „Gegnern“ der Netzneutralität durchaus klar ist, dass sie ein wunderbar funktionierendes Gleichbehandlungsmodell vor den Augen von zig Millionen Usern aus Gründen von Profitinteressen stürzen wollen. Da ist natürlich unauffällige Massenmanipulation mit den Mitteln der Sprachverweichlichung angesagt. Es gibt durchaus kritische Stimmen, die etwa den oben beschriebenen Begriff „Qualitätsdifferenzierung“ für reinen Marketing-Nebel halten (z.B. <a href="http://www.wahl.de/themen/qualit%C3%A4tsdifferenzierung">hier</a>). Obwohl die Unterscheidung zwischen Netzneutralität und Qualitätsdifferenzierung aus technischer Sicht durchaus einleuchtet, so besteht zweifellos die Gefahr, dass diese feinsinnige Unterscheidung, die Normal-Usern nur schwer vermittelbar ist, ein wunderbarer Ansatzpunkt ist für Sprachmanipulation. Qualitätsdifferenzierung als Deckmäntelchen für Eingriffe in die Netzneutralität. Eine Lektüre wie die <a href="http://www.house-of-it.eu/dynasite.cfm?dsmid=15593&amp;newsid=6941&amp;ref=15986">Ankündigung zum TK-Tag Hessen 2011</a>, die nur so strotzt vor sprachlich wohl formulierter Gier nach dem Fall der Netzneutralität, zeigt deutlich, dass solche Warnungen nicht grundlos sind.</p> <p>Das Traffic-Class-Feld im Header von IPv6-Paketen kann Echtzeitübertragungen im Internet effizienter machen. Es könnte aber auch der künftige Speicherort für eine Zwei- oder Mehrklassengesellschaft der Internetnutzer werden. Es liegt an uns, den aktiven Netz-Usern, den zunehmenden Marketing-Nebel der Profiteure von einem Fall der Netzneutralität konsequent wegzupusten.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940870" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:112</guid>
				<title>Zaubern mit der Adresszeile von Google Chrome</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:112</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:112/chrome-url.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 120px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;chrome-url.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Dass man in der Adresszeile von Google Chrome neben URL-Adressen auch direkt suchen kann, wissen die meisten Anwender. Doch damit nicht genug&amp;#8230;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Eigentlich veröffentlicht am 20.06.2011&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die URL-Zeile von &lt;a href=&quot;http://www.google.com/chrome&quot;&gt;Chrome&lt;/a&gt;, dem Web-Browser von Google, nennt sich bekanntlich &lt;a href=&quot;http://www.google.com/support/chrome/bin/answer.py?hl=de&amp;amp;answer=95440&quot;&gt;Omnibox&lt;/a&gt;. Bei der Installation von Chrome wird man als Benutzer gefragt, ob Chrome die Google-Suche als Default-Suchmaschine verwenden soll, oder ob man eine andere Suchmaschine wünscht. Die meisten Anwender werden ohne lange zu zögern die Default-Suchmaschine übernehmen. Das hat zur Folge, dass man in der Adresszeile alias Omnibox des Browsers direkt Suchbegriffe eintippen kann. Beim Auswählen von Suchvorschlägen oder dem Absenden eines eingegebenen Suchausdrucks wird dann die Google Suche mit Treffern zur Auswahl bzw. Eingabe angezeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun wissen nicht unbedingt alle Anwender, dass man in der Google Suche nicht nur nach Wörtern oder Namen suchen kann, sondern dass die Suchmaschine Anfragen auch daraufhin testet, ob diese eindeutig interpretierbar sind. Entsprechende Ergebnisse werden dann sofort ausgegeben. Dokumentiert sind diese Möglichkeiten auf der Google-Infoseite über erweiterte &lt;a href=&quot;http://www.google.de/intl/de/help/features.html&quot;&gt;Suchfunktionen&lt;/a&gt;. Und all diese erweiterten Möglichkeiten funktionieren auch direkt in der Adresszeile von Google Chrome!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Suchmaschine von Google interpretiert beispielsweise Rechenausdrücke. Wenn der Chrome-Browser geöffnet ist und Google als Default-Suche benutzt, ist die Adresszeile des Browsers zugleich ein ausgewachsener Taschenrechner. Er beherrscht die vier Grundrechenarten (mit +, -, * und /) sowie Exponentialrechnung (mit ^), Modulodivision (Rest einer Division, mit %) und Fakultät (mit ! hinter einer Zahl). Ferner werden noch einige Funktionen und mathematische Konstanten erkannt. Auch komplexere, geklammerte Ausdrücke werden aufgelöst. Hier ein paar Beispiele, was Sie in der URL-Zeile von Google Chrome alles rechnen können:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;code&quot;&gt;
&lt;pre&gt;
&lt;code&gt;4 * (7 + 3)

39.90 - 39.90 * 0.19

2^8

22 % 7

7!

sqrt(169)

PI * 7

tan(1.43) + sin(0.5) + cos(0.43)&lt;/code&gt;
&lt;/pre&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Eine weitere Form direkter Interpretation sind Währungs- oder Maßeinheiten-Umrechnungen. Auch die nachfolgenden Beispiele funktionieren direkt von der URL-Adresszeile von Google Chrome aus:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;code&quot;&gt;
&lt;pre&gt;
&lt;code&gt;45 Euro in Dollar

25000 Yen in Euro

100 Pfund Sterling in Euro

8.95 Schweizer Fanken in Euro

35 liter in Gallonen

10 km in miles

100 km/h in mph

0.35 kg in Unzen

750g in pounds

182cm in inches

5m in yard&lt;/code&gt;
&lt;/pre&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Weiterhin erkennt Google einige Stichwörter, auf die es direkte Antworten liefert. Am bekanntesten und beliebtesten sind wohl Wetteraussichten für Städte und Länder. Beispiele:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;code&quot;&gt;
&lt;pre&gt;
&lt;code&gt;Wetter Krefeld

Wetter Malta&lt;/code&gt;
&lt;/pre&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Was ebenfalls noch leidlich funktioniert, ist das Schlüsselwort definiere, um direkt Kurzdefinitionen zu Begriffen zu erhalten. Verwendet werden dazu in der Regel Definitionen aus den ersten Absätzen von Wikipedia-Artikeln. Die Funktion greift allerdings nur bei Begriffen, die halbwegs verbreitet sind. Beispiele:&lt;br /&gt;
definiere Hydrokultur&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;code&quot;&gt;
&lt;pre&gt;
&lt;code&gt;definiere Kropf

