Abkühlung in der Blogosphäre

18.10.2007

Top 100 Blogs: weiter im Sinkflug konstatiert Robert Basic, und René Walter sinniert Blogs not dead - Lose Gedanken zum Blogblues. Claudia Klinger stellt die Gretchenfrage Mit dem Bloggen aufhören?, und meine Wenigkeit fühlte sich zuletzt ja auch nicht mehr wohl im Gewand eines reinen News-Organs.

Gibt es da tatsächlich etwas Messbares? Oder gehört es einfach zu den Eigenheiten der Blogosphäre, von Zeit zu Zeit ein derartiges Mem in die Welt zu setzen. Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Die Blogosphäre gilt als eine Art site-überspannendes social Network. Als Blogger darf man sich gleich in Gesellschaft fühlen, sofern man sich an die Regeln hält, andere Blogs verlinkt, seine Blogroll pflegt, fleißig Kommentare beim Blognachbarn schreibt, eine Blogsoftware nutzt, die auch automatisch Feeds generiert usw. Wer andere Formen des Publizierens im Web wählt, ist dagegen ein regelrechter Lonewolf, muss mit weniger Lesern leben und gehört irgendwie nicht so recht dazu zum Club der Coolen.

Doch wie sozial ist das Netzwerk der Blogosphäre wirklich? Als Beispiel sei der Service Rivva (wir berichteten) genannt. Eigentlich als intelligentes Barometer dafür konzipiert, welche Meme sich derzeit durch die Blogosphäre wälzen, dreht Rivva einige Monate nach seinem Start leider viel zu enge Kreise. Die Verlinkungsstruktur innerhalb der Blogosphäre ist eben nicht so offen wie in der sozialen Theorie, sondern geprägt von gut funktionierenden Seilschaften einiger weniger erfolgreicher A-Blogger und dem davon weitgehend ausgeschlossenen Riesenheer der Rest-Blogger. A-Blogger Robert Basic konstatiert übrigens auch bei Rivva einen Sinkflug, angeregt durch zweiflerische Gedanken des Rivva-Entwicklers Frank Westphal, was bereits zu Antworten wie Rivva: Unübersichtlich und elitär geführt hat.

Vielleicht liegt das Problem einfach in der Erwartungshaltung, dass die Blogosphäre ein social Network sei. Ein Netzwerk ist sie zweifellos, aber sie hatte eigentlich nie den Anspruch, jede arme Bloggerseele um jeden Preis mitzuschleifen. Eliten bilden sich nun mal, durch frühzeitiges Zurstellesein, durch viel Energie und Aktivität beim Publizieren und auch bei anderen Repräsentationsformen des Netzwerks, etwa auf den Barcamps (wir berichteten). Die Blogosphäre bietet Potential, um besser Gehör zu finden mit eigenen Publikationen. Doch als gewachsenes Gebilde inklusive Elitenbildung ist sie vom Rand her nun mal nicht so leicht zu durchdringen wie von der Mitte her.

Sollte es aber ohnehin nicht eher das Bestreben eines Bloggers sein, seine eigene Mitte zu finden als die der Blogospäre? Vielleicht üben sich ja viele Blogger gerade in dieser Tugend, und nehmen den obligatorischen Link zum Basic-Thinking-Blog von ihrer Blogroll, weil jede andere Blogroll ja auch darauf verlinkt, und weil man vom Basic-Thinking-Blog nie einen Backlink bekommen hat. Ersetzen den Link vielleicht durch einen auf ein anderes, weithin unbekanntes Blog, wo die gegenseitige Vernetzung noch funktioniert. Davon bekommen natürlich die deutschen Blogcharts nichts mit, bzw. sie registrieren nur eine Abnahme von Links zu den meistverlinktesten Blogs. Hinter dem scheinbaren Schwund der Verlinkung innerhalb der Blogosphäre würde dann in Wirklichkeit ein erwachtes Selbstbewusstsein unter den B- und C-Bloggern stecken, die einfach nicht mehr nur Multiplikatoren für die Blog-Elite sein wollen.


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