Noch 100 Meter bis zum Internet

18.02.2007

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1999, als dieses Bild entstand, hatte das Internet irgendwie noch seinen festen Platz. Online war man nicht einfach, nein, man musste online gehen, zumindest im Privatleben. Über Analog-Modem oder ISDN-Karte wählte man sich bei seinem Provider ein, und dann musste man sich entweder beeilen, weil nach Zeittakt abgerechnet wurde, oder man musste sich im Konsum zurückhalten, weil man für die Menge der übertragenen Daten zahlte.

Sowohl die Tarifierung nach Zeit als auch diejenige nach Datenvolumen verhinderten nachhaltig, dass man sich sorglos im Web tummeln konnte. Denn gerade das Web verlangt eine gewisse Muße, und es werden kaum kontrollierbare Mengen an Daten dabei übertragen. Selbst diejenigen, die zu jener Zeit schon zu den Aktiven im Web gehörten und beispielsweise eine eigene Homepage hatten, waren die meiste Zeit ihres Lebens vom Internet getrennt. An ein „Leben im Web” war nicht zu denken.

Zufriedenstellend war diese Situation jedoch nicht. Man lebte in einer modernen, technisierten Welt, mit Airbags, automatischer Zimmertemperaturregelung und Dolby Surround. Doch beim Internet-Zugang wurde man den Eindruck nicht los, sich im Dampfmaschinenzeitalter zu befinden. Langsame, instabile und teuere Verbindungen sorgten immer wieder für Verärgerung. Der Druck auf den Providermarkt und die Industrie wuchs. Mit Erfolg: Mittlerweile sind sowohl Breitband-Zugänge als auch Flatrates nicht mehr nur in Hightech-Ländern auf dem Vormarsch. Besonders in Kombination ändern diese beiden Faktoren — Breitband-Zugang und Flatrate — aber auch das Nutzungsverhalten. Jetzt ist man online. Das Web ist kein fremdes Element mehr, in das man nur mit Tauchanzug und begrenztem Sauerstoffvorrat kommt, sondern man kann darin ganz normal atmen und sich so lange aufhalten wie man will.

Die Folgen, die dieser Wandel beim Nutzungsverhalten nach sich zieht, sind gewaltig. Plötzlich wird den Usern langweilig im Netz. Sie surfen nicht mehr nur schüchtern die Site ihres Lieblings-Stars oder ihres bevorzugten PC-Spiels ab, um vielleicht noch zwei, drei Cheats herunterzuladen. Sie sind plötzlich omnipräsent. Die Infrastruktur des Webs hat darauf bereits reagiert — mit jenen Angeboten, die gemeinhin unter „Web 2.0” subsummiert werden. Aber wird das Web wirklich profitieren, wenn zig Millionen Leute ihre Fotoalben statt im Wohnzimmerschrank auf Webservern aufbewahren, ihre täglichen Notizen in ein Blog schreiben und sich in Finde-Freunde-Communities zur Schau stellen?

Die Frage ist vermutlich müßig, weil die Entwicklungen im Web selbst die Antwort schon längst gibt. Auch ich musste mich von meiner anfänglichen Vorstellung verabschieden, im Web einfach nur ein originaldemokratisches Publikationsmedium zu sehen. Das ist es zweifellos, aber es ist eben noch viel mehr. Das Web ist nur mit Papier vergleichbar, welches ja bekanntlich geduldig ist und sich nicht nur für hochintellektuelle Ergüsse, sondern auch für hastige Notizen und belanglose Kritzeleien eignet. Und wie es weitergeht? Vielleicht so, wie es das EPIC-2015-Video (Flash) prophezeiht? (danke an stefan2904 für den Link zum ins Deutsche übersetzten Video)


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