definiere Organigramm

definiere DNS&lt;/code&gt;
&lt;/pre&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Weitere direkt interpretierte Eingaben sind eher ein Glücksspiel. Beispiele, die Google selbst für direkt interpretierte Eingaben nennt, wie Börsenkurse, Reiseverbindungen, Fußballergebnisse usw., funktionieren teilweise nicht oder gar nicht mehr. Man hat wohl erkannt, dass letztlich nur eindeutig interpretierbare Anfragen für direkte Antworten geeignet sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Adresszeile des Google-Browsers betrifft, sind die erweiterten Interpretationen der Google-Suche aber ohnehin nur ein Teil der Fähigkeiten. Ein anderer mächtiger Komplex, der die URL-Zeile in ein Instument für Power-User verwandelt, verbirgt sich hinter den Suchmaschinen, die sich in den Einstellungen von Chrome verwalten lassen. Zunächst müssen Sie dazu etwas Arbeit für die Einrichtung investieren. Am schnellsten sind die entsprechenden Einstellungen erreichbar, wenn Sie mit der rechten Maustaste in die Adresszeile von Chrome klicken und aus dem dann angezeigten Kontextmenü &lt;em&gt;Suchmaschinen verwalten&lt;/em&gt; auswählen. Es öffnet sich eine Dialogseite, die das Verwalten von Suchmaschinen ermöglicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Interessant sind hierbei Einträge, die unter &lt;em&gt;Andere Suchmaschinen&lt;/em&gt; möglich sind. Jeder Eintrag (jede Zeile im Einstelldialog) besteht links aus einem frei wählbaren Titel, in der Mitte aus einem Suchkürzel und rechts aus einer URL-Adresse. Wenn bereits Einträge existieren, können neue Einträge unten hinzugefügt werden. In neueren Versionen von Google Chrome fügt der Browser übrigens auch selbständig Websites hinzu, in denen Sie schon mal nach etwas gesucht haben. Explizites Speichern ist beim Hinzufügen oder Ändern von Einträgen nicht nötig. Beginnen wir mit einem ersten Beispieleintrag, nämlich zum Durchsuchen von Google Mail – interessant ist das natürlich nur, wenn man Google Mail nutzt.&lt;/p&gt;
&lt;table class=&quot;wiki-content-table&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google Mail durchsuchen&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;gm&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;https://mail.google.com/mail/?shva=1#search/%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Titel und Suchkürzel können Sie natürlich an eigene Vorstellungen anpassen. Das Suchkürzel sollte allerdings möglichst kurz sein. Sinnvoll ist eine Abkürzung für den Titel. Im Beispiel &lt;em&gt;gm&lt;/em&gt; für &lt;em&gt;Google Mail&lt;/em&gt;. Den URL-String können Sie, wenn Sie eigene, neue Einträge hinzufügen, einfach selbst herausbekommen: suchen Sie in der entsprechenden Webanwendung, also hier in Google Mail, nach irgendetwas. Kopieren Sie sich auf der Ergebnisseite den Inhalt der angezeigten URL-Zeile. Irgendwo in der URL kommt auch Ihr Suchbegriff vor. Ersetzen Sie diesen Suchbegriff durch die Zeichenfolge &lt;strong&gt;%s&lt;/strong&gt; – das ist ein Platzhalter, den der Chrome-Browser erkennt und durch jeweils aktuelle Suchausdrücke ersetzt. Die URL-Adresse mit dem %s-Platzhalter gehört in die letzte Spalte des Suchmaschineneintrags.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und jetzt wird es spannend. Geben Sie – am besten in einem neuen Browser-Tab – in die URL-Zeile das Suchkürzel ein, z.B. gm für die zuvor definierte „Suchmaschine“ Google Mail. Drücken Sie dann die TAB-Taste. Der vergebene Titel der „Suchmaschine“, im obigen Beispiel Google Mail durchsuchen, erscheint nun als Label in der URL-Zeile. Geben Sie rechts davon etwas ein, wonach Sie suchen möchten. Senden Sie die Eingabe mit der Enter-Taste ab. Sie erhalten – in diesem Fall – Suchtreffer von Google Mail.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:112/gmail-suche.jpg&quot; style=&quot;width: 321px; height: 23px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Google Mail durchsuchen direkt aus der Chrome-URL-Zeile&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Google Mail durchsuchen direkt aus der Chrome-URL-Zeile&lt;br /&gt;
Das Ganze funktioniert mit fast allen Webanwendungen, in denen man suchen kann. Bleiben wir zunächst bei den bekannten Google-Anwendungen. Als weitere Einträge in der Liste der „anderen Suchmaschinen“ sind denkbar:&lt;/p&gt;
&lt;table class=&quot;wiki-content-table&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google Docs&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;gd&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;https://docs.google.com/#search/%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google Bookmarks&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;gb&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;https://www.google.com/bookmarks/l#q=%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google Übersetzer Englisch nach Deutsch&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;en&amp;gt;de&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://translate.google.de/#en|de|%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google Maps&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;gmap&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://maps.google.de/?hl=de&amp;amp;q=%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google News&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;gn&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://news.google.de/news/search?hl=de&amp;amp;q=%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Google Reader&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;gr&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://www.google.de/reader/view/#search/%s/&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Genaugenommen funktioniert der Trick mit allen Webanwendungen, die GET-Parameter als Input für irgendetwas verwenden. Das muss nicht unbedingt eine Suche sein. Ebenso können Sie „Suchkürzel“ definieren, um Webanwendungen direkt bestimmte Dinge ausführen zu lassen. Die URL-Zeile von Chrome mutiert dabei quasi zu einer Art Kommandozeile. So kommt selbst bei einem &lt;a href=&quot;http://www.google.com/chromebook/&quot;&gt;Chromebook&lt;/a&gt; Linux-Shell-Feeling auf! Hier ein paar Beispiele:&lt;/p&gt;
&lt;table class=&quot;wiki-content-table&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Domain-Infos anzeigen&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;di&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://www.netip.de/whois?domain=%&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Mit diesem Eintrag können Sie sich blitzschnell Informationen über Domains bzw. Domain-Inhaber anzeigen lassen. Einmal eingerichtet, können Sie in der URL-Zeile von Chrome &lt;em&gt;di&lt;/em&gt; eingeben, dann TAB drücken, und dann einen Domain-Namen eingeben – zum Beispiel &lt;em&gt;newsgrape.com&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;table class=&quot;wiki-content-table&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;Unix-Timestamp als Datum/Uhrzeit&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;ut&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://elmar-eigner.de/tstamps.html?zeichen=%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Manchmal wird man mit Unix-Zeitstempeln konfrontiert. Das sind hohe Zahlen, welche die Anzahl Sekunden seit dem Unix-Urknall 1.1.1970, 0.00 Uhr, darstellen. Eine solche Zahl kann man natürlich in eine menschenlesbare Datums-/Uhrzeitangabe umwandeln. Der Service auf elmar-eigner.de leistet eine derartige Umrechnung. Die Webanwendung ist via GET-Parameter steuerbar. Richtet man den Service so wie oben gezeigt als „andere Suchmaschine“ in Google Chrome ein, kann man anschließend in der URL-Zeile &lt;em&gt;ut&lt;/em&gt; tippen, dann TAB drücken, und dann eine Timestamp-Zahl eingeben, z.B. 1234567890.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Web-Entwickler, SEO- und andere Spezialisten benötigen manchmal HTTP-Header-Ausgaben zu Webseiten-Aufrufen. Es gibt verschiedene Online-Services, die das ermöglichen. Der Service von &lt;a href=&quot;http://web-sniffer.net/&quot;&gt;Websniffer&lt;/a&gt; erlaubt auch die Übergabe von URL-Adressen als GET-Parameter. Daraus lässt sich für den Chrome-Browser folgendes URL-Zeilen-Tool basteln:&lt;/p&gt;
&lt;table class=&quot;wiki-content-table&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Titel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;strong&gt;HTTP-Header mit Websniffer&lt;/strong&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;Suchkürzel&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;hh&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;URL&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;&lt;span style=&quot;white-space: pre-wrap;&quot;&gt;http://web-sniffer.net/?url=%s&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;p&gt;Fertig eingerichtet, tippt man einfach &lt;em&gt;hh&lt;/em&gt;, drückt TAB, gibt dann eine beliebige vollständige HTTP-Adresse ein, zu der man die Ausgabe wünscht, und sendet das Ganze mit Enter ab. Als Ergebnis erscheint dann die HTTP-Header-Ausgabe für die eingegebene HTTP-Adresse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Möglicherweise kennen Sie andere Webanwendungen, mit denen Sie selber zu tun haben, die sich in irgendeiner Form via GET-Parameter steuern lassen. Viele Content-Management-Systeme etwa arbeiten mit GET-Parametern, um Daten zu verwalten. Wenn Sie einen geeigneten Parameterwert durch den Platzhalter %s ersetzen, können Sie sich auf diese Weise interessante Kurzbefehle für die URL-Zeile definieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940871&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Wed, 20 Jul 2011 04:39:29 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:112/chrome-url.jpg" style="width: 120px; height: 120px; float: left; margin-right: 15px;" alt="chrome-url.jpg" class="image" /> Dass man in der Adresszeile von Google Chrome neben URL-Adressen auch direkt suchen kann, wissen die meisten Anwender. Doch damit nicht genug&#8230;<br /> <span class="legend">Eigentlich veröffentlicht am 20.06.2011</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Die URL-Zeile von <a href="http://www.google.com/chrome">Chrome</a>, dem Web-Browser von Google, nennt sich bekanntlich <a href="http://www.google.com/support/chrome/bin/answer.py?hl=de&amp;answer=95440">Omnibox</a>. Bei der Installation von Chrome wird man als Benutzer gefragt, ob Chrome die Google-Suche als Default-Suchmaschine verwenden soll, oder ob man eine andere Suchmaschine wünscht. Die meisten Anwender werden ohne lange zu zögern die Default-Suchmaschine übernehmen. Das hat zur Folge, dass man in der Adresszeile alias Omnibox des Browsers direkt Suchbegriffe eintippen kann. Beim Auswählen von Suchvorschlägen oder dem Absenden eines eingegebenen Suchausdrucks wird dann die Google Suche mit Treffern zur Auswahl bzw. Eingabe angezeigt.</p> <p>Nun wissen nicht unbedingt alle Anwender, dass man in der Google Suche nicht nur nach Wörtern oder Namen suchen kann, sondern dass die Suchmaschine Anfragen auch daraufhin testet, ob diese eindeutig interpretierbar sind. Entsprechende Ergebnisse werden dann sofort ausgegeben. Dokumentiert sind diese Möglichkeiten auf der Google-Infoseite über erweiterte <a href="http://www.google.de/intl/de/help/features.html">Suchfunktionen</a>. Und all diese erweiterten Möglichkeiten funktionieren auch direkt in der Adresszeile von Google Chrome!</p> <p>Die Suchmaschine von Google interpretiert beispielsweise Rechenausdrücke. Wenn der Chrome-Browser geöffnet ist und Google als Default-Suche benutzt, ist die Adresszeile des Browsers zugleich ein ausgewachsener Taschenrechner. Er beherrscht die vier Grundrechenarten (mit +, -, * und /) sowie Exponentialrechnung (mit ^), Modulodivision (Rest einer Division, mit %) und Fakultät (mit ! hinter einer Zahl). Ferner werden noch einige Funktionen und mathematische Konstanten erkannt. Auch komplexere, geklammerte Ausdrücke werden aufgelöst. Hier ein paar Beispiele, was Sie in der URL-Zeile von Google Chrome alles rechnen können:</p> <div class="code"> <pre> <code>4 * (7 + 3) 39.90 - 39.90 * 0.19 2^8 22 % 7 7! sqrt(169) PI * 7 tan(1.43) + sin(0.5) + cos(0.43)</code> </pre></div> <p>Eine weitere Form direkter Interpretation sind Währungs- oder Maßeinheiten-Umrechnungen. Auch die nachfolgenden Beispiele funktionieren direkt von der URL-Adresszeile von Google Chrome aus:</p> <div class="code"> <pre> <code>45 Euro in Dollar 25000 Yen in Euro 100 Pfund Sterling in Euro 8.95 Schweizer Fanken in Euro 35 liter in Gallonen 10 km in miles 100 km/h in mph 0.35 kg in Unzen 750g in pounds 182cm in inches 5m in yard</code> </pre></div> <p>Weiterhin erkennt Google einige Stichwörter, auf die es direkte Antworten liefert. Am bekanntesten und beliebtesten sind wohl Wetteraussichten für Städte und Länder. Beispiele:</p> <div class="code"> <pre> <code>Wetter Krefeld Wetter Malta</code> </pre></div> <p>Was ebenfalls noch leidlich funktioniert, ist das Schlüsselwort definiere, um direkt Kurzdefinitionen zu Begriffen zu erhalten. Verwendet werden dazu in der Regel Definitionen aus den ersten Absätzen von Wikipedia-Artikeln. Die Funktion greift allerdings nur bei Begriffen, die halbwegs verbreitet sind. Beispiele:<br /> definiere Hydrokultur</p> <div class="code"> <pre> <code>definiere Kropf definiere Organigramm definiere DNS</code> </pre></div> <p>Weitere direkt interpretierte Eingaben sind eher ein Glücksspiel. Beispiele, die Google selbst für direkt interpretierte Eingaben nennt, wie Börsenkurse, Reiseverbindungen, Fußballergebnisse usw., funktionieren teilweise nicht oder gar nicht mehr. Man hat wohl erkannt, dass letztlich nur eindeutig interpretierbare Anfragen für direkte Antworten geeignet sind.</p> <p>Was die Adresszeile des Google-Browsers betrifft, sind die erweiterten Interpretationen der Google-Suche aber ohnehin nur ein Teil der Fähigkeiten. Ein anderer mächtiger Komplex, der die URL-Zeile in ein Instument für Power-User verwandelt, verbirgt sich hinter den Suchmaschinen, die sich in den Einstellungen von Chrome verwalten lassen. Zunächst müssen Sie dazu etwas Arbeit für die Einrichtung investieren. Am schnellsten sind die entsprechenden Einstellungen erreichbar, wenn Sie mit der rechten Maustaste in die Adresszeile von Chrome klicken und aus dem dann angezeigten Kontextmenü <em>Suchmaschinen verwalten</em> auswählen. Es öffnet sich eine Dialogseite, die das Verwalten von Suchmaschinen ermöglicht.</p> <p>Interessant sind hierbei Einträge, die unter <em>Andere Suchmaschinen</em> möglich sind. Jeder Eintrag (jede Zeile im Einstelldialog) besteht links aus einem frei wählbaren Titel, in der Mitte aus einem Suchkürzel und rechts aus einer URL-Adresse. Wenn bereits Einträge existieren, können neue Einträge unten hinzugefügt werden. In neueren Versionen von Google Chrome fügt der Browser übrigens auch selbständig Websites hinzu, in denen Sie schon mal nach etwas gesucht haben. Explizites Speichern ist beim Hinzufügen oder Ändern von Einträgen nicht nötig. Beginnen wir mit einem ersten Beispieleintrag, nämlich zum Durchsuchen von Google Mail – interessant ist das natürlich nur, wenn man Google Mail nutzt.</p> <table class="wiki-content-table"> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google Mail durchsuchen</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>gm</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">https://mail.google.com/mail/?shva=1#search/%s</span></td> </tr> </table> <p>Titel und Suchkürzel können Sie natürlich an eigene Vorstellungen anpassen. Das Suchkürzel sollte allerdings möglichst kurz sein. Sinnvoll ist eine Abkürzung für den Titel. Im Beispiel <em>gm</em> für <em>Google Mail</em>. Den URL-String können Sie, wenn Sie eigene, neue Einträge hinzufügen, einfach selbst herausbekommen: suchen Sie in der entsprechenden Webanwendung, also hier in Google Mail, nach irgendetwas. Kopieren Sie sich auf der Ergebnisseite den Inhalt der angezeigten URL-Zeile. Irgendwo in der URL kommt auch Ihr Suchbegriff vor. Ersetzen Sie diesen Suchbegriff durch die Zeichenfolge <strong>%s</strong> – das ist ein Platzhalter, den der Chrome-Browser erkennt und durch jeweils aktuelle Suchausdrücke ersetzt. Die URL-Adresse mit dem %s-Platzhalter gehört in die letzte Spalte des Suchmaschineneintrags.</p> <p>Und jetzt wird es spannend. Geben Sie – am besten in einem neuen Browser-Tab – in die URL-Zeile das Suchkürzel ein, z.B. gm für die zuvor definierte „Suchmaschine“ Google Mail. Drücken Sie dann die TAB-Taste. Der vergebene Titel der „Suchmaschine“, im obigen Beispiel Google Mail durchsuchen, erscheint nun als Label in der URL-Zeile. Geben Sie rechts davon etwas ein, wonach Sie suchen möchten. Senden Sie die Eingabe mit der Enter-Taste ab. Sie erhalten – in diesem Fall – Suchtreffer von Google Mail.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:112/gmail-suche.jpg" style="width: 321px; height: 23px;" alt="" class="image" /><br /> <span class="legend">Google Mail durchsuchen direkt aus der Chrome-URL-Zeile</span></div> <p>Google Mail durchsuchen direkt aus der Chrome-URL-Zeile<br /> Das Ganze funktioniert mit fast allen Webanwendungen, in denen man suchen kann. Bleiben wir zunächst bei den bekannten Google-Anwendungen. Als weitere Einträge in der Liste der „anderen Suchmaschinen“ sind denkbar:</p> <table class="wiki-content-table"> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google Docs</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>gd</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">https://docs.google.com/#search/%s</span></td> </tr> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google Bookmarks</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>gb</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">https://www.google.com/bookmarks/l#q=%s</span></td> </tr> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google Übersetzer Englisch nach Deutsch</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>en&gt;de</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://translate.google.de/#en|de|%s</span></td> </tr> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google Maps</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>gmap</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://maps.google.de/?hl=de&amp;q=%s</span></td> </tr> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google News</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>gn</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://news.google.de/news/search?hl=de&amp;q=%s</span></td> </tr> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Google Reader</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>gr</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://www.google.de/reader/view/#search/%s/</span></td> </tr> </table> <p>Genaugenommen funktioniert der Trick mit allen Webanwendungen, die GET-Parameter als Input für irgendetwas verwenden. Das muss nicht unbedingt eine Suche sein. Ebenso können Sie „Suchkürzel“ definieren, um Webanwendungen direkt bestimmte Dinge ausführen zu lassen. Die URL-Zeile von Chrome mutiert dabei quasi zu einer Art Kommandozeile. So kommt selbst bei einem <a href="http://www.google.com/chromebook/">Chromebook</a> Linux-Shell-Feeling auf! Hier ein paar Beispiele:</p> <table class="wiki-content-table"> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Domain-Infos anzeigen</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>di</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://www.netip.de/whois?domain=%</span></td> </tr> </table> <p>Mit diesem Eintrag können Sie sich blitzschnell Informationen über Domains bzw. Domain-Inhaber anzeigen lassen. Einmal eingerichtet, können Sie in der URL-Zeile von Chrome <em>di</em> eingeben, dann TAB drücken, und dann einen Domain-Namen eingeben – zum Beispiel <em>newsgrape.com</em>.</p> <table class="wiki-content-table"> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>Unix-Timestamp als Datum/Uhrzeit</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>ut</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://elmar-eigner.de/tstamps.html?zeichen=%s</span></td> </tr> </table> <p>Manchmal wird man mit Unix-Zeitstempeln konfrontiert. Das sind hohe Zahlen, welche die Anzahl Sekunden seit dem Unix-Urknall 1.1.1970, 0.00 Uhr, darstellen. Eine solche Zahl kann man natürlich in eine menschenlesbare Datums-/Uhrzeitangabe umwandeln. Der Service auf elmar-eigner.de leistet eine derartige Umrechnung. Die Webanwendung ist via GET-Parameter steuerbar. Richtet man den Service so wie oben gezeigt als „andere Suchmaschine“ in Google Chrome ein, kann man anschließend in der URL-Zeile <em>ut</em> tippen, dann TAB drücken, und dann eine Timestamp-Zahl eingeben, z.B. 1234567890.</p> <p>Web-Entwickler, SEO- und andere Spezialisten benötigen manchmal HTTP-Header-Ausgaben zu Webseiten-Aufrufen. Es gibt verschiedene Online-Services, die das ermöglichen. Der Service von <a href="http://web-sniffer.net/">Websniffer</a> erlaubt auch die Übergabe von URL-Adressen als GET-Parameter. Daraus lässt sich für den Chrome-Browser folgendes URL-Zeilen-Tool basteln:</p> <table class="wiki-content-table"> <tr> <td>Titel</td> <td><strong>HTTP-Header mit Websniffer</strong></td> </tr> <tr> <td>Suchkürzel</td> <td>hh</td> </tr> <tr> <td>URL</td> <td><span style="white-space: pre-wrap;">http://web-sniffer.net/?url=%s</span></td> </tr> </table> <p>Fertig eingerichtet, tippt man einfach <em>hh</em>, drückt TAB, gibt dann eine beliebige vollständige HTTP-Adresse ein, zu der man die Ausgabe wünscht, und sendet das Ganze mit Enter ab. Als Ergebnis erscheint dann die HTTP-Header-Ausgabe für die eingegebene HTTP-Adresse.</p> <p>Möglicherweise kennen Sie andere Webanwendungen, mit denen Sie selber zu tun haben, die sich in irgendeiner Form via GET-Parameter steuern lassen. Viele Content-Management-Systeme etwa arbeiten mit GET-Parametern, um Daten zu verwalten. Wenn Sie einen geeigneten Parameterwert durch den Platzhalter %s ersetzen, können Sie sich auf diese Weise interessante Kurzbefehle für die URL-Zeile definieren.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940871" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
				 	]]>
				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:111</guid>
				<title>Newsgrape geht in die offene Beta-Phase</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:111</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:111/newsgrape.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 105px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;newsgrape.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Jetzt wirds ernst für das junge österreichisch-deutsche Startup, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, zum YouTube der Texte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Eigentlich veröffentlicht am 11.06.2011&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Allen multimedialen Unkenrufen zum Trotz: gute Texte haben Konjunktur im Web. Sie werden retweetet, geteilt, gebookmarkt, und sie bewegen. Vor allem Artikel boomen - eine Textsorte, die man in einer Zeitspanne von einigen wenigen bis ein paar Dutzend Minuten konsumieren kann. Gerade genug für die Begleitung zum Morgenkaffee, für Gedankenpausen während der Arbeit, oder als Betthupferl. Artikel sind nachhaltiger als die zahlreichen Status-Statements, denen der moderne Zeitgenosse in den Timelines des Social Web ausgesetzt ist. Andererseits sind sie in sich abgeschlossene, überschaubare Items - genau die Art von gut verlinkbarer Hypertexteinheit, die dem Web entgegenkommt. Vor allem in Verbindung mit interessanten Kommentaren können sie ein Thema aus erstaunlich vielen Blickwinkeln beleuchten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.newsgrape.com/&quot;&gt;Newsgrape&lt;/a&gt; ist eine Artikel-Plattform mit Social-Networking-Funktionalität. Mittlerweile in der Beta-Phase angekommen, steht die Plattform ab sofort allen interessierten Benutzern zur &lt;a href=&quot;http://www.newsgrape.com/register/&quot;&gt;Registrierung&lt;/a&gt; offen. Eine Plattform, die Autoren, Gedanken und Texte - und künftig auch Geld - zusammenbringen soll. Im Februar 2011 ging das Projekt, dessen Startkapital zu großen Teilen über &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdfunding&quot;&gt;Crowdfunding&lt;/a&gt; zustande kam, in Form einer nicht-öffentlichen Pre-Beta-Phase online. Ich hatte das Glück, einen der limitierten Zugänge zu erhalten. In dem Artikel &lt;a href=&quot;http://webkompetenz.wikidot.com/blog:94&quot;&gt;Erste Eindrücke von Newsgrape&lt;/a&gt; habe ich seinerzeit versucht, das Projekt gedanklich einzuordnen in die vorhandene Landschaft der Blogs, der Hosted-Blog-Plattformen und anderer Möglichkeiten, im heutigen Web zu publizieren. Die „Marktlücke“, welche die österreichischen Gründer Felix Häusler, Leo Fasbender und ihr Entwickler-Team mit ihrer Text-Community-Plattform sehen, ist durchaus real - allerdings ist sie schon jetzt nicht mehr unbesetzt. Anbieter wie &lt;a href=&quot;http://pagewizz.com/&quot;&gt;PageWizz&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://www.suite101.de/&quot;&gt;Suite101.de&lt;/a&gt; schlagen in die gleiche Presche - und das bereits mit einigem Erfolg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nicht-öffentliche Pre-Beta-Phase von Newsgrape war durchaus geeignet, um die Networking-Konzepte der Plattform anzutesten: &lt;a href=&quot;http://www.newsgrape.com/m/&quot;&gt;Magazine&lt;/a&gt; gründen, bei anderen Magazinen Gastredakteur werden, Artikel kommentieren, eigene &lt;a href=&quot;http://www.newsgrape.com/u/stefanm/&quot;&gt;Profilseiten&lt;/a&gt; bearbeiten, auf User-Pinnwände schreiben, Nachrichten mit anderen Autoren austauschen, die eigene Sicht auf die Plattform (&lt;a href=&quot;http://www.newsgrape.com/ego/&quot;&gt;E-Go-Bereich&lt;/a&gt;) konfigurieren usw. Konsequent genutzt wurden diese Möglichkeiten allerdings noch nicht wirklich. Der Grund dafür war einfach die fehlende Masse registrierter User. In der Pre-Beta-Phase tummelten sich gerade mal ein paar Hundert Account-Inhaber auf der Plattform, was man sich ungefähr so vorstellen muss, wie wenn ein paar Hundert Leute versuchen, ein ansonsten leeres New York zu bevölkern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es erwies sich allerdings als klug, die Plattform während der Pre-Beta-Phase (die aus gutem Grund so heißt) noch keinem größeren Publikum zu öffnen. Diverse Software-Unstimmigkeiten, noch nicht funktionierende Features und ein durch Programmierung verursachter Datenverlust, bei dem einige Daten nicht mehr wiederhergestellt werden konnten, sorgten noch für diverse Unsicherheiten und Zweifel. Doch das Newsgrape-Entwicklerteam nutzte die Pre-Beta-Phase für einen kompletten Rewrite der Software. Über vollständige Software-Rewrites wird zwar in Entwicklerkreisen gerne die Nase gerümpft. Doch in diesem Fall ist der Rewrite damit begründbar, dass man sich erst während der Pre-Beta-Phase auf eine endgültige Software-Architektur festlegte. Letztere musste einen für die Plattform optimalen Kompromiss zwischen Performance, Hochverfügbarkeit und Datensicherheit finden. Das Newsgrape-Team hat sich dahingehend entschieden, Artikel-Ressourcen wie Grafiken, Videos usw. in der &lt;a href=&quot;http://aws.amazon.com/de/s3/&quot;&gt;S3-Cloud von Amazon&lt;/a&gt; zu speichern. Die Datenbank und das Web-Frontend werden dagegen auf einem skalierbaren Server-System von &lt;a href=&quot;http://www.hetzner.de/&quot;&gt;Hetzner&lt;/a&gt; gehostet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bemerkenswert war während der Pre-Beta-Phase auf jeden Fall die Offenheit und Zugänglichkeit der Newsgrape-Macher. Leo Fasbender und Felix Häusler gingen zeitnah auf alle Fragen, Ideen, Wünsche und Fehlermeldungen im internen Forum ein. Durch die Kommunikation dort haben sie zweifellos ein paar treue Anhänger gefunden. Wäre der direkte Draht zu den Newsgrape-Machern nicht gewesen, hätte ich der Plattform wahrscheinlich bis auf weiteres wieder den Rücken gekehrt, weil mir das alles noch nicht rund und stabil genug war.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:111/newsgrape-team.png&quot; style=&quot;width: 400px; height: 284px;&quot; alt=&quot;Das Newsgrape-Team&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Das Newsgrape-Team&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Für alle, die es interessiert, was Newsgrape ab der offiziellen Beta-Version gegenüber vorher alles kann, hier eine Liste der wichtigsten Neuerungen:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Statistik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Als Artikelautor kann man mit der Einführung der Beta-Version nun auch die Anzahl positiver und negativer Bewertungen sehen. Auch wie oft ein Artikel von Benutzern zu ihren Favoriten hinzugefügt wurde, wird nun angezeigt.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Artikelserien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Für mehrteilige Artikel oder beispielsweise auch für die sukzessive Veröffentlichung eines Romans stellt Newsgrape mit der Beta-Version die Möglichkeit sogenannter Stories zur Verfügung. Leser können leicht erkennen, wenn ein Artikel Teil einer mehrteiligen Serie ist.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Bilderstrecken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Dieses Format ist eher typisch für bekannte Online-Magazine wie SPON, FOCUS oder STERN. In der Bloggerszene wird darüber manchmal die Nase gerümpft. Dennoch ist es für manche Beiträge sicherlich ein bereicherndes Mittel. Etwa für Autoren, die über ein Ereignis berichten, bei dem sie selber anwesend waren und viele Fotos gemacht haben. Mit der Beta-Version ist es für Autoren ganz einfach möglich, Bilder zu einer Bilderstrecke zusammenzufassen. Jedes einzelne Bild lässt sich mit einem Titel, einer Beschreibung und einer Lizenzangabe versehen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Artikel-Optionen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Seit der Beta-Version ist es möglich, für jeden Artikel eine eigene Lizenzform festzulegen, wobei sich die angebotenen Lizensierungsmöglichkeiten am &lt;a href=&quot;http://creativecommons.org/choose/?lang=de&quot;&gt;CreativeCommons-Modell&lt;/a&gt; orientieren. Ferner kann man festlegen, ob ein Artikel für Suchmaschinen auffindbar sein soll oder nicht, und man kann die Kommentiermöglichkeit für Artikel ein- oder ausschalten.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Neue Bewertungsmöglichkeiten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Neben der Möglichkeit, Artikel direkt zu tweeten oder via Facebook zu liken, können Leser nun auch den Google +1-Button klicken oder „&lt;a href=&quot;http://digg.com/&quot;&gt;diggen&lt;/a&gt;“. Autoren, die über einen Account bei &lt;a href=&quot;http://www.flattr.com/&quot;&gt;Flattr&lt;/a&gt; verfügen, können optional einen summarischen Flattr-Button für alle eigenen Newsgrape-Artikel hinzufügen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Meldesystem&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Leider kommt es immer wieder mal vor, dass Artikel aus nichts anderem bestehen als Werbung. Das ist durchaus nicht unerlaubt - aber es wird verlangt, dass entsprechende Artikel als solche gekennzeichnet werden. Dafür ist eine neue Checkbox vorgesehen. Angemeldete Leser und Autoren haben mit Beginn der Beta-Version die Möglichkeit, rein werbende Artikel, die nicht als solche gekennzeichnet sind, zu melden.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Neben all diesen neuen Funktionen wurden aber auch zahlreiche Verbesserungen an bereits vorhandenen Features vorgenommen. Dabei haben die Entwickler sich bemüht, möglichst viel von dem Feedback, das in der Pre-Beta-Phase im internen Newsgrape-Forum geäußert wurde, zu berücksichtigen. Da ich mich an den Verbesserungsvorschlägen ebenfalls beteiligt habe, kann ich mich nun auch über einige persönlich erfüllten Wünsche erfreuen. Änderungen dieser Art sind beispielsweise:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Verbesserte Gestaltungsmöglichkeiten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Es ist nun auch möglich, Videos in Artikelinhalte einzubetten.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;HTML5-Auszeichnungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Newsgrape verwendet jetzt HTML5 zur Auszeichnung und operiert dabei konsequent mit Elementen wie section und article.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;RSS-Feeds&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Die Artikel von Autoren und Magazinen lassen sich nun auch als Atom-Feeds abonnieren - auch wenn dabei nur die Titel und Teaser-Texte ausgegeben werden.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Leo Fasbender hat mir in einem Telefonat vor einigen Wochen zugesichert, dass mit dem Start der Beta-Version noch mal kräftig die Werbetrommel für Newsgrape angeworfen werde. Und wer sollte sich davon angesprochen fühlen?&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Journalisten&lt;/strong&gt;, die einen Ort für Experimente suchen, etwa mit Artikeln zu ihnen sonst fremden Themenbereichen, oder die ihrem Chef oder Auftraggeber beweisen wollen, dass ein abgelehnter Artikel durchaus Pfeffer gehabt hätte, oder die so einiges an unveröffentlichtem, aber veröffentlichungswürdigem Material in der Schublade haben.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Gelegenheitsschreiber&lt;/strong&gt;, die kein eigenes Blog regelmäßig befüttern und keine Homepage pflegen wollen, aber hin und wieder Beiträge verfassen, die sie gerne im Web veröffentlichen würden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Blogger&lt;/strong&gt;, die sich mehr Networking rund um ihre Beiträge wünschen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Social-Network-Aktive oder Forenschreiber&lt;/strong&gt;, deren Beiträge oft viel zu lang, zu ausführlich und zu schade sind, um im endlosen Strom der Networking-Timelines davonzuschwimmen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Romanautoren&lt;/strong&gt;, die ihr Werk sukzessive als Artikelserie veröffentlichen wollen. In Tageszeitungen ist so etwas ja längst nicht mehr üblich.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Aufmerksame Zeitgenossen&lt;/strong&gt;, die auf dem Speicher zeitgeschichtlich interessante Texte oder Bilder gefunden haben und nicht so recht wissen, wohin damit.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Betroffene&lt;/strong&gt;, die eine bestimmte Lebensphase schriftlich für die Öffentlichkeit beschreiben möchten, etwa einen Gerichtsprozess, eine Erkrankung oder eine Weltreise.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Studenten, Arbeitslose, Geringverdiener, Hausfrauen&lt;/strong&gt; und andere un- oder unterbelohnte Gesellschaftsmitglieder können durch Artikel aus ihrem Kenntnisbereich künftig einen Nebenverdienst erwirtschaften. Das dazu nötige Feature der artikel-/autorenspezifischen Werbekampagnen mit 70%iger Umsatzbeteiligung der jeweiligen Autoren wird Newsgrape nach eigenen Angaben jedoch erst im Herbst einführen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Wie aus der kleinen Aufzählung hoffentlich ersichtlich wird, kann die Artikelplattform für völlig unterschiedliche Zielgruppen interessant sein. Artikel schreiben auf Newsgrape kann so ähnlich sein wie Bloggen, aber die Plattform ist keine konzeptionelle Huldigung der Bloggerszene. Sie bezieht bewusst auch jene zahlreichen Autoren mit ein, die in der Bloggerszene und ihrem gewachsenen Biotop nicht heimisch werden. Für den weiteren Erfolg hängt allerdings viel davon ab, dass die Plattform bekannter wird, und dass sich genügend Autoren finden, die es mal damit probieren möchten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940871&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 20:51:18 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:111/newsgrape.jpg" style="width: 120px; height: 105px; float: left; margin-right: 15px;" alt="newsgrape.jpg" class="image" /> Jetzt wirds ernst für das junge österreichisch-deutsche Startup, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, zum YouTube der Texte zu werden.<br /> <span class="legend">Eigentlich veröffentlicht am 11.06.2011</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Allen multimedialen Unkenrufen zum Trotz: gute Texte haben Konjunktur im Web. Sie werden retweetet, geteilt, gebookmarkt, und sie bewegen. Vor allem Artikel boomen - eine Textsorte, die man in einer Zeitspanne von einigen wenigen bis ein paar Dutzend Minuten konsumieren kann. Gerade genug für die Begleitung zum Morgenkaffee, für Gedankenpausen während der Arbeit, oder als Betthupferl. Artikel sind nachhaltiger als die zahlreichen Status-Statements, denen der moderne Zeitgenosse in den Timelines des Social Web ausgesetzt ist. Andererseits sind sie in sich abgeschlossene, überschaubare Items - genau die Art von gut verlinkbarer Hypertexteinheit, die dem Web entgegenkommt. Vor allem in Verbindung mit interessanten Kommentaren können sie ein Thema aus erstaunlich vielen Blickwinkeln beleuchten.</p> <p><a href="http://www.newsgrape.com/">Newsgrape</a> ist eine Artikel-Plattform mit Social-Networking-Funktionalität. Mittlerweile in der Beta-Phase angekommen, steht die Plattform ab sofort allen interessierten Benutzern zur <a href="http://www.newsgrape.com/register/">Registrierung</a> offen. Eine Plattform, die Autoren, Gedanken und Texte - und künftig auch Geld - zusammenbringen soll. Im Februar 2011 ging das Projekt, dessen Startkapital zu großen Teilen über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdfunding">Crowdfunding</a> zustande kam, in Form einer nicht-öffentlichen Pre-Beta-Phase online. Ich hatte das Glück, einen der limitierten Zugänge zu erhalten. In dem Artikel <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:94">Erste Eindrücke von Newsgrape</a> habe ich seinerzeit versucht, das Projekt gedanklich einzuordnen in die vorhandene Landschaft der Blogs, der Hosted-Blog-Plattformen und anderer Möglichkeiten, im heutigen Web zu publizieren. Die „Marktlücke“, welche die österreichischen Gründer Felix Häusler, Leo Fasbender und ihr Entwickler-Team mit ihrer Text-Community-Plattform sehen, ist durchaus real - allerdings ist sie schon jetzt nicht mehr unbesetzt. Anbieter wie <a href="http://pagewizz.com/">PageWizz</a> oder <a href="http://www.suite101.de/">Suite101.de</a> schlagen in die gleiche Presche - und das bereits mit einigem Erfolg.</p> <p>Die nicht-öffentliche Pre-Beta-Phase von Newsgrape war durchaus geeignet, um die Networking-Konzepte der Plattform anzutesten: <a href="http://www.newsgrape.com/m/">Magazine</a> gründen, bei anderen Magazinen Gastredakteur werden, Artikel kommentieren, eigene <a href="http://www.newsgrape.com/u/stefanm/">Profilseiten</a> bearbeiten, auf User-Pinnwände schreiben, Nachrichten mit anderen Autoren austauschen, die eigene Sicht auf die Plattform (<a href="http://www.newsgrape.com/ego/">E-Go-Bereich</a>) konfigurieren usw. Konsequent genutzt wurden diese Möglichkeiten allerdings noch nicht wirklich. Der Grund dafür war einfach die fehlende Masse registrierter User. In der Pre-Beta-Phase tummelten sich gerade mal ein paar Hundert Account-Inhaber auf der Plattform, was man sich ungefähr so vorstellen muss, wie wenn ein paar Hundert Leute versuchen, ein ansonsten leeres New York zu bevölkern.</p> <p>Es erwies sich allerdings als klug, die Plattform während der Pre-Beta-Phase (die aus gutem Grund so heißt) noch keinem größeren Publikum zu öffnen. Diverse Software-Unstimmigkeiten, noch nicht funktionierende Features und ein durch Programmierung verursachter Datenverlust, bei dem einige Daten nicht mehr wiederhergestellt werden konnten, sorgten noch für diverse Unsicherheiten und Zweifel. Doch das Newsgrape-Entwicklerteam nutzte die Pre-Beta-Phase für einen kompletten Rewrite der Software. Über vollständige Software-Rewrites wird zwar in Entwicklerkreisen gerne die Nase gerümpft. Doch in diesem Fall ist der Rewrite damit begründbar, dass man sich erst während der Pre-Beta-Phase auf eine endgültige Software-Architektur festlegte. Letztere musste einen für die Plattform optimalen Kompromiss zwischen Performance, Hochverfügbarkeit und Datensicherheit finden. Das Newsgrape-Team hat sich dahingehend entschieden, Artikel-Ressourcen wie Grafiken, Videos usw. in der <a href="http://aws.amazon.com/de/s3/">S3-Cloud von Amazon</a> zu speichern. Die Datenbank und das Web-Frontend werden dagegen auf einem skalierbaren Server-System von <a href="http://www.hetzner.de/">Hetzner</a> gehostet.</p> <p>Bemerkenswert war während der Pre-Beta-Phase auf jeden Fall die Offenheit und Zugänglichkeit der Newsgrape-Macher. Leo Fasbender und Felix Häusler gingen zeitnah auf alle Fragen, Ideen, Wünsche und Fehlermeldungen im internen Forum ein. Durch die Kommunikation dort haben sie zweifellos ein paar treue Anhänger gefunden. Wäre der direkte Draht zu den Newsgrape-Machern nicht gewesen, hätte ich der Plattform wahrscheinlich bis auf weiteres wieder den Rücken gekehrt, weil mir das alles noch nicht rund und stabil genug war.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:111/newsgrape-team.png" style="width: 400px; height: 284px;" alt="Das Newsgrape-Team" class="image" /><br /> <span class="legend">Das Newsgrape-Team</span></div> <p>Für alle, die es interessiert, was Newsgrape ab der offiziellen Beta-Version gegenüber vorher alles kann, hier eine Liste der wichtigsten Neuerungen:</p> <ul> <li><strong>Statistik</strong><br /> Als Artikelautor kann man mit der Einführung der Beta-Version nun auch die Anzahl positiver und negativer Bewertungen sehen. Auch wie oft ein Artikel von Benutzern zu ihren Favoriten hinzugefügt wurde, wird nun angezeigt.</li> <li><strong>Artikelserien</strong><br /> Für mehrteilige Artikel oder beispielsweise auch für die sukzessive Veröffentlichung eines Romans stellt Newsgrape mit der Beta-Version die Möglichkeit sogenannter Stories zur Verfügung. Leser können leicht erkennen, wenn ein Artikel Teil einer mehrteiligen Serie ist.</li> <li><strong>Bilderstrecken</strong><br /> Dieses Format ist eher typisch für bekannte Online-Magazine wie SPON, FOCUS oder STERN. In der Bloggerszene wird darüber manchmal die Nase gerümpft. Dennoch ist es für manche Beiträge sicherlich ein bereicherndes Mittel. Etwa für Autoren, die über ein Ereignis berichten, bei dem sie selber anwesend waren und viele Fotos gemacht haben. Mit der Beta-Version ist es für Autoren ganz einfach möglich, Bilder zu einer Bilderstrecke zusammenzufassen. Jedes einzelne Bild lässt sich mit einem Titel, einer Beschreibung und einer Lizenzangabe versehen.</li> <li><strong>Artikel-Optionen</strong><br /> Seit der Beta-Version ist es möglich, für jeden Artikel eine eigene Lizenzform festzulegen, wobei sich die angebotenen Lizensierungsmöglichkeiten am <a href="http://creativecommons.org/choose/?lang=de">CreativeCommons-Modell</a> orientieren. Ferner kann man festlegen, ob ein Artikel für Suchmaschinen auffindbar sein soll oder nicht, und man kann die Kommentiermöglichkeit für Artikel ein- oder ausschalten.</li> <li><strong>Neue Bewertungsmöglichkeiten</strong><br /> Neben der Möglichkeit, Artikel direkt zu tweeten oder via Facebook zu liken, können Leser nun auch den Google +1-Button klicken oder „<a href="http://digg.com/">diggen</a>“. Autoren, die über einen Account bei <a href="http://www.flattr.com/">Flattr</a> verfügen, können optional einen summarischen Flattr-Button für alle eigenen Newsgrape-Artikel hinzufügen.</li> <li><strong>Meldesystem</strong><br /> Leider kommt es immer wieder mal vor, dass Artikel aus nichts anderem bestehen als Werbung. Das ist durchaus nicht unerlaubt - aber es wird verlangt, dass entsprechende Artikel als solche gekennzeichnet werden. Dafür ist eine neue Checkbox vorgesehen. Angemeldete Leser und Autoren haben mit Beginn der Beta-Version die Möglichkeit, rein werbende Artikel, die nicht als solche gekennzeichnet sind, zu melden.</li> </ul> <p>Neben all diesen neuen Funktionen wurden aber auch zahlreiche Verbesserungen an bereits vorhandenen Features vorgenommen. Dabei haben die Entwickler sich bemüht, möglichst viel von dem Feedback, das in der Pre-Beta-Phase im internen Newsgrape-Forum geäußert wurde, zu berücksichtigen. Da ich mich an den Verbesserungsvorschlägen ebenfalls beteiligt habe, kann ich mich nun auch über einige persönlich erfüllten Wünsche erfreuen. Änderungen dieser Art sind beispielsweise:</p> <ul> <li><strong>Verbesserte Gestaltungsmöglichkeiten</strong><br /> Es ist nun auch möglich, Videos in Artikelinhalte einzubetten.</li> <li><strong>HTML5-Auszeichnungen</strong><br /> Newsgrape verwendet jetzt HTML5 zur Auszeichnung und operiert dabei konsequent mit Elementen wie section und article.</li> <li><strong>RSS-Feeds</strong><br /> Die Artikel von Autoren und Magazinen lassen sich nun auch als Atom-Feeds abonnieren - auch wenn dabei nur die Titel und Teaser-Texte ausgegeben werden.</li> </ul> <p>Leo Fasbender hat mir in einem Telefonat vor einigen Wochen zugesichert, dass mit dem Start der Beta-Version noch mal kräftig die Werbetrommel für Newsgrape angeworfen werde. Und wer sollte sich davon angesprochen fühlen?</p> <ul> <li><strong>Journalisten</strong>, die einen Ort für Experimente suchen, etwa mit Artikeln zu ihnen sonst fremden Themenbereichen, oder die ihrem Chef oder Auftraggeber beweisen wollen, dass ein abgelehnter Artikel durchaus Pfeffer gehabt hätte, oder die so einiges an unveröffentlichtem, aber veröffentlichungswürdigem Material in der Schublade haben.</li> <li><strong>Gelegenheitsschreiber</strong>, die kein eigenes Blog regelmäßig befüttern und keine Homepage pflegen wollen, aber hin und wieder Beiträge verfassen, die sie gerne im Web veröffentlichen würden.</li> <li><strong>Blogger</strong>, die sich mehr Networking rund um ihre Beiträge wünschen.</li> <li><strong>Social-Network-Aktive oder Forenschreiber</strong>, deren Beiträge oft viel zu lang, zu ausführlich und zu schade sind, um im endlosen Strom der Networking-Timelines davonzuschwimmen.</li> <li><strong>Romanautoren</strong>, die ihr Werk sukzessive als Artikelserie veröffentlichen wollen. In Tageszeitungen ist so etwas ja längst nicht mehr üblich.</li> <li><strong>Aufmerksame Zeitgenossen</strong>, die auf dem Speicher zeitgeschichtlich interessante Texte oder Bilder gefunden haben und nicht so recht wissen, wohin damit.</li> <li><strong>Betroffene</strong>, die eine bestimmte Lebensphase schriftlich für die Öffentlichkeit beschreiben möchten, etwa einen Gerichtsprozess, eine Erkrankung oder eine Weltreise.</li> <li><strong>Studenten, Arbeitslose, Geringverdiener, Hausfrauen</strong> und andere un- oder unterbelohnte Gesellschaftsmitglieder können durch Artikel aus ihrem Kenntnisbereich künftig einen Nebenverdienst erwirtschaften. Das dazu nötige Feature der artikel-/autorenspezifischen Werbekampagnen mit 70%iger Umsatzbeteiligung der jeweiligen Autoren wird Newsgrape nach eigenen Angaben jedoch erst im Herbst einführen.</li> </ul> <p>Wie aus der kleinen Aufzählung hoffentlich ersichtlich wird, kann die Artikelplattform für völlig unterschiedliche Zielgruppen interessant sein. Artikel schreiben auf Newsgrape kann so ähnlich sein wie Bloggen, aber die Plattform ist keine konzeptionelle Huldigung der Bloggerszene. Sie bezieht bewusst auch jene zahlreichen Autoren mit ein, die in der Bloggerszene und ihrem gewachsenen Biotop nicht heimisch werden. Für den weiteren Erfolg hängt allerdings viel davon ab, dass die Plattform bekannter wird, und dass sich genügend Autoren finden, die es mal damit probieren möchten.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940871" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
