Was ist eigentlich Micro-Blogging?

30.10.2007

Wenn von typischen Web-2.0-Services die Rede ist, wird häufig auch Twitter genannt. Doch wer sich bislang nicht wirklich mit Twitter und vergleichbaren Services wie Frazr, Niimo (ehemals texteln), Jaiku (das gerade von Google übernommen wurde) oder Wamadu (2-3jährigen-Deutsch für „was machst du?“) auseinandergesetzt hat, wird kaum wissen, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Sollte man aber. "It's one of the fastest-growing phenomena on the Internet." — so die mutige Selbstdefinition auf der Twitter-Startseite.

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Twitter ist nur der bekannteste Service für etwas, das als Mikro-Blogging (manchmal auch Mini-Blogging) bezeichnet wird. Ganz im Gegensatz zu dem eher intellektuellen Trend nach mehr Tiefen-Blogging geht es beim Mikro-Blogging weniger darum, ein richtiges Blog zu pflegen und diesem durch Themenauswahl, Sprache und Layout ein möglichst individuelles Profil zu geben. Authentizität soll hier vielmehr durch spontane Mini-Postings entstehen. Die Zeichenzahl ist typischerweise begrenzt. Bei Twitter sind es maximal 140 Zeichen pro Posting — nicht mehr als ein schmuckloses Textinserat in einer Second-Hand-Zeitschrift und noch weniger als eine Standard-SMS. Twitter-Postings müssen allerdings trotz der Kürze nicht immer trivial sein. So werten Blogsuchmaschinen wie Technorati durchaus den endlosen Strom der Mini-Postings aus, der bei Twitter Sekunde für Sekunde eintrifft. Auch in der Szene der Mikro-Blogger gibt es beachtete Führungsfiguren.

Das Besondere am Mikro-Blogging ist, dass die Services über ganz verschiedene Frontends nutzbar sind. Lesen und Schreiben von Mikro-Blogs über die Websites der genannten Anbieter ist nur eine der Möglichkeiten. Eine andere Art teilzunehmen sind Instant Messenger wie ICQ oder die Messenger von Yahoo, Google oder Microsoft. Ferner bieten die meisten der Zwitscher-Services auch Schnittstellen zur Mobilfunktelefonie an, sodass die Teilnahme via SMS möglich ist. Letzteres ist eigentlich sogar besonders wichtig. Denn „was machst du (gerade)?“ ist ja genau das, was man von Mikro-Bloggern wissen will (wenn man es wissen will). Und der Mikro-Blogger oder die Mikro-Bloggerin hockt ja nicht unbedingt immer am heimischen PC, wenn ihm oder ihr gerade nach bis zu 140 Zeichen Text zu Mute ist.

Aufgepasst also - dein Gegenüber in der U-Bahn, das gerade mit flinken Fingern auf dem Handy textet, könnte gerade im Internet bloggen, dass es jetzt in der U5 auf dem Weg zu Trixi sitzt und von dir so komisch angestarrt wird. Die Botschaft muss jedoch nicht zwangsläufig ans ganze Internet gerichtet sein. Bei Twitter etwa gibt es die öffentlich zugängliche Public Timeline, bei der man häufig die Reload-Funktion des Browsers bemühen muss, wenn man nichts verpassen will. Es ist aber auch möglich, Nachrichten nur an bestimmte andere Personen zu senden.

„Ich bin dann mal weg…“ gerade in Twitter gelesen (less than 5 seconds ago from web)


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