Este Eindrücke von Newsgrape

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erste-eindruecke-von-newsgrape.png Das Social-Publishing-Portal aus Deutschland/Österreich wagt eine öffentliche Pre-Beta-Phase

Gehört hatte ich bereits vor einigen Monaten von Newsgrape. Es war als Beispiel für die neue Generation vielversprechender Startups aus dem deutschsprachigen Raum gepriesen worden. So richtig aufmerksam geworden bin ich jedoch erst durch den Artikel Ein erster Blick auf Newsgrape auf netzwertig.com. Trotz einiger Anfangsprobleme (die Plattform konnte mir keine Freischalt-Mails zusenden, weil sie von GoogleMail irrtümlich als Spamquelle eingeordnet wurde) bekam ich meinen Zugang prompt. Leo Fasbender, einer der Mitbegründer, schaltete meinen Account auf Nachfrage hin höchstpersönlich frei. Hätte ich 2004 in Harvard studiert, hätte ich wohl vergleichbare Erlebnisse mit Marc Zuckerberg schildern können.

Womit wir beim Vergleichen wären. Jeder Artikel über Newsgrape muss Vergleiche bemühen. Denn zunächst gilt es, die Charakteristik der Plattform überhaupt zu verstehen: Für wen ist das interessant? Welche Vorteile hat Newsgrape gegenüber anderen Möglichkeiten, sich im Web zu "outen"? Newsgrape hat auf jeden Fall von vielem etwas: Ähnlich wie Posterous, Tumblr und ähnliche Blogging-Plattformen ermöglicht es einerseits das Publizieren in Form von Artikeln, während es andererseits alle Plattform-Benutzer enger zusammenbringt - durch die Möglichkeit zu abonnieren, zu kommentieren und zu bewerten.

Vergleiche und Einordnung

Vergleicht man allerdings die Plattform-Startseiten von Posterous, Tumblr und Newsgrape (Stand: Redaktionszeitpunkt, also 12.02.2011), so fällt auf, dass Newsgrape als einzige Plattform gleich auf der Startseite User-Inhalte dominieren lässt. Zwar bringen es nur die erfolgreichsten Artikel auf die allgemeine Startseite. Doch wer das Glück hat, dort verlinkt zu werden, während der Google-Bot vorbei kommt, kassiert einen der dicksten Pluspunkte, die Google zu vergeben hat. Auch die zweitoberste öffentliche Seite Artikel hat diese Funktion. Dort erscheint jeder neue Artikel mal - mehr oder weniger kurz.

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Die Startseite von Newsgrape mit Artikelübersicht

Es gibt aber noch mehr, was bei näherem Hinsehen anders ist als bei den bekannten Blogging-Plattformen. Das beginnt damit, dass nirgends von Blogs, Blogging oder Bloggern die Rede ist. Stattdessen bemüht Newscrape für sein User-Interface Begriffe aus der Printmedienwelt: Artikel statt Posts, und Magazine statt Gemeinschafts-Blogs. Bei Magazinen gibt es Benutzergruppen wie Chef-Redakteure, Redakteure und Kolumnisten. Das Erstellen eines Artikels sieht ein Feld für einen Teaser-Text vor. Und für jeden Artikel wird - ganz im Stil von SPON oder Focus online - eine Aufmachergrafik anempfohlen. Will man bei Newscrape also gar keine typischen Blogger? „Wir haben sehr viel direkten Austausch mit Bloggern – bei jedem von uns gehen mindestens 20 Mails pro Tag ein, in denen wir Fragen und Anregungen zu Newsgrape bekommen. Wir versuchen viele Ideen noch vor der Pre-Beta umzusetzen. Die Leute merken, dass hier nicht um die Wünsche der Szene herumgebaut wurde.“ Soweit dazu die Newsgrape-Gründer Häusler und Fasbender in einem Interview im Circus bookazine. Dennoch hat die gewählte Terminologie sicherlich auch gute Gründe: man möchte offensichtlich die Kultur der Publizistik fördern und eine Plattform für Journalismus im weitesten Sinne (auch Bürgerjournalismus) bieten. Wer auf Newsgrape schreibt, soll das im Bewusstsein tun, im Web zu publizieren, und nicht einfach nur alles was ihm gerade einfällt auf einem öffentlich zugänglichen Blog absondern.