				 	]]>
				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:110</guid>
				<title>Los Indignados begehren auf</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:110</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:110/los-indignados.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 80px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;los-indignados.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Mehrheitlich als gewöhnliche Demonstrationen und innerspanische Angelegenheit abgetan, verdichtet sich unter Europas Jugend, ausgehend von Spanien, der Ruf nach „echter Demokratie“.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Eigentlich veröffentlicht am 28.05.2011&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Für knapp 4 Euro kann man bei Amazon oder im gut sortierten Buchhandel ein 30seitiges Heftchen mit dem Titel &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/dp/3550088833/ref=nosim?tag=httpwebkompew-21&quot;&gt;Empört euch!&lt;/a&gt; (frz. Original: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/dp/291193976X/ref=nosim?tag=httpwebkompew-21&quot;&gt;Indignez-Vous!&lt;/a&gt;) erwerben. Es stammt von dem 93jährigen(!) Aufbegehrer Stéphane Hessel. Der „ehemalige Résistance-Kämpfer, Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald, Diplomat und Lyriker“ (&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A9phane_Hessel&quot;&gt;Wikipedia&lt;/a&gt;) Hessel veröffentlichte die bewusst emphatisch geschriebene Kampf- und Streitschrift im Herbst 2010. Ein halbes Jahr später war das Büchlein bereits mehr als eine Million mal verkauft worden. Größere Teile daraus kursieren auch als &lt;a href=&quot;http://www.stefan-muenz.de/ng/empoerteuch.pdf&quot;&gt;PDF zum Anlesen&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Spanien nennen sie sich «Los Indignados» - „die Empörten“. Eine Bewegung, die sich für eine bessere Integration der vielen arbeitslosen Jugendlichen und Jungerwachsenen in die Gesellschaft einsetzt, und die im Mai 2011 erstmals durch Massendemonstrationen in zahlreichen spanischen Städten auf sich aufmerksam machte. Der Name bezieht sich auf eben jenes 30seitige Heftchen von Stéphane Hessel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis dahin hört sich das alles recht gewöhnlich an. Eine Anleihe, nichts weiter. Auffällig ist jedoch, dass die Demonstranten „echte Demokratie jetzt!“ (Democracia Real Ya!) fordern, und eine grundsätzliche Reform des spanischen Wahlrechts. In den letzten Jahrzehnten hat es immer wieder Massendemonstrationen gegeben, teilweise erheblich größere. Etwa die Großdemonstrationen der Friedensbewegung in den 80er Jahren, oder die Demos gegen den Weltwirtschaftgipfel seit den 90er Jahren. Die „Schuldigen“, gegen die sich die Proteste richteten, waren verbohrte Militärs, korrupte Machthaber und ignorante Wirtschaftsbosse. Mittlerweile setzt man sich aber offenbar stärker mit den Systemen und Strukturen auseinander, die all das ermöglichen - in der Hoffnung, durch Rück- und Neubesinnung auf verfassungsrechtliche und gesellschaftstheoretische Grundlagen die Übel bei der Wurzel zu packen. Das wird deutlich in dem &lt;a href=&quot;http://valencia.tomalaplaza.net/decalogo-de-propuestas/aleman/&quot;&gt;Katalog der Vorschläge&lt;/a&gt;, den die spanischen Demonstranten erstellt und in verschiedene Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt haben: Nachfolgend der deutschsprachige Wortlaut:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Respekt&lt;/strong&gt; vor den Werten wie Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Pluralismus&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Begrenzung der Umverteilung der öffentlichen Mittel und der Privilegien der öffentlichen Würdenträger. In Korruption Verstrickte dürfen sich nicht mehr zur Wahl stellen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Verbesserung&lt;/strong&gt; des Wahlrechts, sodass Repräsentativität und Proportionalität garantiert werden und keine politische Kraft oder ein öffentlicher Wille ausgeschlossen wird. Schluss mit dem Zwei Parteiensystem, Eintritt kleiner Parteien und Nein zur fünf Prozent Hürde.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Stärkung&lt;/strong&gt; der Mechanismen der direkten Demokratie (Bürgerentscheide) in wichtigen sozio-ökonomischen Entscheidungen und Erleichterung der Einbringung von Gesetzentwürfen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Verpflichtung&lt;/strong&gt; zu einer öffentlichen Vorstellung der Haushaltsentwürfe zur Debatte und Bestätigung durch die Bürger&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Verbesserung und Bildung&lt;/strong&gt; von Kontrollmechanismen die die strikte Gewaltenteilung im öffentlichen Sektor garantieren. Absolute Unabhängigkeit der Gerichtbarkeit!&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Anerkennung&lt;/strong&gt; der Grundversorgung mit Energie, Kommunikationsnetze, Ernährung und Banken als öffentliche Güter und Verbot von privaten Monopolen in der Bereitstellung dieser&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Recht auf eine würdevolle, sichere und qualitative Arbeit!&lt;/strong&gt; Verbot der EREs in Firmen die Gewinn machen! Recht aller Bürger auf öffentliche Leistungen die ein würdevolles Leben garantieren.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Einführung&lt;/strong&gt; von öffentlichen Kontrollmechanismen der Amtsführung um Korruption zu verhindern. Öffentliche Kontrolle der wirtschaftlichen Aktivitäten und Einführung eines Systems das den privaten Gewinn verhindern.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Einführung&lt;/strong&gt; eines progressiven Steuersystems und globale Einführung einer Steuer auf Vermögen und spekulative Transaktionen. Verschwinden der Steuerparadiese!&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Öffentliche&lt;/strong&gt; Kontrolle der Aktivitäten von Banken und Verbot der ausbeutenden Klauseln besonders in Bezug auf Hypothekengeschäfte&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Aufruf zu einer &lt;strong&gt;grundlegenden Versammlung&lt;/strong&gt; (Asamblea Constituyente)&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;In der Summe wirkt dieser Katalog wie ein hektischer Mix aus Positivismus, Demokratismus, Kommunismus, Populismus und Antikapitalismus. Man wird ihm jedoch nicht gerecht, wenn man versucht, den Veränderungswillen, der sich dahinter verbirgt, auf einzelne Theorien oder geschichtlich-politische Strömungen zu reduzieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Kern der Forderungen steht zum einen ein neues, erweitertes bzw. verschärftes Demokratieverständnis. Dazu gehört, dass Bürger nicht mehr vorrangig Repräsentanten wählen wollen (Stimmvieh-Funktion), sondern von Beginn an in politische Entscheidungsfindungen involviert werden möchten. Dazu müssen alle Prozesse, die zur Entstehung oder Änderung von Gesetzen oder Regelungen führen, von Beginn an vollkommen transparent sein. Die andere Kernforderung ist die Rückgewinnung der Macht über Geld und Kreditwesen. Die Spirale der Verselbständigung von Banken und Kapital wird als pervers und als vernichtende Krebserkrankung betrachtet. Sie muss unterbunden werden. Wirtschaft muss wieder ein Handeln in der und für die Gesellschaft werden. Gefordert wird also eine &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Marktwirtschaft&quot;&gt;soziale Marktwirtschaft&lt;/a&gt;, die freies Wirtschaften und Wettbewerb erlaubt, sich dabei jedoch nicht im Interesse beliebiger Profitmaximierung über die Interessen der Bürger und der Umwelt erhebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eines ist allen ebenfalls klar: solche Veränderungen sind nicht auf der Ebene eines herkömmlichen Nationalstaats durchsetzbar. Deshalb ist eine rein spanische „Revolution“ mit solchen Forderungen überhaupt nicht durchsetzbar, selbst wenn es, was kaum zu erwarten ist, gelingen würde, die jetztige spanische Regierung abzusetzen und einen Revolutionsrat in Madrid einzuberufen. Die Revolution muss mindestens gesamteuropäisch werden, sich eng mit demokratisch-revolutionären Strömungen in den islamischen Ländern koppeln und zahlreiche weitere Weltgegenden mitreißen, darunter auch wichtige große Schwellenstaaten wie etwa Indien, Russland oder Brasilien. Das ist sicher auch der Grund für das rasche Aufgreifen der spanischen Proteste in Berlin, Athen und anderswo.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Derzeit erleben wir immer häufiger das Aufblitzen einer sich allmählich formierenden internationalen Bewegung an verschiedensten Orten. Sie ist erkennbar an der Forderung nach einem transparenten Staatswesen mit hochgradiger Bürgerbeteiligung jenseits von Repräsentantenwahlen, sowie nach konsequent sozialer Marktwirtschaft. Dazu kommt eine ausgeprägte religiöse und rassistische Neutralität oder Toleranz. Eine wesentliche Rolle bei der Formierung der Bewegung spielt das Internet bzw. die soziale Vernetzung über Facebook, Twitter, YouTube, einschlägige Blogs und Mobile-Webservices. Denn Stéphane Hessels Büchlein allein kann allenfalls initialzündend wirken. Für Phase zwei, das globale gegenseitige Erkennen und das Organisieren von Protesten, Demonstrationen und Konzepten, wird das Netz benötigt. Phase drei, das Agieren vor Ort, ist dann wieder nur ohne Mausklicks machbar. Allerdings nicht ohne ständige Online-Abstimmung mit Gleichgesinnten und echtzeitnaher Online-Dokumentation von Geschehnissen, die dann in der gut vernetzten Szene weitergereicht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Noch fehlt der Bewegung die kritische Masse, um tatsächlich umstürzlerisch zu sein. Aber die Blindheit einer selbstgerechten Repräsentantenpolitikergeneration und der unersättliche Wahn des Kapitals nach Spekulationsrekorden tun eine Menge dafür, dass diese Bewegung von Tag zu Tag wächst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940871&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 19:39:14 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:110/los-indignados.jpg" style="width: 120px; height: 80px; float: left; margin-right: 15px;" alt="los-indignados.jpg" class="image" /> Mehrheitlich als gewöhnliche Demonstrationen und innerspanische Angelegenheit abgetan, verdichtet sich unter Europas Jugend, ausgehend von Spanien, der Ruf nach „echter Demokratie“.<br /> <span class="legend">Eigentlich veröffentlicht am 28.05.2011</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Für knapp 4 Euro kann man bei Amazon oder im gut sortierten Buchhandel ein 30seitiges Heftchen mit dem Titel <a href="http://www.amazon.de/dp/3550088833/ref=nosim?tag=httpwebkompew-21">Empört euch!</a> (frz. Original: <a href="http://www.amazon.de/dp/291193976X/ref=nosim?tag=httpwebkompew-21">Indignez-Vous!</a>) erwerben. Es stammt von dem 93jährigen(!) Aufbegehrer Stéphane Hessel. Der „ehemalige Résistance-Kämpfer, Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald, Diplomat und Lyriker“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A9phane_Hessel">Wikipedia</a>) Hessel veröffentlichte die bewusst emphatisch geschriebene Kampf- und Streitschrift im Herbst 2010. Ein halbes Jahr später war das Büchlein bereits mehr als eine Million mal verkauft worden. Größere Teile daraus kursieren auch als <a href="http://www.stefan-muenz.de/ng/empoerteuch.pdf">PDF zum Anlesen</a>.</p> <p>In Spanien nennen sie sich «Los Indignados» - „die Empörten“. Eine Bewegung, die sich für eine bessere Integration der vielen arbeitslosen Jugendlichen und Jungerwachsenen in die Gesellschaft einsetzt, und die im Mai 2011 erstmals durch Massendemonstrationen in zahlreichen spanischen Städten auf sich aufmerksam machte. Der Name bezieht sich auf eben jenes 30seitige Heftchen von Stéphane Hessel.</p> <p>Bis dahin hört sich das alles recht gewöhnlich an. Eine Anleihe, nichts weiter. Auffällig ist jedoch, dass die Demonstranten „echte Demokratie jetzt!“ (Democracia Real Ya!) fordern, und eine grundsätzliche Reform des spanischen Wahlrechts. In den letzten Jahrzehnten hat es immer wieder Massendemonstrationen gegeben, teilweise erheblich größere. Etwa die Großdemonstrationen der Friedensbewegung in den 80er Jahren, oder die Demos gegen den Weltwirtschaftgipfel seit den 90er Jahren. Die „Schuldigen“, gegen die sich die Proteste richteten, waren verbohrte Militärs, korrupte Machthaber und ignorante Wirtschaftsbosse. Mittlerweile setzt man sich aber offenbar stärker mit den Systemen und Strukturen auseinander, die all das ermöglichen - in der Hoffnung, durch Rück- und Neubesinnung auf verfassungsrechtliche und gesellschaftstheoretische Grundlagen die Übel bei der Wurzel zu packen. Das wird deutlich in dem <a href="http://valencia.tomalaplaza.net/decalogo-de-propuestas/aleman/">Katalog der Vorschläge</a>, den die spanischen Demonstranten erstellt und in verschiedene Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt haben: Nachfolgend der deutschsprachige Wortlaut:</p> <ul> <li><strong>Respekt</strong> vor den Werten wie Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Pluralismus</li> <li>Begrenzung der Umverteilung der öffentlichen Mittel und der Privilegien der öffentlichen Würdenträger. In Korruption Verstrickte dürfen sich nicht mehr zur Wahl stellen</li> <li><strong>Verbesserung</strong> des Wahlrechts, sodass Repräsentativität und Proportionalität garantiert werden und keine politische Kraft oder ein öffentlicher Wille ausgeschlossen wird. Schluss mit dem Zwei Parteiensystem, Eintritt kleiner Parteien und Nein zur fünf Prozent Hürde.</li> <li><strong>Stärkung</strong> der Mechanismen der direkten Demokratie (Bürgerentscheide) in wichtigen sozio-ökonomischen Entscheidungen und Erleichterung der Einbringung von Gesetzentwürfen</li> <li><strong>Verpflichtung</strong> zu einer öffentlichen Vorstellung der Haushaltsentwürfe zur Debatte und Bestätigung durch die Bürger</li> <li><strong>Verbesserung und Bildung</strong> von Kontrollmechanismen die die strikte Gewaltenteilung im öffentlichen Sektor garantieren. Absolute Unabhängigkeit der Gerichtbarkeit!</li> <li><strong>Anerkennung</strong> der Grundversorgung mit Energie, Kommunikationsnetze, Ernährung und Banken als öffentliche Güter und Verbot von privaten Monopolen in der Bereitstellung dieser</li> <li><strong>Recht auf eine würdevolle, sichere und qualitative Arbeit!</strong> Verbot der EREs in Firmen die Gewinn machen! Recht aller Bürger auf öffentliche Leistungen die ein würdevolles Leben garantieren.</li> <li><strong>Einführung</strong> von öffentlichen Kontrollmechanismen der Amtsführung um Korruption zu verhindern. Öffentliche Kontrolle der wirtschaftlichen Aktivitäten und Einführung eines Systems das den privaten Gewinn verhindern.</li> <li><strong>Einführung</strong> eines progressiven Steuersystems und globale Einführung einer Steuer auf Vermögen und spekulative Transaktionen. Verschwinden der Steuerparadiese!</li> <li><strong>Öffentliche</strong> Kontrolle der Aktivitäten von Banken und Verbot der ausbeutenden Klauseln besonders in Bezug auf Hypothekengeschäfte</li> <li>Aufruf zu einer <strong>grundlegenden Versammlung</strong> (Asamblea Constituyente)</li> </ul> <p>In der Summe wirkt dieser Katalog wie ein hektischer Mix aus Positivismus, Demokratismus, Kommunismus, Populismus und Antikapitalismus. Man wird ihm jedoch nicht gerecht, wenn man versucht, den Veränderungswillen, der sich dahinter verbirgt, auf einzelne Theorien oder geschichtlich-politische Strömungen zu reduzieren.</p> <p>Im Kern der Forderungen steht zum einen ein neues, erweitertes bzw. verschärftes Demokratieverständnis. Dazu gehört, dass Bürger nicht mehr vorrangig Repräsentanten wählen wollen (Stimmvieh-Funktion), sondern von Beginn an in politische Entscheidungsfindungen involviert werden möchten. Dazu müssen alle Prozesse, die zur Entstehung oder Änderung von Gesetzen oder Regelungen führen, von Beginn an vollkommen transparent sein. Die andere Kernforderung ist die Rückgewinnung der Macht über Geld und Kreditwesen. Die Spirale der Verselbständigung von Banken und Kapital wird als pervers und als vernichtende Krebserkrankung betrachtet. Sie muss unterbunden werden. Wirtschaft muss wieder ein Handeln in der und für die Gesellschaft werden. Gefordert wird also eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Marktwirtschaft">soziale Marktwirtschaft</a>, die freies Wirtschaften und Wettbewerb erlaubt, sich dabei jedoch nicht im Interesse beliebiger Profitmaximierung über die Interessen der Bürger und der Umwelt erhebt.</p> <p>Eines ist allen ebenfalls klar: solche Veränderungen sind nicht auf der Ebene eines herkömmlichen Nationalstaats durchsetzbar. Deshalb ist eine rein spanische „Revolution“ mit solchen Forderungen überhaupt nicht durchsetzbar, selbst wenn es, was kaum zu erwarten ist, gelingen würde, die jetztige spanische Regierung abzusetzen und einen Revolutionsrat in Madrid einzuberufen. Die Revolution muss mindestens gesamteuropäisch werden, sich eng mit demokratisch-revolutionären Strömungen in den islamischen Ländern koppeln und zahlreiche weitere Weltgegenden mitreißen, darunter auch wichtige große Schwellenstaaten wie etwa Indien, Russland oder Brasilien. Das ist sicher auch der Grund für das rasche Aufgreifen der spanischen Proteste in Berlin, Athen und anderswo.</p> <p>Derzeit erleben wir immer häufiger das Aufblitzen einer sich allmählich formierenden internationalen Bewegung an verschiedensten Orten. Sie ist erkennbar an der Forderung nach einem transparenten Staatswesen mit hochgradiger Bürgerbeteiligung jenseits von Repräsentantenwahlen, sowie nach konsequent sozialer Marktwirtschaft. Dazu kommt eine ausgeprägte religiöse und rassistische Neutralität oder Toleranz. Eine wesentliche Rolle bei der Formierung der Bewegung spielt das Internet bzw. die soziale Vernetzung über Facebook, Twitter, YouTube, einschlägige Blogs und Mobile-Webservices. Denn Stéphane Hessels Büchlein allein kann allenfalls initialzündend wirken. Für Phase zwei, das globale gegenseitige Erkennen und das Organisieren von Protesten, Demonstrationen und Konzepten, wird das Netz benötigt. Phase drei, das Agieren vor Ort, ist dann wieder nur ohne Mausklicks machbar. Allerdings nicht ohne ständige Online-Abstimmung mit Gleichgesinnten und echtzeitnaher Online-Dokumentation von Geschehnissen, die dann in der gut vernetzten Szene weitergereicht werden.</p> <p>Noch fehlt der Bewegung die kritische Masse, um tatsächlich umstürzlerisch zu sein. Aber die Blindheit einer selbstgerechten Repräsentantenpolitikergeneration und der unersättliche Wahn des Kapitals nach Spekulationsrekorden tun eine Menge dafür, dass diese Bewegung von Tag zu Tag wächst.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940871" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:109</guid>
				<title>AVAAZ - global-mediale Kampagnen als politische Lösung?</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:109</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:109/avaaz.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 70px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;avaaz.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Während das Vertrauen in die Fähigkeit herkömmlicher Parteien und Regierungen, globale ökologische oder soziale Probleme lösen zu können, weiter sinkt, mobilisiert eine politische Kampagnen-Organisation immer größere Menschenmassen.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Eigentlich veröffentlicht am 18.05.2011&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Das hier wird ein Artikel mit vielen Zitaten. Nicht aus Faulheit, sondern weil es der NGO, um die es hier geht, unter anderem gelungen ist, typische Fragen im Vorne-Verteidigungsstil perfekter PR gleich selber zu beantworten. Allerdings sollen auch Gegenstimmen zu Wort kommen. Los geht es mit einem Zitat aus einer E-Mail von AVAAZ-Gründer &lt;strong&gt;Ricken Patel&lt;/strong&gt;, einem heute Mittdreißiger aus Kanada, der die Geschäfte von Avaaz leitet:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:109/ricken.jpg&quot; style=&quot;width: 166px; 198px; float: left; margin-right: 16px; margin-bottom: 8px;&quot; alt=&quot;Bild von Ricken Patel&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;em&gt;„Es gibt jetzt mehr als 8.2 Millionen von uns, und pro Woche kommen etwa 100,000 Menschen - righ dazu! In der vergangenen Woche haben sich 650,000 Inder an unserer Kampagne für einen neuen, von der Zivilgesellschaft aufgesetzten Gesetzesentwurf gegen Korruption beteiligt – und wir hatten Erfolg!! Jeden Monat haben wir wichtige Erfolge zu verzeichnen – wir kämpfen gegen politische Korruption in Italien, Medienkorruption in Großbritannien und Kanada, gegen die Zerstörung der Umwelt in Brasilien und vieles mehr. Und in Nahost erhalten mutige Aktivisten, die furchterregenden Sicherheitskräften gegenüberstehen, unschätzbares Equipment und Kommunikationshilfen, bezahlt durch Spenden von beinahe 30,000 von uns. Von den Volksrevolutionen in Nahost bis hin zu nationalen Anti-Korruptions-Bewegungen kann man es heute an so vielen Ereignissen spüren und sehen – die Demokratie ist auf dem Vormarsch und wir schlagen gemeinsam die Trommel. Die Presse ist seit Monaten voll mit Hunderten Meldungen über Avaaz, unter anderem gab es einen 2000&amp;#160;Wörter langen Bericht in der London Times, der unsere Gemeinschaft an die Spitze einer »neuen globalen Supermacht der öffentlichen Meinung« stellt.“&lt;/em&gt;&amp;quot;&amp;quot;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Aus dem Zitat aus dem AVAAZ-Newsletter-Abonnent vom April 2011, das auch im &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Avaaz&quot;&gt;deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu AVAAZ&lt;/a&gt; zu finden ist, spricht eine unbändige politisch aktivistische Lust und das Selbstbewusstsein einer jungen, global agierenden Macht. Etwas, das man zwischen all den Grauherr-Parlamenten dieser Welt und den herumhuschenden Schatten der zuflüsternden Lobbyisten kaum mehr zu vermuten wagt: volle Power gegen all das, was die große Mehrheit von uns spontan hasst: Korruption, Unterdrückung, Gewalt. AVAAZ ist dabei durch und durch populistisch. Ein außerparlamentarischer Wirbelwind, der voll auf die medialen Möglichkeiten des Internets setzt.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:109/avaaz-website.jpg&quot; style=&quot;width: 600px; height: 334px;&quot; alt=&quot;Website von Avaaz&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;Die Website &lt;a href=&quot;http://avaaz.org/&quot;&gt;Avaaz.org&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Avaaz - bedeutet »Stimme« in vielen Sprachen Osteuropas, des Mittleren Ostens sowie Asiens - ging 2007 mit einer einfachen demokratischen Mission aufs Netz: Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt zu mobilisieren, um gemeinsam die Lücke zwischen der Welt, die wir haben und der Welt, die wir uns wünschen zu schließen.“&lt;/em&gt; (&lt;a href=&quot;http://www.avaaz.org/de/about.php&quot;&gt;AVAAZ über sich selbst&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation wirbt mit ihren stark steigenden Mitgliederzahlen. Derzeit kommen monatlich etwa 100.000 dazu (zum Vergleich: die CDU Deutschland hat derzeit insgesamt ca. 500.000 Mitglieder). Allerdings wird man bei AVAAZ bereits zum Mitglied erklärt, wenn man mal irgendeine Kampagne mit unterzeichnet oder eine ihrer Mails verbreitet. Nicht alle so Beglückten wissen das zu schätzen. Die Website &lt;a href=&quot;http://www.projektwerkstatt.de/&quot;&gt;Projektwerkstatt.de&lt;/a&gt; etwa weiß auf unter dem Titel &lt;a href=&quot;http://www.projektwerkstatt.de/aes/gentec_filz.htm&quot;&gt;Seilschaften auf grüner Seite&lt;/a&gt; zu berichten:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Im Winter 2009/2010 startete AVAAZ eine große Unterschriftensammlung - angeblich, weil mit einer Millionen Unterschriften eine Eingabe an das Europäische Parlament möglich sei […] Mit den Unterschriften könne es gelingen, »die Einführung von genmanipulierten Pflanzen und Produkten auf den Europäischen Markt zu stoppen«. Klingt gut. Haben Sie auch unterschrieben? Bitte ärgern Sie sich dann jetzt nicht über den Überbringer schlecher Nachrichten. Denn: Die von AVAAZ behauptete Möglichkeit einer schriftlichen Eingabe gab es gar nicht. Sie war aber ein guter Trick, um an die Adressen der Menschen zu kommen. Denn die sind im Zeitalter der harten Konkurrenz der fast immer hauptamtlich geführten Verbände und Bewegungsagenturen die wichtigste Basis, um Spenden und Mitglieder zu werben. Kurz vor Erreichen der angekündigten Million verschwanden einige 100.000 Adressen. Viele redeten von Schlamperei. Vielleicht war es aber auch nur ein weiterer Trick, um die Million nicht zu erreichen oder zumindest noch einige Zeit weiter sammeln zu können. Denn ab einer Million würden ja alle, die hingucken (wovon es leider nur Wenige gibt), mitbekommen, dass alles nur Propaganda war. So sammelte AVAAZ weiter und ließ die Aktion leise sterben. Die Aktion ging, die Adressen blieben.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Während der Ansatz von AVAAZ (Masse macht Eindruck) in vielen Massenmedien durchaus auf positive Resonanz trifft, etwa in dem Artikel &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/356958&quot;&gt;Teil 6 von Mächtige online: „Avaaz.org – the world in action“&lt;/a&gt; des SZ-Magazins Jetzt.de, ist die Organisation anderen, kleineren Gruppierungen politischer Aktivisten oft ein Dorn im Auge. Deren Argumentation ist durchaus nachvollziehbar. So schreibt Joachim Guilliard in einem Blog-Artikel mit dem langen und sprechenden Titel &lt;a href=&quot;http://jghd.twoday.net/stories/warnung-vor-avaaz-no-fly-libyen/&quot;&gt;Warnung vor Avaaz: Suspekte Gruppe sammelt über Millionen-Verteiler Unterstützer für eine No-Fly Zone in Libyen - d.h. für Krieg&lt;/a&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„AVAAZ nennt sich zwar »Kampagnennetzwerk«, ein Netzwerk ist aber gerade nicht, sondern es wird zentral von Leuten organisiert, die professionell arbeiten und genau wissen, wie man so was aufzieht. Die Gruppe die das ganze betreibt ist recht überschaubar. Viele haben ihre Erfahrungen in Wahlkämpfen in den USA oder anderen Ländern gesammelt oder durch ihre Arbeit in großen Stiftungen, wie der Rockefeller Foundation und der Gates Foundation.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der &lt;a href=&quot;http://info-agent.blogspot.com/&quot;&gt;Info-Agent&lt;/a&gt; hat in seinem Blog-Artikel &lt;a href=&quot;http://info-agent.blogspot.com/2011/04/wer-steckt-hinter-avaaz.html&quot;&gt;Wer steckt hinter AVAAZ?&lt;/a&gt; die Macher der Organisation aufgelistet. Die Gruppe um Ricken Patel besteht in der Tat aus mehr als einem PR-Profi, aus Wahlkampfstrategen, Meinungsforschern und anderen, die wissen, wie man Massen bewegt, verführt und, ja was?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AVAAZ wäre aber nicht es selbst, wenn es auf diese Vorwürfe nicht antworten würde. Auf ihrer Über-uns-selbst-Seite schreiben die Aktivisten:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Wo andere globale Gruppen der Zivilgesellschaft aus themenspezifischen Netzwerken und nationalen Verbänden bestehen - jede mit eigenem Personal, Budget und Entscheidungsstruktur, kann Avaaz mit einem einzelnen, global agierenden Team mit einem allgemeinen Mandat zu jedem Problem arbeiten, das öffentliche Belange betrifft. Dies ermöglicht gezielte Kampagnen mit außergewöhnlicher Gewandtheit, Flexibilität, Fokus und in einem noch nie dagewesenen Umfang.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Sie haben also alle ihre guten Gründe. Die AVAAZ-kritischen Aktivisten, die der Organisation vorwerfen, nicht wirklich den Dialog mit den Menschen zu suchen, sondern stattdessen naive Spontanunterstützer als vereinnahmte Mitglieder zu missbrauchen und sich letztlich der gleichen manipulativen Mittel zu bedienen wie mächtige Staaten und Unternehmen. Demgegenüber die AVAAZ selber, die argumentiert, dass man ohne selbst Macht und Einfluss zu haben nicht in das Gefüge der Mächtigen und Einflussreichen einbrechen könne. Letztlich läuft dieser Konflikt auf den alten Streit um die Frage hinaus, ob der Zweck die Mittel heiligt, oder ob Ohnmacht der typische Zustand moralischer Integrität in einer korrupten, von Machtbesessenen geprägten Welt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was man AVAAZ auf jeden Fall nicht vorwerfen kann, ist, dass sie ihre Kampagnen sklavisch am Tagesgeschehen ausrichten. Ein aktuelles Beispiel ist etwa die Kampagne gegen ein Gesetzesvorhaben in Uganda, mit dessen Hilfe Homosexuelle zum Tode verurteilt werden können (zum Hintergrund sei der Wikipedia-Artikel &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_Uganda&quot;&gt;Homosexualität in Uganda&lt;/a&gt; empfohlen). In den Nachrichten kommt davon so gut wie nichts vor. AVAAZ zerrt das Thema jedoch ans Licht und mobilisiert seine „Mitglieder“-Massen. Die &lt;a href=&quot;http://www.avaaz.org/de/uganda_rights_2/?vl&quot;&gt;Kampagnen-Seite zum Thema&lt;/a&gt; zeigt einmal mehr, wie werbetechnisch professionell man die neuen, grünen Mittelschichten anspricht. Kritische Geister scheiden sich ein weiteres mal an der Frage, was der Hauptzweck der Seite ist: ein schreckliches Gesetz in Uganda zu verhindern oder Millionen neuer Adressen zu sammeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AVAAZ nutzt die Power der Vielen im Netz, aber es nutzt sie anders als die Twitter-Vernetzten es kennen. Es nutzt sie eher so, wie es sich so mancher Anbieter im Web1.0 erhofft hatte: durch viel Traffic und Adressensammeln über harmlose Bekundungen so viel Wirbel zu erzeugen, dass es selbst die Mächtigen beeindruckt. Die Frage ist allerdings, wie viel eine Million Mausklick-Stimmen mitsamt Adressen künftig noch wert sein werden. Selbst ugandische Machthaber sind lernfähig, wenn es um solche Dinge geht. Die Pro-Guttenberg-Seiten auf Facebook haben mit ihren hunderttausenden von Like-Unterstützern gezeigt, wie wenig reine Zahlen sagen, wenn es um triviale Sympathiebekundungen geht. Wenn unter einer Million Petitionsunterzeichnern keine zehn Aktivisten sind, die so schnell keine Ruhe geben, dann ist die Millionenzahl Makulatur. Die Power des Netzes ergibt sich aus der hohen Quote an authentischen, ernstgemeinten und mit realem Nachdruck vorgetragenen Bekundungen. Reine Klickvieh-Zahlen werden auf die Dauer so schnell verdampfen wie die sogenannten Hits, mit denen man in den Anfangsjahren des Web die Gutgläubigen über die tatsächlichen Zugriffszahlen auf ihre Webseiten täuschte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Letztlich geht es darum, wie nachhaltig Kampagnen, die durch neue Medien von Profis wie denen von AVAAZ durchaus generierbar sind, tatsächlich sein können. Der AVAAZ-Artikel von SPIEGEL Online (&lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,672017,00.html&quot;&gt;Per Mausklick zur besseren Welt&lt;/a&gt;) wirft die Frage auf:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;„Aber geht dauerhaftes Online-Engagement? »Avaaz ist für deutsche Verhältnisse hochprofessionell, doch in erster Linie &#039;campaigning&#039;, daher bleibt die Bindung sprunghaft und lose«, sagt Leonard Novy, Fellow bei der Berliner Stiftung Neue Verantwortung und Herausgeber eines Buches über Lehren aus dem US-Wahlkampf.“&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Der Artikel folgert weiter: eine Organisation wie AVAAZ benötigt ständig Aufregerthemen, um im Gespräch zu bleiben und das Kribbeln von Millionen zu befeuern. Eine solche Organisation kann folglich nicht wirklich an einem Thema interessiert sein und für es eintreten, sondern muss aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus immer wieder rechtzeitig das Thema wechseln. Politischer Aktivismus durch große Kampagnen mit möglichst lautem Geklapper - das ist Politik, wie sie für das Vorfeld US-amerikanischer Präsidentschaftswahlen typisch ist. Und tatsächlich lassen sich Verbindungen zwischen AVAAZ und den Demokraten um Al Gore und Barack Obama finden, wie Sepp Aigner im Artikel &lt;a href=&quot;http://kritische-massen.over-blog.de/article-was-ist-drin-wenn-avaaz-draufsteht-52919828.html&quot;&gt;Was ist drin, wenn AVAAZ draufsteht?&lt;/a&gt; vermutet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;AVAAZ steht also für global präsenten Kampagnen-Aktivismus mit beeindruckenden, durch das Internet erst möglich gewordenen Petitionszeichnerzahlen, hohe Agilität dank schlanker interner Struktur und linksökologischen Populismus jenseits historischer Nationalstaaten. Im Zeitalter schwächelnder parlamentarischer Demokratien und erstickendem EU-Normenbürokratismus zweifellos eine verlockende Alternative für politisches Engagement. Doch eben auch eine Organisation, die ihre Legitimation allein aus der reinen Mobilisierungsfähigkeit von Massen bezieht - eine potentiell gefährliche und problematische Legitimation, wie das 20. Jahrhundert lehrt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940871&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Mon, 18 Jul 2011 19:28:05 +0000</pubDate>
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						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:109/avaaz.jpg" style="width: 120px; height: 70px; float: left; margin-right: 15px;" alt="avaaz.jpg" class="image" /> Während das Vertrauen in die Fähigkeit herkömmlicher Parteien und Regierungen, globale ökologische oder soziale Probleme lösen zu können, weiter sinkt, mobilisiert eine politische Kampagnen-Organisation immer größere Menschenmassen.<br /> <span class="legend">Eigentlich veröffentlicht am 18.05.2011</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Das hier wird ein Artikel mit vielen Zitaten. Nicht aus Faulheit, sondern weil es der NGO, um die es hier geht, unter anderem gelungen ist, typische Fragen im Vorne-Verteidigungsstil perfekter PR gleich selber zu beantworten. Allerdings sollen auch Gegenstimmen zu Wort kommen. Los geht es mit einem Zitat aus einer E-Mail von AVAAZ-Gründer <strong>Ricken Patel</strong>, einem heute Mittdreißiger aus Kanada, der die Geschäfte von Avaaz leitet:</p> <blockquote><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:109/ricken.jpg" style="width: 166px; 198px; float: left; margin-right: 16px; margin-bottom: 8px;" alt="Bild von Ricken Patel" class="image" /><em>„Es gibt jetzt mehr als 8.2 Millionen von uns, und pro Woche kommen etwa 100,000 Menschen - righ dazu! In der vergangenen Woche haben sich 650,000 Inder an unserer Kampagne für einen neuen, von der Zivilgesellschaft aufgesetzten Gesetzesentwurf gegen Korruption beteiligt – und wir hatten Erfolg!! Jeden Monat haben wir wichtige Erfolge zu verzeichnen – wir kämpfen gegen politische Korruption in Italien, Medienkorruption in Großbritannien und Kanada, gegen die Zerstörung der Umwelt in Brasilien und vieles mehr. Und in Nahost erhalten mutige Aktivisten, die furchterregenden Sicherheitskräften gegenüberstehen, unschätzbares Equipment und Kommunikationshilfen, bezahlt durch Spenden von beinahe 30,000 von uns. Von den Volksrevolutionen in Nahost bis hin zu nationalen Anti-Korruptions-Bewegungen kann man es heute an so vielen Ereignissen spüren und sehen – die Demokratie ist auf dem Vormarsch und wir schlagen gemeinsam die Trommel. Die Presse ist seit Monaten voll mit Hunderten Meldungen über Avaaz, unter anderem gab es einen 2000&#160;Wörter langen Bericht in der London Times, der unsere Gemeinschaft an die Spitze einer »neuen globalen Supermacht der öffentlichen Meinung« stellt.“</em>&quot;&quot;</blockquote> <p>Aus dem Zitat aus dem AVAAZ-Newsletter-Abonnent vom April 2011, das auch im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Avaaz">deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu AVAAZ</a> zu finden ist, spricht eine unbändige politisch aktivistische Lust und das Selbstbewusstsein einer jungen, global agierenden Macht. Etwas, das man zwischen all den Grauherr-Parlamenten dieser Welt und den herumhuschenden Schatten der zuflüsternden Lobbyisten kaum mehr zu vermuten wagt: volle Power gegen all das, was die große Mehrheit von uns spontan hasst: Korruption, Unterdrückung, Gewalt. AVAAZ ist dabei durch und durch populistisch. Ein außerparlamentarischer Wirbelwind, der voll auf die medialen Möglichkeiten des Internets setzt.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:109/avaaz-website.jpg" style="width: 600px; height: 334px;" alt="Website von Avaaz" class="image" /><br /> <span class="legend">Die Website <a href="http://avaaz.org/">Avaaz.org</a></span></div> <blockquote> <p><em>„Avaaz - bedeutet »Stimme« in vielen Sprachen Osteuropas, des Mittleren Ostens sowie Asiens - ging 2007 mit einer einfachen demokratischen Mission aufs Netz: Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt zu mobilisieren, um gemeinsam die Lücke zwischen der Welt, die wir haben und der Welt, die wir uns wünschen zu schließen.“</em> (<a href="http://www.avaaz.org/de/about.php">AVAAZ über sich selbst</a>)</p> </blockquote> <p>Die Organisation wirbt mit ihren stark steigenden Mitgliederzahlen. Derzeit kommen monatlich etwa 100.000 dazu (zum Vergleich: die CDU Deutschland hat derzeit insgesamt ca. 500.000 Mitglieder). Allerdings wird man bei AVAAZ bereits zum Mitglied erklärt, wenn man mal irgendeine Kampagne mit unterzeichnet oder eine ihrer Mails verbreitet. Nicht alle so Beglückten wissen das zu schätzen. Die Website <a href="http://www.projektwerkstatt.de/">Projektwerkstatt.de</a> etwa weiß auf unter dem Titel <a href="http://www.projektwerkstatt.de/aes/gentec_filz.htm">Seilschaften auf grüner Seite</a> zu berichten:</p> <blockquote> <p><em>„Im Winter 2009/2010 startete AVAAZ eine große Unterschriftensammlung - angeblich, weil mit einer Millionen Unterschriften eine Eingabe an das Europäische Parlament möglich sei […] Mit den Unterschriften könne es gelingen, »die Einführung von genmanipulierten Pflanzen und Produkten auf den Europäischen Markt zu stoppen«. Klingt gut. Haben Sie auch unterschrieben? Bitte ärgern Sie sich dann jetzt nicht über den Überbringer schlecher Nachrichten. Denn: Die von AVAAZ behauptete Möglichkeit einer schriftlichen Eingabe gab es gar nicht. Sie war aber ein guter Trick, um an die Adressen der Menschen zu kommen. Denn die sind im Zeitalter der harten Konkurrenz der fast immer hauptamtlich geführten Verbände und Bewegungsagenturen die wichtigste Basis, um Spenden und Mitglieder zu werben. Kurz vor Erreichen der angekündigten Million verschwanden einige 100.000 Adressen. Viele redeten von Schlamperei. Vielleicht war es aber auch nur ein weiterer Trick, um die Million nicht zu erreichen oder zumindest noch einige Zeit weiter sammeln zu können. Denn ab einer Million würden ja alle, die hingucken (wovon es leider nur Wenige gibt), mitbekommen, dass alles nur Propaganda war. So sammelte AVAAZ weiter und ließ die Aktion leise sterben. Die Aktion ging, die Adressen blieben.“</em></p> </blockquote> <p>Während der Ansatz von AVAAZ (Masse macht Eindruck) in vielen Massenmedien durchaus auf positive Resonanz trifft, etwa in dem Artikel <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/356958">Teil 6 von Mächtige online: „Avaaz.org – the world in action“</a> des SZ-Magazins Jetzt.de, ist die Organisation anderen, kleineren Gruppierungen politischer Aktivisten oft ein Dorn im Auge. Deren Argumentation ist durchaus nachvollziehbar. So schreibt Joachim Guilliard in einem Blog-Artikel mit dem langen und sprechenden Titel <a href="http://jghd.twoday.net/stories/warnung-vor-avaaz-no-fly-libyen/">Warnung vor Avaaz: Suspekte Gruppe sammelt über Millionen-Verteiler Unterstützer für eine No-Fly Zone in Libyen - d.h. für Krieg</a>:</p> <blockquote> <p><em>„AVAAZ nennt sich zwar »Kampagnennetzwerk«, ein Netzwerk ist aber gerade nicht, sondern es wird zentral von Leuten organisiert, die professionell arbeiten und genau wissen, wie man so was aufzieht. Die Gruppe die das ganze betreibt ist recht überschaubar. Viele haben ihre Erfahrungen in Wahlkämpfen in den USA oder anderen Ländern gesammelt oder durch ihre Arbeit in großen Stiftungen, wie der Rockefeller Foundation und der Gates Foundation.“</em></p> </blockquote> <p>Der <a href="http://info-agent.blogspot.com/">Info-Agent</a> hat in seinem Blog-Artikel <a href="http://info-agent.blogspot.com/2011/04/wer-steckt-hinter-avaaz.html">Wer steckt hinter AVAAZ?</a> die Macher der Organisation aufgelistet. Die Gruppe um Ricken Patel besteht in der Tat aus mehr als einem PR-Profi, aus Wahlkampfstrategen, Meinungsforschern und anderen, die wissen, wie man Massen bewegt, verführt und, ja was?</p> <p>AVAAZ wäre aber nicht es selbst, wenn es auf diese Vorwürfe nicht antworten würde. Auf ihrer Über-uns-selbst-Seite schreiben die Aktivisten:</p> <blockquote> <p><em>„Wo andere globale Gruppen der Zivilgesellschaft aus themenspezifischen Netzwerken und nationalen Verbänden bestehen - jede mit eigenem Personal, Budget und Entscheidungsstruktur, kann Avaaz mit einem einzelnen, global agierenden Team mit einem allgemeinen Mandat zu jedem Problem arbeiten, das öffentliche Belange betrifft. Dies ermöglicht gezielte Kampagnen mit außergewöhnlicher Gewandtheit, Flexibilität, Fokus und in einem noch nie dagewesenen Umfang.“</em></p> </blockquote> <p>Sie haben also alle ihre guten Gründe. Die AVAAZ-kritischen Aktivisten, die der Organisation vorwerfen, nicht wirklich den Dialog mit den Menschen zu suchen, sondern stattdessen naive Spontanunterstützer als vereinnahmte Mitglieder zu missbrauchen und sich letztlich der gleichen manipulativen Mittel zu bedienen wie mächtige Staaten und Unternehmen. Demgegenüber die AVAAZ selber, die argumentiert, dass man ohne selbst Macht und Einfluss zu haben nicht in das Gefüge der Mächtigen und Einflussreichen einbrechen könne. Letztlich läuft dieser Konflikt auf den alten Streit um die Frage hinaus, ob der Zweck die Mittel heiligt, oder ob Ohnmacht der typische Zustand moralischer Integrität in einer korrupten, von Machtbesessenen geprägten Welt ist.</p> <p>Was man AVAAZ auf jeden Fall nicht vorwerfen kann, ist, dass sie ihre Kampagnen sklavisch am Tagesgeschehen ausrichten. Ein aktuelles Beispiel ist etwa die Kampagne gegen ein Gesetzesvorhaben in Uganda, mit dessen Hilfe Homosexuelle zum Tode verurteilt werden können (zum Hintergrund sei der Wikipedia-Artikel <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_Uganda">Homosexualität in Uganda</a> empfohlen). In den Nachrichten kommt davon so gut wie nichts vor. AVAAZ zerrt das Thema jedoch ans Licht und mobilisiert seine „Mitglieder“-Massen. Die <a href="http://www.avaaz.org/de/uganda_rights_2/?vl">Kampagnen-Seite zum Thema</a> zeigt einmal mehr, wie werbetechnisch professionell man die neuen, grünen Mittelschichten anspricht. Kritische Geister scheiden sich ein weiteres mal an der Frage, was der Hauptzweck der Seite ist: ein schreckliches Gesetz in Uganda zu verhindern oder Millionen neuer Adressen zu sammeln.</p> <p>AVAAZ nutzt die Power der Vielen im Netz, aber es nutzt sie anders als die Twitter-Vernetzten es kennen. Es nutzt sie eher so, wie es sich so mancher Anbieter im Web1.0 erhofft hatte: durch viel Traffic und Adressensammeln über harmlose Bekundungen so viel Wirbel zu erzeugen, dass es selbst die Mächtigen beeindruckt. Die Frage ist allerdings, wie viel eine Million Mausklick-Stimmen mitsamt Adressen künftig noch wert sein werden. Selbst ugandische Machthaber sind lernfähig, wenn es um solche Dinge geht. Die Pro-Guttenberg-Seiten auf Facebook haben mit ihren hunderttausenden von Like-Unterstützern gezeigt, wie wenig reine Zahlen sagen, wenn es um triviale Sympathiebekundungen geht. Wenn unter einer Million Petitionsunterzeichnern keine zehn Aktivisten sind, die so schnell keine Ruhe geben, dann ist die Millionenzahl Makulatur. Die Power des Netzes ergibt sich aus der hohen Quote an authentischen, ernstgemeinten und mit realem Nachdruck vorgetragenen Bekundungen. Reine Klickvieh-Zahlen werden auf die Dauer so schnell verdampfen wie die sogenannten Hits, mit denen man in den Anfangsjahren des Web die Gutgläubigen über die tatsächlichen Zugriffszahlen auf ihre Webseiten täuschte.</p> <p>Letztlich geht es darum, wie nachhaltig Kampagnen, die durch neue Medien von Profis wie denen von AVAAZ durchaus generierbar sind, tatsächlich sein können. Der AVAAZ-Artikel von SPIEGEL Online (<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,672017,00.html">Per Mausklick zur besseren Welt</a>) wirft die Frage auf:</p> <blockquote> <p><em>„Aber geht dauerhaftes Online-Engagement? »Avaaz ist für deutsche Verhältnisse hochprofessionell, doch in erster Linie 'campaigning', daher bleibt die Bindung sprunghaft und lose«, sagt Leonard Novy, Fellow bei der Berliner Stiftung Neue Verantwortung und Herausgeber eines Buches über Lehren aus dem US-Wahlkampf.“</em></p> </blockquote> <p>Der Artikel folgert weiter: eine Organisation wie AVAAZ benötigt ständig Aufregerthemen, um im Gespräch zu bleiben und das Kribbeln von Millionen zu befeuern. Eine solche Organisation kann folglich nicht wirklich an einem Thema interessiert sein und für es eintreten, sondern muss aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus immer wieder rechtzeitig das Thema wechseln. Politischer Aktivismus durch große Kampagnen mit möglichst lautem Geklapper - das ist Politik, wie sie für das Vorfeld US-amerikanischer Präsidentschaftswahlen typisch ist. Und tatsächlich lassen sich Verbindungen zwischen AVAAZ und den Demokraten um Al Gore und Barack Obama finden, wie Sepp Aigner im Artikel <a href="http://kritische-massen.over-blog.de/article-was-ist-drin-wenn-avaaz-draufsteht-52919828.html">Was ist drin, wenn AVAAZ draufsteht?</a> vermutet.</p> <p>AVAAZ steht also für global präsenten Kampagnen-Aktivismus mit beeindruckenden, durch das Internet erst möglich gewordenen Petitionszeichnerzahlen, hohe Agilität dank schlanker interner Struktur und linksökologischen Populismus jenseits historischer Nationalstaaten. Im Zeitalter schwächelnder parlamentarischer Demokratien und erstickendem EU-Normenbürokratismus zweifellos eine verlockende Alternative für politisches Engagement. Doch eben auch eine Organisation, die ihre Legitimation allein aus der reinen Mobilisierungsfähigkeit von Massen bezieht - eine potentiell gefährliche und problematische Legitimation, wie das 20. Jahrhundert lehrt.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940871" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<title>Andriz und der Andere - Leben mit einem Pseudonym</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:108</link>
