Kognitive Landkarten im Web

07.10.2007

Im kleinen, aber feinen Denkbrot-Verlag hat die Verlagsinhaberin Jutta Kowalski einen Band mit dem Titel Kognitive Landkarten im Web veröffentlicht. Das Softcover-Büchlein, das für 14,90 EUR direkt beim Verlag (versandkostenfrei) oder über den Fachbuchhandel beziehbar ist, nimmt sich ein wichtiges Usability-Thema vor: Jede größere Website lässt durch ihre Navigationsmöglichkeiten eine Art innere Sitemap im Kopf des Benutzers entstehen. Diese inneren Sitemaps bezeichnet die Autorin als kognitive Landkarten. Die kognitiven Landschaften bestimmen letztlich darüber, welche Strategien ein Benutzer einsetzt, um nach gewünschter Information zu suchen, und wie erfolgreich oder erfolglos er mit einem Webangebot umgeht.

Die Idee zu dem Band kam der Autorin laut eigener Aussage, als sie auf einer Website verzweifelt nach etwas suchte, wovon sie wusste, dass es dort irgendwo zu finden sein würde. Eine Bekannte, die sie schließlich hebeibat, suchte nicht verbissen im Textmenü, sondern warf einen Blick auf die gesamte Seite und entdeckte deshalb auch ein Symbol, das via Direktlink zum gewünschten Inhalt führte.

Sowohl Anwender als auch Webdesigner können aus der Studie, die Jutta Kowalski mit einigen Probanden durchgeführt hat, einiges lernen. Anwender können lernen, sich nicht auf eine Suchstrategie zu versteifen und sich bewusst zu sein, dass selbst eine Website, deren Usability lange durchdiskutiert wurde, niemals alles abdecken kann, was im Kopf eines Anwenders vorgeht — oder auch nicht vorgeht. Webdesigner und Webautoren können lernen, dass Usability nicht hunderprozentig planbar ist, und wie wichtig es ist, mehrere Wege zu jedem Ziel führen zu lassen.

Die Studie, die im Rahmen des postgradualen Studiengangs Professional Master of Science Technische Kommunikation an der Universität Krems eingereicht wurde, operiert durchaus wissenschaftlich, indem sie ihr methodisches Vorgehen und die Versuchsbedingungen genau beschreibt und reflektiert. Die Autorin betont jedoch, dass ein wissenschaftlich fundiertes Ergebnis leider nicht möglich sei, weil die Anzahl der Probanden zu klein war, um verallgemeinernde Aussagen treffen zu können. Als Ergebnis arbeitet sie zwei typische Suchstrategien heraus: eine flache, assoziationsorientierte Strategie, und eine tiefe, raumorientierte Strategie. Und noch falls jemand wegen des akademischen Jargons Bedenken hat, sich an der Lektüre zu versuchen: hier schreibt eine gelernte Technische Redakteurin. Sie schafft es, Fachjargon und schnörkellose, leicht verständliche Sprache zu kombinieren. Ein stilistisches Schmankerl der besonderen Art also!


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