Was ist eigentlich: Wikileaks?

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Was ist genauso bedeutend wie die Wikipedia und ebenfalls ein Wiki? Die Antwort lautet: Wikileaks. Beide basieren sogar auf der gleichen Wiki-Software. Einen wichtigen Unterschied gibt es aber: Bei der Wikipedia sind die Gründer bekannt und gefeiert. Die Gründer von Wikileaks haben dagegen gute Gründe, anonym zu bleiben. Denn während Wikipedia das bekannte Wissen der Welt sammelt, sammelt Wikileaks so ziemlich alles, was von den „herrschenden Kasten“ vor der Welt verborgen werden soll.

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Das erfordert völlig andere Betriebsvoraussetzungen als eine Enzyklopädie. Zum Benutzergrundwissen über Wikileaks gehört, dass es nicht nur über den Domain-Namen http://wikileaks.org/ erreichbar ist, sondern auch über IP-URLs wie http://46.59.1.2/ oder http://88.80.13.160/ — so ist Wikileaks erreichbar, wenn mal wieder ein vermeintlich Geschädigter erwirkt hat, dass der Domain-Name aus dem DNS entfernt wird, so wie Anfang 2008, als die schweizer Bank Julius Bär eine entsprechende gerichtliche Verfügung erwirkte. Man kann natürlich auch einen der ca. 150 Alternativ-Domainnamen verwenden, unter denen Wikileaks erreichbar ist. Die IP-Adresse ist aber insofern sicherer, als immer mal wieder einzelne Domainnamen gesperrt sind, so auch die deutsche http://wikileaks.de/ — gerade erst in diesem Frühjahr hat das Denic diese Domain sperren lassen.

Im Heise-Artikel 25C3: Wikileaks-Gründer beklagt leichte Zensierbarkeit des Internet heißt es: „Die Macher von Wikileaks selbst sehen ihre Seite mit Spiegelservern in zahlreichen Ländern als Plattform, um geheim gehaltene, zensierte oder anderweitig nicht frei zugängliches Materialien von politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder diplomatischer Bedeutung ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Der Online-Auftritt sei nicht nur anonym, sondern durchaus auch aufgebaut im Hinblick auf das Ziel, "unzensierbar" zu sein, erläuterte ein Mitstreiter Assanges. Glücklicherweise hätten Länder wie Belgien, Schweden oder die USA starke Gesetze, welche die Pressefreiheit und investigative Journalisten schützen würden.“

In letzter Zeit sind Wikileaks einige Clous gelungen, die für Aufsehen gesorgt haben, und die den Eindruck verstärken, dass mit dem 2006 ins Leben gerufenen Wikileaks-Projekt ein neues und neuartiges Weltgewissen entsteht. Zu den „Erwerbs-Erfolgen“ von Wikileaks, die in den letzten Wochen Beachtung fanden, gehören:

  • 9/11 tragedy pager intercepts
    Insgesamt 573.000 private und behördliche Pager-Textnachrichten vom 11. September 2001, dem Tag der Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. Ein einzigartiges Reservoir an authentischer Kommunikation von Betroffenen und Involvierten, aus den Archiven des FBI.
    Siehe auch: ZEIT-Artikel 9/11 - Tausende Stimmen aus dem Grab

Hinweis (30.11.2010)

Die obigen Direktlinks, die vor einem Jahr, als dieser Artikel veröffentlicht wurde, noch gültig waren, funktionieren alle nicht mehr. Zum Bestreben von Wikileaks gehört offenbar, dass solche Links gar nicht allzu bekannt werden und die eigentlichen Inhalte dahinter vor den neugierigen Massen verborgen bleiben. Mittlerweile gerät Wikileaks wegen seiner eigenen Intransparenz bereits selber in die Kritik — wie etwa im Focus-Artikel Undurchsichtige Enthüllungsplattform.

Späktakuläre frühere Wikileaks-Veröffentlichungen sind etwa die „Betriebshandbücher“ des Gefangenenlagers Guantánamo-Bay, oder auch zahlreiche Audio- und Videoaufzeichnungen des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard sowie interne Dokumente von Scientology.

Der Laie mag sich fragen, wie Wikileaks an solche Dokumente heran kommt. In den meisten Fällen ist es so, dass das entsprechende Material Wikileaks von Insidern zugespielt wird. Das Chaosradio Podcast Network hat Ende August eine knapp zweistündige Sendung zu dem Thema als Podcast veröffentlicht: Wikileaks - Wie Geheimdokumente den Weg in die Öffentlichkeit finden. Die Sendung geht auch auf das Thema ein, wie Netzteilnehmer selbst Inhalte zu Wikileaks beitragen können. Denn Wikileaks sammelt nicht nur spektakuläre Dokumente von internationaler Bedeutung. Wer beispielsweise Zugriff auf Unterlagen hat, die das eigene Gewissen belasten, etwa über unsaubere Geschäfte oder Transaktionen der Firma, für die er arbeitet, kann Wikileaks die betreffenden Dokumente anvertrauen. Die Dokumente werden dort anonym und ohne Hinweis auf den Mittler veröffentlicht.

Daran entzündet sich allerdings auch die Kritik an Wikileaks. Da die Herkunft der Quellen verschleiert wird, gibt es letztlich keine Garantie dafür, dass diese echt sind. In diesem Punkt bleibt End-Usern nur, den Plattformbetreibern zu vertrauen. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass der Inhalt mancher Dokumente zur öffentlichen Aufwiegelung oder Hatz geeignet ist. Die Federation of American Scientists lehnte mit dieser Begründung eine Beteiligung am Beirat von Wikileaks ab. Wikileaks selbst ist sich dieser Verantwortung durchaus bewusst, wie verschiedene Passagen der About-Seite von Wikileaks verdeutlichen. Die höchste moralische Instanz, so Wikileaks, ist das Gewissen jedes Einzelnen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er liest, wie er darauf reagiert, und zu welchen Konsequenzen er sich hinreißen lässt. Genau deshalb darf aber auch nichts verborgen bleiben.

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