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&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:108/pseudonym-120.jpg&quot; style=&quot;width: 120px; height: 107px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;pseudonym-120.jpg&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Ob man ein Pseudonym benutzt oder nicht, hängt letztlich davon ab, wo man seine persönliche Widersprüchlichkeit verorten möchte.
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940871&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 06:22:10 +0000</pubDate>
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						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:108/pseudonym-120.jpg" style="width: 120px; height: 107px; float: left; margin-right: 15px;" alt="pseudonym-120.jpg" class="image" /> Ob man ein Pseudonym benutzt oder nicht, hängt letztlich davon ab, wo man seine persönliche Widersprüchlichkeit verorten möchte. <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>In diesem Artikel geht es nicht um den gegenwärtig hochkochenden Konflikt, dessen Positionen sich zwischen Internet-Vermummungsverbot und datenschutzaktivistischer Totalanonymisierung bewegen. Es geht nicht um eine Wertung, ob das Agieren mit Pseudonymen im Netz altmodisch, legitim oder erstrebenswert ist. Es geht eher um die feinen Untertöne im Zusammenhang mit Pseudonymität. Dabei schreibe ich diesen Artikel als Außenstehender, der etwas von außen betrachtet, das für viele selbstverständlich und vertraut ist. Denn ich selber bin seit meinem Einstieg ins Internet vor 16 Jahren stets mit meinem bürgerlichen Namen aufgetreten. Unter diesem Namen bin ich im Netz bekannt, und meine wenigen Versuche, es mal mit einem Pseudonym zu probieren, waren irgendwie unbefriedigend. Bei anderen ist das jedoch anders. Sie schreiben ihre ersten netzöffentlichen Inhalte unter einem Pseudonym und bleiben dann daran hängen. So manches Pseudonym entwickelt dabei ein Eigenleben.</p> <p>Etwa beim <a href="http://www.andriz.de/">Andriz</a>. Der Andriz war um die Jahrtausendwende im deutschen Sprachraum eine recht bekannte Netzpersönlichkeit. Er verstand in den wilden Jahren der Dotcom-Blase und der Tabellenlayouts nicht nur mit HTML, blindem Pixel und Grafik zu zaubern, sondern hatte auch viel zu sagen, vor allem rund ums Thema Literatur. Im heutigen Massennetz wäre er vielleicht ein Top-Blogger. Oder sogar ein Tausendsassa wie <a href="http://saschalobo.com/">Sascha Lobo</a> (dessen Name übrigens echt ist - er ist argentinischer Abstammung).</p> <a href="http://www.andriz.de/help_alles.html"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:108/andritz.png" style="float: right; margin-left: 20px; margin-bottom: 10px; width: 313px; height: 560px; border: 0;" alt="andritz.png" class="image" /></a> <p>„<em>Rodegan Andriz, erfunden an einem Novemberabend 1997, ist quasi ein &quot;begreifbarer&quot; virtueller Wurmfortsatz eines &quot;Realen&quot;, der für diesen Text jetzt erst einmal vollkommen irrelevant ist.</em>“ So beschreibt Andriz die Entstehung seines Pseudonyms auf seiner <a href="http://www.andriz.de/help_whoisandriz.htm">Personality-Seite</a>. Auf der gleichen Seite schreibt er auch darüber, wie er, also Andriz, sich von seinem Erfinder entfernt hat, oder umgekehrt dieser sich von ihm - je nach Sichtweise. Jedenfalls hat der Andriz im Laufe seiner Netzjahre eine eigene Persönlichkeit entwickelt, die vor allem geprägt ist vom Feedback aus dem Netz. Schließlich ist der Andriz ja eine reine Netzpersönlichkeit, der im Gegensatz zu seinem Erfinder kein Leben außerhalb der Online-Sphäre zugestanden wird. Oder ist das nur eine Fehleinschätzung seitens des Erfinders?</p> <p>Pseudonymität bewegt sich so gesehen jedenfalls irgendwo zwischen Schutz und Schizophrenie. Zunächst dient das Pseudonym dem Schutz einer Privatperson, die willentlich öffentliches Interesse auf sich zieht - sei es als Künstler oder als Kämpfer für eine Idee. Zwar wünscht sich die Privatperson eine öffentliche Wirkung oder Feedback aus der Öffentlichkeit. Doch gleichzeitig empfindet sie die nicht genau kalkulierbare Öffentlichkeit als potentiell bedrohlichen Mob, oder sie fürchtet Repressionen von Staat, Arbeitgeber, Vermieter oder anderen Mächten - deshalb der Schutzname. Waren es jedoch ehemals nur einige wenige Menschen, die bewusst ins Licht der Öffentlichkeit traten, so ist das im Internet zum Normalfall geworden. Wer nur irgendwo bloggt, seine Fotos veröffentlicht oder an Diskussionen teilnimmt, tritt in die Netzöffentlichkeit. Viele suchen dabei den Schutz des Pseudonyms. Pseudonymität ist zum Massenphänomen geworden.</p> <p>Zu schizophrenen Effekten kann es kommen, wenn ein Pseudonym zu einer Marke wird. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die öffentliche Wirkung in großem Maß gelingt und der Name bekannt wird. Ein bekannt gewordener Phantasiename wird von der Öffentlichkeit besonders gerne auf bestimmte Aussagen, Richtungen oder andere Meme reduziert, für die er „steht“. Zwar ist das bei Realnames letztlich nicht anders. Auch diese können sich markant entwickeln und ihren Träger in der öffentlichen Wahrnehmung auf etwas Bestimmtes, Einseitiges reduzieren. Bei Realnames wird die Person hinter dem Namen jedoch gefühlt ernster genommen als bei Pseudonymen. Das gilt besonders für Artikulationsformen wie Dementi, Klarstellungen oder Bekenntnisse. Artikulationsformen also, bei denen es um die Darstellung von Warhheit und um Glaubwürdigkeit geht. In solchen Fällen wird Personen, die ohne Namensschutz agieren, mehr Bedeutung beigemessen als solchen, die hinter ihrem Pseudonym bleiben. Denn obwohl die Öffentlichkeit eigentlich weiß, dass an einem „echten“ Geburtsnamen nichts Echteres ist als an einem selbstgewählten Phantasienamen, so tendiert sie doch unbewusst dazu, an Realnames und Pseudonyme unterschiedliche Ansprüche zu stellen, was die Authentizität der Persönlichkeit dahinter betrifft. Die Folge ist, dass Träger von Pseudonymen letztlich weniger Möglichkeiten haben, durch Einsatz ihrer Persönlichkeit gegen ein Bild anzutreten, das die Öffentlichkeit von ihnen gewonnen hat.</p> <p>Der Andriz macht nach eigenem Bekunden jedenfalls einige verstörende Erfahrungen, die er letztlich auf das Bild seines selbständig gewordenen Pseudonyms in der Öffentlichkeit zurückführt: von der Bild-Zeitung wird ihm ein Expertentum angedichtet, das er gar nicht hat, und Real-Life-Begegnungen mit Onlinern (darunter auch eine mit Liebeshintergrund) führten offenbar dazu, dass andere von ihm als Mensch enttäuscht waren. Er entsprach offenbar nicht dem Bild des <a href="http://andriz.de/fresh/">zitrusfrischen</a> Andriz. Das alles führte wohl schließlich auch dazu, dass Andriz (das Netzgeschöpf) mittlerweile nur noch in Form von historischem HTML existiert. Die Person dahinter hat hoffentlich ihren eigenen Weg gefunden.</p> <p>Andere tun sich da leichter: „<em>Wenn man es genau betrachtet, ist Don Alphonso eine Kunstfigur. Eine Literarisierung meiner richtigen Persönlichkeit, die weit genug weg von meiner eigentlich Persönlichkeit ist, als das ich mir das Gerede um Don Alphonso nicht zu Herzen nehmen müsste. Es ist eigentlich eine sehr angenehme Erscheinung, die es auch erlaubt, neben dieser Online-Existenz auch noch ein normales Leben zu führen, das überhaupt nichts mit den ganzen Sachen des Don Alphonsos zutun hat</em>“. Das sagt <a href="http://archiv.medien-mittweida.de/panorama/artikel/1434.html">Don Alphsonso selbst in einem Interview</a>. Die Interview-Frage, zu der das zitierte Statement die Antwort ist, lautet: „<em>Ist Don Alphonso ein Psyeudonym oder eher ein Alter ego?</em>“?</p> <p>Don Alphonso, das enfant terrible der deutschen Blogosphäre, ist professioneller Intellektueller. Deshalb hat ihn mittlerweile auch die F.A.Z. als Scharfgewürz ihres Blogs verpflichtet, das durch und durch doppeldeutig daher kommt: „<em>Willkommen im Blog der besseren Gesellschaft oder dem, was heute davon übrig ist</em>“ (<a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/default.aspx">Quelle</a>). Don Alphonso ist souverän schizophren. Deshalb hat er auch kein Problem damit, dass wer will seinen bürgerlichen Namen Rainer Meyer kennen oder sich Bilder von ihm ansehen kann. Er weiß, dass die Leute sich nur am Poltergeist Don Alphonso ergötzen. <a href="http://andreaswollin.blogspot.com/2010/02/der-versuch-die-figur-don-alphonso-zu.html">Andreas Wollin weiß mehr darüber</a>.</p> <p>Es wäre allerdings verkehrt anzunehmen, dass ein erfolgreich schizophrener Pseudonym-Träger wie Don Alphonso mehr gedankliche Spannweiten verarbeiten muss als ein netzaktiver Mensch ohne Pseudonym. Denn auch Persönlichkeiten, die ohne Pseudonym agieren, sind komplex und widersprüchlich. Wer realitätsnah im Timeline-orientierten Social Web 2.0 publiziert, wird stets ein Bild seiner selbst vermitteln, das nicht homogen ist im Sinne einer klischeehaften Persönlichkeit. Die Sachlage ist nur etwas anders als bei Pseudonym-Trägern. Während bei letzteren die Spannung meist zwischen ihrer pseudonymen Netzfigur und der dahinterstehenden Persönlichkeit entsteht, findet die Spannung bei Realname-Persönlichkeiten direkt vor den Augen des Publikums statt. Auch unter den Realname-Usern gibt es professionelle Intellektuelle, die mit diesen Widersprüchen und möglichen Irritationsäußerungen aus dem Publikum wunderbar klarkommen, während andere angesichts der öffentlich wahrgenommenen Widersprüche an der eigenen Person geradewegs in Scham versinken.</p> <p>Und was kann der gemeine, moderne Web-User aus alledem lernen? Unabhängig vom derzeit tobenden Bewertungsstreit um Privacy-Aspekte im Netz hat es viel mit der persönlichen Fähigkeit zur „praktischen, nicht klinischen Schizophrenie“ zu tun, ob man seine öffentliche Online-Präsenz unter einem Pseudonym modelliert oder bewusst darauf verzichtet. Die Widersprüchlichkeit, die aus der Komplexität der menschlichen Persönlichkeit resultiert, wird man als kontinuierlicher Content-Generator im modernen Web so oder so offenbaren. Es geht eher darum, wo man den Brandherd der persönlichen Widersprüchlichkeit positionieren möchte: Beim Pseudonym-User wird sich das Feuer tendenziell eher an der Spannung zwischen dem als künstlich wahrgenommenen Namen und der Person dahinter entzünden. Beim Realname-User entsteht der Brand eher an einzelnen Äußerungen, die sich widersprechen. Insgesamt ist jedoch eine Entspannung erkennbar. Nicht, weil die Widersprüchlichkeit von öffentlichen Äußerungen abnehmen würde. Wohl aber, weil die öffentliche Akzeptanz von persönlicher, öffentlich sichtbarer Widersprüchlichkeit steigt.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940871" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:107</guid>
				<title>Eine Prognose für das Social Network von Google</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:107</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:107/google-social-network.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 94px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;google-social-network.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Ein Social Network von Google - die Zeit dafür scheint überreif zu sein. Doch wenn es kommt, dann wird es sicher kein Facebook-Klon sein. Eine kleine Bestandsaufnahme.
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940871&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Sat, 02 Apr 2011 19:47:42 +0000</pubDate>
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						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:107/google-social-network.png" style="width: 120px; height: 94px; float: left; margin-right: 15px;" alt="google-social-network.png" class="image" /> Ein Social Network von Google - die Zeit dafür scheint überreif zu sein. Doch wenn es kommt, dann wird es sicher kein Facebook-Klon sein. Eine kleine Bestandsaufnahme. <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Jetzt hat Google also den von Facebook her bekannten <a href="http://www.intern.de/internet-news/9053-google-startet-1-bewertung-kommen-jetzt-auch-die-google-loops.html">Gefällt-mir-Button eingeführt</a>. Im Sommer 2010 machten Gerüchte um <a href="http://www.googlewatchblog.de/2010/07/google-me-google-games-angeblich-gesprache-im-gange/">Google Me und Google Games</a> die Runde, und Mitte März 2011 wurde die Sau durchs Dorf getrieben, dass Google schon bald ein Konkurrenz-Network zu Facebook mit dem Namen <em>Google Circles</em> eröffnen werde. In allen Überschriften war „Facebook-Konkurrent“ das entscheidende Reizwort. „Wer, wenn nicht Google“, so wurde argumentiert, könne dem Mega-Network Facebook überhaupt noch Paroli bieten? Der fundierteste Artikel inmitten der Gerüchteküche - zumindest im deutschsprachigen Raum - war vielleicht <a href="http://t3n.de/news/circles-google-plant-facebook-konkurrenten-vielleicht-301228/">Circles: Google plant Facebook-Konkurrenten, vielleicht</a> von Falk Hedemann für t3n. Die Tatsache, dass Google das Circles-Gerücht umgehend dementiert hat, beweist nichts, wie auch Hedemanns Artikel feststellt. Denn allzuoft hat Google früher bereits Gerüchte um Vorhaben dementiert. Man werde sicher keinen eigenen Web-Browser entwickeln, kein eigenes Betriebssystem, und kein eigenes Mobiltelefon - so die Google-Beteuerungen der Vergangenheit. Die Frage, die sich stellt, ist also weniger, ob Google etwas in der Art bringen wird. Die spannendste Frage ist auch nicht so sehr, wann genau Google mit einer eigenen Social-Networking-Lösung antreten wird. Die Frage ist eher, wie eine solche Lösung aussehen wird. Denn eines ist sicher: einen Facebook-Klon auf den Markt zu werfen in der Hoffnung, mit der Masse der eigenen User direkt gegen Facebook antreten zu können, ist illusorisch. Diese Lektion hat Google bei Buzz lernen müssen - nur ein winziger Bruchteil der knapp 200 Millionen GMail-User nutzt das Vernetzungs-, Diskussions- und Groupware-Tool, obwohl es für alle nur einen einzigen Mausklick entfernt ist. Google hat nur eine Chance: etwas Neuartiges, Anderes einzuführen, das alle Web-Aktiven <strong>zusätzlich</strong> brauchen. Ein Meta-Network, das Information, Kommunikation und Präsentation auf einem neuen Level vereint.</p> <p>Falk Hedemann vermutet in dem erwähnten t3n-Artikel, dass Google mit <em>Circles</em>, wie der Name schon sagt, vor allem auf persönliche Kreise abzielen könnte, also auf eine bessere Abbildung von getrennten Rollen wie Familienmitglied, Berufskollege, Vereinsmeier usw. Doch in diese Kerbe hauen bereits andere, wie etwa das dezentral organisierte, bewusst als Facebook-Alternative antretende <a href="http://joindiaspora.com/">Diaspora</a>. Wie ich Google einschätze, haben sie auch eher wenig Interesse, ihren Schwerpunkt auf Rollentrennung zu legen. In der Denke von Google ist so etwas nur ein Charakteristikum aus dem Lebensstil des 20. Jahrhunderts, das sich in einem <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:106">heraufziehenden Zeitalter der Transparenz</a> stark zurückbilden wird.</p> <p>Was aber könnte Google entwickeln, das kein Facebook-Klon ist, und das alle User irgendwie gut brauchen können? Außerdem müsste es Google neue, verwertbare Datenzusammenhänge für seine Haupteinnahmequelle, nämlich die Kontextwerbung, einbringen. Wichtig bei Überlegungen zu einer Antwort darauf ist zu wissen, dass Google sich selber als <a href="http://blog.searchenginewatch.com/070530-073224">Data-Company</a> definiert und nicht als Organisator einer Mega-Community. Die Stärke von Google ist das automatisierte Aggregieren (Zusammenfassen) von Daten, die im Web zu finden sind, oder die User massenweise von sich preisgeben. Das funktioniert bei der Web-Suche, und es funktioniert in GoogleMail. Wie also könnte eine Networking-Lösung aussehen, bei der dieses Grundprinzip ebenfalls funktioniert?</p> <p>Um sich in die Lage von Google zu versetzen, ist es vielleicht keine schlechte Idee, einen Blick auf die reichhaltige Zutatenliste zu werfen, über welche die Data-Company bereits verfügt. Die nachfolgenden Links liefern nur in Verbindung mit einem Google-Account sinnvolle Inhalte:</p> <ul> <li><strong><a href="https://profiles.google.com/u/0/me">Profilseiten</a></strong>: Wer einen Google-Account hat (derzeit noch nicht mit Google-Apps-Account möglich), kann sich eine öffentlich zugängliche Profilseite zulegen, mit diversen Freitextangaben, Fotos und einer Linkliste zu anderen persönlichen Inhalten im Web. Dabei ist einstellbar, welche Inhalte öffentlich angezeigt werden, und welche nur definierten Kontakten zugänglich sein sollen. Die Profilseiten haben einen relativ starren und einheitlichen Aufbau und bieten wenig individuellen Gestaltungsspielraum. Doch durch diese Beschränkung werden die Seiten von Benutzern gut vergleichbar, ebenso wie innerhalb eines geschlossenen Networks wie etwa Facebook oder Xing. Google hat den Profilseiten erst neulich ein neues, moderneres Layout verpasst, was darauf hinweist, dass man diesen Service ernst nimmt, auch wenn er bislang nur von einem kleinen Teil der User genutzt wird.</li> <li><strong><a href="https://mail.google.com/mail/u/0/?shva=1#buzz">Buzz</a></strong>: Ein unkomplizierter Service, um zwischendurch Statusmeldungen, entdeckte Links oder Videos zu teilen. Buzz hat ähnlich wie Twitter das bestätigungslose Follower/Following-Prinzip implementiert. So kann sich jeder User ohne hemmende Freundschaftsanfragen eine Timeline ihn interessierender anderer User zusammenstellen. Durch die Kommentierfunktion, die Kommentare im Zusammenhang mit ihren Ausgangspostings darstellt, entstehen ähnlich wie in Foren oft interessante Diskussionen und Menscheleien. Buzz ist ein Flop, was die Nutzerzahlen betrifft, doch von denjenigen, die sich ernsthaft darauf einlassen, wird es als bindungsstarker Service empfunden, ähnlich wie ein herkömmliches Einzelforum im Web oder eine klassische Community. Wenig genutzt wird die Smartphone-Schnittstelle von Buzz.</li> <li><strong><a href="https://picasaweb.google.com/home">Picasa Web</a></strong>: zunächst als Web-Erweiterung zur Fotoverwaltungs-Software Picasa gedacht, spendierte Google der Picasa-Webplattform später auch soziale Funktionen. So etwa die Verknüpfung von der Webalben mit den bereits erwähnten Profilseiten, oder das Abonnieren von Fotoalben anderer Benutzer, die Kommentarfunktion zu Bildern und andere Funktionen mehr. Picasa wird mittlerweile als die bekannteste Alternative zu Flickr wahrgenommen.</li> <li><strong><a href="http://www.youtube.com/#all">YouTube</a></strong>: Die Video-Plattform von Google hat eine ähnliche Entwicklung hinter sich wie Picasa, mit dem Unterschied, dass sie ungleich bekannter und im Bereich Video der netzweite Platzhirsch ist. Längst gehen viele Besucher nicht mehr nur auf YouTube, um sich Videos anzusehen. Durch die Möglichkeit, gezielt die Kanäle einzelner User zu abonnieren, entsteht für registrierte User ein individualisierter Blick auf die Plattform, ähnlich wie bei Twitter und anderen Networking-Services. Auch die Kommentarfunktion zu Videos wird eifrig genutzt und übernimmt in vielen Fällen, etwa bei bestimmten Videos mit Songs, die Einschwörung von Fans. Die Plattform, die für 20% (!) der gesamten via HTTP übertragenen Datenmengen im Internet verantwortlich ist, bindet eine Masse an User, die Facebook vergleichbar ist. Dadurch können sich auf YouTube mittlerweile so starke Weitersagen-Wellen entwickeln, dass dadurch regelmäßig neue, von der traditionellen Verwertungsindustrie unentdeckte oder verschmähte Künstler ins große Lampenlicht rücken.</li> <li><strong><a href="http://www.google.de/reader/view/user/-/state/com.google/broadcast-friends">Reader</a></strong>: Auch der web-basierte Feedreader, eines der erfolgreichsten Produkte von Google, hat sich von einer zunächst passiven Funktionsanwendung, die von ihren Usern einzeln und privat genutzt wurde, durch hinzugekommene Social-Funktionen zu einer Austauschplattform entwickelt. Man liest seine Feeds, teilt das Beste und redet darüber. Allerdings werden diese neuen Möglichkeiten im Reader noch nicht wirklich intensiv genutzt. Das hat vermutlich verschiedene Gründe, angefangen vom typischen Nutzerverhalten (Kommunikations-Junkies nutzen tendenziell eher Twitter als einen Feed-Reader) bis hin zu den etwas undurchsichtigen Implementierungszusammenhängen zwischen Reader und Buzz.</li> <li><strong><a href="http://www.google.com/sidewiki/intl/de/">Sidewiki</a></strong>: Mit Sidewiki hoffte Google, ein allgemein akzeptiertes und massenhaft genutztes Annotations-Tool für beliebige Webseiten zu schaffen. Das Potential ist da, doch die Masse der User hat diesen Service bislang nicht angenommen.</li> <li><strong><a href="http://www.google.com/friendconnect/?hl=de">Friend Connect</a></strong>: Während sich Sidewiki eher an rezipierende User richtet, wendet sich FriendConnect vor allem an Website-Anbieter. Der Service ermöglicht das Integrieren von Social Gadgets in eigene Webseiten. Dazu gehören Chats, Kommentare usw. Doch ähnlich wie SideWiki wurde auch FriendConnect bislang nicht von der Masse der Google-Account-Inhaber angenommen.</li> <li><strong><a href="http://www.google.com/s2/u/0/search/social">Social Search</a></strong>: Mit dieser weithin unbekannten Seite präsentiert Google jedem angemeldeten User, was es auf Grund seiner GMail-Kontakte und seiner Aktivitäten bei anderen Google-Services über diese Kontakte weiß. Sogar Verbindungen zweiten Grades werden dabei berücksichtigt. Je nach persönlicher Aktivität entsteht dabei ein mehr oder weniger umfangreicher Social Graph, ein Verzeichnis mit Links zu Profilen und Webpräsenzen naher und entfernter Kontakte. Derzeit wird dieser kleine Schatz aus den Google-Tiefen von Google selbst nicht weiter beworben. Er zeigt aber, welche besonderen Stärken Google im Bereich Networking ausspielen könnte: nämlich nicht nur durch Following und Freundschaftsanfragen zustande gekommene Kontakte abzubilden, sondern sozusagen den gesamten persönlichen Dunstkreis.</li> <li><strong><a href="http://www.google.de/alerts">Alerts</a></strong>: Dieser Service ermöglicht es, sich regelmäßig über neue Treffer zu bestimmten Suchbegriffen informieren zu lassen. Der Service lässt sich beispielsweise dazu nutzen, um sich über Web-Erwähnungen des eigenen Namens, eigener Produkte oder Webprojekte auf dem Laufenden zu halten. Derzeit sind die Ergebnisse nur als E-Mail abonnierbar. Eine Erweiterung dieses Services könnte jedoch auch Schnittstellen eines Networking-Services bedienen und die dort aggregierten Inhalte bereichern.</li> <li><strong><a href="http://www.google.de/realtime">Echtzeitsuche</a></strong>: Diese Suche lebt von Services wie Twitter, bei denen es öffentlich aufrufbare User-Timelines gibt. Vor allem bei Großereignissen (Fußball-WM, DSDS) oder in Zeiten, in denen es alles beherrschende Themen gibt (Katastrophen, politische Umwälzungen), liefert die Echtzeitsuche bei entsprechenden Begriffen ein unvergleichliches Stakkato an Schlagzeilen, Ansichten, Hinweisen und Sprüchen. Diese Form der direkten Aggregation von Inhalten könnte ebenfalls ein wichtiger Bestandteil eines Networks made by Data Company werden.</li> <li><strong><a href="http://code.google.com/p/pubsubhubbub/">Pubsubhubbub-Protokoll</a></strong>: Das von Google geförderte, auf HTTP aufsetzende Netzwerkprotokoll mit dem seltsamen Namen ermöglicht das Senden von Daten an andere Services im Push-Verfahren. Auf diese Weise wird es möglich, in Echtzeit in mehreren und/oder anderen Networking-Plattformen zu publizieren.</li> <li><strong><a href="http://groups.google.com/">Groups</a></strong>: Das universelle Forensystem von Google geht aus einer Aktion hervor, die seinerzeit spektakulär war, heute aber längst vergessen ist: nämlich dem Veröffentlichen großer Teile des klassischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Usenet">Usenet</a> im Web. Damit wurde einer der bedeutendsten Datenbestände des Internet aus der Zeit vor dem Web im Web verfügbar. Zunächst waren die Inhalte nur lesbar. Später konnten Google-User auch über die Web-Schnittstelle direkt in die Newsgroups hineinposten, und noch etwas später war es auch möglich, nach Belieben eigene Foren (sogenannte Gruppen) zu eröffnen, die dann aber nur noch Teil des Webs waren. Bis heute steht das gesamte Potential allen offen, doch genutzt wird es kaum noch. Die Google-Groups sind bis auf wenige lebendige Orte verwaist und teilweise übelst spam-verseucht.</li> <li><strong><a href="http://www.orkut.com/">Orkut</a></strong>: Last but not least ist das seit Jahren existierende, aber in Deutschland weithin unbekannte Social Network von Google zu nennen, eine Plattform, die zwar mittlerweile in optisch modernem Google-Look daherkommt, aber von der Funktionalität her eher konservativ bestückt ist, vergleichbar vielleicht mit im deutschen Sprachraum bekannteren Netzwerken wie Wer-kennt-Wen oder Lokalisten. Orkut ist besonders in Brasilien und Indien verbreitet.</li> </ul> <p>Wie aus der Übersicht hoffentlich deutlich wird, ist Google alles andere als unerfahren im Bereich Networking und beim Modellieren von kommunikativen Plattformen. Dazu kommen Fähigkeiten im Bereich des Suchens und Aggregierens von Inhalten, die Google ein wichtiges Plus gegenüber Facebook verschaffen. Denn ähnlich wie sich Suchmaschinen, die allein auf Social Bookmarking basieren, am Ende nicht gegen crawler-basierte Suchmaschinen durchsetzen konnten, wird reines Networking ohne leistungsfähige, situationsspezifische Informationsbeschaffung am Ende weniger bedeutend sein als eine universelle, persönlich anpassbare Informationszentrale mit gleichzeitig verfügbaren, leistungsfähigen Social-Funktionen.</p> <p>Das Problem von Google ist nur, eine entsprechende Oberfläche zu modellieren, die sich auf Anhieb einfach und intuitiv nutzen lässt, bei Bedarf aber zu einem hochkomplexen Werkzeug augebaut werden kann. Es stellt sich die Frage, welche bestehenden Google-Services, APIs und Protokolle wie genau integriert werden sollen, und welche Konsequenzen das für die existierenden Google-Services haben wird. Auch die Integration von <a href="http://www.google.com/apps/">Google Apps</a> spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn längst ist Apps zu einem wichtigen finanziellen Standbein und vor allem zu einem großen neuen Verantwortungsbereich von Google geworden. Mehr als 3 Millionen Unternehmen weltweit setzen Google Apps bereits als IT-Infrastruktur für den Office-Alltag ein. Die Apps-Suite besteht aber nicht mehr wie anfänglich nur aus den klassischen Office-Kernanwendungen GMail, Kalender und Docs. Administratoren von Apps-Installationen können mittlerweile auch die meisten anderen Google-Services freischalten, von den oben genannten etwa die Picasa Webalben oder den Google Reader. Da diese Services wiederum Funktionen bereitstellen, die in ein Social-Meta-Net von Google einfließen könnten, gibt es Überschneidungen, die Google irgendwie berücksichtigen muss. Die kreative Verquickung bestehender Anwendunguen einerseits und die Verantwortung gegenüber zahlenden Google-Apps-Kunden andererseits bereitet Google ohnehin schon einiges Kopfzerbrechen. Sichtbar ist das etwa daran, dass die Google-Profilseiten oder Google Buzz zu den Anwendungen gehören, die bislang nicht mit Apps-Accounts nutzbar sind, obwohl der mit Apps nutzbare Google Reader wiederum mit Google Buzz zusammenspielt.</p> <p>Prognostizieren möchte ich so viel, dass Google kein direktes Vergleichs- und Konkurrenzprodukt zur Facebook-Plattform veröffentlichen wird. Es wird auch kein Produkt sein, das lediglich einige Schwächen von Facebook besser handhabt. Es wird ein vergleichsweise schlankes Produkt sein, da Google über genügend bestehende Spezialanwendungen verfügt, die einzelne Bereiche optimaler abdecken können, als wenn alles unter einem Dach stattfindet. Das prognostizierte Produkt wird eher nur wichtige einzelne Daten aus anderen Anwendungen integrieren. Denn im Vordergrund, so meine Vermutung, wird letztlich das persönliche Aggregieren von Informationen in einer Timeline stehen, wobei die aggregierten Inhalte eine Mischung aus Statusmeldungen persönlicher Following-Verbindungen, abonnierten Feeds und aktuell im Web gefundenen Daten aus Twitter, Blogs und Nachrichten sein werden, die zu eigenen, frei definierbaren und/oder vermuteten Interessen oder häufig von einem selbst aufgerufenen Inhalten passen. Eventuell werden sogar Inhalte wie Erinnerung an anstehende Termine, Hinweise auf überfällige Aufgaben oder neu eingetroffene Mails in die Timeline einfließen. Eine persönliche, totale Universal-Timeline also. Eigene Statusmeldungen werden selbstverständlich mit anderen Usern geteilt werden können. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass es so etwas wie typisierte Statusmeldungen geben wird, damit etwa Veranstaltungshinweise, Reviews oder Ich-befinde-mich-an-Ort-XY-Meldungen von vorneherein für Google semantisch unterscheidbar werden, was wiederum die Qualität der Suchmaschine und die Präzision von AdWords-Werbung verbessert. Alles ist selbstverständlich kommentier- und bewertbar. Außerdem wird einstellbar sein, was aus der eigenen Timeline öffentlich sichtbar sein soll, was nur für explizite persönliche Verbindungen, und was nur für einen selber. Eigene Inhalte werden via Pubsubhubbub direkt in andere Plattformen hinein publiziert werden können, sofern diese das Protokoll unterstützen. Der Zugriff auf die eigene Timeline wird universell von PCs und Mobilgeräten möglich sein. Für mobile Betriebssysteme wird es möglicherweise auch optimierte Apps geben. Möglicherweise auch eine Telefon-Voice-Schnittstelle für den Fall von nicht verfügbarem Internet - sei es, weil man sich gerade in der Wüste befindet, oder in einem Land, dessen Herrscher das Netz abgedreht haben. Um den Stress rund um die Timeline-Abhängigkeit zu mildern, wird es hoffentlich auch eine Ausblend-Funktionalität geben, bequem mit Schieberegler an die aktuelle Aufnahmefähigkeit anpassbar. Das Gleiche gilt für direkte Ansprechbarkeit bzw. Chat-Funktionalität.</p> <p>Allerdings kann keine Prognose alles berücksichtigen. Ich ticke auch nur wie ich ticke, und da ich beispielsweise kein Gamer bin, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man das so erfolgreiche und längst zum weltweiten Volkssport gewordene Genre der browser-basierten Social-Games in eine solche Plattform integrieren könnte. Überhaupt ist mir nicht klar, wie man eine solche Plattform auch für User interessant machen könnte, die keine „intellektuellen“ Absichten haben. Auch Google wird das nicht ganz leicht fallen, vermute ich. Aber das werden sie irgendwie schaffen müssen, wenn sie mehr wollen als wieder nur ein Werkzeug für die oberen Zehntausend der Netzwelt zu schaffen.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:106</guid>
				<title>Die Spackeria und das heraufziehende Zeitalter der Transparenz</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:106</link>
