Online-Lesen im Wandel

14.04.2007

Als ins breite Bewusstsein gelangte, dass viele Webseiten nicht nur zum Klicken und Mal-Kurz-Reingucken gedacht sind, sondern lesbare Informationen enthalten, war der Widerstand noch groß. Die fehlende Haptik der Bildschirmtexte wurde bemängelt, und natürlich, dass man sie nicht in gemütlicher Umgebung (Bett, Café, Toilette) konsumieren kann.

Dank der modernen Notebooks hat sich zumindest letzteres Argument etwas entschärft. Interessanter ist jedoch ein schleichender Wandel, der mittlerweile zu beobachten ist. Während der 1999 erschienene Artikel Elektronische Wörter und grafischer Zeitgeist noch von revolutionären Ansichten sprach, die man hatte, wenn man eine künftige Ablösung von Papier-Medien durch elektronische Medien ernsthaft in Erwägung zog, so wird mittlerweile viel offener darüber gesprochen. Ein Beispiel ist der aktuell erschienene Heise-Beitrag re:publica: „Print ist tot“.

Hintergrund ist die Veranstaltung re:publica07, die gerade in der Berliner Kalkscheune stattfand. Veranstaltet von zwei führenden Blogger-Institutionen, Spreeblick und Netzpolitik.org, hatte die Blogger-Konferenz den Zweck, den Alltag der Blogger zu reflektieren.

Generell lässt sich feststellen, dass Printmedien noch am ehesten eine lange Zukunft haben, wo Wertigkeit gefragt ist, also etwa bei Hardcover-Büchern und großformatigen Bildbänden. Am bedrohtesten sind dagegen jene Papiermedien, die Aktuelles enthalten und für den schnellen Einwegkonsum gedacht sind — allen voran die Tageszeitungen. Die Absatzzahlen von Zeitungen und Zeitschriften sinken bereits (wohlgemerkt: nur die Absatzzahlen der Printausgaben). Noch spricht niemand vom Blättersterben, weil die meisten Magazine aus Auflagenhöhen sinken, die weit über der Rentabilitätsgrenze liegen. Doch wenn der Sinkflug weitergeht, werden im Lauf der nächsten zehn Jahre bereits etliche Printausgaben von Zeitungen und Zeitschriften betroffen sein. Interessant hierzu ist auch der Artikel Zukunft der Zeitung von Dr. Friedhelm Haak.

Einig sind sich gegenwärtige Einschätzungen meist darin, dass derzeit noch nicht genau absehbar ist, wie schnell die Entwicklung tatsächlich voranschreitet, und welche Konsequenzen wann zu spüren sein werden. Viel hängt auch davon ab, wie sich die tatsächliche Akzeptanz des Lesens von Texten online am Bildschirm weiterentwickelt. Feedreader etwa tragen viel dazu bei, das Lesen am Bildschirm effizienter und übersichtlicher zu gestalten. Aber bis es wirklich preiswerte Breitband-Flatrates fürs Funknetz gibt und das Notebook auch in jeder U-Bahn online bleibt, ist immer noch ein gutes Stück Weg.


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