Kategorien und Tags

23.10.2007

In manchen neueren Web-Software-Produkten gibt es sowohl Kategorien als auch Tags als Dateneinheiten, so etwa bei der Blog-Software Wordpress ab Version 2.3. Der gemeine Anwender fragt sich womöglich, worin da eigentlich der Unterschied besteht. Eine Kategorie ist „das Ergebnis der Klassifizierung von Dingen“, definiert Wikipedia, während ein Tag „für die Auszeichnung eines Datenbestandes mit zusätzlichen Informationen“ steht. Kategorien dienen also der systematischen Einordnung der behandelten Sache, während Tags — nun ja, eigentlich haben die meisten Anwender eher damit ihre Probleme. Wer schon mal mit Markupsprachen wie HTML oder XML-basierten Sprachen zu tun hatte, kennt Tags als das, was zwischen <spitzen> Klammern steht. In diesem Fall ist die Wortbedeutung von Tag, also Etikett, Aufkleber, Auszeichnung, nachvollziehbar. Doch wenn man einen Blogbeitrag verfasst oder ein Bookmark erstellt hat, scheiden sich die Geister in solche, die sich beim Taggen leicht, und solche, die sich damit schwer tun.

Leicht tun sich diejenigen, die aus dem Vorgang des Taggens ein Brainstorming machen. Sie rücken den Beitrag, die gebookmarkte Seite ins Diffuse, öffnen sich nach innen und übernehmen Wörter, Termini und Akronyme, die vom kopfeigenen „Assoziations-Server“ angeboten werden. Bloß ja keine Begründung, warum nun gerade dieses Wort, dieser Ausdruck zum Thema passen soll. Tags haben ja keine andere Aufgabe als die, einen getaggten Inhalt wiederauffindbar zu machen, wenn jemand durch eine Liste oder Wolke von Tags Zugang zu Inhalten sucht.

Schwer tun sich dagegen jene, die das Taggen mit dem Kategorisieren verwechseln. Sie versuchen krampfhaft, einem Blogbeitrag oder einem Bookmark einen oder mehrere feste Orte in einem Gesamtzusammenhang zu geben. Das funktioniert dann, wenn man über eine Systematik für die Kategorisierung verfügt, also über eine Taxonomie. Doch das ist dann eben kein Taggen mehr, sondern Kategorisieren.

Leider wird die begriffliche Unterscheidung zwischen Kategorien und Tags in der Praxis immer wieder unscharf. Nehmen wir als Beispiel den Eiffelturm. Kategorial betrachtet, lässt sich dieses Bauwerk in verschiedener Hinsicht einordnen, beispielsweise historisch, geographisch oder funktional. Dadurch gelangt man zu Kategorien wie 19. Jahrhundert, Frankreich, Paris, Ausstellungsbauwerk oder Sendeturm. Ein kleines Brainstorming könnte demgegenüber beispielsweise Tags wie Paris, Turm, Stahlkonstruktion, Romantik, Bauwerk, hoch, Aussichtsplattform oder Landmark hervorbringen. Erlaubt ist, was einfällt.

Überschneidungen wie im Beispiel Paris sind dabei eigentlich kein Problem. Es ja auch ganz normal, dass wichtige Kategorien zugleich typische Assoziationen sind. Unscharf wird die Unterscheidung zwischen Kategorisieren und Taggen eher dadurch, dass das Taggen bei zunehmenden Inhalten und zunehmender Erfahrung selbst immer systematischer wird. Typisch dafür sind Überlegungen wie „beim Eiffelturm hatte ich den Namen der Stadt getaggt, also sollte ich das bei der Rialtobrücke auch tun“, oder „für das Tag Romantik habe ich bislang nur den Eiffelturm gelistet, da sollte mal mehr dazu — die Rialtobrücke ist ja auch romantisch“. Da schleicht sich also der Drang zur Systematik durch die Hintertür wieder ein.


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