Gedanken zum Shutdown-Day

26.02.2007

Wie die Süddeutsche Zeitung und andere berichten, sollen am 24. März 2007, einem Samstag, alle (Personal?) Computer aus bleiben. Stattdessen sollten sich ihre Besitzer draußen einen schönen Tag machen und vielleicht ein paar Freunde treffen. Auf der Initiatoren-Seite shutdownday.org können User via Abstimmung kundgeben, ob sie 24 Stunden ohne Computer auskommen können oder nicht.

Ein netter Marketing-Gag, der vermutlich in den nächsten Wochen nicht nur die Laber-Foren des Webs beschäftigen wird, sondern bis in die Kneipen zu den Stammtischen vordringen wird. Und ja, die meisten von uns kommen 24 Stunden ohne PC aus, genauso wie sie 24 Stunden ohne Autofahren, ohne Sex und ohne Fußball auskommen. Aber vielleicht wird der Marketing-Gag ja ein voller Erfolg, und zig Millionen Menschen befolgen die Aufforderung: Die Autobahnen zu den Freizeitparks werden dann so verstopft sein, dass die meisten den Tag in der Natur nur durch die offene Autofensterscheibe erleben werden. Die Kaufhäuser in den Fußgängerzonen werden zeitweise wie Oktoberfestzelte wegen Überfüllung geschlossen werden müssen. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser werden überquillen mit Brüchen, Wunden und Verstauchungen, weil viele ihre Fähigkeiten beim ersten Mountain-Biking seit Jahren doch überschätzt haben. In Restaurants werden sich viele hungrige und durstige Menschen um wenige vorhandene Plätze streiten. In den Schwimmbädern wird man das Wasser nicht mehr sehen können vor lauter Badegästen. In 150 Ländern wird man am Ende etwa 500 Tote und 100.000 Verletzte in Folge der ungewöhnlichen Tagesplanung zu beklagen haben.

Nein, da bleibe ich dann doch lieber zu Hause an dem Tag, genieße die vollen Bandbreiten im Netz, und am Sonntag, also einen Tag danach, werde ich etwas Schönes unternehmen. Und ich werde denken „Selbstbestimmung ist doch eine feine Sache“ — mit und ohne Computer.


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