Jens Meiert über den Kampf der HTML-Entwürfe

13.03.2007

Zwar haben sich zu den klassischen Texten im Web mittlerweile eine Menge multimedialer Inhalte hinzugesellt. Doch das ändert nichts daran, dass immer noch HTML oder XHTML die Basis fast aller Webseiten ist, und daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Grund genug, die Entwicklung dieser Basis- und Schlüsseltechnologie zu verfolgen. Jens Meiert gehört zu denen, die diese Entwicklung genau mitverfolgen und darüber berichten. In dem gerade erschienen Artikel (X)HTML 5 und XHTML 2 im Vergleich, einem Artikel, den Meiert aus dem Englischen übersetzt hat, wird der aktuelle Stand der Dinge unter dem Aspekt beleuchtet, dass mittlerweile zwei konkurrierende Entwicklungsstränge existieren.

Der eine ist der offizielle Strang: XHTML 2.0 vom W3-Konsortium. Derzeit noch immer im Stadium eines Entwurfs (working draft), verfolgt XHTML 2.0 vor allem die perfekte Integration in die XML-Welt sowie den konsequenten Abschied von allem physischen Markup.

Die Vorstellungen der W3C-Arbeitsgruppe zu HTML sind in den letzten Jahren jedoch immer stärker in die Kritik der Fachwelt geraten. Praxisfernes HTML aus dem akademischen Elfenbeinturm sei das, was dort produziert werde, so die Kritiker. Gleichzeitig begannen auch vom W3-Konsortium mehr oder weniger unabhängige Arbeitsgruppen, alternative Entwürfe für einen künftigen HTML/XHTML-Standard zu entwickeln. Die bekannteste dieser Initiativen ist die WHATWG Community. Dort entsteht eine Spezfikation mit dem Titel Web Applications 1.0, die soeben (12.03.2007) in einer neuen Working Draft veröffentlicht wurde.

Meierts übersetzter Artikel leistet eine Gesamtschau über die Stärken und Schwächen der beiden Entwürfe. Dabei spart er nicht mit Wertungen. Es gibt eine Menge, was der Artikelautor cool findet, aber auch so einiges, was er für ganz und gar uncool hält. Der Artikel ist damit ein lebendig geschriebener, guter Einstieg, um sich vielleicht einmal näher mit den beiden Entwürfen zu befassen.

Insgesamt kommt der W3C-Entwurf zu XHTML 2.0 etwas besser weg. Es mag der Blick „in the long run“ sein, der einer konsequenten XML-Integration auf die Dauer den Vorzug gibt vor zweifellos nachvollziehbaren Bemühungen, (X)HTML der gegenwärtigen Praxis anzupassen.

Doch wer sagt eigentlich, dass es ein Rennen sein muss, das nur einen Sieger haben kann? Was sollte dagegensprechen, führende Browser künftig einfach mit Parsern für beide Dokumenttypen auszuliefern? Webautoren könnten sich dann für den Dokumenttyp entscheiden, den sie für ihre Zwecke besser gebrauchen können, oder mit dem sie einfach vertrauter sind. Vielleicht geht der Weg einfach dahin, sich von dem einen, alleinseligmachenden HTML zu verabschieden. Ein Zerbrechen der Einheit des Web wäre dadurch jedenfalls nicht zu befürchten.


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