Geschichte einer Dreijährigen: Twitter

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Menschen kommen in diesem Alter in den Kindergarten, haben so wunderbare Wörter drauf wie Fukkelon für Luftballon, und kommen an alles dran, wo sie eigentlich nicht dran kommen sollen. Extrem erfolgreiche Webanwendungen wie Twitter müssen in diesem Alter jedoch deutlich ausgereifter sein. Zum Beispiel muss in ihrem Bauplan berücksichtigt sein, dass schon nach drei Jahren die Anzahl der Tweets die Grenze für 32 Bit breite signed-Integer-Werte erreicht: 2.147.483.647 Tweets wurden am 12. Juni dieses Jahres, also vor gut zwei Wochen, erreicht. Das sind bei drei Jahren Laufzeit etwa 22 Tweets pro Sekunde.

Bevor wir jetzt verbal weiterschwadronieren, möchten wir jedoch jenes 1800 Pixel hohe Bild wiedergeben, das vor einigen Tagen auf Techcrunch veröffentlicht wurde:

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Vielleicht am interessantesten ist der untere Teil des Bildes. Dort werden nämlich die Wurzeln von Twitter bezeichnet. Sieht man mal von einzelnen, zum Teil deutlich älteren historical Tweets ab, so beginnen die Wurzeln von Twitter beim Unix-Systemservice „Talk“. Dort konnte und kann man immer noch via Shell chatten und kurze Rundnachrichten verschicken. Auch der allseits beliebte SMS-Service für Mobiltelefonie, dessen technische Wurzeln bis ins Jahr 1985 zurückreichen, gehört zu den ältesten Ahnen. Wer sich schon länger im Netz tummelt und schon viel ausprobiert hat, kann nachvollziehen, warum Instant Messenger, Blogs und LiveJournal als weitere wichtige Meilensteine im Wurzelwerk genannt werden.

Am 31. März 2006 ging Twitter online, als Geburtstagsgeschenk für Mitbegründer Jack Dorsey. Weitere Highlights der kurzen Twitter-Geschichte sind der Grafik zu entnehmen. Deshalb an dieser Stelle vielleicht eher noch ein paar Zitate aus dem deutschsprachigen Wikipedia-Artikel über Twitter. Fakten, die vielleicht nicht alle kennen, die Twitter täglich nutzen:

  • Twitter sammelt personenbezogene Daten seiner Benutzer und teilt sie Dritten mit. Twitter sieht diese Informationen als einen Aktivposten und behält sich das Recht vor, sie zu verkaufen, wenn die Firma den Besitzer wechselt.
  • Twitter setzt Ruby on Rails für die Erzeugung von Webseiten ein. Ursprünglich war auch die kritische Infrastruktur des Backends mit Ruby on Rails geschrieben. Diese musste jedoch aufgrund von Skalierungsproblemen neu geschrieben werden, was in der Programmiersprache Scala erfolgte.
  • Twitter war 2007 ungefähr zu 98 Prozent erreichbar, das heißt, es war etwa sieben volle Tage nicht erreichbar. Twitters Ausfallzeiten fielen insbesondere während gut besuchter Veranstaltungen der Technologie-Industrie auf, wie der 2008er Macworld-Conference-&-Expo-Eröffnungsansprache. Wenn Twitter abstürzt, sehen die Benutzer als Fehlermeldung den „Ausfall-Wal“ (englisch fail whale) — eine Karikatur von roten Vögeln, die einen Weißwal aus dem Ozean hieven.

Eigentlich sympathisch, wenn so eine bekannte Plattform bei Slashdot-Effekten auch mal in die Knie geht. Das ist irgendwie menschlich, auch wenn es ärgerlich ist („Mensch ärgere dich nicht“, möchte man sagen). Dass die Betreiber, wenn sie schon sonst keine Einnahmequellen haben, wenigstens die persönlichen Angaben ihrer User verkaufen — wer kanns ihnen verdenken? Was ich bislang gar nicht kannte, war die Programmiersprache Scala. Fragt sich nur, ob die Probleme mit einer Brot- und Buttersprache wie PHP am Ende nicht doch hätten vermieden werden können. Doch das vertiefen wir lieber ein andermal.

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