Karos Welt des technischen Verständnisses

02.03.2007

Im Blog-Eintrag Web 2.0 für Normalos ging es ja schon einmal um das Thema: Wie kann man die Welt des modernen Web so vermitteln, dass ganz normale Leute, die einen Internetzugang haben, sich aber noch nie mit all den neueren Trends und Möglichkeiten im Web befasst haben, Zugang dazu finden?

Im bekannten Basic-Thinking-Blog veröffentlichte dessen Betreiber Robert Basic gestern einen Beitrag mit dem Titel Wenn Karo spricht schweigen die IT-Krümel. Der Beitrag selbst ist nicht sehr beredt, und das eingebettete Video wollte ich auch nicht aufrufen. Erst die teils peinlichen Kommentare zum Eintrag machten mich so ärgerlich, dass ich beschloss, die Seite, um die es da ging, doch mal aufzurufen: http://www.karo-erklaert-it.de/archiv

Zunächst war ich erst mal verblüfft von dem unkonventionellen Webdesign und dachte, ich sei bei einem Reseller für Barbie-Puppen gelandet. Doch wo ich nun schon mal da war, klickte ich mal einen Eintrag aus dem „Archiv“ an und ging in medias res. Der Beitrag zum ISO/OSI-Schichtenmodell war meine erste Wahl. Danach probierte ich noch eine Reihe anderer Videos. Insgesamt gesehen hatte ich durchaus meinen naiven Spaß mit dieser perfekten Veranschaulichung des Begriffs „blond“. Und das soll auch keine Beleidigung sein — in der Folge über Bugs erklärt sich Karo selber für blond im Kopf, und dass sie genau mit diesem Anspruch auftritt.

Doch was bleibt von dem Besuch bei Karos Welt des technischen Verständnisses hängen? Zumindest eine Rückbesinnung darauf, wie weit „unten“ man vom Vorwissen her betrachtet eigentlich ansetzen muss, um wirklich Leute zu erreichen, denen die Welt des Web bislang eher ein Rätsel ist. Und trotz aller süffisanten Bemerkungen, die über Karo wohl noch zu lesen sein werden, ist ihr Ansatz doch der richtige: wenn du schon keine präzisen, technisch korrekten Definitionen von Fachtermini in die Köpfe der Leute bekommst, dann pflanze dort zumindest einfache Bilder ein, die nicht völlig verkehrt sind. In den Religionen hat diese Vorgehensweise bereits eine lange Tradition. Was den Lerneffekt betrifft, so würde ich allerdings etwas, das sich auf dem Level der Sendung mit der Maus bewegt, doch für geeigneter halten als Karos Ansatz.

Ein Besuch bei Karos Welt des technischen Verständnisses sei aber durchaus auch erfahrenen Webanwendern empfohlen, die nicht unbedingt täglich auf YouTube verkehren, aber dennoch mal in die Tiefen jener neuen „Web 2.0“-Welt hineinschnuppern wollen. Karos Site ist nämlich so überschaubar wie die Startseite von Google, aber dennoch ein perfektes Beispiel für typische Charakteristika von „Web 2.0“. Das Medium Video und die schamlos amateurhafte Art der Präsentation prägen viel von dem, was Leute zu unvorstellbaren Scharen auf Angebote wie YouTube lockt. Web-2.0-geprägte Denker sprechen von Authentizität, was wiederum für Erschaudern bei jenen sorgt, die unter „Input“ eher spätabendliche Politrunden im Fernsehen, verbunden mit einem Glas Riserva-Rotwein verstehen. Da findet ein Kampf der kulturellen Gewohnheiten statt — und die einzig dumme Reaktion ist, sich nicht damit auseinanderzusetzen.


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