Von den Gründern selbst stammt der Vergleich „YouTube für Texte“. Tatsächlich gibt es viele Ähnlichkeiten zu der von Google betriebenen Video-Plattform. Dazu gehören vor allem die Funktionen zur Vernetzung der Plattform-Autoren untereinander. Diese können nicht nur gegenseitig abonnieren, kommentieren und bewerten, sondern sich auch gegenseitig direkte Nachrichten senden. Im Newgrape-Bereich E-Go (nur zugänglich im registrierten Zustand) können sie ihren Blick auf die Plattforminhalte individualisieren. Abonnierte Autoren lassen sich beispielsweise in thematische Gruppen unterteilen, und neben den dem bereits erwähnten direkten Nachrichtensystem gibt es eine Favoritenverwaltung.

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Der E-Go-Bereich von Newsgrape: personalisierte Inhalte für registrierte User

Editieren und Publizieren

Der gegenwärtige Status von Newsgrape ist pre-beta. Vieles ist noch unausgereift, unvollständig, fehlerbehaftet oder noch gar nicht implementiert. Ein Betaforum (nur im registrierten Zustand zugänglich) wurde eingerichtet, um Usern die Möglichkeit zu geben, Fehler zu melden, Wünsche zu äußern oder über Funktionen zu zu diskutieren.

Die Grundfunktionen zum Publizieren stehen jedoch so weit zur Verfügung, dass sie benutzbar sind. Ein Wysiwyg-Editor ermöglicht das Erstellen von Artikeln. Dieser wirkt momentan noch recht spartanisch, doch einige Dialoge, wie etwa der zum Setzen von Hyperlinks, lassen erkennen, dass der Editor einmal ein ausgereiftes Werkzeug werden soll. Ein Umschalten auf HTML-Code-Ebene ist nicht möglich, was sehr schade ist, denn dadurch ist es technisch versierteren Autoren nicht möglich, das volle Potenzial an Möglichkeiten zu nutzen, beispielsweise neuere Inhalte wie Grafiken oder Animationen mit dem canvas-Element, das Einbetten von Drittanbieter-Widgets oder auch die Verwendung von Mikroformaten. Vermutlich sind die Plattformbetreiber, was diesen Punkt betrifft, in Sorge um Missbrauchsmöglichkeiten. Aber es gibt durchaus Sandbox-Lösungen, wie etwa die auf Wikidot verwendeten HTML-Blöcke. Letztlich ist es eine Frage der Abwägung von Restrisikobereitschaft und Entgegenkommen an die Nutzergemeinde.

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Erstellen von Inhalten: Wysiwyg-Editor und Metadaten

Das Zwischenspeichern von erfassten Inhalten ist zwar möglich, doch es gibt derzeit noch kein Dashboard, in dem auch angefangene, unveröffentlichte Artikel aufgelistet werden. Das wäre auf Dauer eine unbedingt erforderliche Funktion, denn viele Autoren fangen Artikel einfach mal im Rahmen einer Ideensammlung an, um sie irgendwann auszuarbeiten.

Wenn fertige Artikel veröffentlicht werden, erhalten sie einen unveränderlichen Publikationszeitstempel, unter dem sie bei chronologischer Anzeige von Artikellisten eingeordnet werden. Es ist derzeit nicht möglich, Artikel zum Beispiel mit einem Publikationsdatum in der Vergangenheit zu versehen, was etwa bei älteren Texten, die auf der neuen Plattform wiederveröffentlicht werden sollen, durchaus zweckmäßig wäre.

