Fusion Tables - die Cloud-Datenbank von Google

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Während der eigentlichen Blog-Pause hier sind durchaus einige Beiträge entstanden, die in das Blog gehören. Diese sind jedoch in einem Posterous-Blog gelandet. Nach und nach sollen sie jetzt ins hiesige Blog übernommen werden, teilweise ergänzt und erweitert. Der Artikel über Google Fusion Tables wurde am 04.08.2010 erstveröffentlicht. Er wird hier noch um einige Details ergänzt, die sich aus einer Diskussion zu dem Originalartikel innerhalb von Google Buzz ergeben haben.

Es gibt bekanntlich viele Services von Google, die kaum jemand kennt. Egal ob Google Kino oder Follow Finder - Google probiert viel aus und überlässt solche Testballons in aller Regel auch sehr lange Zeit sich selber. Die meisten werden sogar überhaupt nicht mehr entfernt. Vor allem, wenn es sich um Services handelt, bei denen User Zeit investieren und denen sie Daten anvertrauen.

Fusion Tables ist auch so ein Service, von dem die meisten Normalanwender noch nie etwas gehört haben, geschweige denn, dass sie wissen, was man damit anstellen kann. In Stichpunkten zusammengefasst bietet dieser Service folgende Möglichkeiten:

  • Inhaber eines Google-Accounts können vorhandene, datensatzartige Datenbestände in eigene, neu erstellbare Tabellen importieren. Der Import ist möglich aus CSV-Dateien, Excel-Dateien (xls), OpenDocument-Tabellen (ods), aus Google-Docs-Tabellen und aus KML-Dateien (dem Format für Google-Earth-Topics).
  • Tabellen sind sortierbar und filterbar. Nach jeder Spalte kann sortiert werden, und für jede Spalte sind Filter wie “Wert ist gleich”, “Wert ist größer als”, “Wert beginnt mit” oder “Wert endet auf” setzbar. Spaltenfilter sind beliebig kombinierbar.
  • Es ist skalierbar, wer lesend und wer schreibend auf eine Tabelle zugreifen darf, und wer sogar die gleichen Berechtigungen hat wie der Urheber der Tabelle selbst. Tabellen können wahlweise privat sein, bestimmten anderen Anwendern zugänglich gemacht werden, “heimlich veröffentlicht” werden (wer die URL kennt, kann zugreifen), oder “richtig veröffentlicht” werden (sie erscheinen dann auch in der Google Suche, werden also öffentlich auffindbar).
  • Die Strukturen einer Tabelle sind änderbar. So können Spalten hinzugefügt, umbenannt oder gelöscht werden. Selbstverständlich können auch Datensätze editiert, hinzugefügt und gelöscht werden, sofern man Eigentümer der Tabelle ist oder Bearbeitungsrechte erhalten hat.
  • Das System kann durchaus größere Datenmengen verarbeiten. Eine öffentlich zugängliche Tabelle mit allen nigerianischen Postleitzahlen (ausgewiesen für jede einzelne Straße) etwa hat derzeit über 1,6 Millionen Zeilen und wird flott präsentiert. Es gibt jedoch auch diverse Obergrenzen. Mehr dazu weiter unten.
  • Daten aus zwei Einzeltabellen lassen sich in einer resultierenden Tabelle vermischen (mergen). Das Mergen geschieht über gleiche Werte in Spalten aus beiden beteiligten Tabellen, wobei frei wählbar ist, welche Spalten verglichen werden sollen.
  • Fusion-Tabellen können als CSV-Dateien exportiert werden, die sich dann wiederum in Programmen wie Excel oder in Datenbankanwendungen importieren lassen.
  • Ausgewählte Tabellendaten lassen sich ähnlich wie in einer Spreadsheet-Anwendung in Diagrammform visualisieren.
  • Es lassen sich definierte Views auf eine Tabelle speichern (z.B. um nur bestimmte Spalten anzuzeigen, also etwa eine Telefonliste statt einer vollständigen Kontaktliste).
  • Jede Zeile (also jeder Datensatz), jede Spalte (also jedes Feld) und jede Zelle (also jedes Einzeldatum) ist kommentierbar. Es wird gespeichert, welche Person wann welchen Kommentar gepostet hat. Pro Element sind beliebig viele Kommentare möglich, so dass Diskussionen zu Einträgen entstehen können. Kommentare sind separat anzeigbar, durchsuchbar und filterbar, z.B. nach Urheber oder Bezugsdaten.
  • Es gibt eine Fusion Tables API, also eine Programmierschnittstelle, die es ermöglicht, den Service für eigene Zwecke anzupassen und beispielsweise Daten eigene Webanwendungen abzufragen und zu speichern.