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&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:106/spackeria.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 72px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;spackeria.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Eine Bewegung mit dem flapsigen Namen „Spackeria“ bewegt die Nerd-Szene in Deutschland. Doch das Phänomen ist international. Und es wächst.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am 19.03.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die große Mehrzahl der Themen, die in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit dem Netz hochkochten, hat mehr oder weniger stark damit zu tun. Wikileaks zum Beispiel, oder Google Streetview. Es geht um das Interesse der Öffentlichkeit an der Wirklichkeit, und es geht zu Lasten von herrschaftlicher Vertraulichkeit und eine bis in den öffentlichen Raum hinein behauptete Privatsphäre. „Jeden Tag ein Geheimnisverrat!“, twitterte Christian Heller alias plomlompom dieser Tage, einer der bekanntesten Protagonisten der Spackeria, ganz im Stil eines frommen Lutheraners, der sich eintrichtert, jeden Tag eine gute Tat zu tun. Grund genug herauszufinden, was da eigentlich geschieht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage, was privat und was öffentlich sein sollte, was vertraulich behandelt und was publiziert gehört, wird zur Zeit oft und neu gestellt. Eine Neubewertung findet statt, so viel ist gewiss. Das Netz hat allen, die sein Potential nutzen, Daten, Inhalte und Kommunikation in einem Ausmaß verfügbar gemacht, wie es sich vor 20 Jahren noch niemand hätte träumen lassen. Die sofortige elektronische Verfügbarkeit von Antworten auf Fragen, Gedanken und Menschen hat in den Köpfen aller Beteiligten Grenzen verschoben. Wurde es anfangs noch als Wunder empfunden, durch eine Suchanfrage blitzschnell an zielführende Inhalte zu gelangen, so ist es mittlerweile umgekehrt: Wenn Suchanfragen nicht blitzschnell zielführend sind, entsteht sofort eine Ungeduld, die entweder zu einem Strategiewechsel führt („dann suche ich eben mal in Facebook statt in Google“) oder zu umgehendem Desinteresse („dann lasse ich diese Hintergrundinfo halt außen vor“). Aber auch das Verhältnis des Selbst zum Netz hat sich grundlegend geändert. Früher ging man online - man musste den PC hochfahren, was oft lange dauerte, und das Kreischen des Modems signalisierte deutlich, dass man nun durch ein seltsames Wurmloch schlüpfte, um die geheimnisvolle Welt des Netzes zu betreten. Heute ist ein stark wachsender Teil unserer Spezies immer standby, immer online und Teil des Netzes. Am PC, am Netbook, am Smartphone. Man speichert seine Daten im Netz, also in der Cloud, weil das der bleibende Ort ist - im Gegensatz zu den Geräten, mit denen man das Netz nutzt. Und man teilt dem Netz mit, wo man gerade ist, was man gerade entdeckt hat, oder man bekundet einfach kurz, dass einem dies und das gefällt oder missfällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für klassische Datenschützer ist es ein Albtraum, was da vor sich geht. Und die meisten Politiker kommen rein gar nicht mehr mit. Scheinbar fahrlässig und wider alle Vernunft stellen immer mehr Power-User wissentlich über Services wie Gowalla oder Foursquare ihre vollständigen Bewegungsprofile offen ins Netz, während sich dieselben User in öffentlich zugänglichen Tweets und Postings vehement gegen staatliche Schnüffelvorhaben wie die Vorratsdatenspeicherung aussprechen. Das klingt widersprüchlich. Doch es ist eigentlich ganz einfach: diese Leute wollen einen Staat, der zu ihnen passt, einen transparenten, gläsernen Staat, der alles offenbart, was er über einen weiß. Unter ihresgleichen erleben sie das alles längst: OpenSource, Kooperation, offene Karten. Kein Traum von westlichem Sozialismus, wie einst oft beschworen in verrauchten Studentenkneipen weit nach Mitternacht, sondern gelebte Wirklichkeit. Kein verordneter Gleichschritt mit profitfeindlicher Grundeinstellung, sondern eher eine Laissez-faire-Haltung innerhalb einer Community der Vernetzten, die netzkonformen Egoismus akzeptiert, aber netzfeindlichen Egoismus um so konsequenter erkennt und ahndet: mit digitalem Rauswurf. Derzeit insgesamt eher noch eine Art Gegenwirklichkeit, die keinen wahrnehmbaren Anteil am Bruttosozialprodukt hat. Allerdings sind Geschäftsführer von Unternehmen wie Google oder Facebook in der Vergangenheit bereits durch Bemerkungen aufgefallen, die in die gleiche Richtung zielen. Als Post-Privacy wird die entsprechende Geisteshaltung landläufig bezeichnet, doch fehlt diesem Ausdruck noch die Kraft, etwas wirklich Neues zu bezeichnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michael Seemann, im Netz besser bekannt als &lt;a href=&quot;http://www.ctrl-verlust.net/uber-dieses-blog/&quot;&gt;mspr0&lt;/a&gt; und einer der führenden Protagonisten der Spackeria-Bewegung, hat kürzlich eine schöne Zusammenfassung zur deren Entstehung im deutschsprachigen Raum geschrieben: &lt;a href=&quot;http://www.ctrl-verlust.net/the-rise-of-spackeria/&quot;&gt;The Rise of Spackeria&lt;/a&gt;. Er erzählt dort, wie der eingangs erwähnte Christian Heller alias plomlompom am 28.12.2008 auf dem 25. Kommunikationskongress des Chaos Computer Clubs einen Vortrag mit dem Titel &lt;a href=&quot;http://events.ccc.de/congress/2008/Fahrplan/events/2979.en.html&quot;&gt;Embracing Post-Privacy&lt;/a&gt; hielt. Dort wurde der zunehmende Verlust der Privatsphäre im Netz seines Wissens erstmals nicht als Problem, sondern als Chance gewertet. Die Zuhörer wussten zunächst nicht, wie sie diese Ideen einordnen sollten und reagierten offenbar erst einmal mit wohlwollend irritiertem Lächeln. Zwei Jahre später übrigens entstand der Begriff Spackeria, nachdem Konstanze Kurz im Rückblick auf den 27. Kommunikationskongress des CCC die Vertreter der Post-Privacy-Bewegung als Post-Privacy-Spackos bezeichnet hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese verächtliche Bemerkung hat die Welle jedoch erst richtig losgetreten. Die Bekenner der Richtung haben mittlerweile ein &lt;a href=&quot;http://spackeria.politikpir.at/&quot;&gt;Spackeria-Wiki&lt;/a&gt; gegründet, das als eine Art Materiallager für „Post-Privacy-Spackessen und -Spackos“ dient, sowie ein &lt;a href=&quot;https://spackeria.wordpress.com/&quot;&gt;Spackeria-Blog&lt;/a&gt;. SPIEGEL Online hat über die &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,749831,00.html&quot;&gt;Internet-Exhibitionisten „Spackeria“&lt;/a&gt; berichtet, und eine Diskussion auf breiterer Front scheint allmählich in Gang zu kommen, unterstützt durch Beiträge wie etwa &lt;a href=&quot;http://stefan.ploing.de/2011-03-10-post-privacy-spackeria-dystropien-und-wichtige-gedanken&quot;&gt;Post-Privacy, Spackeria, Dystropien und wichtige Gedanken&lt;/a&gt; von Stefan Schlott oder den kritischen Artikel &lt;a href=&quot;http://denker.net/2011/03/10/was-die-spackeria-nicht-versteht/&quot;&gt;Was die Spackeria (nicht) versteht&lt;/a&gt; von Kai Denker. Nicht die Post-Privacy-Einstellung als solche ist das, was hier neu entsteht. Neu ist das gegenseitige Erkennen der Sympathisanten dieser Denkrichtung, das Entwickeln einer Position im gesellschaftlichen Diskurs, und vielleicht auch das Hoffen auf ein neues geistiges Paradigma.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, bei alledem erst einmal bei dem flapsigen Ausdruck Spackeria zu bleiben. Denn ideologische Theoretisierungen mit seriösen Begriffsbildungen wie etwa &lt;em&gt;Transparentismus&lt;/em&gt; schaden am Ende mehr als sie nutzen. Es wird sich zeigen, ob die Spackeria am Ende als Modeerscheinung in die Geschichte eingehen wird, so wie in den 80er Jahren die namensähnliche Schickeria, oder ob sie irgendwann als zündende Vorreiterbewegung eines neuen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts entstandenen Zeitalters der Transparenz betrachtet werden wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 21:00:39 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:106/spackeria.png" style="width: 120px; height: 72px; float: left; margin-right: 15px;" alt="spackeria.png" class="image" /> Eine Bewegung mit dem flapsigen Namen „Spackeria“ bewegt die Nerd-Szene in Deutschland. Doch das Phänomen ist international. Und es wächst.<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am 19.03.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Die große Mehrzahl der Themen, die in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit dem Netz hochkochten, hat mehr oder weniger stark damit zu tun. Wikileaks zum Beispiel, oder Google Streetview. Es geht um das Interesse der Öffentlichkeit an der Wirklichkeit, und es geht zu Lasten von herrschaftlicher Vertraulichkeit und eine bis in den öffentlichen Raum hinein behauptete Privatsphäre. „Jeden Tag ein Geheimnisverrat!“, twitterte Christian Heller alias plomlompom dieser Tage, einer der bekanntesten Protagonisten der Spackeria, ganz im Stil eines frommen Lutheraners, der sich eintrichtert, jeden Tag eine gute Tat zu tun. Grund genug herauszufinden, was da eigentlich geschieht.</p> <p>Die Frage, was privat und was öffentlich sein sollte, was vertraulich behandelt und was publiziert gehört, wird zur Zeit oft und neu gestellt. Eine Neubewertung findet statt, so viel ist gewiss. Das Netz hat allen, die sein Potential nutzen, Daten, Inhalte und Kommunikation in einem Ausmaß verfügbar gemacht, wie es sich vor 20 Jahren noch niemand hätte träumen lassen. Die sofortige elektronische Verfügbarkeit von Antworten auf Fragen, Gedanken und Menschen hat in den Köpfen aller Beteiligten Grenzen verschoben. Wurde es anfangs noch als Wunder empfunden, durch eine Suchanfrage blitzschnell an zielführende Inhalte zu gelangen, so ist es mittlerweile umgekehrt: Wenn Suchanfragen nicht blitzschnell zielführend sind, entsteht sofort eine Ungeduld, die entweder zu einem Strategiewechsel führt („dann suche ich eben mal in Facebook statt in Google“) oder zu umgehendem Desinteresse („dann lasse ich diese Hintergrundinfo halt außen vor“). Aber auch das Verhältnis des Selbst zum Netz hat sich grundlegend geändert. Früher ging man online - man musste den PC hochfahren, was oft lange dauerte, und das Kreischen des Modems signalisierte deutlich, dass man nun durch ein seltsames Wurmloch schlüpfte, um die geheimnisvolle Welt des Netzes zu betreten. Heute ist ein stark wachsender Teil unserer Spezies immer standby, immer online und Teil des Netzes. Am PC, am Netbook, am Smartphone. Man speichert seine Daten im Netz, also in der Cloud, weil das der bleibende Ort ist - im Gegensatz zu den Geräten, mit denen man das Netz nutzt. Und man teilt dem Netz mit, wo man gerade ist, was man gerade entdeckt hat, oder man bekundet einfach kurz, dass einem dies und das gefällt oder missfällt.</p> <p>Für klassische Datenschützer ist es ein Albtraum, was da vor sich geht. Und die meisten Politiker kommen rein gar nicht mehr mit. Scheinbar fahrlässig und wider alle Vernunft stellen immer mehr Power-User wissentlich über Services wie Gowalla oder Foursquare ihre vollständigen Bewegungsprofile offen ins Netz, während sich dieselben User in öffentlich zugänglichen Tweets und Postings vehement gegen staatliche Schnüffelvorhaben wie die Vorratsdatenspeicherung aussprechen. Das klingt widersprüchlich. Doch es ist eigentlich ganz einfach: diese Leute wollen einen Staat, der zu ihnen passt, einen transparenten, gläsernen Staat, der alles offenbart, was er über einen weiß. Unter ihresgleichen erleben sie das alles längst: OpenSource, Kooperation, offene Karten. Kein Traum von westlichem Sozialismus, wie einst oft beschworen in verrauchten Studentenkneipen weit nach Mitternacht, sondern gelebte Wirklichkeit. Kein verordneter Gleichschritt mit profitfeindlicher Grundeinstellung, sondern eher eine Laissez-faire-Haltung innerhalb einer Community der Vernetzten, die netzkonformen Egoismus akzeptiert, aber netzfeindlichen Egoismus um so konsequenter erkennt und ahndet: mit digitalem Rauswurf. Derzeit insgesamt eher noch eine Art Gegenwirklichkeit, die keinen wahrnehmbaren Anteil am Bruttosozialprodukt hat. Allerdings sind Geschäftsführer von Unternehmen wie Google oder Facebook in der Vergangenheit bereits durch Bemerkungen aufgefallen, die in die gleiche Richtung zielen. Als Post-Privacy wird die entsprechende Geisteshaltung landläufig bezeichnet, doch fehlt diesem Ausdruck noch die Kraft, etwas wirklich Neues zu bezeichnen.</p> <p>Michael Seemann, im Netz besser bekannt als <a href="http://www.ctrl-verlust.net/uber-dieses-blog/">mspr0</a> und einer der führenden Protagonisten der Spackeria-Bewegung, hat kürzlich eine schöne Zusammenfassung zur deren Entstehung im deutschsprachigen Raum geschrieben: <a href="http://www.ctrl-verlust.net/the-rise-of-spackeria/">The Rise of Spackeria</a>. Er erzählt dort, wie der eingangs erwähnte Christian Heller alias plomlompom am 28.12.2008 auf dem 25. Kommunikationskongress des Chaos Computer Clubs einen Vortrag mit dem Titel <a href="http://events.ccc.de/congress/2008/Fahrplan/events/2979.en.html">Embracing Post-Privacy</a> hielt. Dort wurde der zunehmende Verlust der Privatsphäre im Netz seines Wissens erstmals nicht als Problem, sondern als Chance gewertet. Die Zuhörer wussten zunächst nicht, wie sie diese Ideen einordnen sollten und reagierten offenbar erst einmal mit wohlwollend irritiertem Lächeln. Zwei Jahre später übrigens entstand der Begriff Spackeria, nachdem Konstanze Kurz im Rückblick auf den 27. Kommunikationskongress des CCC die Vertreter der Post-Privacy-Bewegung als Post-Privacy-Spackos bezeichnet hatte.</p> <p>Diese verächtliche Bemerkung hat die Welle jedoch erst richtig losgetreten. Die Bekenner der Richtung haben mittlerweile ein <a href="http://spackeria.politikpir.at/">Spackeria-Wiki</a> gegründet, das als eine Art Materiallager für „Post-Privacy-Spackessen und -Spackos“ dient, sowie ein <a href="https://spackeria.wordpress.com/">Spackeria-Blog</a>. SPIEGEL Online hat über die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,749831,00.html">Internet-Exhibitionisten „Spackeria“</a> berichtet, und eine Diskussion auf breiterer Front scheint allmählich in Gang zu kommen, unterstützt durch Beiträge wie etwa <a href="http://stefan.ploing.de/2011-03-10-post-privacy-spackeria-dystropien-und-wichtige-gedanken">Post-Privacy, Spackeria, Dystropien und wichtige Gedanken</a> von Stefan Schlott oder den kritischen Artikel <a href="http://denker.net/2011/03/10/was-die-spackeria-nicht-versteht/">Was die Spackeria (nicht) versteht</a> von Kai Denker. Nicht die Post-Privacy-Einstellung als solche ist das, was hier neu entsteht. Neu ist das gegenseitige Erkennen der Sympathisanten dieser Denkrichtung, das Entwickeln einer Position im gesellschaftlichen Diskurs, und vielleicht auch das Hoffen auf ein neues geistiges Paradigma.</p> <p>Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, bei alledem erst einmal bei dem flapsigen Ausdruck Spackeria zu bleiben. Denn ideologische Theoretisierungen mit seriösen Begriffsbildungen wie etwa <em>Transparentismus</em> schaden am Ende mehr als sie nutzen. Es wird sich zeigen, ob die Spackeria am Ende als Modeerscheinung in die Geschichte eingehen wird, so wie in den 80er Jahren die namensähnliche Schickeria, oder ob sie irgendwann als zündende Vorreiterbewegung eines neuen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts entstandenen Zeitalters der Transparenz betrachtet werden wird.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:105</guid>
				<title>Das Google Farmer Update und wir Autoren</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:105</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:105/pagerank.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 89px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;pagerank.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Eine Änderung in der Google-Bewertung sogenannter Content-Farmen ist auch für Autoren-Plattformen wie Newsgrape von Bedeutung!&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am 12.03.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Es ist wie beim Wohnen. Den einen geht nichts über das eigene Haus, denn Freiheit bedeutet für sie Freiheit von Vermietern. Die anderen bevorzugen flüchtige Mietverträge, denn Freiheit bedeutet ihnen, flexibel zu sein und frei zu sein für schnelle Veränderungen. Die einen möchten lieber einen eigenen Root-Server, eine eigene Domain und selbst konfigurierte Server-Software, die anderen lieber Accounts bei attraktiven Service-Anbietern für Artikel, Fotos, Diskussionen und andere Inhalte. Das Web ist groß genug für alle. Eines haben jedoch alle gemeinsam, die bewusst im öffentlichen Web publizieren: sie legen Wert darauf, gefunden zu werden. Nun gab Google, das Maß aller Dinge für Auffindbarkeit im Web, kürzlich bekannt: sogenannte Content-Farmen mit vielen, meist minderwertigen Inhalten werden fortan stark benachteiligt, was die Auffindbarkeit in der Google-Suche betrifft. An sich nichts Schlimmes, und eigentlich sogar ein wichtiger Schritt, um reine Trittbrettfahrer-Plattformen aus der Bahn zu werfen, die, eingebettet in Werbung, nur Inhalte aus Wikipedia oder Feeds wiedergeben. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich allerdings Fragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auslöser ist der Artikel &lt;a href=&quot;http://googleblog.blogspot.com/2011/02/finding-more-high-quality-sites-in.html&quot;&gt;Finding more high-quality sites in search&lt;/a&gt;, veröffentlicht am 24.02.2011 im offiziellen Google Blog. Dort ist Googles Ankündigung, Sites mit minderwertigem Content im Ranking herabzustufen, im Wortlaut nachlesbar. Über das sogenannte „Farmer Update“, wie sich die Maßnahme nennt, wurde vielfach berichtet und nachgedacht (beispielsweise im SEO-Marketing-Blog: &lt;a href=&quot;http://seo-marketing-blog.de/manuelfu/google-farmer-update/&quot;&gt;Google Farmer Update&lt;/a&gt;). Das Update im Google-Suchmaschinen-Algorithmus richtet sich typischerweise gegen Content-Farmen, die automatisiert Nachrichten oder andere Inhalte mit dem einzigen Zweck wiederveröffentlichen, suchende User von Suchmaschinen abzugreifen und diese mit Werbung zu bombardieren. Vorläufig soll die Maßnahme vor allem US-Sites betreffen, später aber auch auf andere Sprachen und Länder ausgeweitet werden. Insgesamt sollen immerhin 12% aller Angebote im Web von der starken Ranking-Abstufung des Farmer Updates betroffen sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch wer oder was ist konkret betroffen? Immerhin ist ja beispielsweise Newsgrape ebenfalls eine typische Content-Farm, und zwar eine Content-Farm im engeren Sinne: alle Artikel auf Newsgrape werden unter der Hauptdomain veröffentlicht, es gibt also keine separaten Subdomains wie etwa bei wordpress.com, blogspot.com und ähnlichen Anbietern. Subdomains kann Google als eigene Websites, also individuelle Zellen identifizieren und sie im Ranking anders einstufen als die zugehörige Hauptdomain. Bei einem URL-Konzept wie dem von Newsgrape ist das jedoch nicht möglich. Die gesamte Domain newsgrape.com steht und fällt mit der Qualität der Inhalte aller dort publizierenden Autoren. Solange die Domain bei Google als Lieferant für viel hochwertigen Primär-Content verzeichnet ist, profitieren alle Autoren direkt vom Ranking der Hauptdomain und genießen bei Google sogar höchstmögliche Reputation. Kommt es dagegen zu der Situation, dass die große Mehrheit der Autoren Newsgrape nur nutzt, um Inhalte aus anderen Quellen zu reproduzieren, beispielsweise mit der Absicht, sie im Rahmen des geplanten Advertising-Systems von Newsgrape noch einmal zu monetarisieren, dann zieht die Hauptdomain alle guten Einzelinhalte mit ins Verderben der Ranking-Abstufung. Der einstige Stern unter den freien Homepage-Anbietern, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Geocities&quot;&gt;GeoCities&lt;/a&gt;, ging am Ende an der Masse seines minderwertigen Contents zu Grunde, obwohl es auf GeoCities so manche Content-Schätze gab. Auch bei GeoCities waren alle Inhalte unter der Hauptdomain versammelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist es aber tatsächlich so, dass Google alle Einzelinhalte einer abgewerteten Domain mit abwertet? Man sollte meinen, dass Google in der Lage ist, einzelne URLs zu gesondert zu bewerten, wenn diese bestimmte Charakteristika erfüllen. Ein Artikel etwa, dessen Inhalt sonst nirgends im Web unter früherem Datum zu finden ist, und der mehrfach verlinkt und retweetet wurde, sollte sich doch auch unter dem Dach einer Domain behaupten können, die ansonsten unter die Content-Farmer-Klausel fällt. Oder nicht? Jedenfalls war mir das eine Frage im Google-Hilfeforum wert: &lt;a href=&quot;http://www.google.com/support/forum/p/webmasters/thread?tid=3809abdf547586aa&amp;amp;hl=de&quot;&gt;Publizieren bei Content-Farmen jetzt Igitt? Hier: Newsgrape u. Wikidot&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine eindeutige Antwort gab es dort letztlich nicht, doch es hat sich eine interessante Diskussion entsponnen. Eine eindeutige Antwort ist von Google auf eine solche Frage auch nicht zu erwarten, weil die Frage einige Details von Googles Ranking-Algorithmen berührt, die das Betriebsgeheimnis und Kerngeschäft von Google ausmachen. In der Diskussion wurde ich auf ein &lt;a href=&quot;http://www.google.com/support/forum/p/Webmasters/thread?fid=76830633df82fd8e00049dea5d1acfc4&amp;amp;hl=en&quot;&gt;Statement des Google-Mitarbeiters &amp;quot;Wysz&amp;quot;&lt;/a&gt; zum Thema hingewiesen. Darin sagt dieser: „&lt;em&gt;Unser neuliches Update ist geschaffen worden, um das Ranking minderwertiger Sites abzustufen, was für Webmaster bedeutet, dass es entscheidend ist sicherzustellen, Sites von möglichst hoher Qualität zu haben.“ (übersetzt). Und er fügt hinzu: „Es handelt sich um eine algorithmische Änderung, für die keine manuellen Ausnahmen vorgesehen sind.&lt;/em&gt;“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Antwort befriedigt mich keineswegs, sie beunruhigt mich eher. Irgendwann greift also gnadenlos der Abwertungs-Algorithmus. Wir wissen nicht, ob 5%, 10%, 25%, 50% oder 80% einer Site aus minderwertigem Repeat-Content bestehen kann, bevor er greift, aber irgendwo ist die Grenze. Bei eigenen Sites mit ausschließlich eigenen Inhalten ist das Sicherstellen von hochwertigem Primär-Content kein Thema. Aber bei Sites mit user generated Content in einer Größenordnung, die nicht mehr redaktionell kontrollierbar ist? Das ist schließlich der Normalfall im Web 2.0. Und was ist mit Sites wie etwa Twitter? Unmengen Retweets, abermals verbreitete Links - twitter.com müsste eigentlich gleich abgewertet werden. Doch Twitter wird von Google nicht nur nicht abgewertet, sondern sogar hofiert, denn Googles &lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?aq=f&amp;amp;ie=UTF-8&amp;amp;q=content#q=content&amp;amp;hl=de&amp;amp;prmd=ivns&amp;amp;source=lnms&amp;amp;tbs=mbl:1&quot;&gt;Echtzeitsuche&lt;/a&gt; lebt vor allem von Twitter. Es gibt also offenbar doch „manuelle“ Ausnahmen. Vielleicht gelingt es ja auch, eine Plattform für Bürgerjournalismus auf die White-List der geschützten Ausnahmen zu bringen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„&lt;em&gt;Was Ihren Traffic kaum wieder zurück bringt ist ein Appell an die öffentliche Meinung oder die mitfühlenden Herzen der Google-Entwickler. Google testet seine Algorithmen-Änderungen ausführlich, um die Suchqualität zu steigern, und es kommen keine wichtigen Änderungen wie diese zum Einsatz, bevor die internen Daten nicht eine merkliche Verbesserung zeigen. Google ist ein daten-orientiertes Unternehmen, und deshalb haben Einzelberichte keine Chance gegen geprüfte Zahlen.&lt;/em&gt;“ (übersetzt). Das sagt Vanessa Fox in ihrem Artikel &lt;a href=&quot;http://searchengineland.com/your-sites-traffic-has-plummeted-since-googles-farmerpanda-update-now-what-66769&quot;&gt;Your Site’s Traffic Has Plummeted Since Google’s Farmer/Panda Update. Now What?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht ist es das Beste, tatsächlich auf die Intelligenz der Google-Algorithmen zu vertrauen und sich nicht zu sehr in das Thema hineinzusteigern. Oder aber man stellt sich einfach mal mit Vasilis Vryniotis die Frage: &lt;a href=&quot;http://www.webseoanalytics.com/blog/is-google-pagerank-still-important-in-seach-engine-optimization/&quot;&gt;Is Google PageRank still important in Seach Engine Optimization?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 20:49:54 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:105/pagerank.png" style="width: 120px; height: 89px; float: left; margin-right: 15px;" alt="pagerank.png" class="image" /> Eine Änderung in der Google-Bewertung sogenannter Content-Farmen ist auch für Autoren-Plattformen wie Newsgrape von Bedeutung!<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am 12.03.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Es ist wie beim Wohnen. Den einen geht nichts über das eigene Haus, denn Freiheit bedeutet für sie Freiheit von Vermietern. Die anderen bevorzugen flüchtige Mietverträge, denn Freiheit bedeutet ihnen, flexibel zu sein und frei zu sein für schnelle Veränderungen. Die einen möchten lieber einen eigenen Root-Server, eine eigene Domain und selbst konfigurierte Server-Software, die anderen lieber Accounts bei attraktiven Service-Anbietern für Artikel, Fotos, Diskussionen und andere Inhalte. Das Web ist groß genug für alle. Eines haben jedoch alle gemeinsam, die bewusst im öffentlichen Web publizieren: sie legen Wert darauf, gefunden zu werden. Nun gab Google, das Maß aller Dinge für Auffindbarkeit im Web, kürzlich bekannt: sogenannte Content-Farmen mit vielen, meist minderwertigen Inhalten werden fortan stark benachteiligt, was die Auffindbarkeit in der Google-Suche betrifft. An sich nichts Schlimmes, und eigentlich sogar ein wichtiger Schritt, um reine Trittbrettfahrer-Plattformen aus der Bahn zu werfen, die, eingebettet in Werbung, nur Inhalte aus Wikipedia oder Feeds wiedergeben. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich allerdings Fragen.</p> <p>Auslöser ist der Artikel <a href="http://googleblog.blogspot.com/2011/02/finding-more-high-quality-sites-in.html">Finding more high-quality sites in search</a>, veröffentlicht am 24.02.2011 im offiziellen Google Blog. Dort ist Googles Ankündigung, Sites mit minderwertigem Content im Ranking herabzustufen, im Wortlaut nachlesbar. Über das sogenannte „Farmer Update“, wie sich die Maßnahme nennt, wurde vielfach berichtet und nachgedacht (beispielsweise im SEO-Marketing-Blog: <a href="http://seo-marketing-blog.de/manuelfu/google-farmer-update/">Google Farmer Update</a>). Das Update im Google-Suchmaschinen-Algorithmus richtet sich typischerweise gegen Content-Farmen, die automatisiert Nachrichten oder andere Inhalte mit dem einzigen Zweck wiederveröffentlichen, suchende User von Suchmaschinen abzugreifen und diese mit Werbung zu bombardieren. Vorläufig soll die Maßnahme vor allem US-Sites betreffen, später aber auch auf andere Sprachen und Länder ausgeweitet werden. Insgesamt sollen immerhin 12% aller Angebote im Web von der starken Ranking-Abstufung des Farmer Updates betroffen sein.</p> <p>Doch wer oder was ist konkret betroffen? Immerhin ist ja beispielsweise Newsgrape ebenfalls eine typische Content-Farm, und zwar eine Content-Farm im engeren Sinne: alle Artikel auf Newsgrape werden unter der Hauptdomain veröffentlicht, es gibt also keine separaten Subdomains wie etwa bei wordpress.com, blogspot.com und ähnlichen Anbietern. Subdomains kann Google als eigene Websites, also individuelle Zellen identifizieren und sie im Ranking anders einstufen als die zugehörige Hauptdomain. Bei einem URL-Konzept wie dem von Newsgrape ist das jedoch nicht möglich. Die gesamte Domain newsgrape.com steht und fällt mit der Qualität der Inhalte aller dort publizierenden Autoren. Solange die Domain bei Google als Lieferant für viel hochwertigen Primär-Content verzeichnet ist, profitieren alle Autoren direkt vom Ranking der Hauptdomain und genießen bei Google sogar höchstmögliche Reputation. Kommt es dagegen zu der Situation, dass die große Mehrheit der Autoren Newsgrape nur nutzt, um Inhalte aus anderen Quellen zu reproduzieren, beispielsweise mit der Absicht, sie im Rahmen des geplanten Advertising-Systems von Newsgrape noch einmal zu monetarisieren, dann zieht die Hauptdomain alle guten Einzelinhalte mit ins Verderben der Ranking-Abstufung. Der einstige Stern unter den freien Homepage-Anbietern, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geocities">GeoCities</a>, ging am Ende an der Masse seines minderwertigen Contents zu Grunde, obwohl es auf GeoCities so manche Content-Schätze gab. Auch bei GeoCities waren alle Inhalte unter der Hauptdomain versammelt.</p> <p>Ist es aber tatsächlich so, dass Google alle Einzelinhalte einer abgewerteten Domain mit abwertet? Man sollte meinen, dass Google in der Lage ist, einzelne URLs zu gesondert zu bewerten, wenn diese bestimmte Charakteristika erfüllen. Ein Artikel etwa, dessen Inhalt sonst nirgends im Web unter früherem Datum zu finden ist, und der mehrfach verlinkt und retweetet wurde, sollte sich doch auch unter dem Dach einer Domain behaupten können, die ansonsten unter die Content-Farmer-Klausel fällt. Oder nicht? Jedenfalls war mir das eine Frage im Google-Hilfeforum wert: <a href="http://www.google.com/support/forum/p/webmasters/thread?tid=3809abdf547586aa&amp;hl=de">Publizieren bei Content-Farmen jetzt Igitt? Hier: Newsgrape u. Wikidot</a>.</p> <p>Eine eindeutige Antwort gab es dort letztlich nicht, doch es hat sich eine interessante Diskussion entsponnen. Eine eindeutige Antwort ist von Google auf eine solche Frage auch nicht zu erwarten, weil die Frage einige Details von Googles Ranking-Algorithmen berührt, die das Betriebsgeheimnis und Kerngeschäft von Google ausmachen. In der Diskussion wurde ich auf ein <a href="http://www.google.com/support/forum/p/Webmasters/thread?fid=76830633df82fd8e00049dea5d1acfc4&amp;hl=en">Statement des Google-Mitarbeiters &quot;Wysz&quot;</a> zum Thema hingewiesen. Darin sagt dieser: „<em>Unser neuliches Update ist geschaffen worden, um das Ranking minderwertiger Sites abzustufen, was für Webmaster bedeutet, dass es entscheidend ist sicherzustellen, Sites von möglichst hoher Qualität zu haben.“ (übersetzt). Und er fügt hinzu: „Es handelt sich um eine algorithmische Änderung, für die keine manuellen Ausnahmen vorgesehen sind.</em>“</p> <p>Diese Antwort befriedigt mich keineswegs, sie beunruhigt mich eher. Irgendwann greift also gnadenlos der Abwertungs-Algorithmus. Wir wissen nicht, ob 5%, 10%, 25%, 50% oder 80% einer Site aus minderwertigem Repeat-Content bestehen kann, bevor er greift, aber irgendwo ist die Grenze. Bei eigenen Sites mit ausschließlich eigenen Inhalten ist das Sicherstellen von hochwertigem Primär-Content kein Thema. Aber bei Sites mit user generated Content in einer Größenordnung, die nicht mehr redaktionell kontrollierbar ist? Das ist schließlich der Normalfall im Web 2.0. Und was ist mit Sites wie etwa Twitter? Unmengen Retweets, abermals verbreitete Links - twitter.com müsste eigentlich gleich abgewertet werden. Doch Twitter wird von Google nicht nur nicht abgewertet, sondern sogar hofiert, denn Googles <a href="http://www.google.de/search?aq=f&amp;ie=UTF-8&amp;q=content#q=content&amp;hl=de&amp;prmd=ivns&amp;source=lnms&amp;tbs=mbl:1">Echtzeitsuche</a> lebt vor allem von Twitter. Es gibt also offenbar doch „manuelle“ Ausnahmen. Vielleicht gelingt es ja auch, eine Plattform für Bürgerjournalismus auf die White-List der geschützten Ausnahmen zu bringen?</p> <p>„<em>Was Ihren Traffic kaum wieder zurück bringt ist ein Appell an die öffentliche Meinung oder die mitfühlenden Herzen der Google-Entwickler. Google testet seine Algorithmen-Änderungen ausführlich, um die Suchqualität zu steigern, und es kommen keine wichtigen Änderungen wie diese zum Einsatz, bevor die internen Daten nicht eine merkliche Verbesserung zeigen. Google ist ein daten-orientiertes Unternehmen, und deshalb haben Einzelberichte keine Chance gegen geprüfte Zahlen.</em>“ (übersetzt). Das sagt Vanessa Fox in ihrem Artikel <a href="http://searchengineland.com/your-sites-traffic-has-plummeted-since-googles-farmerpanda-update-now-what-66769">Your Site’s Traffic Has Plummeted Since Google’s Farmer/Panda Update. Now What?</a></p> <p>Vielleicht ist es das Beste, tatsächlich auf die Intelligenz der Google-Algorithmen zu vertrauen und sich nicht zu sehr in das Thema hineinzusteigern. Oder aber man stellt sich einfach mal mit Vasilis Vryniotis die Frage: <a href="http://www.webseoanalytics.com/blog/is-google-pagerank-still-important-in-seach-engine-optimization/">Is Google PageRank still important in Seach Engine Optimization?</a></p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:104</guid>
				<title>Was ist eigentlich: Astroturfing?</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:104</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:104/astroturfing.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 55px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;astroturfing.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Oder: wie vertrauenswürdig kann eigentlich User-Content noch sein, wenn er so leicht fälschbar ist?&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am 08.03.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Astroturfing&lt;/em&gt; ist ein Begriff, der einem in letzter Zeit häufiger begegnet. So vermeldete im vergangenen Herbst das netzpolitik.org-Blog &lt;a href=&quot;http://www.netzpolitik.org/2010/astroturfing-bei-stuttgart-21/&quot;&gt;Astroturfing bei Stuttgart 21&lt;/a&gt;, und der Heise-Ticker berichtete wenige Wochen später von &lt;a href=&quot;http://www.heise.de/newsticker/meldung/Astroturfing-bei-Twitter-1131844.html&quot;&gt;Astroturfing bei Twitter&lt;/a&gt;. Vor allem aber im Zusammenhang mit den heftigen, selbst für gestandene Netizens überraschenden Netzbewegungen contra und pro Guttenberg wurde der Ausdruck dann verstärkt bemüht: &lt;a href=&quot;http://www.danisch.de/blog/2011/03/02/astroturfing-fur-zu-guttenberg/&quot;&gt;Astroturfing für zu Guttenberg&lt;/a&gt;, titelt etwa Hadmut Danisch, und die Medienfabrikation fragt &lt;a href=&quot;http://medienfabrikation.info/2011/02/24/astroturfing-oder-petitio-principii-das-geheimnis-hinter-guttenbergs-facebook-erfolg/&quot;&gt;AstroTurfing oder Petitio Principii: das Geheimnis hinter Guttenbergs Facebook Erfolg?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie fast immer kann man solche Begriffe längst schon bei Wikipedia nachschlagen. Im &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing&quot;&gt;Wikipedia-Artikel zu Astroturfing&lt;/a&gt; wird als zusammenfassende Definition angeboten: „&lt;em&gt;Der Begriff Astroturfing bezeichnet – insbesondere im amerikanischen Sprachraum – Public-Relations- und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse usw. zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.&lt;/em&gt;“ Das Wort Astroturfing bezeichnet eine Art Kunstrasenbewegung anstelle einer echten Graswurzelbewegung, wobei das Wort sich von einer &lt;a href=&quot;http://www.google.de/images?q=Astroturf&quot;&gt;existierenden Kunstrasenmarke&lt;/a&gt; herleitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Astroturfing ist, wenn Authentizität bei veröffentlichten Meinungen in Wirklichkeit getürkt ist. Das beginnt etwa bei einer Amazon-Rezension, die vollkommen echt wirkt - etwas wortreich vielleicht, mit ein paar Rechtschreibfehlern versehen und vielleicht mit irgendwas, das die meisten Leser zum Lachen bringt. Also eine rundherum nette, lebendige Durchschnittsrezension, die genau deswegen von den meisten Lesern als vertrauenswürdig und authentisch eingestuft wird - das höchste Prädikat, das ein Text im Netz verliehen bekommen kann. Es handelt sich vielleicht um eine Zwei-Sterne-Rezension, die das Produkt, auf das sie sich bezieht, nicht völlig verdammt, aber so ganz nebenbei ein Konkurrenzprodukt nennt, vielleicht mit Worten wie: „&lt;em&gt;ein Freund hat sich übrigens XY zugelegt, und wie es aussieht hat der wohl mehr Glück gehabt als ich&lt;/em&gt;“. Niemand entdeckt, dass eine solche Rezension in Wirklichkeit von einem PR-Freelancer verfasst wurde, der von der Konkurrenz angeheuert wurde. Der freut sich über ein paar Euro, während die Rezension kaum geahnte Kräfte entfaltet. Hunderte, vielleicht tausende von Kaufinteressenten machen sich die Mühe, im Amazon-Suchfeld nach XY zu suchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Manchmal sind es sogar Geschäftsführer, die solche getürkten Rezensionen schreiben. So wie - und dieser Fall ist kein fiktives Beispiel - Helmut Hoffer von Ankershoffen, ehemaliger Geschäftsführer der WeTab GmbH. Um das &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/WeTab&quot;&gt;WeTab&lt;/a&gt; zu pushen, verfasste er unter einem Pseudonym eine verlockende Kaufempfehlung für das Tablet - als Kundenrezension bei Amazon. Weil er in seinen Amazon-Privateinstellungen einen Fehler gemacht hatte, &lt;a href=&quot;http://gutjahr.biz/blog/2010/10/wedepp/&quot;&gt;wurde die Sache bekannt&lt;/a&gt; und von Ankershoffen war gezwungen, als Geschäftsführer zurückzutreten. Das WeTab erlitt durch die Aktion einen erheblichen Image-Schaden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rechtsanwalt Henning Krieg, der über diesen Fall in &lt;a href=&quot;http://www.kriegs-recht.de/astroturfing-rechtliche-probleme-bei-gefalschten-kundenbewertungen-im-internet/&quot;&gt;Astroturfing – rechtliche Probleme bei Fake-Bewertungen im Internet&lt;/a&gt; schrieb, merkt an, dass derartige Fake-Bewertungen in Deutschland durch das &lt;a href=&quot;http://dejure.org/gesetze/UWG/&quot;&gt;Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)&lt;/a&gt; belangbar sind. Das Problem ist aber weniger die rechtliche Verfolgbarkeit, sondern die meist schwere Nachweisbarkeit. Das gilt auch für spektakulärere Aktionen. Astroturfing war es nämlich auch, was vielfach hinter den beiden Facebook-Fanseiten &lt;a href=&quot;http://www.facebook.com/ProGuttenberg&quot;&gt;Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://www.facebook.com/zuGuttenBACK&quot;&gt;Wir wollen Guttenberg zurück&lt;/a&gt; vermutet wurde. Szene-Blogger Sascha Lobo &lt;a href=&quot;http://saschalobo.com/2011/03/04/call-for-crowd-action-betrugt-die-guttenberg-seite-auf-facebook-mit-den-fan-zahlen/&quot;&gt;rief zum gemeinsamen Sammeln von Messdaten auf&lt;/a&gt;, um die beiden Seiten mit den rekordverdächtigen Fan-Zahlen zu entlarven. Am Ende kam er jedoch zu dem &lt;a href=&quot;http://saschalobo.com/2011/03/08/das-facebook-novum/&quot;&gt;Resümee: die meisten Fans sind wohl echt&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Astroturfing trifft das Social Web an seiner empfindlichsten Stelle. Denn wenn auf die Authentizität von Kundenrezensionen, Fan-Bekundungen oder ganzen Debatten kein Verlass mehr ist, wird letztlich das gesamte Mitmach-Web zur Farce. Beim Kampf gegen Astroturfing helfen jedoch keine bloßen Drohungen mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, zumindest nicht, solange zu viele Fälle unentdeckt bleiben. Die Frage ist, wie sich die Aufdeckquote verbessern lässt, ohne wie einige CDU-Politiker nach Maßnahmen wie einem &lt;a href=&quot;http://www.netzpolitik.org/2010/axel-e-fischer-erklart-vermummungsverbot/&quot;&gt;Vermummungsverbot im Netz&lt;/a&gt; zu verlangen, und ohne im Netz ein Netz aus Schnüfflern und Denunzianten zu errichten. Die Aktion von Sascha Lobo war in dieser Hinsicht auf jeden Fall lobenswert, in ihrer Form allerdings auf Einmaligkeit und einen bestimmten Fall ausgerichtet. Im englischsprachigen Raum gibt es vereinzelte Initiativen wie die &lt;a href=&quot;http://www.thenewpr.com/wiki/pmwiki.php?pagename=AntiAstroturfing.HomePage&quot;&gt;AntiAstroturfing Homepage&lt;/a&gt;, die vermutete oder bekannt gewordene Fälle von Astroturfing innerhalb eines Wikis sammelt. Was vielleicht kein Zufall ist. Ein Anti-Astroturfing-Wiki würde jedenfalls gut in die aktuell entstehende Landschaft der &lt;a href=&quot;http://webkompetenz.wikidot.com/blog:102&quot;&gt;Wahrheits-Wikis&lt;/a&gt; passen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 20:30:00 +0000</pubDate>
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						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:104/astroturfing.png" style="width: 120px; height: 55px; float: left; margin-right: 15px;" alt="astroturfing.png" class="image" /> Oder: wie vertrauenswürdig kann eigentlich User-Content noch sein, wenn er so leicht fälschbar ist?<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am 08.03.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p><em>Astroturfing</em> ist ein Begriff, der einem in letzter Zeit häufiger begegnet. So vermeldete im vergangenen Herbst das netzpolitik.org-Blog <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/astroturfing-bei-stuttgart-21/">Astroturfing bei Stuttgart 21</a>, und der Heise-Ticker berichtete wenige Wochen später von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Astroturfing-bei-Twitter-1131844.html">Astroturfing bei Twitter</a>. Vor allem aber im Zusammenhang mit den heftigen, selbst für gestandene Netizens überraschenden Netzbewegungen contra und pro Guttenberg wurde der Ausdruck dann verstärkt bemüht: <a href="http://www.danisch.de/blog/2011/03/02/astroturfing-fur-zu-guttenberg/">Astroturfing für zu Guttenberg</a>, titelt etwa Hadmut Danisch, und die Medienfabrikation fragt <a href="http://medienfabrikation.info/2011/02/24/astroturfing-oder-petitio-principii-das-geheimnis-hinter-guttenbergs-facebook-erfolg/">AstroTurfing oder Petitio Principii: das Geheimnis hinter Guttenbergs Facebook Erfolg?</a></p> <p>Wie fast immer kann man solche Begriffe längst schon bei Wikipedia nachschlagen. Im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing">Wikipedia-Artikel zu Astroturfing</a> wird als zusammenfassende Definition angeboten: „<em>Der Begriff Astroturfing bezeichnet – insbesondere im amerikanischen Sprachraum – Public-Relations- und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse usw. zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.</em>“ Das Wort Astroturfing bezeichnet eine Art Kunstrasenbewegung anstelle einer echten Graswurzelbewegung, wobei das Wort sich von einer <a href="http://www.google.de/images?q=Astroturf">existierenden Kunstrasenmarke</a> herleitet.</p> <p>Astroturfing ist, wenn Authentizität bei veröffentlichten Meinungen in Wirklichkeit getürkt ist. Das beginnt etwa bei einer Amazon-Rezension, die vollkommen echt wirkt - etwas wortreich vielleicht, mit ein paar Rechtschreibfehlern versehen und vielleicht mit irgendwas, das die meisten Leser zum Lachen bringt. Also eine rundherum nette, lebendige Durchschnittsrezension, die genau deswegen von den meisten Lesern als vertrauenswürdig und authentisch eingestuft wird - das höchste Prädikat, das ein Text im Netz verliehen bekommen kann. Es handelt sich vielleicht um eine Zwei-Sterne-Rezension, die das Produkt, auf das sie sich bezieht, nicht völlig verdammt, aber so ganz nebenbei ein Konkurrenzprodukt nennt, vielleicht mit Worten wie: „<em>ein Freund hat sich übrigens XY zugelegt, und wie es aussieht hat der wohl mehr Glück gehabt als ich</em>“. Niemand entdeckt, dass eine solche Rezension in Wirklichkeit von einem PR-Freelancer verfasst wurde, der von der Konkurrenz angeheuert wurde. Der freut sich über ein paar Euro, während die Rezension kaum geahnte Kräfte entfaltet. Hunderte, vielleicht tausende von Kaufinteressenten machen sich die Mühe, im Amazon-Suchfeld nach XY zu suchen.</p> <p>Manchmal sind es sogar Geschäftsführer, die solche getürkten Rezensionen schreiben. So wie - und dieser Fall ist kein fiktives Beispiel - Helmut Hoffer von Ankershoffen, ehemaliger Geschäftsführer der WeTab GmbH. Um das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/WeTab">WeTab</a> zu pushen, verfasste er unter einem Pseudonym eine verlockende Kaufempfehlung für das Tablet - als Kundenrezension bei Amazon. Weil er in seinen Amazon-Privateinstellungen einen Fehler gemacht hatte, <a href="http://gutjahr.biz/blog/2010/10/wedepp/">wurde die Sache bekannt</a> und von Ankershoffen war gezwungen, als Geschäftsführer zurückzutreten. Das WeTab erlitt durch die Aktion einen erheblichen Image-Schaden.</p> <p>Rechtsanwalt Henning Krieg, der über diesen Fall in <a href="http://www.kriegs-recht.de/astroturfing-rechtliche-probleme-bei-gefalschten-kundenbewertungen-im-internet/">Astroturfing – rechtliche Probleme bei Fake-Bewertungen im Internet</a> schrieb, merkt an, dass derartige Fake-Bewertungen in Deutschland durch das <a href="http://dejure.org/gesetze/UWG/">Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)</a> belangbar sind. Das Problem ist aber weniger die rechtliche Verfolgbarkeit, sondern die meist schwere Nachweisbarkeit. Das gilt auch für spektakulärere Aktionen. Astroturfing war es nämlich auch, was vielfach hinter den beiden Facebook-Fanseiten <a href="http://www.facebook.com/ProGuttenberg">Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg</a> und <a href="http://www.facebook.com/zuGuttenBACK">Wir wollen Guttenberg zurück</a> vermutet wurde. Szene-Blogger Sascha Lobo <a href="http://saschalobo.com/2011/03/04/call-for-crowd-action-betrugt-die-guttenberg-seite-auf-facebook-mit-den-fan-zahlen/">rief zum gemeinsamen Sammeln von Messdaten auf</a>, um die beiden Seiten mit den rekordverdächtigen Fan-Zahlen zu entlarven. Am Ende kam er jedoch zu dem <a href="http://saschalobo.com/2011/03/08/das-facebook-novum/">Resümee: die meisten Fans sind wohl echt</a>.</p> <p>Astroturfing trifft das Social Web an seiner empfindlichsten Stelle. Denn wenn auf die Authentizität von Kundenrezensionen, Fan-Bekundungen oder ganzen Debatten kein Verlass mehr ist, wird letztlich das gesamte Mitmach-Web zur Farce. Beim Kampf gegen Astroturfing helfen jedoch keine bloßen Drohungen mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, zumindest nicht, solange zu viele Fälle unentdeckt bleiben. Die Frage ist, wie sich die Aufdeckquote verbessern lässt, ohne wie einige CDU-Politiker nach Maßnahmen wie einem <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/axel-e-fischer-erklart-vermummungsverbot/">Vermummungsverbot im Netz</a> zu verlangen, und ohne im Netz ein Netz aus Schnüfflern und Denunzianten zu errichten. Die Aktion von Sascha Lobo war in dieser Hinsicht auf jeden Fall lobenswert, in ihrer Form allerdings auf Einmaligkeit und einen bestimmten Fall ausgerichtet. Im englischsprachigen Raum gibt es vereinzelte Initiativen wie die <a href="http://www.thenewpr.com/wiki/pmwiki.php?pagename=AntiAstroturfing.HomePage">AntiAstroturfing Homepage</a>, die vermutete oder bekannt gewordene Fälle von Astroturfing innerhalb eines Wikis sammelt. Was vielleicht kein Zufall ist. Ein Anti-Astroturfing-Wiki würde jedenfalls gut in die aktuell entstehende Landschaft der <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:102">Wahrheits-Wikis</a> passen.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:103</guid>