Bemerkenswert sind dagegen die von vorneherein vorgesehenen Möglichkeiten, um Artikel zu kategorisieren, zu verschlagworten, sowie sprachlich und regional einzuordnen. Es ist deutlich erkennbar, dass die Plattformentwickler von den Autoren eine redaktionelle Mitverantwortung für die intelligente Auffindbarkeit von Inhalten innerhalb der Plattform fordern. Das ist schließlich in aller Interesse. Beim Erstellen von Artikeln sollte man sich deshalb auf jeden Fall ein paar Minuten Zeit für die redaktionellen Metadaten nehmen.

Schnittstellen und Refinanzierung

Im Social Media Connector (nur registrierten Anwendern zugänglich) besteht die Möglichkeit, den Newsgrape-Account mit bestehenden eigenen Accounts auf Twitter und Facebook zu verknüpfen. Bei neu publizierten Inhalten wird dann auf Twitter und Facebook automatisch ein Hinweis gepostet. Es ist wahrscheinlich, dass später auch noch andere Microblogging- und Network-Plattformen in den Social Media Connector mit aufgenommen werden.

Von RSS- oder Atom-Feeds ist derzeit noch gar nichts zu sehen. Im weiter oben verlinkten Circus-bookazine-Interview der Newsgrape-Gründer erwähnen diese jedoch ausdrücklich, dass auch Feeds angeboten werden sollen. Allerdings haben die Plattformbetreiber ein großes Interesse daran, dass die Inhalte vorzugsweise auf der Plattform selber konsumiert werden. Denn davon lebt letztlich die plattform-eigene Teilnehmervernetzung. Noch schwerer wiegt jedoch, dass ein zentrales Geschäftsmodell der Plattformbetreiber daran hängt. Diese werben nämlich auch damit, dass Autoren zu 75% an den Einnahmen aus eingeblendeter Werbung auf ihren Artikelseiten beteiligt werden sollen. Wie das derzeit noch nicht verfügbare System mit intelligenter Werbung genau funktionieren soll, darüber geben sich die Betreiber bedeckt: „Ein erfolgreiches Newsgrape wird auf Grund des Inhalts einen der besten Werbeplätze des Webs darstellen. Wir haben ein Werbesystem unter dem Arbeitstitel “SYL” in der Mache, dass die klassische Bannerwerbung um ein paar Faktoren reicher machen wird und so die sogenannte 'Conversion' um ein Vielfaches erhöhen wird. Da können wir jetzt aber die Karten noch nicht auf den Tisch legen.“ (Circus bookazine-Interview).

Fazit

Auch beim Konzept der Refinanzierung für Autoren gehen die Betreiber bewusst andere Wege, als etwa auf das in der Blogszene gehypte Flattr zu vertrauen. Erkennbar ist insgesamt, dass mit Newsgrape eine Plattform entstehen soll, die sich offenbar bewusst von typischen Standards und Begriffen der Blogosphäre löst und stattdessen so etwas wie Social Publishing im Visier hat, eine neue, vernetzte Form von Journalismus, bei der Profi- und Laienerzeugnisse im gleichen Layout unter gleichen Voraussetzungen erscheinen, inklusive Refinanzierungsmöglichkeit.

Für interessierte Autoren ist es durchaus empfehlenswert, jetzt schon in die Plattform einzusteigen. Wer die Hürde der Voranmeldung und einer kleinen Wartezeit bis zur Freischaltung des Beta-Zugangs auf sich nimmt, kann schon jetzt, wo erst ein paar hundert bis tausend Teilnehmer den Newsgrape-Planeten bevölkern, damit beginnen, sein Netzwerk aufzubauen. Es zwingt einen ja niemand, ausschließlich auf Newsgrape zu publizieren. Wer etwa ein Blog betreibt und einfach nur mal experimentieren möchte, kann beispielsweise ausgewählte Blogposts auf Newsgrape als Artikel zweitveröffentlichen.

Wir werden den Journalismus verändern.“ So selbstbewusst geben sich die Gründer jedenfalls in einer ZEIT-Online-Debatte.

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