Wie das Web den Rest des Internets frisst

28.07.2007

Ein Trend setzt sich immer stärker durch, der mit Sicherheit noch mehr als diese eine Meldung hervorbringen wird. Diese Meldung hier lautet: Mozilla will sich von Thunderbird trennen. Mozilla ist bekanntlich die Dachorganisation einiger sehr erfolgreicher OpenSource-Produkte, alle hervorgegangen aus der Mozilla Application Suite. Das bekannteste davon ist zweifellost der Firefox-Browser, dessen Anteile auf dem Browsermarkt 20-30% betragen, Tendenz steigend.

Nicht ganz so bekannt wie Firefox ist das E-Mail-Programm Thunderbird. Dennoch ist seine Verbreitung groß genug, um es nicht einfach abzustoßen wie ein faules Stück Haut. IT-News-World, wo eingangs verlinkter Artikel zu lesen ist, meint die wahre Antwort zu kennen. Wenn sie wahr ist, ist sie sicherlich spektakulär. Dem Artikel zufolge steckt Google dahinter. Google, das sich ja immer deutlicher als einziger ernstzunehmender Konkurrent zu Microsoft profilieren will, unterstützt aus ebendiesem Grund die Entwicklung des Firefox-Browsers. Das ist übrigens keine bloße Behauptung. So optimiert Google Suchergebnisse im Firefox-Browser, und Nutzer des Microsoft-Browsers MS Internet Explorer bekommen beim Aufruf der Google-Startseite schon mal Werbung für Firefox eingeblendet.

Als Gegenleistung dafür, so vermutet IT-News World, verlangt Google nun, dass Mozilla in Zukunft nur noch Web-Software anbietet. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil Google die „Webifizierung“ des Internets massiv vorantreibt. Google Docs soll die Alternative zur Desktop-Anwendungswelt von Microsoft Office werden, Google Groups soll die alter NNTP- und Newsreader-Welt überflüssig machen, und Google Mail tritt an, um E-Mail-Programme aus dem Rennen zu werfen. Wie also sollte Google einen Software-Anbieter unterstützen, der unter anderem auch ein zumindest nicht völlig unbekanntes Mailprogramm vertreibt?

Die Mutmaßungen von IT-News World sind zwar nicht belegbar, doch von der Hand zu weisen sind sie auch nicht. Mozilla kämpft weiter um wichtige Prozente im Browser-Markt. Ob man das Thunderbird-Projekt nun abstoßen will, um sich stärker auf die Weiterentwicklung des Firefox-Browsers zu konzentrieren, oder ob dies nur die offizielle Lesart eines Drucks ist, der in Wirklichkeit von Google ausgeht? Eins ist jedenfalls sicher: das allmähliche Sterben der klassischen Internet-Dienste geht weiter, weil sie durch leistungsstarke Webanwendungen und verändertes Nutzerverhalten (Flatrates) verdrängt werden. Web-Browser werden zur nächsthöheren allgemeinen Anwendungsschicht jenseits des Betriebssystems. Es ist kein Problem, wenn sie zwei Drittel des Arbeitsspeichers für sich alleine beanspruchen. So viel andere Anwendungen benötigt der konsequente Weblife-Mensch ja nicht mehr. Mozilla und Google haben diesen Trend jedenfalls erkannt. Google wohl schon länger, und Mozilla mittlerweile auch. Ob Google bei dieser Einsicht nachgeholfen hat, bleibt offen.


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