				<title>Sachverständiger 18 beta</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:103</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/liquid.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 104px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;liquid.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Aktiv werden beim möglichen Beginn eines neuen Demokratieverständnisses in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am 05.03.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Einem &lt;a href=&quot;http://www.internet-law.de/2011/03/netzneutralitat-mitdefinieren.html&quot;&gt;Hinweis von Thomas Stadler&lt;/a&gt; (Internet-Law) folgend, begab ich mich zu der Site mit dem einladenden Titel &lt;a href=&quot;http://www.enquetebeteiligung.de/&quot;&gt;18. Sachverständiger beta&lt;/a&gt;. Wer in den vergangenen Wochen die netzpolitischen Ereignisse verfolgt hat, wird sofort wissen, was damit gemeint ist: Die vom deutschen Bundestag eingesetzte &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Enquete-Kommission_Internet_und_digitale_Gesellschaft&quot;&gt;Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft&lt;/a&gt;, die sich insgesamt zwei Jahre lang mit den Auswirkungen der neuen, digitalen Medien auf Politik und Gesellschaft befassen soll, besteht aus 17 Bundestagsmitgliedern, weiteren 17 von den Bundestagsfraktionen benannten Sachverständigen und einem sogenannten 18. Sachverständigen, den man als Volkes Stimme bezeichnen könnte.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/18-sv-beta-1.png&quot; alt=&quot;18-sv-beta-1.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Zunächst ist die Enquete-Kommission im Netz vor allem durch den Vorsitzenden Axel E. Fischer aufgefallen, der sich für den sogenannten &lt;a href=&quot;http://www.heise.de/newsticker/meldung/Digitaler-Radiergummi-ist-gestartet-1175979.html&quot;&gt;digitalen Radiergummi&lt;/a&gt; sowie für ein Verbot von Nicknames und Avataren im Netz stark gemacht hatte. Dabei ist die Kommission eigentlich gar kein netzfeindlicher Haufen, der nur als Deckmäntelchen für die Netzferne der etablierten Parteien eingesetzt wurde. Was den 18. Sachverständigen betrifft, hat sie durchaus Eigensinn bewiesen. Eigentlich sollte die Rolle des 18. Sachverständigen nämlich ein nicht näher bezeichnetes „Internetforum“ sein, also eine Art Quasselbude für die Allgemeinheit, die sich dadurch auf die übliche Weise mit einbezogen fühlen soll. Die Enquete-Kommission ging jedoch einen Schritt weiter und schlug die Einführung von &lt;a href=&quot;http://trac.adhocracy.de/&quot;&gt;Adhocracy&lt;/a&gt; vor. Diese vom &lt;a href=&quot;http://wiki.liqd.net/Main_Page&quot;&gt;[http://wiki.liqd.net/Main_Page Liquid Democray e.V.&lt;/a&gt; entwickelte Webanwendung ermöglicht die direkte Beteiligung und Selbstorganisation von Usern bei politischen oder sonstigen Entscheidungen. Der 18. Sachverständige, &lt;strong&gt;wir&lt;/strong&gt; also, soll damit direkt durch Vorschläge, Mitabstimmung usw. in den Arbeitsprozess der Kommission eingreifen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun darf man sich die Einflusssphäre der Kommission nicht zu groß vorstellen. Es geht dort nicht um anstehende politische Entscheidungen. Die Kommission hat lediglich die Aufgabe, einen Abschlussbericht zu erstellen, der gemeinsam erarbeitete und beschlossene Einschätzungen, Vorschläge und Empfehlungen enthalten soll. Trotzdem war auch das schon einigen Mitgliedern des Bundestages genug, um die Einführung von Adhocracy zu verhindern. FDP und CDU/CSU verhinderten den Einsatz mit zweifelhaften Kostenargumenten. Daraufhin erklärten sich Aktivisten des Chaos Computer Club (CCC) bereit, die Software für die Kommission zu installieren und einzurichten, ohne dass dem Bundestag Kosten entstehen. Schließlich einigte man sich darauf, dass Adhocracy verwendet werden kann, jedoch nicht auf Servern des Bundestages, sondern extern auf Servern des Liquid Democracy e.V.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als wahrer Grund für die ablehnende Haltung der Regierungsfraktionen gegenüber Adhocracy wird die Sorge vermutet, dass ein erfolgreicher Einsatz der Software im Rahmen der Enquete-Kommission vielen Beteiligten Lust auf mehr machen könnte. Man sieht schlicht und ergreifend das Modell der repräsentativen Demokratie in Gefahr, wohl wissend, dass eine solche Gefahr längst nicht mehr abstrakt ist. In einer Zeit, in der die Hälfte der Bevölkerung aus Nichtwählern besteht und immer mehr Stimmen nur noch von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie&quot;&gt;postdemokratischen&lt;/a&gt; Verhältnissen reden, könnten existierende alternative Verfahrensweisen demokratischer Entscheidungsfindung, selbst in noch so kleinem Rahmen eingesetzt, schnell zu „interessanten“ Instrumenten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Grund genug also für Frustrierte, die Adhocracy-Installation der Enquete-Kommission aktiv zu nutzen! Die &lt;a href=&quot;http://enquetebeteiligung.de/register&quot;&gt;Registrierung&lt;/a&gt; verläuft problemlos. Nach deren erfolgreichem Abschluss empfiehlt es sich, zunächst das eigene Benutzerprofil zu bearbeiten. Das Verifizieren der E-Mail-Adresse ist freiwillig, jedoch erforderlich, wenn man Mail-Benachrichtigungen über persönlich relevante Vorgänge erhalten möchte. Im Interesse aller Beteiligten ist aussagekräftige Kurzbiografie sinnvoll. Zur Formatierung steht dabei eine einfache Wiki-Syntax zur Verfügung.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/18-sv-beta-2.png&quot; alt=&quot;18-sv-beta-2.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Am Ende wird daraus eine &lt;a href=&quot;http://enquetebeteiligung.de/user/Lilleby&quot;&gt;öffentlich aufrufbare Profilseite wie diese&lt;/a&gt;. Wer die &lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?sclient=psy&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=hp&amp;amp;q=define%3ARTFM&amp;amp;aq=f&amp;amp;aqi=&amp;amp;aql=&amp;amp;oq=&amp;amp;pbx=1&quot;&gt;RTFM&lt;/a&gt;-Philosophie verinnerlicht hat, begibt sich anschließend am besten auf die &lt;a href=&quot;http://test.enquetebeteiligung.de/static/about.html&quot;&gt;Informationsseite zu Adhocracy&lt;/a&gt;. Dort liest man: „&lt;em&gt;Als registrierter Bürger können Sie die Projektgruppen auswählen, bei denen Sie sich einbringen wollen. &amp;#8230; Texte, die von den Parlamentariern und den 17 Sachverständigen diskutiert werden, findet man in den jeweiligen Projektgruppen. Diese Texte können als erste Inspiration dienen und auch weiter bearbeitet werden. Ergänzende Textstellen oder gar vollständig neue Texte können durch den 18.Sachverständigen hinzukommen.&lt;/em&gt;“ Wer sich noch unsicher fühlt, kann der &lt;a href=&quot;http://test.enquetebeteiligung.de/instance/test&quot;&gt;Projektgruppe „Sandkasten“&lt;/a&gt; beitreten, wo man bedenkenlos die gesamte Funktionalität austesten kann, vom Erstellen von Beiträgen bis zu Abstimmungsvorgängen. Andere, bereits aktive Projektgruppen in der Adhocracy-Installation der Enquete-Kommission sind:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&quot;http://demokratie.enquetebeteiligung.de/instance/demokratie&quot;&gt;Demokratie und Staat&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&quot;http://beteiligung.enquetebeteiligung.de/instance/beteiligung&quot;&gt;Online-Beteiligungs-AG&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&quot;http://urheberrecht.enquetebeteiligung.de/instance/urheberrecht&quot;&gt;Urheberrecht&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;a href=&quot;http://neutralitaet.enquetebeteiligung.de/instance/neutralitaet&quot;&gt;Netzneutralität&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Weitere sind geplant. Am Beispiel der Projektgruppe &lt;em&gt;Netzneutralität&lt;/em&gt; ist durchaus schon erkennbar, wie eine konkrete und konstruktive Nutzung aussehen kann:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/18-sv-beta-3.png&quot; alt=&quot;18-sv-beta-3.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;„&lt;em&gt;Liquid Democracy ist ein Buzzword, das 2003 entstand. Während viele den Ausdruck Liquid Democracy benutzen, um internet-basiertes delegiertes Wählen (einen Wahlmechanismus) zu beschreiben, geht Adhocracy weiter. Das Wesen von Liquid Democracy ist das enge Verkuppeln eines netzbasierten Wahlsystems mit einem offenen System zur Diskussion und Entwicklung politischer Alternativen.&lt;/em&gt;“ Dieses Zitat, entnommen und übersetzt von der &lt;a href=&quot;http://trac.adhocracy.cc/wiki/GeneralMotivation&quot;&gt;General-Motivation-Seite&lt;/a&gt; von Adhocracy, drückt deutlich aus, welches die Hintergründe für die Erscheinungsform der Plattform sind. Es geht nicht um Personen, um Herausgehobene, Repräsentanten und am Ende um Stars der Sorte zu Guttenberg. Die weiter oben erwähnten Profilseiten haben in Adhocracy nicht mehr Bedeutung als in einem Social Network. Es sind Teilnehmerseiten, keine Bewerbungsseiten für Machthungrige. Die Profilseiten enthalten, wie andere typische Profilseiten im Networking-Bereich, nicht nur repräsentative Angaben zur Person, sondern immer auch eine Timeline aktueller Aktivitäten innerhalb der Plattform - sozusagen die Visualisierung der menschlich banalen Gegenwart.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Adhocracy koppelt also Diskussionen und Votings. Das ist freilich nichts Ungewöhnliches. Viele moderne Forensysteme haben ebenfalls integrierte Voting-Systeme, deren Aufgabe es ist, qualitativ hochwertige (von vielen anderen Benutzern als hilfreiche oder sonstwie positiv bewertete) Beiträge auszuzeichnen. Ein gutes Beispiel dafür ist das &lt;a href=&quot;http://www.google.com/support/forum?hl=de&quot;&gt;Google Hilfeforum&lt;/a&gt;. Die Besonderheit von Adhocracy liegt in der Mehrstufigkeit. Dadurch soll der oftmals schwierige Prozess des „Reifens“ von mehrheitlich akzeptierten Dokumenten abgebildet werden. Zunächst können Teilnehmer innerhalb von Projekten Vorschläge einreichen. Diese Vorschläge können von allen Teilnehmern des Projekts diskutiert und bewertet werden. Aus Vorschlägen, die mehrheitlich konsensfähig sind, können dann sogenannte Papiere erarbeitet werden. Das sind bereits die verbindlichen Dokumente, die am Ende erarbeitet werden (Gesetzentwürfe, Empfehlungen, was auch immer). Papiere sind ebenfalls noch diskutierbar und bewertbar. So können sie bis zu einem offiziell verabschiedeten Stand optimiert werden. Das gesamte Prozedere erinnert stark an den Prozess, den technische &lt;a href=&quot;http://www.w3.org/TR/&quot;&gt;Empfehlungen (Recommendations) beim W3-Konsortium&lt;/a&gt; durchlaufen. Mit dem Unterschied, dass das Prozedere vollständig in einer Web-Plattform abgebildet und dokumentiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Enquete-Installation von Adhocracy ist allerdings noch weit entfernt von einem Einsatz als verbindliches Instrument offizieller bürgerlicher Mitbestimmung. Ähnlich wie bei Facebook oder anderswo kann sich jeder anmelden, auch Fake-Accounts anlegen. Es gibt keine Verfizierung von Alter, Staatsangehörigkeit usw. Auch wie durch das Prinzip einfacher Forums-Threads Themen mit großer Massenbeteiligung bewältigt werden sollen, lässt der erste Eindruck von Adhocracy offen. Eventuell sind ja Alternativen wie &lt;a href=&quot;http://webkompetenz.wikidot.com/blog:64&quot;&gt;Votorola&lt;/a&gt;, die mit Delegationsmöglichkeiten arbeiten, diesbezüglich besser geeignet. Wichtig ist, dass wir überhaupt eine Diskussion über solche Fragen bekommen, statt weiter unter postdemokratischen Machtstrukturen zu leiden und den Untergang der Beteiligungskultur schulterzuckend hinzunehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 20:13:38 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/liquid.png" style="width: 120px; height: 104px; float: left; margin-right: 15px;" alt="liquid.png" class="image" /> Aktiv werden beim möglichen Beginn eines neuen Demokratieverständnisses in Deutschland.<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am 05.03.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Einem <a href="http://www.internet-law.de/2011/03/netzneutralitat-mitdefinieren.html">Hinweis von Thomas Stadler</a> (Internet-Law) folgend, begab ich mich zu der Site mit dem einladenden Titel <a href="http://www.enquetebeteiligung.de/">18. Sachverständiger beta</a>. Wer in den vergangenen Wochen die netzpolitischen Ereignisse verfolgt hat, wird sofort wissen, was damit gemeint ist: Die vom deutschen Bundestag eingesetzte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enquete-Kommission_Internet_und_digitale_Gesellschaft">Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft</a>, die sich insgesamt zwei Jahre lang mit den Auswirkungen der neuen, digitalen Medien auf Politik und Gesellschaft befassen soll, besteht aus 17 Bundestagsmitgliedern, weiteren 17 von den Bundestagsfraktionen benannten Sachverständigen und einem sogenannten 18. Sachverständigen, den man als Volkes Stimme bezeichnen könnte.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/18-sv-beta-1.png" alt="18-sv-beta-1.png" class="image" /></div> <p>Zunächst ist die Enquete-Kommission im Netz vor allem durch den Vorsitzenden Axel E. Fischer aufgefallen, der sich für den sogenannten <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Digitaler-Radiergummi-ist-gestartet-1175979.html">digitalen Radiergummi</a> sowie für ein Verbot von Nicknames und Avataren im Netz stark gemacht hatte. Dabei ist die Kommission eigentlich gar kein netzfeindlicher Haufen, der nur als Deckmäntelchen für die Netzferne der etablierten Parteien eingesetzt wurde. Was den 18. Sachverständigen betrifft, hat sie durchaus Eigensinn bewiesen. Eigentlich sollte die Rolle des 18. Sachverständigen nämlich ein nicht näher bezeichnetes „Internetforum“ sein, also eine Art Quasselbude für die Allgemeinheit, die sich dadurch auf die übliche Weise mit einbezogen fühlen soll. Die Enquete-Kommission ging jedoch einen Schritt weiter und schlug die Einführung von <a href="http://trac.adhocracy.de/">Adhocracy</a> vor. Diese vom <a href="http://wiki.liqd.net/Main_Page">[http://wiki.liqd.net/Main_Page Liquid Democray e.V.</a> entwickelte Webanwendung ermöglicht die direkte Beteiligung und Selbstorganisation von Usern bei politischen oder sonstigen Entscheidungen. Der 18. Sachverständige, <strong>wir</strong> also, soll damit direkt durch Vorschläge, Mitabstimmung usw. in den Arbeitsprozess der Kommission eingreifen können.</p> <p>Nun darf man sich die Einflusssphäre der Kommission nicht zu groß vorstellen. Es geht dort nicht um anstehende politische Entscheidungen. Die Kommission hat lediglich die Aufgabe, einen Abschlussbericht zu erstellen, der gemeinsam erarbeitete und beschlossene Einschätzungen, Vorschläge und Empfehlungen enthalten soll. Trotzdem war auch das schon einigen Mitgliedern des Bundestages genug, um die Einführung von Adhocracy zu verhindern. FDP und CDU/CSU verhinderten den Einsatz mit zweifelhaften Kostenargumenten. Daraufhin erklärten sich Aktivisten des Chaos Computer Club (CCC) bereit, die Software für die Kommission zu installieren und einzurichten, ohne dass dem Bundestag Kosten entstehen. Schließlich einigte man sich darauf, dass Adhocracy verwendet werden kann, jedoch nicht auf Servern des Bundestages, sondern extern auf Servern des Liquid Democracy e.V.</p> <p>Als wahrer Grund für die ablehnende Haltung der Regierungsfraktionen gegenüber Adhocracy wird die Sorge vermutet, dass ein erfolgreicher Einsatz der Software im Rahmen der Enquete-Kommission vielen Beteiligten Lust auf mehr machen könnte. Man sieht schlicht und ergreifend das Modell der repräsentativen Demokratie in Gefahr, wohl wissend, dass eine solche Gefahr längst nicht mehr abstrakt ist. In einer Zeit, in der die Hälfte der Bevölkerung aus Nichtwählern besteht und immer mehr Stimmen nur noch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie">postdemokratischen</a> Verhältnissen reden, könnten existierende alternative Verfahrensweisen demokratischer Entscheidungsfindung, selbst in noch so kleinem Rahmen eingesetzt, schnell zu „interessanten“ Instrumenten werden.</p> <p>Grund genug also für Frustrierte, die Adhocracy-Installation der Enquete-Kommission aktiv zu nutzen! Die <a href="http://enquetebeteiligung.de/register">Registrierung</a> verläuft problemlos. Nach deren erfolgreichem Abschluss empfiehlt es sich, zunächst das eigene Benutzerprofil zu bearbeiten. Das Verifizieren der E-Mail-Adresse ist freiwillig, jedoch erforderlich, wenn man Mail-Benachrichtigungen über persönlich relevante Vorgänge erhalten möchte. Im Interesse aller Beteiligten ist aussagekräftige Kurzbiografie sinnvoll. Zur Formatierung steht dabei eine einfache Wiki-Syntax zur Verfügung.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/18-sv-beta-2.png" alt="18-sv-beta-2.png" class="image" /></div> <p>Am Ende wird daraus eine <a href="http://enquetebeteiligung.de/user/Lilleby">öffentlich aufrufbare Profilseite wie diese</a>. Wer die <a href="http://www.google.de/search?sclient=psy&amp;hl=de&amp;source=hp&amp;q=define%3ARTFM&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;oq=&amp;pbx=1">RTFM</a>-Philosophie verinnerlicht hat, begibt sich anschließend am besten auf die <a href="http://test.enquetebeteiligung.de/static/about.html">Informationsseite zu Adhocracy</a>. Dort liest man: „<em>Als registrierter Bürger können Sie die Projektgruppen auswählen, bei denen Sie sich einbringen wollen. &#8230; Texte, die von den Parlamentariern und den 17 Sachverständigen diskutiert werden, findet man in den jeweiligen Projektgruppen. Diese Texte können als erste Inspiration dienen und auch weiter bearbeitet werden. Ergänzende Textstellen oder gar vollständig neue Texte können durch den 18.Sachverständigen hinzukommen.</em>“ Wer sich noch unsicher fühlt, kann der <a href="http://test.enquetebeteiligung.de/instance/test">Projektgruppe „Sandkasten“</a> beitreten, wo man bedenkenlos die gesamte Funktionalität austesten kann, vom Erstellen von Beiträgen bis zu Abstimmungsvorgängen. Andere, bereits aktive Projektgruppen in der Adhocracy-Installation der Enquete-Kommission sind:</p> <ul> <li><a href="http://demokratie.enquetebeteiligung.de/instance/demokratie">Demokratie und Staat</a></li> <li><a href="http://beteiligung.enquetebeteiligung.de/instance/beteiligung">Online-Beteiligungs-AG</a></li> <li><a href="http://urheberrecht.enquetebeteiligung.de/instance/urheberrecht">Urheberrecht</a></li> <li><a href="http://neutralitaet.enquetebeteiligung.de/instance/neutralitaet">Netzneutralität</a></li> </ul> <p>Weitere sind geplant. Am Beispiel der Projektgruppe <em>Netzneutralität</em> ist durchaus schon erkennbar, wie eine konkrete und konstruktive Nutzung aussehen kann:</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:103/18-sv-beta-3.png" alt="18-sv-beta-3.png" class="image" /></div> <p>„<em>Liquid Democracy ist ein Buzzword, das 2003 entstand. Während viele den Ausdruck Liquid Democracy benutzen, um internet-basiertes delegiertes Wählen (einen Wahlmechanismus) zu beschreiben, geht Adhocracy weiter. Das Wesen von Liquid Democracy ist das enge Verkuppeln eines netzbasierten Wahlsystems mit einem offenen System zur Diskussion und Entwicklung politischer Alternativen.</em>“ Dieses Zitat, entnommen und übersetzt von der <a href="http://trac.adhocracy.cc/wiki/GeneralMotivation">General-Motivation-Seite</a> von Adhocracy, drückt deutlich aus, welches die Hintergründe für die Erscheinungsform der Plattform sind. Es geht nicht um Personen, um Herausgehobene, Repräsentanten und am Ende um Stars der Sorte zu Guttenberg. Die weiter oben erwähnten Profilseiten haben in Adhocracy nicht mehr Bedeutung als in einem Social Network. Es sind Teilnehmerseiten, keine Bewerbungsseiten für Machthungrige. Die Profilseiten enthalten, wie andere typische Profilseiten im Networking-Bereich, nicht nur repräsentative Angaben zur Person, sondern immer auch eine Timeline aktueller Aktivitäten innerhalb der Plattform - sozusagen die Visualisierung der menschlich banalen Gegenwart.</p> <p>Adhocracy koppelt also Diskussionen und Votings. Das ist freilich nichts Ungewöhnliches. Viele moderne Forensysteme haben ebenfalls integrierte Voting-Systeme, deren Aufgabe es ist, qualitativ hochwertige (von vielen anderen Benutzern als hilfreiche oder sonstwie positiv bewertete) Beiträge auszuzeichnen. Ein gutes Beispiel dafür ist das <a href="http://www.google.com/support/forum?hl=de">Google Hilfeforum</a>. Die Besonderheit von Adhocracy liegt in der Mehrstufigkeit. Dadurch soll der oftmals schwierige Prozess des „Reifens“ von mehrheitlich akzeptierten Dokumenten abgebildet werden. Zunächst können Teilnehmer innerhalb von Projekten Vorschläge einreichen. Diese Vorschläge können von allen Teilnehmern des Projekts diskutiert und bewertet werden. Aus Vorschlägen, die mehrheitlich konsensfähig sind, können dann sogenannte Papiere erarbeitet werden. Das sind bereits die verbindlichen Dokumente, die am Ende erarbeitet werden (Gesetzentwürfe, Empfehlungen, was auch immer). Papiere sind ebenfalls noch diskutierbar und bewertbar. So können sie bis zu einem offiziell verabschiedeten Stand optimiert werden. Das gesamte Prozedere erinnert stark an den Prozess, den technische <a href="http://www.w3.org/TR/">Empfehlungen (Recommendations) beim W3-Konsortium</a> durchlaufen. Mit dem Unterschied, dass das Prozedere vollständig in einer Web-Plattform abgebildet und dokumentiert wird.</p> <p>Die Enquete-Installation von Adhocracy ist allerdings noch weit entfernt von einem Einsatz als verbindliches Instrument offizieller bürgerlicher Mitbestimmung. Ähnlich wie bei Facebook oder anderswo kann sich jeder anmelden, auch Fake-Accounts anlegen. Es gibt keine Verfizierung von Alter, Staatsangehörigkeit usw. Auch wie durch das Prinzip einfacher Forums-Threads Themen mit großer Massenbeteiligung bewältigt werden sollen, lässt der erste Eindruck von Adhocracy offen. Eventuell sind ja Alternativen wie <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:64">Votorola</a>, die mit Delegationsmöglichkeiten arbeiten, diesbezüglich besser geeignet. Wichtig ist, dass wir überhaupt eine Diskussion über solche Fragen bekommen, statt weiter unter postdemokratischen Machtstrukturen zu leiden und den Untergang der Beteiligungskultur schulterzuckend hinzunehmen.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:102</guid>
				<title>Die Wahrheits-Wikis</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:102</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:102/wiki-truth.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 119px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;wiki-truth.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Wikileaks, GuttenPlag, Lobbypedia: Wikis scheinen sich als Organisationsform zur Aufdeckung von Wahrheit besonders gut zu eignen.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am 03.03.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Dass Wikis nicht nur geeignet sind, um enzyklopädisches Wissen zu sammeln, wussten Insider schon lange. Dass sie allerdings auch als Enthüllungs- und Entlarvungsinstrument taugen, hätte wohl kaum jemand gedacht. Seit &lt;a href=&quot;http://www.wikileaks.org/&quot;&gt;Wikileaks&lt;/a&gt; ist diese Gedankenverbindung jedoch hergestellt, und spätestens mit dem überraschenden Erfolg des &lt;a href=&quot;http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki&quot;&gt;GuttenPlag-Wikis&lt;/a&gt; ist klar geworden: Wikis sind das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, gemeinsam mit vielen Usern öffentlich Fakten und Belege für oder gegen etwas zu sammeln. Denn Wikis sind nicht nur einfach Publikationwerkzeuge für Daten, sondern sie ermöglichen auch Einzeldiskussionen zu jedem Topic, und jeder Edit-Vorgang einer Wiki-Seite wird zu einer Version im eingebauten &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Repository&quot;&gt;Repository&lt;/a&gt;. Wiki-Systeme verfügen also über integrierte Instrumente zur Selbstkontrolle. Gerade bei Edit-Vorgängen rund um ein emotional hochkochendes Thema wie etwa die Doktorarbeit zu Guttenbergs sind solche Instrumente zur Selbstkontrolle unerlässlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Wikileaks betrifft, so ist der Name Wiki jedoch längst irreführend. Zwar setzte WikiLeaks ursprünglich &lt;a href=&quot;http://www.mediawiki.org/wiki/MediaWiki/de&quot;&gt;MediaWiki&lt;/a&gt; ein, also die Wiki-Software, die auch hinter Wikipedia steckt. Doch seit 2009 ist man bei Wikileaks vom ursprünglichen Wiki-Konzept abgerückt. Es begann damit, dass das bisherige Webangebot über Monate hinweg nicht verfügbar war, weil Wikileaks Spenden zur Weiterfinanzierung sammelte. Im Mai 2010 nahm Wikileaks dann zwar zunächst &lt;a href=&quot;http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikileaks-wieder-im-Normalbetrieb-Update-1003053.html&quot;&gt;seinen bis dahin gewohnten Betrieb&lt;/a&gt; wieder auf. Doch was dort als baldige Software-Verbesserung angekündigt wurde, entpuppte sich schließlich als Abkehr vom Wiki-Konzept. Ruft man Wikileaks heute auf, kann man zwar immer noch vereinzelt auf MediaWiki-Seiten landen, meistens aber auf anderen, oft nur statischen HTML-Seiten. Es gibt keine echte, jederzeit verfügbare Einsicht mehr in veröffentlichte Leak-Dokumente. Die Webpräsenz von Wikileaks ist seit dem Wirbel um Julian Assange ähnlich chaotisch und wirr wie der Trubel um den Gründer selbst. Eine verlässliche Plattform ist Wikileaks nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das möchte die Alternativ-Plattform &lt;a href=&quot;http://openleaks.org/&quot;&gt;OpenLeaks&lt;/a&gt; werden. Doch auch diese wird wohl kein Wiki-Konzept verfolgen. In den &lt;a href=&quot;http://openleaks.org/content/faq.shtml&quot;&gt;FAQ&lt;/a&gt; heißt es klipp und klar, dass man keine Leak-Dokumente direkt zu veröffentlichen plane, sondern sich lediglich als verlässlichen Makler zwischen &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Whistleblower&quot;&gt;Whistleblowern&lt;/a&gt; und Zielgruppen wie investigative Journalisten bestimmter Magazine betrachte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Whistleblower-/Leaks-Bereich haben sich Wikis und eine vollkommen öffentliche Einsehbarkeit also einstweilen als zu brisant und gefährlich erwiesen. Das muss aber nicht unbedingt immer so bleiben. Der Trend zur Transparenz ist ungebrochen. Er wird früher oder später vermutlich neue Versuche gebären, vertrauliche, aber für eine sich selber aufklärende Öffentlichkeit wichtige Inhalte gegen den Willen der ursprünglichen Sender und Empfänger online bereitzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unterdessen ist mit dem &lt;a href=&quot;http://de.guttenplag.wikia.com/&quot;&gt;GuttenPlag-Wiki&lt;/a&gt; eine neue Form der Wiki-Nutzung bekannt geworden, die durchaus große Chancen hat, ein wichtiges Regulativ in der Öffentlichkeit der Zukunft zu spielen. Das disziplinierte und von vielen, vor allem jungen Usern perfekt beherrschte &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing&quot;&gt;Crowdsourcing&lt;/a&gt; hat binnen weniger Tage eine Redaktionsleistung erbracht, zu der ein fachkompetentes Untersuchungsgremium sonst viele Wochen brauchen würde. Doch das Wichtigste ist: die Ergebnisse sind öffentlich für jeden interessierten User bis in alle Details einsehbar. Das ist ein gewaltiger Unterschied zum veröffentlichten, zusammenfassenden Ergebnisreport eines Untersuchungsgremiums, dem man letztlich auch wieder nur vertrauen muss. Die Kette der Missbrauchsmöglichkeiten und der möglicherweise „gekauften“ Beteiligten im Aufklärungsprozess ist plötzlich unterbrochen. Es steht nichts und niemand mehr zwischen dir, dem End-User, und dem umstrittenen Dokument, sowie den Texten, die es umstritten machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das GuttenPlag-Wiki ist dabei alles andere als ein Insider-Dokument. Die Autoren haben sich sichtlich bemüht, die Inhalte des auf der Wikifarm &lt;a href=&quot;http://www.wikia.com/Wikia&quot;&gt;Wikia&lt;/a&gt; gehosteten Wikis auf verschiedenen Wegen leicht zugänglich und auffindbar zu machen. Für den schnellen Einstieg gibt es beispielsweise die &lt;a href=&quot;http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Herausragende_Fundstellen&quot;&gt;Herausragenden Fundstellen&lt;/a&gt;, und für systematischere Recherchen ein einfache &lt;a href=&quot;http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate&quot;&gt;Liste aller Fundstellen&lt;/a&gt;. Die systematischen Übersichten aller Fundstellen werden außerdem &lt;a href=&quot;http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Visualisierungen&quot;&gt;in verschiedenen Formen visualisiert&lt;/a&gt;. Da haben sich zweifellos Spielkinder ausgetobt, die richtig Spaß an der Sache hatten. Doch sie waren hochmotiviert, und die Motivation trieb sie auch zu hochgradig genauem Arbeiten. Jeder Besucher, der sich eine viertel oder halbe Stunde Zeit nimmt, kann sich genügend Fundstellen ansehen, um sich selber ein Bild der Plagiatausmaße zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der überwältigende Erfolg des GuttenPlag-Wikis, dessen schonungslose Offenlegungen vor allem Journalisten und Wissenschaftler erregte, was letztlich den Sturz zu Guttenbergs einleitete, blieb nicht folgenlos. Das Konzept wurde kurzerhand verallgemeinert, und als Ergebnis ging das &lt;a href=&quot;http://de.plagipedi.wikia.com/wiki/PlagiPedi_Wiki&quot;&gt;PlagiPedi-Wiki&lt;/a&gt; ans Netz. „&lt;em&gt;Lasst uns daher zusammenarbeiten und erst einmal grob überprüfen, ob es sich hierbei um einen bedauerlichen Einzelfall handelt, oder ob Herr Guttenberg in trauriger Gesellschaft weilt. Dieses Wiki soll die Bemühungen all jener organisieren, die das Ziel eines integren wissenschaftlichen Abschlusses von Persönlichkeiten überprüfen wollen, die in herausragenden verantwortungsvollen Positionen unserer Gesellschaft stehen.&lt;/em&gt;“ - so die Ankündigung kurz nach dem Rücktritt zu Guttenbergs. Die &lt;a href=&quot;http://de.plagipedi.wikia.com/wiki/Liste_der_zur_%C3%9Cberpr%C3%BCfung_vorgeschlagenen_Arbeiten&quot;&gt;Liste der zur Überprüfung vorgeschlagenen Arbeiten&lt;/a&gt; liest sich wie ein Who is Who der deutschen Repräsentanten-Liga.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ob das Ziel, all diese Dissertationen zu analysieren, tatsächlich gelingt, muss sich aber erst noch zeigen. Die Autoren der vorgeschlagenen Arbeiten sind zwar einflussreiche öffentliche Personen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Kirchen, doch sie haben nicht unbedingt das Charisma und die Medienöffentlichkeit eines zu Guttenberg. Das könnte schnell demotivierend wirken. Andererseits ist es kein Sysiphos-Aufwand, Arbeiten, deren Text erst mal elektronisch vorliegt, einer schnellen, software-basierten Verdachtsprüfung zu unterziehen. Die Mitstreiter des PlagiPedi-Wikis werden dazu wohl vor allem auf den Webservice von &lt;a href=&quot;http://www.plagscan.com/&quot;&gt;PlagScan&lt;/a&gt; setzen, der sich beim GuttenPlag-Wiki bewährt hat. Der sonst kostenpflichtige Service möchte dem PlagiPedi-Wiki offenbar freie Ressourcen einzuräumen - wovon der Service selbst wieder profitiert, da er dadurch bekannter wird. Denn würden alle Dissertationen solche Checks durchlaufen, wären Patchwork-Arbeiten wie die von zu Guttenberg gar nicht mehr möglich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Plagiat-Dokumentation von Doktorarbeiten sind natürlich längst nicht der einzige mögliche Einsatzzweck investigativer Wikis. Ein anderes Beispiel ist die 2010 gestartete &lt;a href=&quot;http://www.lobbypedia.de/&quot;&gt;Lobbypedia&lt;/a&gt;. In diesem Wiki geht es darum, wer wie wann im Hintergrund politische und gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst. Getragen wird das Projekt von einem unabhängigen Verein. Derzeit (März 2011) besteht es noch aus einem kleinen, festen Autorenteam, das für Struktur und Inhalte des Wikis sorgt. Nach und nach sollen jedoch auch andere Autoren zugelassen werden. Ein aktueller Schwerpunkt liegt im Öffentlichmachen der Planungs- und Durchsetzungszusammenhänge rund um das &lt;a href=&quot;http://www.lobbypedia.de/index.php/Kategorie:Stuttgart_21&quot;&gt;Stuttgart21-Projekt&lt;/a&gt;. Ein spektakulärer Aufdeckungs-Clou ist Lobbypedia bislang freilich noch nicht gelungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beispiele von GuttenPlag/PlagiPedi und Lobbypedia gehen also durchaus unterschiedliche Wege, auch wenn sie ähnlich motiviert sind. Das Plagiat-Projekt setzt auf Crowdsourcing, während das Lobbypedia-Projekt die Arbeit eines engagierten, freiwilligen Redaktionsteams bevorzugt. In spektakuären Fällen wie der Dissertation des Barons liefert Crowdsourcing wie sich gezeigt unerreichbar schnelle und überzeugende Ergebnisse. Redaktionsteams wie bei Lobbypedia können dagegen eher beim Verfolgen jahrelang andauernder Prozesse punkten, wie beispielsweise dem S21-Projekt. Im Bereich Whistleblowing/Leaking-Dokumentation ist das öffentliche Bereitstellen von Inhalten in Wikis bei typischen Anbietern wie Wikileaks oder OpenLeaks derzeit erst mal auf Eis gelegt. Es wird sich zeigen, ob das der einzig richtige Weg ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eines steht in jedem Fall fest: die Wahrheits-Wikis sind ein neuer, fester Bestandteil der Netzkultur, und ihr Einfluss auf das Weltgeschehen wird wachsen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Danke an &lt;a href=&quot;http://twitter.com/editorei&quot;&gt;@editorei&lt;/a&gt; wegen dem Hinweis auf Lobbypedia!&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 21:57:42 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:102/wiki-truth.png" style="width: 120px; height: 119px; float: left; margin-right: 15px;" alt="wiki-truth.png" class="image" /> Wikileaks, GuttenPlag, Lobbypedia: Wikis scheinen sich als Organisationsform zur Aufdeckung von Wahrheit besonders gut zu eignen.<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am 03.03.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Dass Wikis nicht nur geeignet sind, um enzyklopädisches Wissen zu sammeln, wussten Insider schon lange. Dass sie allerdings auch als Enthüllungs- und Entlarvungsinstrument taugen, hätte wohl kaum jemand gedacht. Seit <a href="http://www.wikileaks.org/">Wikileaks</a> ist diese Gedankenverbindung jedoch hergestellt, und spätestens mit dem überraschenden Erfolg des <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki">GuttenPlag-Wikis</a> ist klar geworden: Wikis sind das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, gemeinsam mit vielen Usern öffentlich Fakten und Belege für oder gegen etwas zu sammeln. Denn Wikis sind nicht nur einfach Publikationwerkzeuge für Daten, sondern sie ermöglichen auch Einzeldiskussionen zu jedem Topic, und jeder Edit-Vorgang einer Wiki-Seite wird zu einer Version im eingebauten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Repository">Repository</a>. Wiki-Systeme verfügen also über integrierte Instrumente zur Selbstkontrolle. Gerade bei Edit-Vorgängen rund um ein emotional hochkochendes Thema wie etwa die Doktorarbeit zu Guttenbergs sind solche Instrumente zur Selbstkontrolle unerlässlich.</p> <p>Was Wikileaks betrifft, so ist der Name Wiki jedoch längst irreführend. Zwar setzte WikiLeaks ursprünglich <a href="http://www.mediawiki.org/wiki/MediaWiki/de">MediaWiki</a> ein, also die Wiki-Software, die auch hinter Wikipedia steckt. Doch seit 2009 ist man bei Wikileaks vom ursprünglichen Wiki-Konzept abgerückt. Es begann damit, dass das bisherige Webangebot über Monate hinweg nicht verfügbar war, weil Wikileaks Spenden zur Weiterfinanzierung sammelte. Im Mai 2010 nahm Wikileaks dann zwar zunächst <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikileaks-wieder-im-Normalbetrieb-Update-1003053.html">seinen bis dahin gewohnten Betrieb</a> wieder auf. Doch was dort als baldige Software-Verbesserung angekündigt wurde, entpuppte sich schließlich als Abkehr vom Wiki-Konzept. Ruft man Wikileaks heute auf, kann man zwar immer noch vereinzelt auf MediaWiki-Seiten landen, meistens aber auf anderen, oft nur statischen HTML-Seiten. Es gibt keine echte, jederzeit verfügbare Einsicht mehr in veröffentlichte Leak-Dokumente. Die Webpräsenz von Wikileaks ist seit dem Wirbel um Julian Assange ähnlich chaotisch und wirr wie der Trubel um den Gründer selbst. Eine verlässliche Plattform ist Wikileaks nicht mehr.</p> <p>Genau das möchte die Alternativ-Plattform <a href="http://openleaks.org/">OpenLeaks</a> werden. Doch auch diese wird wohl kein Wiki-Konzept verfolgen. In den <a href="http://openleaks.org/content/faq.shtml">FAQ</a> heißt es klipp und klar, dass man keine Leak-Dokumente direkt zu veröffentlichen plane, sondern sich lediglich als verlässlichen Makler zwischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Whistleblower">Whistleblowern</a> und Zielgruppen wie investigative Journalisten bestimmter Magazine betrachte.</p> <p>Im Whistleblower-/Leaks-Bereich haben sich Wikis und eine vollkommen öffentliche Einsehbarkeit also einstweilen als zu brisant und gefährlich erwiesen. Das muss aber nicht unbedingt immer so bleiben. Der Trend zur Transparenz ist ungebrochen. Er wird früher oder später vermutlich neue Versuche gebären, vertrauliche, aber für eine sich selber aufklärende Öffentlichkeit wichtige Inhalte gegen den Willen der ursprünglichen Sender und Empfänger online bereitzustellen.</p> <p>Unterdessen ist mit dem <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/">GuttenPlag-Wiki</a> eine neue Form der Wiki-Nutzung bekannt geworden, die durchaus große Chancen hat, ein wichtiges Regulativ in der Öffentlichkeit der Zukunft zu spielen. Das disziplinierte und von vielen, vor allem jungen Usern perfekt beherrschte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing">Crowdsourcing</a> hat binnen weniger Tage eine Redaktionsleistung erbracht, zu der ein fachkompetentes Untersuchungsgremium sonst viele Wochen brauchen würde. Doch das Wichtigste ist: die Ergebnisse sind öffentlich für jeden interessierten User bis in alle Details einsehbar. Das ist ein gewaltiger Unterschied zum veröffentlichten, zusammenfassenden Ergebnisreport eines Untersuchungsgremiums, dem man letztlich auch wieder nur vertrauen muss. Die Kette der Missbrauchsmöglichkeiten und der möglicherweise „gekauften“ Beteiligten im Aufklärungsprozess ist plötzlich unterbrochen. Es steht nichts und niemand mehr zwischen dir, dem End-User, und dem umstrittenen Dokument, sowie den Texten, die es umstritten machen.</p> <p>Das GuttenPlag-Wiki ist dabei alles andere als ein Insider-Dokument. Die Autoren haben sich sichtlich bemüht, die Inhalte des auf der Wikifarm <a href="http://www.wikia.com/Wikia">Wikia</a> gehosteten Wikis auf verschiedenen Wegen leicht zugänglich und auffindbar zu machen. Für den schnellen Einstieg gibt es beispielsweise die <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Herausragende_Fundstellen">Herausragenden Fundstellen</a>, und für systematischere Recherchen ein einfache <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate">Liste aller Fundstellen</a>. Die systematischen Übersichten aller Fundstellen werden außerdem <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Visualisierungen">in verschiedenen Formen visualisiert</a>. Da haben sich zweifellos Spielkinder ausgetobt, die richtig Spaß an der Sache hatten. Doch sie waren hochmotiviert, und die Motivation trieb sie auch zu hochgradig genauem Arbeiten. Jeder Besucher, der sich eine viertel oder halbe Stunde Zeit nimmt, kann sich genügend Fundstellen ansehen, um sich selber ein Bild der Plagiatausmaße zu machen.</p> <p>Der überwältigende Erfolg des GuttenPlag-Wikis, dessen schonungslose Offenlegungen vor allem Journalisten und Wissenschaftler erregte, was letztlich den Sturz zu Guttenbergs einleitete, blieb nicht folgenlos. Das Konzept wurde kurzerhand verallgemeinert, und als Ergebnis ging das <a href="http://de.plagipedi.wikia.com/wiki/PlagiPedi_Wiki">PlagiPedi-Wiki</a> ans Netz. „<em>Lasst uns daher zusammenarbeiten und erst einmal grob überprüfen, ob es sich hierbei um einen bedauerlichen Einzelfall handelt, oder ob Herr Guttenberg in trauriger Gesellschaft weilt. Dieses Wiki soll die Bemühungen all jener organisieren, die das Ziel eines integren wissenschaftlichen Abschlusses von Persönlichkeiten überprüfen wollen, die in herausragenden verantwortungsvollen Positionen unserer Gesellschaft stehen.</em>“ - so die Ankündigung kurz nach dem Rücktritt zu Guttenbergs. Die <a href="http://de.plagipedi.wikia.com/wiki/Liste_der_zur_%C3%9Cberpr%C3%BCfung_vorgeschlagenen_Arbeiten">Liste der zur Überprüfung vorgeschlagenen Arbeiten</a> liest sich wie ein Who is Who der deutschen Repräsentanten-Liga.</p> <p>Ob das Ziel, all diese Dissertationen zu analysieren, tatsächlich gelingt, muss sich aber erst noch zeigen. Die Autoren der vorgeschlagenen Arbeiten sind zwar einflussreiche öffentliche Personen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Kirchen, doch sie haben nicht unbedingt das Charisma und die Medienöffentlichkeit eines zu Guttenberg. Das könnte schnell demotivierend wirken. Andererseits ist es kein Sysiphos-Aufwand, Arbeiten, deren Text erst mal elektronisch vorliegt, einer schnellen, software-basierten Verdachtsprüfung zu unterziehen. Die Mitstreiter des PlagiPedi-Wikis werden dazu wohl vor allem auf den Webservice von <a href="http://www.plagscan.com/">PlagScan</a> setzen, der sich beim GuttenPlag-Wiki bewährt hat. Der sonst kostenpflichtige Service möchte dem PlagiPedi-Wiki offenbar freie Ressourcen einzuräumen - wovon der Service selbst wieder profitiert, da er dadurch bekannter wird. Denn würden alle Dissertationen solche Checks durchlaufen, wären Patchwork-Arbeiten wie die von zu Guttenberg gar nicht mehr möglich.</p> <p>Plagiat-Dokumentation von Doktorarbeiten sind natürlich längst nicht der einzige mögliche Einsatzzweck investigativer Wikis. Ein anderes Beispiel ist die 2010 gestartete <a href="http://www.lobbypedia.de/">Lobbypedia</a>. In diesem Wiki geht es darum, wer wie wann im Hintergrund politische und gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst. Getragen wird das Projekt von einem unabhängigen Verein. Derzeit (März 2011) besteht es noch aus einem kleinen, festen Autorenteam, das für Struktur und Inhalte des Wikis sorgt. Nach und nach sollen jedoch auch andere Autoren zugelassen werden. Ein aktueller Schwerpunkt liegt im Öffentlichmachen der Planungs- und Durchsetzungszusammenhänge rund um das <a href="http://www.lobbypedia.de/index.php/Kategorie:Stuttgart_21">Stuttgart21-Projekt</a>. Ein spektakulärer Aufdeckungs-Clou ist Lobbypedia bislang freilich noch nicht gelungen.</p> <p>Die Beispiele von GuttenPlag/PlagiPedi und Lobbypedia gehen also durchaus unterschiedliche Wege, auch wenn sie ähnlich motiviert sind. Das Plagiat-Projekt setzt auf Crowdsourcing, während das Lobbypedia-Projekt die Arbeit eines engagierten, freiwilligen Redaktionsteams bevorzugt. In spektakuären Fällen wie der Dissertation des Barons liefert Crowdsourcing wie sich gezeigt unerreichbar schnelle und überzeugende Ergebnisse. Redaktionsteams wie bei Lobbypedia können dagegen eher beim Verfolgen jahrelang andauernder Prozesse punkten, wie beispielsweise dem S21-Projekt. Im Bereich Whistleblowing/Leaking-Dokumentation ist das öffentliche Bereitstellen von Inhalten in Wikis bei typischen Anbietern wie Wikileaks oder OpenLeaks derzeit erst mal auf Eis gelegt. Es wird sich zeigen, ob das der einzig richtige Weg ist.</p> <p>Eines steht in jedem Fall fest: die Wahrheits-Wikis sind ein neuer, fester Bestandteil der Netzkultur, und ihr Einfluss auf das Weltgeschehen wird wachsen.</p> <p><em>Danke an <a href="http://twitter.com/editorei">@editorei</a> wegen dem Hinweis auf Lobbypedia!</em></p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:101</guid>
