Barcamps - Kreativkonferenzen der Neuzeit

21.04.2007

Der gemeine ambitionierte Web-User bemüht sich ja, all die neuen Begriffe rund ums Web 2.0 zu verstehen — egal ob Social Bookmarks, Mashup, Tag Cloud oder Content-Syndication. Jetzt kommt noch eine weitere Vokabel dazu: BarCamp.

Warum das? Nun, wer Blogs liest, die sich mit den neueren Web-Trends auseinandersetzen, liest in letzter Zeit immer häufiger von BarCamp-Meetings. Und der verlinkte Wikipedia-Artikel klärt uns darüber auf, dass Ende September 2006 in Berlin und Wien die ersten BarCamps im deutschsprachigen Raum stattfanden, nachdem die BarCamp-Idee, die ihre Initialzündung ein Jahr zuvor im kalifornischen Palo Alto hatte, sich binnen weniger Monate fieberhaft rund um den Globus ausgebreitet hatte.

Ob der Begriff „BarCamp“ aber nur deshalb so cool ist, weil er aus der gleichen Wortschmiede stammt wie der Begriff „Web 2.0“? Beide gehen auf den O’Reilly Verlag zurück, der die Phantasie der Techie-Szene seit jeher beflügelt — mit vorwiegend gut geschriebenen Computerfachbüchern, auf deren Titel meist ein handgezeichnetes Wildtier prangt. Der O’Reilly Verlag genießt aber auch deshalb Kultstatus, weil er sich stärker als andere Verlage um die OpenSource-Szene kümmert. Das wiederum hängt eng damit zusammen, dass O’Reilly jahrelanger Arbeitgeber von Larry Wall war, dem Entwickler der OpenSource-Scriptsprache Perl.

Doch zurück zu den BarCamps: wie eine Suche bei Bloglines zeigt, wird viel über Barcamps geschrieben. Das ist ja auch ganz normal, da BarCamp-Teilnehmer sich nicht selten über ihre Blogs organisieren. Und die zahllosen Digitalfotos, die zu Real-Life-Treffen von Onlinern gehören wie das Salz zur Brezel, müssen natürlich auch veröffentlicht werden — meist direkt vom BarCamp aus über Flickr oder ähnliche Services.

Und was passiert auf einem typischen BarCamp? Damit es den Charakter einer Fachveranstaltung hat, werden Vorträge gehalten. Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich, ihre Arbeit, ihr Projekt oder ein Thema, mit dem sie sich näher befassen, in einem Vortrag vorzustellen. Die Vorträge sollten nicht zu lang sein, um vorzeitige Ermüdungserscheinungen zu vermeiden. Darüber hinaus wird sich natürlich intensiv ausgetauscht. Kennenlernen kann man sich zwanglos beim Versuch, das eigene Notebook am nächsten WLAN anzumelden, oder beim letzten Bier, das man, in den Schlafsack gekuschelt, genießt, bevor die Sonne endgültig schon wieder aufgegangen ist und man seine zwei Stunden Schlaf nimmt.

Wem das jetzt noch zu allgemein ist, der kann ja mal beispielhaft in das Wiki zum Barcamp Frankfurt hineinschauen. Es ist nämlich kein Zufall, dass dieser Beitrag über Barcamps heute veröffentlicht wird. Irgendwas soll das Volk ja lesen, während die Crème de la Crème der Bloggerszene abgesehen von ein paar hastigen Live-Beiträgen direkt vom Barcamp in Frankfurt, das just stattfindet, kaum zum Schreiben kommt. Ein Blick in die Themenvorschläge beweist, dass ein BarCamp durchaus eine Menge Weiterbildungspotential hat. Von modernem Webdesign über Freifunk, CakePHP und die Entwicklung einer Suchmaschine bis hin zu Web 2.0 in China und dem Betreiben eines lokal orientierten Blogs reicht das Themenspektrum, das in diesen Stunden im Firmengelände von Cisco in Frankfurt behandelt wird.

Neu ist die Idee der BarCamps sicher nicht. Schon vor sehr langer Zeit hatten Konzile ganz ähnliche Aufgaben. Doch das ist kein Argument gegen BarCamps, sondern bestätigt eher, dass die Selbstorganisation der modernen Webworker weiter zunimmt. Deren Einfluss sollte niemand unterschätzen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Web-Standards, an die wir uns in fünf oder zehn Jahren halten werden, viele Webanwendungen, mit denen wir dann arbeiten werden, und viele Problemlösungen, für die wir dann dankbar sein werden, ihren geistigen Ursprung in einem der vielen BarCamps gehabt haben werden.


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