Nigerianische Postleitzahlen in Fusion Tables

Beschränkungen und Obergrenzen gibt es aber auch. Diese sind allerdings für die meisten Anwendungsfälle ausreichend. Folgende Beschränkungen und Grenzen sind bekannt:

  • Import-Dateien dürfen maximal 100 MB groß sein.
  • Requests, die an den Server von Google Fusion Tables gesendet werden, dürfen maximal 1 MB groß sein.
  • Anwendungen, welche die weiter oben erwähnte Fusion Tables API nutzen, können maximal 5 Requests pro Sekunde an den Server von Google Fusion Tables senden.
  • Das Mergen (Mischen) von Tabellen arbeitet ausschließlich mit dem sogenannten left outer join. Das bedeutet, die erste (linke) Tabelle wird in der resultierenden Mischtabelle vollständig abgebildet, auch wenn es in der Vergleichsspalte keine Übereinstimmungen mit der zweiten (rechten) Tabelle gibt.

Ruft man Fusion Tables auf, wird bereits eine Tabelle angezeigt: nämlich eine Liste verfügbarer Tabellen. Die Liste ist filterbar nach allen Tabellen, öffentlich verfügbaren Tabellen, eigenen, privaten Tabellen oder nichtöffentlichen Tabellen, bei denen man selber als Mitleser oder Mitarbeiter hinzugefügt wurde.

Um eine neue Tabelle anzulegen, klickt man einfach auf New Table. Es gibt derzeit noch keinen service-eigenen Editor zum Erstellen neuer Tabellen. Deshalb müssen Tabellen erst mal importiert werden. Es genügt, eine kleine Textdatei mit einer Zeile zu erstellen. In dieser Zeile werden kommagetrennt (keine Semikolons) die gewünschten Spaltenüberschriften notiert. Die Datei wird mit der Endung .csv abgespeichert. In Google Fusion Table wird sie sodann importiert. Die erstellte Zeile wird als Kopfzeile mit der Definition der Spaltenüberschriften interpretiert. Mittlerweile gibt es außerdem die Möglichkeit, eine beliebige Tabelle aus dem Spreadsheet-Modul von Google Docs zu importieren.

Und zu welchen Zwecken kann man Fusion Tables nutzen? Da gibt es viele:

  • für Shared-Contact-Listen,
  • als einfacher Issue-Tracker,
  • als Vokabeltrainer,
  • als Fahrtenbuch,
  • für die Aufzeichnung von Messergebnissen,
  • für Inventarlisten,
  • für die attraktive Web-Publikation umfangreicher Tabellendaten.

Wer sich mit anderen über den Service austauschen möchte, findet auf der Google-Group Fusion Tables Users Gleichgesinnte.

Auch wenn Fusion Tables derzeit noch eher eine experimentelle Anwendung ist, so hat sie durchaus anspruchsvolle Ziele. Dass Google mit dem Fusion-Service keine kleinen Brötchen backen will, geht aus dem folgenden Video hervor:

Ich freue mich jedenfalls schon, wenn (wie geplant) auch dieser (wie alle übrigen Google-Services) auch für Google Apps verfügbar werden.

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