				<title>Demokratie? Absteigende Tendenz! Sex? Exponentielles Wachstum!</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:101</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 90px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;ngram-viewer.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Schonungslosigkeiten, präsentiert vom Google Ngram Viewer, einem kaum bekannten Instrument.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am 27.02.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Eigentlich ist der [&lt;a href=&quot;http://ngrams.googlelabs.com/&quot;&gt;http://ngrams.googlelabs.com/&lt;/a&gt; Google Ngram Viewer, wieder mal so ein Schätzchen aus den Tiefen der Google Labs, ein seriöses Werkzeug, das etwa bei journalistischen oder wissenschaftlichen Recherchen durchaus nützliche Dienste leisten kann. Deshalb soll es hier ja auch vorgestellt werden. Darüber hinaus eignet es sich aber auch für knackige Knalleffekte, etwa zur Untermauerung einer sonst nicht tiefer begründeten These eines Tweets.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beispiele aus dem Titel dieses Artikels sind schnell nachgebaut: einfach im Eingabefeld der ersten Zeile ein Wort wie &lt;em&gt;Demokratie&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Sex&lt;/em&gt; eingeben, in der zweiten Zeile den Zeitraum, z.B. von 1900 bis 2011 angeben (2011 wird in der Auswertung allerdings automatisch zu 2008 verändert), als Corpus (Sprachraum) German auswählen (sinnvollerweise abhängig vom Suchwort), dann noch bei &lt;em&gt;Smoothing&lt;/em&gt; die Feinkurvengenauigkeit einstellen und am Ende &amp;lt;Enter&amp;gt; drücken.&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-1.png&quot; style=&quot;width: 620px; height: 357px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-2.png&quot; style=&quot;width: 627px; height: 354px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Indem man mehrere Wörter, durch Kommata getrennt, ins Eingabefeld der ersten Zeile eingibt, lassen sich auch mehrere Kurven in Beziehung setzen. Als Beispiel möge hier die Verteilung der Verwendung der Abkürzungen AIDS vs. HIV dienen. Die Kurven zeigen sehr gut, wie sich der Sprachgebrauch seit 1980 von AIDS weg und hin zu Ausdrücken wie HIV-Infektion verschiebt:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-3.png&quot; style=&quot;width: 627px; height: 359px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Visualisierungen des Books Ngram Viewers basieren auf dem Datenbestand von &lt;a href=&quot;http://books.google.com/&quot;&gt;Google Books&lt;/a&gt;. Konkret werden derzeit etwa 500 Milliarden Wörter aus 5,2 Millionen Büchern in Chinesisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch und Spanisch berücksichtigt (Quelle: &lt;a href=&quot;http://google-produkt-kompass.blogspot.com/2011/02/mein-lieblingsspielzeug-aus-dem-labor.html&quot;&gt;Google Produkt-Kompass&lt;/a&gt;). Die absoluten Zahlen der Y-Achse der Ngram-Viewer-Diagramme sind auch eigentlich nicht weiter interessant. Entscheidend sind die Trends, die sich aus Kurvenverläufen ablesen lassen. Dabei sind natürlich viele Faktoren zu berücksichtigen, etwa der, dass die Buchproduktion und damit die Zahl gedruckter Wörter insgesamt inflationär zunimmt - steigende Kurven stellen deshalb in den Diagrammen den Normalfall dar. Background-Wissen hilft überdies bei gezielten Suchen, wie das folgende Beispiel zeigt:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-4.png&quot; style=&quot;width: 627px; height: 356px;&quot; alt=&quot;&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Das Beispiel zeigt das Ergebnis einer Suche nach dem Ausdruck a rose is a rose im englischen Korpus zwischen den Jahren 1913 und der Gegenwart, basierend auf der Kenntnis des Code-Wort-artigen Ausdrucks &lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Rose_is_a_rose_is_a_rose_is_a_rose&quot;&gt;Rose is a rose is a rose is a rose&lt;/a&gt;, der 1913 von der Schriftstellerin Gertrude geprägt wurde und in der philosophischen Literatur, Abteilung Erkenntnistheorie, häufig aufgegriffen wurde. Dabei wird, wie die Kurve zeigt, allerdings deutlich, dass der Bezug auf den Ausdruck vor allem von den 40er bis 60er Jahren des 20. Jahrhunderts stark anzog, während er seit 1990 deutlich nachlässt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durchsucht werden beim Starten einer Visualisierungsanfrage nicht wirklich alle digitalisierten Bücher, sondern sogenannte Data Sets. Google bietet sogar den &lt;a href=&quot;http://ngrams.googlelabs.com/datasets&quot;&gt;Download der Data Sets an&lt;/a&gt;, vorausgesetzt, man hat Freude daran, etliche Gigabyte an nackten CSV-Dateien herunterzuladen. Die Data Sets werden von Google laufend aktualisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Google Ngram Viewer ist zweifellos ein zwiespätiges Instrument. Es kann zum Ermitteln begründeter Einschätzungen dienen, aber natürlich auch zum Erstellen verbogener Statistiken. Interessant und unterhaltsam ist es allemal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 21:40:43 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer.png" style="width: 120px; height: 90px; float: left; margin-right: 15px;" alt="ngram-viewer.png" class="image" /> Schonungslosigkeiten, präsentiert vom Google Ngram Viewer, einem kaum bekannten Instrument.<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am 27.02.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Eigentlich ist der [<a href="http://ngrams.googlelabs.com/">http://ngrams.googlelabs.com/</a> Google Ngram Viewer, wieder mal so ein Schätzchen aus den Tiefen der Google Labs, ein seriöses Werkzeug, das etwa bei journalistischen oder wissenschaftlichen Recherchen durchaus nützliche Dienste leisten kann. Deshalb soll es hier ja auch vorgestellt werden. Darüber hinaus eignet es sich aber auch für knackige Knalleffekte, etwa zur Untermauerung einer sonst nicht tiefer begründeten These eines Tweets.</p> <p>Die Beispiele aus dem Titel dieses Artikels sind schnell nachgebaut: einfach im Eingabefeld der ersten Zeile ein Wort wie <em>Demokratie</em> oder <em>Sex</em> eingeben, in der zweiten Zeile den Zeitraum, z.B. von 1900 bis 2011 angeben (2011 wird in der Auswertung allerdings automatisch zu 2008 verändert), als Corpus (Sprachraum) German auswählen (sinnvollerweise abhängig vom Suchwort), dann noch bei <em>Smoothing</em> die Feinkurvengenauigkeit einstellen und am Ende &lt;Enter&gt; drücken.</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-1.png" style="width: 620px; height: 357px;" alt="" class="image" /></div> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-2.png" style="width: 627px; height: 354px;" alt="" class="image" /></div> <p>Indem man mehrere Wörter, durch Kommata getrennt, ins Eingabefeld der ersten Zeile eingibt, lassen sich auch mehrere Kurven in Beziehung setzen. Als Beispiel möge hier die Verteilung der Verwendung der Abkürzungen AIDS vs. HIV dienen. Die Kurven zeigen sehr gut, wie sich der Sprachgebrauch seit 1980 von AIDS weg und hin zu Ausdrücken wie HIV-Infektion verschiebt:</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-3.png" style="width: 627px; height: 359px;" alt="" class="image" /></div> <p>Die Visualisierungen des Books Ngram Viewers basieren auf dem Datenbestand von <a href="http://books.google.com/">Google Books</a>. Konkret werden derzeit etwa 500 Milliarden Wörter aus 5,2 Millionen Büchern in Chinesisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch und Spanisch berücksichtigt (Quelle: <a href="http://google-produkt-kompass.blogspot.com/2011/02/mein-lieblingsspielzeug-aus-dem-labor.html">Google Produkt-Kompass</a>). Die absoluten Zahlen der Y-Achse der Ngram-Viewer-Diagramme sind auch eigentlich nicht weiter interessant. Entscheidend sind die Trends, die sich aus Kurvenverläufen ablesen lassen. Dabei sind natürlich viele Faktoren zu berücksichtigen, etwa der, dass die Buchproduktion und damit die Zahl gedruckter Wörter insgesamt inflationär zunimmt - steigende Kurven stellen deshalb in den Diagrammen den Normalfall dar. Background-Wissen hilft überdies bei gezielten Suchen, wie das folgende Beispiel zeigt:</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:101/ngram-viewer-4.png" style="width: 627px; height: 356px;" alt="" class="image" /></div> <p>Das Beispiel zeigt das Ergebnis einer Suche nach dem Ausdruck a rose is a rose im englischen Korpus zwischen den Jahren 1913 und der Gegenwart, basierend auf der Kenntnis des Code-Wort-artigen Ausdrucks <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rose_is_a_rose_is_a_rose_is_a_rose">Rose is a rose is a rose is a rose</a>, der 1913 von der Schriftstellerin Gertrude geprägt wurde und in der philosophischen Literatur, Abteilung Erkenntnistheorie, häufig aufgegriffen wurde. Dabei wird, wie die Kurve zeigt, allerdings deutlich, dass der Bezug auf den Ausdruck vor allem von den 40er bis 60er Jahren des 20. Jahrhunderts stark anzog, während er seit 1990 deutlich nachlässt.</p> <p>Durchsucht werden beim Starten einer Visualisierungsanfrage nicht wirklich alle digitalisierten Bücher, sondern sogenannte Data Sets. Google bietet sogar den <a href="http://ngrams.googlelabs.com/datasets">Download der Data Sets an</a>, vorausgesetzt, man hat Freude daran, etliche Gigabyte an nackten CSV-Dateien herunterzuladen. Die Data Sets werden von Google laufend aktualisiert.</p> <p>Der Google Ngram Viewer ist zweifellos ein zwiespätiges Instrument. Es kann zum Ermitteln begründeter Einschätzungen dienen, aber natürlich auch zum Erstellen verbogener Statistiken. Interessant und unterhaltsam ist es allemal.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940872" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
				 	]]>
				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:100</guid>
				<title>Der lange Abschied vom „toten“ Standard</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:100</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:100/html-not-5.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 146px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;html-not-5.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Wie Ian Hickson, der gebürtige Schweizer und bei Google beschäftigte Federführer von HTML(5), das W3C ins Abseits drängt.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am: 25.02.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„Es ist so, dass trotz der Bitte, uns HTML beim W3C entwickeln zu lassen, &lt;a href=&quot;http://www.w3.org/2004/04/webapps-cdf-ws/summary&quot;&gt;das W3C Nein dazu gesagt hat&lt;/a&gt;, sodass wir &lt;a href=&quot;http://www.whatwg.org/mailing-list#specs&quot;&gt;eine Mailing-Liste&lt;/a&gt; außerhalb des W3C gründeten und es dort taten, und dann, ein paar Jahre später, &lt;a href=&quot;http://dig.csail.mit.edu/breadcrumbs/node/166&quot;&gt;fragte das W3C&lt;/a&gt; ob sie mit uns zusammenarbeiten können, also sagten wir Ja, und nun wird die Spec gemeinsam entwickelt. (Wenngleich man oft das Gefühl hat, als würde das Personal beim W3C sich wohler fühlen wenn sie die alleinverantwortliche Seite wären, statt mit einer anderen zusammenzuarbeiten.)“&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Dieses Zitat von Ian Hickson ist dem dieser Tage erschienenen Artikel &lt;a href=&quot;http://annevankesteren.nl/2011/02/html-development&quot;&gt;WHATWG, W3C, and HTML&lt;/a&gt; von Anne van Kesteren entnommen und übersetzt. Der Niederländer Anne van Kesteren, Webstandards-Experte bei Opera, ist trotz seines jugendlichen Alters (Jahrgang 1986) seit 2003 hautnah am Geschehen rund um die Standardisierungsprozesse von HTML, XHTML, XML und CSS. Sein &lt;a href=&quot;http://annevankesteren.nl/archives&quot;&gt;Blog&lt;/a&gt; ist voll von Artikeln aus erster Hand rund um den Fortschritt der grundlegenden Webtechnologien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch er (Ian Hickson), so kommt der Federführer von HTML5 im van-Kesteren-Artikel weiter zu Wort, würde am liebsten ein HTML entwickeln, das seinen persönlichen Visionen vom Web entspricht. Unglücklicherweise müsse sich die Entwicklung jedoch an der Realität orientieren. Wieder so ein deutlicher Seitenhieb auf die von Hickson angeprangerte Praxisferne des W3C. Erst kürzlich hatte der &lt;a href=&quot;http://ian.hixie.ch/&quot;&gt;Spielzeugeisenbahnliebhaber und Google-Mitarbeiter Hickson&lt;/a&gt; in dem Artikel &lt;a href=&quot;http://blog.whatwg.org/html-is-the-new-html5&quot;&gt;HTML is the new HTML5&lt;/a&gt; erklärt, dass die HTML-Spezifikation bei der WHATWG fortan ein lebender Standard ohne festgeschriebene Zustände sein werde:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„1. Die HTML-Spezifikation wird ab sofort &#039;HTML&#039; genannt, mit der URL &lt;a href=&quot;http://whatwg.org/html&quot;&gt;http://whatwg.org/html&lt;/a&gt;. (Wir werden auch die Spezifikation Web Applications 1.0 weiter pflegen, die HTML und eine Reihe von angeschlossenen APIs wie Webstorage, Webworkers und serverseitig gesendete Ereignisse enthält.)&lt;br /&gt;
2. Die HTML-Spec der WHATWG kann nun als &#039;lebender Standard&#039; betrachtet werden. Sie ist ausgereifter als als alle Versionen der bisherigen HTML-Spezifikation, und deshalb finden wir es nicht mehr sinnvoll, sie nur als Entwurf zu behandeln. Wir werden nicht länger dem &#039;Schnappschuss&#039;-Modell der Spec-Entwicklung folgen, mit Gelegenheiten wie &#039;Aufforderung zum Kommentieren&#039;, &#039;Aufforderung für Implementierungen&#039; usw.“&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Das wiederum war eine Reaktion auf die etwas merkwürdige Aktion des W3-Konsortiums gewesen, HTML5 wie einen neuen, für 2014 als Recommendation (offizielle W3C-Empfehlung) geplanten Messias zu feiern - mit einem &lt;a href=&quot;http://www.w3.org/html/logo/&quot;&gt;Ritterschild-Logo und theatralischen Worten&lt;/a&gt;, die ins Deutsche übersetzt ganz und gar gruselig klingen: „&lt;em&gt;Es steht stark und wahrhaftig, unverwüstlich und universell, genau wie das Markup, das du schreibst. Es strahlt so leuchtend und kräftig wie die worwärts denkenden, engagierten Web-Developer, die ihr seid. Es ist der Standard der Standards, der Wimpel für den Fortschritt.&lt;/em&gt;“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau diese Überbetonung des ehernen Standards ist es, an der Hickson seit Jahren nagt. Allein steht er damit keinesfalls. Viele Webentwickler da draußen sehen die Sache genauso. Artikel wie &lt;a href=&quot;http://sommergut.de/wp/archives/w3c-auf-dem-weg-in-den-akademischen-elfenbeinturm/&quot;&gt;W3C auf dem Weg in den akademischen Elfenbeinturm&lt;/a&gt; (Wolfgang Sommergut, 2004) sorgten bereits vor Jahren dafür, dass der zuvor mühsam aufgebaute Respekt vor den W3C-Standards wieder ins Wanken geriet. Dabei sind sich im Gegensatz zur Zeit vor der Jahrtausendwende allerdings alle Beteiligten im klaren darüber, dass Webtechnologien, allen voran HTML und CSS, auf denen die meisten Web-Inhalte basieren, möglichst genau und herstellerübergreifend spezifiziert werden müssen. Nur so ist es Webentwicklern möglich, Websites zu erschaffen, die browser-übergreifend (und - mittlerweile genauso wichtig - gerätetypen-übergreifend) weitgehend einheitlich funktionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was HTML betrifft, so hat die 2004 aus dem W3C hervorgegangene WHATWG die praxisorientierte Weiterentwicklung übernommen. Bei CSS, dessen Entwicklung beim W3C verblieb, fehlt diese Realitäts-Straffung. Das Ergebnis: über 30 Einzelspezifikationen zum CSS3-Standard, der wohl niemals erreicht werden wird. Denn einige der Einzelspezifikationen verharren bereits seit sieben oder acht Jahren unverändert im Stadium eines Arbeitsentwurfs (&lt;em&gt;Working Draft&lt;/em&gt;). In der Praxis wird CSS3 durchaus schon verwendet. Aber eben nur das davon, was von Designern häufig nachgefragt wird, und was in den heutigen Browsern bereits implementiert ist. Ein praktisch nicht mehr erreichbarer CSS3-Standard ist angesichts dessen nichts als Makulatur. Insofern ist Hicksons „lebender Standard“, der einfach der Standard ist, die logische Konsequenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Realitäts-Straffung und lebende Standards - das klingt vernünftig und aus Erfahrung gereift. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite dieser Medaille. Mathias Schäfer aka Molily, den man sich als so eine Art Anne van Kesteren für den deutschsprachigen Raum vorstellen darf, hat sich damit bereits Ende 2009 näher beschäftigt. In seinem Artikel &lt;a href=&quot;http://molily.de/weblog/html5-prozess&quot;&gt;HTML5 - ein soziales Desaster&lt;/a&gt; lässt er kein gutes Haar an Ian Hickson: „&lt;em&gt;In den Augen von Kritikern ist die Arbeit an HTML5 von einer kleinen, selbstherrlichen Gruppe bestimmt, die einen bestimmten Kurs durchdrückt. Nur eine Person, der »Herausgeber« (editor) hat Schreibrechte auf die Dokumentation. Diese Person, Ian Hickson, ist Gründer der WHATWG, die HTML5 einst auf den Weg brachte. Wegen dieser Machtkonzentration wird er selbst von Anhängern ironisch als wohlwollender Diktator (benevolent dictator) oder Vorsitzender (Chairman) beschrieben – letzteres in Anlehnung an die Sprache autoritärer Regime.&lt;/em&gt;“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zeit, als Molilys Artikel geschrieben wurde, resultierten allerdings viele angestaute Agressionen unter den Beteiligten aus der Vorstellung, dass es gelte, möglichst bald einen über viele Jahre gültigen HTML5-Standard festzuschreiben. Es ging sozusagen um vermutete letzte Chancen, diese und jene Interessen und Wünsche noch im künftigen Standard unterzubringen. Mit der Umwandlung in einen lebenden Standard, der jederzeit gilt, aber niemals hundertprozentig abgeschlossen ist, hat Hickson eine Menge Druck aus der Sache genommen. Wenn der Markt es erfordert, lassen sich umstrittene Konzepte wie jenes, das seinerzeit von Microsoft vorgeschlagen wurde (Integration von XML-artigen Namensräumen, um HTML5 - oder einfach wieder HTML - anwendungsabhängig erweitern zu können), jederzeit in den Standard mit aufnehmen. Nur eine Regel muss dabei stets beachtet werden. Was immer in den Standard integriert wird, wird Bestandteil einer zukünftig erforderlichen Rückwärtskompatibilität von Browsern. Insofern gilt es, den Standard nicht inflationär zu erweitern, sondern überlegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bleibt die Frage, ob es nicht Zeit wird, diese Vorgehensweise auch auf CSS anzuwenden, dessen Entwicklung vor allem für Webdesigner fast noch wichtiger ist als die von HTML. &lt;a href=&quot;http://ln.hixie.ch/?start=1181118077&amp;amp;count=1&quot;&gt;The CSS working group is irrelevant&lt;/a&gt;, attestierte Ian Hickson der Arbeitsgruppe beim W3-Konsortium jedenfalls bereits 2007. Konsequenzen daraus gibt es bislang jedoch keine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940872&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 21:24:45 +0000</pubDate>
												<content:encoded>
					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:100/html-not-5.png" style="width: 120px; height: 146px; float: left; margin-right: 15px;" alt="html-not-5.png" class="image" /> Wie Ian Hickson, der gebürtige Schweizer und bei Google beschäftigte Federführer von HTML(5), das W3C ins Abseits drängt.<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am: 25.02.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <blockquote> <p>„Es ist so, dass trotz der Bitte, uns HTML beim W3C entwickeln zu lassen, <a href="http://www.w3.org/2004/04/webapps-cdf-ws/summary">das W3C Nein dazu gesagt hat</a>, sodass wir <a href="http://www.whatwg.org/mailing-list#specs">eine Mailing-Liste</a> außerhalb des W3C gründeten und es dort taten, und dann, ein paar Jahre später, <a href="http://dig.csail.mit.edu/breadcrumbs/node/166">fragte das W3C</a> ob sie mit uns zusammenarbeiten können, also sagten wir Ja, und nun wird die Spec gemeinsam entwickelt. (Wenngleich man oft das Gefühl hat, als würde das Personal beim W3C sich wohler fühlen wenn sie die alleinverantwortliche Seite wären, statt mit einer anderen zusammenzuarbeiten.)“</p> </blockquote> <p>Dieses Zitat von Ian Hickson ist dem dieser Tage erschienenen Artikel <a href="http://annevankesteren.nl/2011/02/html-development">WHATWG, W3C, and HTML</a> von Anne van Kesteren entnommen und übersetzt. Der Niederländer Anne van Kesteren, Webstandards-Experte bei Opera, ist trotz seines jugendlichen Alters (Jahrgang 1986) seit 2003 hautnah am Geschehen rund um die Standardisierungsprozesse von HTML, XHTML, XML und CSS. Sein <a href="http://annevankesteren.nl/archives">Blog</a> ist voll von Artikeln aus erster Hand rund um den Fortschritt der grundlegenden Webtechnologien.</p> <p>Auch er (Ian Hickson), so kommt der Federführer von HTML5 im van-Kesteren-Artikel weiter zu Wort, würde am liebsten ein HTML entwickeln, das seinen persönlichen Visionen vom Web entspricht. Unglücklicherweise müsse sich die Entwicklung jedoch an der Realität orientieren. Wieder so ein deutlicher Seitenhieb auf die von Hickson angeprangerte Praxisferne des W3C. Erst kürzlich hatte der <a href="http://ian.hixie.ch/">Spielzeugeisenbahnliebhaber und Google-Mitarbeiter Hickson</a> in dem Artikel <a href="http://blog.whatwg.org/html-is-the-new-html5">HTML is the new HTML5</a> erklärt, dass die HTML-Spezifikation bei der WHATWG fortan ein lebender Standard ohne festgeschriebene Zustände sein werde:</p> <blockquote> <p>„1. Die HTML-Spezifikation wird ab sofort 'HTML' genannt, mit der URL <a href="http://whatwg.org/html">http://whatwg.org/html</a>. (Wir werden auch die Spezifikation Web Applications 1.0 weiter pflegen, die HTML und eine Reihe von angeschlossenen APIs wie Webstorage, Webworkers und serverseitig gesendete Ereignisse enthält.)<br /> 2. Die HTML-Spec der WHATWG kann nun als 'lebender Standard' betrachtet werden. Sie ist ausgereifter als als alle Versionen der bisherigen HTML-Spezifikation, und deshalb finden wir es nicht mehr sinnvoll, sie nur als Entwurf zu behandeln. Wir werden nicht länger dem 'Schnappschuss'-Modell der Spec-Entwicklung folgen, mit Gelegenheiten wie 'Aufforderung zum Kommentieren', 'Aufforderung für Implementierungen' usw.“</p> </blockquote> <p>Das wiederum war eine Reaktion auf die etwas merkwürdige Aktion des W3-Konsortiums gewesen, HTML5 wie einen neuen, für 2014 als Recommendation (offizielle W3C-Empfehlung) geplanten Messias zu feiern - mit einem <a href="http://www.w3.org/html/logo/">Ritterschild-Logo und theatralischen Worten</a>, die ins Deutsche übersetzt ganz und gar gruselig klingen: „<em>Es steht stark und wahrhaftig, unverwüstlich und universell, genau wie das Markup, das du schreibst. Es strahlt so leuchtend und kräftig wie die worwärts denkenden, engagierten Web-Developer, die ihr seid. Es ist der Standard der Standards, der Wimpel für den Fortschritt.</em>“</p> <p>Genau diese Überbetonung des ehernen Standards ist es, an der Hickson seit Jahren nagt. Allein steht er damit keinesfalls. Viele Webentwickler da draußen sehen die Sache genauso. Artikel wie <a href="http://sommergut.de/wp/archives/w3c-auf-dem-weg-in-den-akademischen-elfenbeinturm/">W3C auf dem Weg in den akademischen Elfenbeinturm</a> (Wolfgang Sommergut, 2004) sorgten bereits vor Jahren dafür, dass der zuvor mühsam aufgebaute Respekt vor den W3C-Standards wieder ins Wanken geriet. Dabei sind sich im Gegensatz zur Zeit vor der Jahrtausendwende allerdings alle Beteiligten im klaren darüber, dass Webtechnologien, allen voran HTML und CSS, auf denen die meisten Web-Inhalte basieren, möglichst genau und herstellerübergreifend spezifiziert werden müssen. Nur so ist es Webentwicklern möglich, Websites zu erschaffen, die browser-übergreifend (und - mittlerweile genauso wichtig - gerätetypen-übergreifend) weitgehend einheitlich funktionieren.</p> <p>Was HTML betrifft, so hat die 2004 aus dem W3C hervorgegangene WHATWG die praxisorientierte Weiterentwicklung übernommen. Bei CSS, dessen Entwicklung beim W3C verblieb, fehlt diese Realitäts-Straffung. Das Ergebnis: über 30 Einzelspezifikationen zum CSS3-Standard, der wohl niemals erreicht werden wird. Denn einige der Einzelspezifikationen verharren bereits seit sieben oder acht Jahren unverändert im Stadium eines Arbeitsentwurfs (<em>Working Draft</em>). In der Praxis wird CSS3 durchaus schon verwendet. Aber eben nur das davon, was von Designern häufig nachgefragt wird, und was in den heutigen Browsern bereits implementiert ist. Ein praktisch nicht mehr erreichbarer CSS3-Standard ist angesichts dessen nichts als Makulatur. Insofern ist Hicksons „lebender Standard“, der einfach der Standard ist, die logische Konsequenz.</p> <p>Realitäts-Straffung und lebende Standards - das klingt vernünftig und aus Erfahrung gereift. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite dieser Medaille. Mathias Schäfer aka Molily, den man sich als so eine Art Anne van Kesteren für den deutschsprachigen Raum vorstellen darf, hat sich damit bereits Ende 2009 näher beschäftigt. In seinem Artikel <a href="http://molily.de/weblog/html5-prozess">HTML5 - ein soziales Desaster</a> lässt er kein gutes Haar an Ian Hickson: „<em>In den Augen von Kritikern ist die Arbeit an HTML5 von einer kleinen, selbstherrlichen Gruppe bestimmt, die einen bestimmten Kurs durchdrückt. Nur eine Person, der »Herausgeber« (editor) hat Schreibrechte auf die Dokumentation. Diese Person, Ian Hickson, ist Gründer der WHATWG, die HTML5 einst auf den Weg brachte. Wegen dieser Machtkonzentration wird er selbst von Anhängern ironisch als wohlwollender Diktator (benevolent dictator) oder Vorsitzender (Chairman) beschrieben – letzteres in Anlehnung an die Sprache autoritärer Regime.</em>“</p> <p>In der Zeit, als Molilys Artikel geschrieben wurde, resultierten allerdings viele angestaute Agressionen unter den Beteiligten aus der Vorstellung, dass es gelte, möglichst bald einen über viele Jahre gültigen HTML5-Standard festzuschreiben. Es ging sozusagen um vermutete letzte Chancen, diese und jene Interessen und Wünsche noch im künftigen Standard unterzubringen. Mit der Umwandlung in einen lebenden Standard, der jederzeit gilt, aber niemals hundertprozentig abgeschlossen ist, hat Hickson eine Menge Druck aus der Sache genommen. Wenn der Markt es erfordert, lassen sich umstrittene Konzepte wie jenes, das seinerzeit von Microsoft vorgeschlagen wurde (Integration von XML-artigen Namensräumen, um HTML5 - oder einfach wieder HTML - anwendungsabhängig erweitern zu können), jederzeit in den Standard mit aufnehmen. Nur eine Regel muss dabei stets beachtet werden. Was immer in den Standard integriert wird, wird Bestandteil einer zukünftig erforderlichen Rückwärtskompatibilität von Browsern. Insofern gilt es, den Standard nicht inflationär zu erweitern, sondern überlegt.</p> <p>Bleibt die Frage, ob es nicht Zeit wird, diese Vorgehensweise auch auf CSS anzuwenden, dessen Entwicklung vor allem für Webdesigner fast noch wichtiger ist als die von HTML. <a href="http://ln.hixie.ch/?start=1181118077&amp;count=1">The CSS working group is irrelevant</a>, attestierte Ian Hickson der Arbeitsgruppe beim W3-Konsortium jedenfalls bereits 2007. Konsequenzen daraus gibt es bislang jedoch keine.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940873" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:99</guid>
				<title>Die Abbildung der wahren Verhältnisse im Facebook-Web</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:99</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:99/fb-like.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 61px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;fb-like.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Auch Normalos beginnen sich zu bekennen - eine Facebook-Welle macht das deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentliches Veröffentlichungsdatum: 25.02.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Im Kreis der Digerati ist es wirklich angenehm, bei einem Twittagessen im Unperfekthaus vielleicht, die Daten in der Cloud, und den Kellner schnippisch fragen, ob man auch mit Paypal zahlen könne. Da ist man sich auch weitgehend einig über Fälle wie zu Guttenberg. Für einen Blender hat man ihn immer schon gehalten, doch nun ist es amtlich, und für die Republik ist es eine Schande, wie dummdreist und schamlos sich der Entlarvte an die Macht klammert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allerdings sind mal eben knapp 300.000 Personen anderer Ansicht, nämlich alle, die auf der Facebook-Seite &lt;a href=&quot;http://www.facebook.com/ProGuttenberg&quot;&gt;Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg&lt;/a&gt; innerhalb weniger Tage auf Gefällt-mir geklickt haben. Da kann der Kreis der Digerati nicht mehr mithalten. So ein Mega-Flashmob, und das auch noch für die Zementierung des kranken Status Quo. Zunächst wollte man ja noch ein paar messerscharfe Erklärungsversuche anbringen wie etwa den, dass man sich im Schmuddelmilieu des Web 2.0 durchaus ganze Großstädte an Followern zusammenkaufen könne. Konkret genannt wurde dabei das Angebot 100.000 Facebook-Fans für knapp 5.000 US-Dollar (was &lt;a href=&quot;http://usocial.net/facebook_marketing/&quot;&gt;tatsächlich existierte&lt;/a&gt;). Die bemerkenswerte Pro-Guttenberg-Welle wäre also theoretisch für knapp 15.000 Dollar generierbar gewesen. Eigentlich kein großes Geld für einen wie &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Tobias_Huch&quot;&gt;Tobias Huch&lt;/a&gt;, Unternehmer und Anteilseigner an mehreren Medien-Firmen. Er hat die Facebook-Seite zugunsten des in die Enge geratenen Verteidigungsministers gegründet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Huch betont jedoch gegenüber JETZT, dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, dass die Gefällt-Mir-Klicker seiner Pro-Guttenberg-Seite allesamt echt seien: „Das kann ich eidesstattlich versichern.“, sagt er in dem lesenswerten Artikel &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/520399&quot;&gt;Wo kommen all die Guttenberg-Fans her?&lt;/a&gt; des JETZT-Magazins.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun könnte man kontern, dass er eben einfach dummdreist lüge, schließlich unterstütze er eben diese Mentalität ja bei zu Guttenberg. Aber das herauszufinden ist eigentlich gar nicht nötig. Die Wahrheit ist vermutlich viel trivialer: In Deutschland gibt es derzeit 15 Millionen Facebook-User. Die meisten davon sind bislang nur dort, weil Freunde und Verwandte ebenfalls dort sind, weil man da so schön an Geburtstage erinnert wird und außerdem noch Pixelschafe züchten kann, wenn mal nichts im Fernsehen kommt. So ganz allmählich entdecken einige jedoch auch die Crowd-Power-Instrumente von Facebook. Und wenn dann der liebe Schwiegersohn irgendwas von einer Seite zur Ehrenrettung des schnieken Baron zu Guttenberg in die Timeline postet, sind auch auch Muttern und Omma nicht mehr zu halten und klicken waghalsig auf &lt;em&gt;Gefällt mir&lt;/em&gt;!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So sind am Ende 2% der deutschen Facebook-User ausdrücklich dafür, dass der Doktorschwindler seine Ich-will-Kanzler-werden-Karriere fortsetzen kann. In zwei bis drei Jahren wird man über solche Zahlen nur lachen. Stattdessen wird man dann eher darüber diskutieren, ob Facebook-Seiten in Verbindung mit der Gefällt-mir-Funktion nicht vielleicht die zeitgemäße Form für politische Entscheidungsfindung im Lande sind. Liquid Democracy mit Zuckerberg-Infrastruktur, angetrieben durch Medienmacher wie Tobias Huch, die sich keine Fans kaufen müssen, weil sie reichlich genug entlohnt werden von den Lobbies, für die sie Facebook-Kampagnen starten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940873&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 06:49:52 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:99/fb-like.png" style="width: 120px; height: 61px; float: left; margin-right: 15px;" alt="fb-like.png" class="image" /> Auch Normalos beginnen sich zu bekennen - eine Facebook-Welle macht das deutlich.<br /> <span class="legend">(eigentliches Veröffentlichungsdatum: 25.02.2011)</span> <div style="clear: left;"> <hr /></div> <p>Im Kreis der Digerati ist es wirklich angenehm, bei einem Twittagessen im Unperfekthaus vielleicht, die Daten in der Cloud, und den Kellner schnippisch fragen, ob man auch mit Paypal zahlen könne. Da ist man sich auch weitgehend einig über Fälle wie zu Guttenberg. Für einen Blender hat man ihn immer schon gehalten, doch nun ist es amtlich, und für die Republik ist es eine Schande, wie dummdreist und schamlos sich der Entlarvte an die Macht klammert.</p> <p>Allerdings sind mal eben knapp 300.000 Personen anderer Ansicht, nämlich alle, die auf der Facebook-Seite <a href="http://www.facebook.com/ProGuttenberg">Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg</a> innerhalb weniger Tage auf Gefällt-mir geklickt haben. Da kann der Kreis der Digerati nicht mehr mithalten. So ein Mega-Flashmob, und das auch noch für die Zementierung des kranken Status Quo. Zunächst wollte man ja noch ein paar messerscharfe Erklärungsversuche anbringen wie etwa den, dass man sich im Schmuddelmilieu des Web 2.0 durchaus ganze Großstädte an Followern zusammenkaufen könne. Konkret genannt wurde dabei das Angebot 100.000 Facebook-Fans für knapp 5.000 US-Dollar (was <a href="http://usocial.net/facebook_marketing/">tatsächlich existierte</a>). Die bemerkenswerte Pro-Guttenberg-Welle wäre also theoretisch für knapp 15.000 Dollar generierbar gewesen. Eigentlich kein großes Geld für einen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tobias_Huch">Tobias Huch</a>, Unternehmer und Anteilseigner an mehreren Medien-Firmen. Er hat die Facebook-Seite zugunsten des in die Enge geratenen Verteidigungsministers gegründet.</p> <p>Huch betont jedoch gegenüber JETZT, dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, dass die Gefällt-Mir-Klicker seiner Pro-Guttenberg-Seite allesamt echt seien: „Das kann ich eidesstattlich versichern.“, sagt er in dem lesenswerten Artikel <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/520399">Wo kommen all die Guttenberg-Fans her?</a> des JETZT-Magazins.</p> <p>Nun könnte man kontern, dass er eben einfach dummdreist lüge, schließlich unterstütze er eben diese Mentalität ja bei zu Guttenberg. Aber das herauszufinden ist eigentlich gar nicht nötig. Die Wahrheit ist vermutlich viel trivialer: In Deutschland gibt es derzeit 15 Millionen Facebook-User. Die meisten davon sind bislang nur dort, weil Freunde und Verwandte ebenfalls dort sind, weil man da so schön an Geburtstage erinnert wird und außerdem noch Pixelschafe züchten kann, wenn mal nichts im Fernsehen kommt. So ganz allmählich entdecken einige jedoch auch die Crowd-Power-Instrumente von Facebook. Und wenn dann der liebe Schwiegersohn irgendwas von einer Seite zur Ehrenrettung des schnieken Baron zu Guttenberg in die Timeline postet, sind auch auch Muttern und Omma nicht mehr zu halten und klicken waghalsig auf <em>Gefällt mir</em>!</p> <p>So sind am Ende 2% der deutschen Facebook-User ausdrücklich dafür, dass der Doktorschwindler seine Ich-will-Kanzler-werden-Karriere fortsetzen kann. In zwei bis drei Jahren wird man über solche Zahlen nur lachen. Stattdessen wird man dann eher darüber diskutieren, ob Facebook-Seiten in Verbindung mit der Gefällt-mir-Funktion nicht vielleicht die zeitgemäße Form für politische Entscheidungsfindung im Lande sind. Liquid Democracy mit Zuckerberg-Infrastruktur, angetrieben durch Medienmacher wie Tobias Huch, die sich keine Fans kaufen müssen, weil sie reichlich genug entlohnt werden von den Lobbies, für die sie Facebook-Kampagnen starten.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940873" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:98</guid>
				<title>Guttenberg als Urheber für eine Urheberrechtsreform</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:98</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:98/copy-paste.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 80px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;copy-paste.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Recht bedacht, ist es vielleicht besser, den Fall Guttenberg nicht einfach nur als Anlass zur Schadenfreude, sondern als glücklichen Anlass zum wirkungsvollen Ankurbeln der Urheberrechtsreform zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;legend&quot;&gt;(eigentlich veröffentlicht am: 19.02.2011)&lt;/span&gt;
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Der Fall Guttenberg erhitzt dieser Tage die Gemüter - auch im Netz. Fast die gesamte Netzbewegung, die sich sonst sehr kritisch gegenüber tradiertem Urheberrecht und erst Recht gegenüber verlegerischen Verwertungsansprüchen äußert, begrüßt jedes neue gefundene Plagiat in des Ministers Doktorarbeit mit Wir-habens-doch-gewusst-Jubel. Was sich da äußert, ist allerdings eher die schlichte Schadenfreude über das Straucheln eines aalglatten Erfolgsmenschen der unzeitgemäß gewordenen Repräsentantenkaste. Dagegen könnte der Fall Guttenberg durchaus dazu dienen, die Diskussion um das Urheberrecht in breitere Schichten der Bevölkerung zu tragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schnelle Vernetzung von Inhalten im Web hat unter anderem den Effekt, dass geistige Anstrengungen, die früher auf wenige Köpfe verteilt waren und teilweise jahrzehnte- oder jahrhundertelang auseinander lagen, heute oftmals sehr zeitnah und in vielen Köpfen stattfinden. Man könnte es als Folge der netztypischen Schwarmintelligenz bezeichnen. Die macht es für Teilnehmende aber auch fast unmöglich, genau auseinander zu halten, was aus welchem Kopf stammt. Sicherlich, es lässt sich leicht für alles eine URL finden, wo ähnliche oder vorausgehende Gedanken oder Aussagen gespeichert sind. Aber die Leser sind ja schließlich selber aufgeklärte User und können die akribische Arbeit, welche Gedanken sich wie genau entwickelt haben, bei Interesse selber leisten. Aus schwarmintelligenter Sicht kommt es ohnehin nicht mehr so genau darauf an, wer wann was gesagt hat, sondern dass sich konsensfähige Richtungen und Entwicklungen auf möglichst hohem reflexiven Niveau abzeichnen. So funktioniert das innerhalb der digital vernetzten Sphäre, und weil diese das Paradigma des 21. Jahrhunderts ist, werden irgendwann auch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft so funktionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch was hat das alles mit dem adretten Minister zu tun? Der ist ja mit seinen ganzen Einstellungen und Ämtern nicht gerade ein bewusster Teil der digital vernetzten Sphäre, sondern eher so eine Art späte Galeonsfigur einer ansonsten längst aussterbenden Gattung. Seine Doktorarbeit darf deshalb nicht an den Paradigmen des digital-kooperativen Networkings gemessen werden, sondern muss an die Messlatte des klassisch-akademischen Umfelds.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dennoch stellt sich die Frage, ob es wirklich das Beste ist, den Fall Guttenberg einfach nur als Lachnummer und schadenfroh beobachtete Selbstdemontage eines Boulevardmedien-Strahlemanns zu verbuchen. Die Popularität Guttenbergs wäre durchaus geeignet, um die gerade beginnende Diskussion einer Neubewertung von geistiger Urheberschaft im digital vernetzten Raum selbst ein Stück weit populärer zu machen. Der bekannte Konstanzer Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen jedenfalls schlägt in dem Artikel &lt;a href=&quot;http://www.inf.uni-konstanz.de/netethicsblog/?p=349&quot;&gt;Der &amp;quot;Fall&amp;quot; Guttenberg&lt;/a&gt; die Brücke zwischen der durchaus selbstverständlichen und notwendigen akademischen Aberkennung der guttenbergschen Doktorwürde einerseits und der aktuellen Diskussion um eine Öffnung des geltenden Urheberrechts andererseits: „&lt;em&gt;Ein starkes Urheberrecht könnte, Guttenberg sei Dank, ein offenes Urheberrecht werden&lt;/em&gt;“, so lautet Kuhlens zentrale These in dem Artikel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kuhlen begründet seine These akademisch scharfzüngig damit, dass die Merkel-Regierung vor einem Dilemma steht: wenn sie Guttenberg die Plagiate als Kavaliersdelikt durchgehen lässt, macht sie sich mit ihrem gesamten Eintreten für einen starken Urheber- und Verwertungsrechtsschutz selber unglaubwürdig. Ist sie dagegen konsequent, muss sie Guttenberg absägen und damit ihren populärsten Repräsentanten opfern - kein guter Schachzug. Zunächst einmal muss die Regierung jedoch überhaupt in dieses Dilemma gebracht werden. Und das geht nur, wenn die vierte Macht im Lande, die ja längst nicht nur aus unverlinkbaren Verlagserzeugnissen besteht, sondern mehr und mehr aus kooperativen Netzinhalten, genau dafür sorgt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus der peinlichen Copy+Paste-Leidenschaft des Doktoranden Guttenberg, die auf dem &lt;a href=&quot;http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate&quot;&gt;GuttenPlag Wiki&lt;/a&gt; eindrucksvoll dokumentiert ist, könnte also - ein entsprechendes Engagement der publizierenden Netzgemeinde vorausgesetzt - durchaus ein unverhoffter Strafstoß fürs eigene Team werden. Dabei gilt es aber auch, sich ernsthaft mit der Materie auseinander zu setzen - so wie der Carta-Artikel &lt;a href=&quot;http://carta.info/26165/den-gordischen-knoten-durchschlagen-ideen-fuer-ein-neues-urheberrechtskonzept/&quot;&gt;Den gordischen Knoten durchschlagen – Ideen für ein neues Urheberrechtskonzept&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940873&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
</description>
				<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 06:42:08 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:98/copy-paste.png" style="width: 120px; height: 80px; float: left; margin-right: 15px;" alt="copy-paste.png" class="image" /> Recht bedacht, ist es vielleicht besser, den Fall Guttenberg nicht einfach nur als Anlass zur Schadenfreude, sondern als glücklichen Anlass zum wirkungsvollen Ankurbeln der Urheberrechtsreform zu nutzen.<br /> <span class="legend">(eigentlich veröffentlicht am: 19.02.2011)</span> <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Der Fall Guttenberg erhitzt dieser Tage die Gemüter - auch im Netz. Fast die gesamte Netzbewegung, die sich sonst sehr kritisch gegenüber tradiertem Urheberrecht und erst Recht gegenüber verlegerischen Verwertungsansprüchen äußert, begrüßt jedes neue gefundene Plagiat in des Ministers Doktorarbeit mit Wir-habens-doch-gewusst-Jubel. Was sich da äußert, ist allerdings eher die schlichte Schadenfreude über das Straucheln eines aalglatten Erfolgsmenschen der unzeitgemäß gewordenen Repräsentantenkaste. Dagegen könnte der Fall Guttenberg durchaus dazu dienen, die Diskussion um das Urheberrecht in breitere Schichten der Bevölkerung zu tragen.</p> <p>Die schnelle Vernetzung von Inhalten im Web hat unter anderem den Effekt, dass geistige Anstrengungen, die früher auf wenige Köpfe verteilt waren und teilweise jahrzehnte- oder jahrhundertelang auseinander lagen, heute oftmals sehr zeitnah und in vielen Köpfen stattfinden. Man könnte es als Folge der netztypischen Schwarmintelligenz bezeichnen. Die macht es für Teilnehmende aber auch fast unmöglich, genau auseinander zu halten, was aus welchem Kopf stammt. Sicherlich, es lässt sich leicht für alles eine URL finden, wo ähnliche oder vorausgehende Gedanken oder Aussagen gespeichert sind. Aber die Leser sind ja schließlich selber aufgeklärte User und können die akribische Arbeit, welche Gedanken sich wie genau entwickelt haben, bei Interesse selber leisten. Aus schwarmintelligenter Sicht kommt es ohnehin nicht mehr so genau darauf an, wer wann was gesagt hat, sondern dass sich konsensfähige Richtungen und Entwicklungen auf möglichst hohem reflexiven Niveau abzeichnen. So funktioniert das innerhalb der digital vernetzten Sphäre, und weil diese das Paradigma des 21. Jahrhunderts ist, werden irgendwann auch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft so funktionieren.</p> <p>Doch was hat das alles mit dem adretten Minister zu tun? Der ist ja mit seinen ganzen Einstellungen und Ämtern nicht gerade ein bewusster Teil der digital vernetzten Sphäre, sondern eher so eine Art späte Galeonsfigur einer ansonsten längst aussterbenden Gattung. Seine Doktorarbeit darf deshalb nicht an den Paradigmen des digital-kooperativen Networkings gemessen werden, sondern muss an die Messlatte des klassisch-akademischen Umfelds.</p> <p>Dennoch stellt sich die Frage, ob es wirklich das Beste ist, den Fall Guttenberg einfach nur als Lachnummer und schadenfroh beobachtete Selbstdemontage eines Boulevardmedien-Strahlemanns zu verbuchen. Die Popularität Guttenbergs wäre durchaus geeignet, um die gerade beginnende Diskussion einer Neubewertung von geistiger Urheberschaft im digital vernetzten Raum selbst ein Stück weit populärer zu machen. Der bekannte Konstanzer Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen jedenfalls schlägt in dem Artikel <a href="http://www.inf.uni-konstanz.de/netethicsblog/?p=349">Der &quot;Fall&quot; Guttenberg</a> die Brücke zwischen der durchaus selbstverständlichen und notwendigen akademischen Aberkennung der guttenbergschen Doktorwürde einerseits und der aktuellen Diskussion um eine Öffnung des geltenden Urheberrechts andererseits: „<em>Ein starkes Urheberrecht könnte, Guttenberg sei Dank, ein offenes Urheberrecht werden</em>“, so lautet Kuhlens zentrale These in dem Artikel.</p> <p>Kuhlen begründet seine These akademisch scharfzüngig damit, dass die Merkel-Regierung vor einem Dilemma steht: wenn sie Guttenberg die Plagiate als Kavaliersdelikt durchgehen lässt, macht sie sich mit ihrem gesamten Eintreten für einen starken Urheber- und Verwertungsrechtsschutz selber unglaubwürdig. Ist sie dagegen konsequent, muss sie Guttenberg absägen und damit ihren populärsten Repräsentanten opfern - kein guter Schachzug. Zunächst einmal muss die Regierung jedoch überhaupt in dieses Dilemma gebracht werden. Und das geht nur, wenn die vierte Macht im Lande, die ja längst nicht nur aus unverlinkbaren Verlagserzeugnissen besteht, sondern mehr und mehr aus kooperativen Netzinhalten, genau dafür sorgt.</p> <p>Aus der peinlichen Copy+Paste-Leidenschaft des Doktoranden Guttenberg, die auf dem <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate">GuttenPlag Wiki</a> eindrucksvoll dokumentiert ist, könnte also - ein entsprechendes Engagement der publizierenden Netzgemeinde vorausgesetzt - durchaus ein unverhoffter Strafstoß fürs eigene Team werden. Dabei gilt es aber auch, sich ernsthaft mit der Materie auseinander zu setzen - so wie der Carta-Artikel <a href="http://carta.info/26165/den-gordischen-knoten-durchschlagen-ideen-fuer-ein-neues-urheberrechtskonzept/">Den gordischen Knoten durchschlagen – Ideen für ein neues Urheberrechtskonzept</a>.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940873" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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				</content:encoded>							</item>
					<item>
				<guid>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:97</guid>
				<title>Eigene Daten im Google Data Explorer</title>
				<link>http://webkompetenz.wikidot.com/blog:97</link>
				<description>

&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:97/google-data-explorer.png&quot; style=&quot;width: 120px; height: 75px; float: left; margin-right: 15px;&quot; alt=&quot;google-data-explorer.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt; Der Google Data Explorer steht nun der Allgemeinheit offen. Grund genug für ein paar Schlaglichter auf ein kaum bekanntes Tool.&lt;br /&gt;
[[span class=&amp;quot;legend&amp;quot;]](eigentlich veröffentlicht am: 17.02.2011)
&lt;div style=&quot;padding-top: 5px; clear: left;&quot;&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Der Google Data Explorer visualisiert statistische Daten in dynamisch aufbereiteten, interaktiven Grafiken. Die Grafiken sind direkt im Browser aufrufbar, lassen sich aber auch in Webseiten in Form von embedded Frames (IFrames) einbetten oder einfach verlinken. Damit der Data Explorer die Input-Daten verarbeiten kann, müssen diese in ein bestimmtes, XML-basiertes Dateiformat gebracht werden: die Dataset Publishing Language (DSPL). Gedacht ist der Data Explorer für wirtschaftliche, wissenschaftliche, demografische und demoskopische Daten aller Art.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Beispiele für Daten im Google Data Explorer&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Verbraucherpreisindex in europäischen Ländern:&lt;br /&gt;
(&lt;strong&gt;&lt;a href=&quot;http://www.google.com/publicdata/explore?ds=ejnc7belukcra_&amp;amp;ctype=l&amp;amp;strail=false&amp;amp;nselm=h&amp;amp;met_y=i2005&amp;amp;scale_y=lin&amp;amp;ind_y=false&amp;amp;rdim=country_group&amp;amp;idim=country_group:eu:non-eu&amp;amp;tstart=820454400000&amp;amp;tunit=M&amp;amp;tlen=177&amp;amp;hl=de&amp;amp;dl=de&amp;amp;uniSize=0.035&amp;amp;iconSize=0.5&quot;&gt;im Google Data Explorer aufrufen&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:97/google-data-explorer-1.png&quot; style=&quot;width: 616px; height: 334px;&quot; alt=&quot;google-data-explorer-1.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Saisonbereinigte Arbeitslosenquoten in europäischen Ländern:&lt;br /&gt;
(&lt;a href=&quot;http://www.google.com/publicdata/explore?ds=z8o7pt6rd5uqa6_&amp;amp;ctype=l&amp;amp;strail=false&amp;amp;nselm=h&amp;amp;met_y=unemployment_rate&amp;amp;fdim_y=seasonality:sa&amp;amp;scale_y=lin&amp;amp;ind_y=false&amp;amp;rdim=country_group&amp;amp;idim=country_group:eu:non-eu&amp;amp;tstart=946684800000&amp;amp;tunit=M&amp;amp;tlen=129&amp;amp;hl=de&amp;amp;dl=de&amp;amp;uniSize=0.035&amp;amp;iconSize=0.5&quot;&gt;im Google Data Explorer aufrufen&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;image&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:97/google-data-explorer-2.png&quot; style=&quot;width: 610px; height: 333px;&quot; alt=&quot;google-data-explorer-2.png&quot; class=&quot;image&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Beide Beispiele zeigen aufbereitete Daten aus dem Datenbestand von &lt;a href=&quot;http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home&quot;&gt;Eurostat&lt;/a&gt;. Der Benutzer kann in diesem Fall einzelne Länder an- und abklicken, um deren Datenvisualisierung ein- oder auszublenden. Neben Liniengrafiken stehen auch Balken- und Blasengrafiken zur Verfügung. Durch die interaktive, gezielte Visualisierbarkeit eignen sich Daten des Data Explorers auch als begleitendes Projektionsmaterial für Präsentationen oder Diskussionen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die oben gezeigten und verlinkten Beispiele sind eigentlich nichts Neues, sondern wie zahlreiche andere Daten in dieser Form bereits seit Monaten abrufbar, denn der Google Data Explorer an sich wurde bereits im März 2010 im Rahmen der &lt;a href=&quot;http://www.googlelabs.com/&quot;&gt;Google Labs&lt;/a&gt; veröffentlicht. Die bislang verfügbaren Daten stammen aus namhaften Quellen wie Eurostat, dem US Census Bureau, dem US Bureau of Labor Statistics, der Weltbank oder der OECD. Was jetzt neu ist, ist die Möglichkeit, selbst eigene Daten im Google Data Explorer zu veröffentlichen. Wie das &lt;a href=&quot;http://www.googlewatchblog.de/2011/02/eigene-daten-mit-dem-public-data-explorer-hochladen/&quot;&gt;GoogleWatchBlog berichtet&lt;/a&gt;, kann jeder Benutzer mit gültigem Google-Account über eine &lt;a href=&quot;http://www.google.com/publicdata/admin&quot;&gt;Upload-Seite&lt;/a&gt; eigenes Datenmaterial zur Aufbereitung hochladen. Das Ganze funktioniert jedoch nur, wenn die Daten in der Dataset Publishing Language (DSPL) vorliegen.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Die Dataset Publishing Language (DSPL)&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Die DSPL ist eine XML-Sprache zum Strukturieren statistischer Daten. Mit Hilfe eines XML-Editors oder eines einfachen Texteditors lassen sich solche Dateien erstellen. Google selbst bietet auf der &lt;a href=&quot;http://code.google.com/intl/de-DE/apis/publicdata/&quot;&gt;Projektseite zu DSPL&lt;/a&gt; ein anschauliches &lt;a href=&quot;http://code.google.com/intl/de-DE/apis/publicdata/docs/tutorial.html&quot;&gt;DSPL-Tutorial&lt;/a&gt; an, mit dessen Hilfe interessierte und Benutzer in der Lage sein sollten, eigene Daten in das Format der Markupsprache zu bringen. Ein DSPL-Dokument definiert neben einigen anfänglichen Metadaten, z.B. zur Datenherkunft, im wesentlichen mehrere &lt;strong&gt;concepts&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;slices&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Concepts sind die Parameter der Daten. Angenommen, eine Schule möchte Schülerzahlen und statistische Daten zu den Schülern veröffentlichen. Concepts könnten dann beispielsweise Schuljahr, (Anzahl) Schüler, Geschlecht und Wohnort sein. Slices sind Tabellen oder genauer gesagt Views, die sich aus diesen Parametern und zugehörigen Zahlen ableiten lassen. Beispielsweise eine zweispaltige Tabelle mit den Überschriften &lt;em&gt;Schuljahr&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Schüler&lt;/em&gt;, welche die Entwicklung der Schülerzahlen im Laufe der Jahre zeigt. Oder eine Tabelle, die für ein bestimmtes Schuljahr die Spalten Wohnort und Schüler enthält, um anzuzeigen, aus welchen umliegenden Orten wie viele Schüler im betreffenden Schuljahr kommen.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;&lt;span&gt;Anwendungsbereiche&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Das Beispiel einer Schule, die statistische, nichtpersönliche Daten zu ihren Schülern veröffentlicht, ist nur einer von vielen denkbaren Anwendungsfällen für eigene Daten im Google Data Explorer. Unternehmen können Daten zur Unternehmensentwicklung oder zur Produktverbreitung veröffentlichen, Sportler können Trainings- und Leistungsdaten veröffentlichen, Hobby-Metereologen können ortsspezifische, eigene Witterungsmessdaten veröffentlichen, Fußballfans können Spielstatistiken veröffentlichen, Doktoranden können begleitend zur Doktorarbeit angefallene, selbst ermittelte empirische Daten veröffentlichen. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Wer systematische, tabellarisch darstellbare und skalierbare (also vor allem nummerische) Daten hat, die auch für andere Benutzer interessant sein könnten, kann den Google Data Explorer dazu nutzen, seine Daten anschaulich im Web zu veröffentlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weniger geeignet ist der Google Data Explorer für nicht skalierbare Daten. In diesem Fall lohnt stattdessen ein Blick auf einen ähnlich unbekannten Google-Service, nämlich &lt;a href=&quot;http://www.google.com/fusiontables/Home?pli=1&quot;&gt;Google Fusion Tables&lt;/a&gt; (siehe dazu auch der Webkompetenz-Artikel &lt;a href=&quot;http://webkompetenz.wikidot.com/blog:83&quot;&gt;Fusion Tables - die Cloud-Datenbank von Google&lt;/a&gt;). Beide Services ziehen indes insofern an einem Strang, als sie es ermöglichen, reine Daten an einem separaten, unabhängigen und hochverfügbaren Ort im Web zu veröffentlichen, wo sie sich von einer leistungsfähigen Webanwendung flexibel aufbereiten lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Last but not least sind der Google Data Explorer und seine DSPL-Sprache übrigens auch ein weiteres Praxisbeispiel für den sinnvollen Einsatz von XML im Web.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;by &lt;span class=&quot;printuser avatarhover&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;&lt;img class=&quot;small&quot; src=&quot;http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;amp;size=small&amp;amp;timestamp=1368940873&quot; alt=&quot;StefanM&quot; style=&quot;background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wikidot.com/user:info/stefanm&quot;  &gt;StefanM&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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				<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 20:46:15 +0000</pubDate>
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					<![CDATA[
						 <img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:97/google-data-explorer.png" style="width: 120px; height: 75px; float: left; margin-right: 15px;" alt="google-data-explorer.png" class="image" /> Der Google Data Explorer steht nun der Allgemeinheit offen. Grund genug für ein paar Schlaglichter auf ein kaum bekanntes Tool.<br /> [[span class=&quot;legend&quot;]](eigentlich veröffentlicht am: 17.02.2011) <div style="padding-top: 5px; clear: left;"> <hr /></div> <p>Der Google Data Explorer visualisiert statistische Daten in dynamisch aufbereiteten, interaktiven Grafiken. Die Grafiken sind direkt im Browser aufrufbar, lassen sich aber auch in Webseiten in Form von embedded Frames (IFrames) einbetten oder einfach verlinken. Damit der Data Explorer die Input-Daten verarbeiten kann, müssen diese in ein bestimmtes, XML-basiertes Dateiformat gebracht werden: die Dataset Publishing Language (DSPL). Gedacht ist der Data Explorer für wirtschaftliche, wissenschaftliche, demografische und demoskopische Daten aller Art.</p> <h3><span>Beispiele für Daten im Google Data Explorer</span></h3> <p>Verbraucherpreisindex in europäischen Ländern:<br /> (<strong><a href="http://www.google.com/publicdata/explore?ds=ejnc7belukcra_&amp;ctype=l&amp;strail=false&amp;nselm=h&amp;met_y=i2005&amp;scale_y=lin&amp;ind_y=false&amp;rdim=country_group&amp;idim=country_group:eu:non-eu&amp;tstart=820454400000&amp;tunit=M&amp;tlen=177&amp;hl=de&amp;dl=de&amp;uniSize=0.035&amp;iconSize=0.5">im Google Data Explorer aufrufen</a></strong>)</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:97/google-data-explorer-1.png" style="width: 616px; height: 334px;" alt="google-data-explorer-1.png" class="image" /></div> <p>Saisonbereinigte Arbeitslosenquoten in europäischen Ländern:<br /> (<a href="http://www.google.com/publicdata/explore?ds=z8o7pt6rd5uqa6_&amp;ctype=l&amp;strail=false&amp;nselm=h&amp;met_y=unemployment_rate&amp;fdim_y=seasonality:sa&amp;scale_y=lin&amp;ind_y=false&amp;rdim=country_group&amp;idim=country_group:eu:non-eu&amp;tstart=946684800000&amp;tunit=M&amp;tlen=129&amp;hl=de&amp;dl=de&amp;uniSize=0.035&amp;iconSize=0.5">im Google Data Explorer aufrufen</a>)</p> <div class="image"><img src="http://webkompetenz.wdfiles.com/local--files/blog:97/google-data-explorer-2.png" style="width: 610px; height: 333px;" alt="google-data-explorer-2.png" class="image" /></div> <p>Beide Beispiele zeigen aufbereitete Daten aus dem Datenbestand von <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home">Eurostat</a>. Der Benutzer kann in diesem Fall einzelne Länder an- und abklicken, um deren Datenvisualisierung ein- oder auszublenden. Neben Liniengrafiken stehen auch Balken- und Blasengrafiken zur Verfügung. Durch die interaktive, gezielte Visualisierbarkeit eignen sich Daten des Data Explorers auch als begleitendes Projektionsmaterial für Präsentationen oder Diskussionen.</p> <p>Die oben gezeigten und verlinkten Beispiele sind eigentlich nichts Neues, sondern wie zahlreiche andere Daten in dieser Form bereits seit Monaten abrufbar, denn der Google Data Explorer an sich wurde bereits im März 2010 im Rahmen der <a href="http://www.googlelabs.com/">Google Labs</a> veröffentlicht. Die bislang verfügbaren Daten stammen aus namhaften Quellen wie Eurostat, dem US Census Bureau, dem US Bureau of Labor Statistics, der Weltbank oder der OECD. Was jetzt neu ist, ist die Möglichkeit, selbst eigene Daten im Google Data Explorer zu veröffentlichen. Wie das <a href="http://www.googlewatchblog.de/2011/02/eigene-daten-mit-dem-public-data-explorer-hochladen/">GoogleWatchBlog berichtet</a>, kann jeder Benutzer mit gültigem Google-Account über eine <a href="http://www.google.com/publicdata/admin">Upload-Seite</a> eigenes Datenmaterial zur Aufbereitung hochladen. Das Ganze funktioniert jedoch nur, wenn die Daten in der Dataset Publishing Language (DSPL) vorliegen.</p> <h3><span>Die Dataset Publishing Language (DSPL)</span></h3> <p>Die DSPL ist eine XML-Sprache zum Strukturieren statistischer Daten. Mit Hilfe eines XML-Editors oder eines einfachen Texteditors lassen sich solche Dateien erstellen. Google selbst bietet auf der <a href="http://code.google.com/intl/de-DE/apis/publicdata/">Projektseite zu DSPL</a> ein anschauliches <a href="http://code.google.com/intl/de-DE/apis/publicdata/docs/tutorial.html">DSPL-Tutorial</a> an, mit dessen Hilfe interessierte und Benutzer in der Lage sein sollten, eigene Daten in das Format der Markupsprache zu bringen. Ein DSPL-Dokument definiert neben einigen anfänglichen Metadaten, z.B. zur Datenherkunft, im wesentlichen mehrere <strong>concepts</strong> und <strong>slices</strong>.</p> <p>Concepts sind die Parameter der Daten. Angenommen, eine Schule möchte Schülerzahlen und statistische Daten zu den Schülern veröffentlichen. Concepts könnten dann beispielsweise Schuljahr, (Anzahl) Schüler, Geschlecht und Wohnort sein. Slices sind Tabellen oder genauer gesagt Views, die sich aus diesen Parametern und zugehörigen Zahlen ableiten lassen. Beispielsweise eine zweispaltige Tabelle mit den Überschriften <em>Schuljahr</em> und <em>Schüler</em>, welche die Entwicklung der Schülerzahlen im Laufe der Jahre zeigt. Oder eine Tabelle, die für ein bestimmtes Schuljahr die Spalten Wohnort und Schüler enthält, um anzuzeigen, aus welchen umliegenden Orten wie viele Schüler im betreffenden Schuljahr kommen.</p> <h3><span>Anwendungsbereiche</span></h3> <p>Das Beispiel einer Schule, die statistische, nichtpersönliche Daten zu ihren Schülern veröffentlicht, ist nur einer von vielen denkbaren Anwendungsfällen für eigene Daten im Google Data Explorer. Unternehmen können Daten zur Unternehmensentwicklung oder zur Produktverbreitung veröffentlichen, Sportler können Trainings- und Leistungsdaten veröffentlichen, Hobby-Metereologen können ortsspezifische, eigene Witterungsmessdaten veröffentlichen, Fußballfans können Spielstatistiken veröffentlichen, Doktoranden können begleitend zur Doktorarbeit angefallene, selbst ermittelte empirische Daten veröffentlichen. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Wer systematische, tabellarisch darstellbare und skalierbare (also vor allem nummerische) Daten hat, die auch für andere Benutzer interessant sein könnten, kann den Google Data Explorer dazu nutzen, seine Daten anschaulich im Web zu veröffentlichen.</p> <p>Weniger geeignet ist der Google Data Explorer für nicht skalierbare Daten. In diesem Fall lohnt stattdessen ein Blick auf einen ähnlich unbekannten Google-Service, nämlich <a href="http://www.google.com/fusiontables/Home?pli=1">Google Fusion Tables</a> (siehe dazu auch der Webkompetenz-Artikel <a href="http://webkompetenz.wikidot.com/blog:83">Fusion Tables - die Cloud-Datenbank von Google</a>). Beide Services ziehen indes insofern an einem Strang, als sie es ermöglichen, reine Daten an einem separaten, unabhängigen und hochverfügbaren Ort im Web zu veröffentlichen, wo sie sich von einer leistungsfähigen Webanwendung flexibel aufbereiten lassen.</p> <p>Last but not least sind der Google Data Explorer und seine DSPL-Sprache übrigens auch ein weiteres Praxisbeispiel für den sinnvollen Einsatz von XML im Web.</p> <p>by <span class="printuser avatarhover"><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" ><img class="small" src="http://www.wikidot.com/avatar.php?userid=27448&amp;size=small&amp;timestamp=1368940873" alt="StefanM" style="background-image:url(http://www.wikidot.com/userkarma.php?u=27448)" /></a><a href="http://www.wikidot.com/user:info/stefanm" >StefanM</a></span></p> 
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