Flexible Layouts und Seiten-Zoom

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Immer mehr neuere Browser-Versionen bieten einen Ganzseiten-Zoom an. Konnte der Anwender früher nur die Schriftgrößenanzeige verändern, so kann er heute in vielen Browsern die gesamte Webseite zoomen, mitsamt allen Grafiken und sogar mitsamt eingebetteten Multimedia-Elementen. Auch Layoutspalten werden beim Zoomen dynamisch mit verändert. Dieses schicke Feature hat unter Webdesignern eine neue Diskussion ausgelöst.

Seit Jahren gibt es eine Fraktion von Webdesignern, die sich für den Einsatz flexibler Layouts stark macht. Flexibel heißt dabei: das Layout passt sich der Größe des Bildschirmfensters an. Vergrößert oder verkleinert der Anwender das Browserfenster, verändern sich vor allem die Breiten eines mehrspaltigen Layouts. Dabei genügt es bereits, wenn eine der Spalten flexibel ist. Da sich solche Layouts CSS-technisch betrachtet durchaus schematisieren lassen, sind sogenannte CSS-Frameworks sehr beliebt geworden. Das vielleicht bekannteste Framework dieser Art ist YAML. Das Framework arbeitet konsequent mit CSS-Float-Technik statt mit den früher üblichen Tabellenlayouts. Die mit YAML erzeugten Basis-Layouts sind sehr robust und funktionieren praktisch mit allen Browsern jenseits von Netscape 4.x.

Wer etwa eine Stunde Zeit übrig hat, um sich mit dem Konzept der flexiblen Layouts auf Basis des YAML-Frameworks zu beschäftigen, kann sich die folgenden Videos von Galileo Computing ansehen (es handelt sich in Wirklichkeit um ein Video, aufgeteilt in 7 Teilvideos).

Dennoch ist bekannt, dass vor allem viele Website-Auftraggeber keine Freunde flexibler Layouts sind. Das liegt zweifellos daran, dass solche Auftraggeber meist nicht sehr web-affin sind und Webseiten immer noch für elektronische Werbeplakate oder Zeitungen halten. Diese Situation hat schon zu vielen Engelszungendiskussionen geführt, in denen von ihren flexiblen Layouts überzeugte Webdesigner versuchten, ihre Auftraggeber vorsichtig von den Vorteilen der flexiblen Layouts zu überzeugen. Und genau in diesen empfindlichen Diskussionen hat der Chef nun ein neues, ziemlich überzeugendes Argument an die Hand bekommen: „Ich kann doch einfach im Browser zoomen, und alles wächst oder schrumpft dynamisch wie in einer Vektorgrafik. Flexibler gehts doch gar nicht.“

In einem Blog-Beitrag widerspricht YAML-Entwickler Dirk Jesse dieser Argumentation:

Der Beitrag verweist wiederum auf eine Reihe englischsprachiger Quellen, in denen pro flexible Layouts in Zeiten des Ganzseiten-Zooms argumentiert wird. Eines der Argumente besteht darin, dass es ja auch in Browsern mit Ganzseiten-Zoom nach wie vor möglich ist, Schriftgrößen unabhängig zu skalieren. Allerdings trifft das schon nicht mehr auf alle Browser zu. Google Chrome etwa kennt nur noch den Seiten-Zoom und daneben nur noch die Basisschriftgröße, die aber nur zum Tragen kommt, wenn im Stylesheet relative Schriftgrößen verwendet werden. Doch wer fixe Layouts bevorzugt, bevorzugt meist auch fixe Schriftgrößen.

Ein weiteres genanntes Argument sind Sites mit parallel mehrsprachigen Inhalten. Dabei müssen sprachlich bedingt unterschiedliche Textmengen in die gleichen Layoutelemente passen. Flexible Elemente können sich dabei als hilfreich erweisen.

Insgesamt sind die Argumente allerdings wie ich finde nicht wirklich zwingend. Vielleicht wäre es besser, gar nicht mehr verzweifelt nach Gründen für flexibel reagierende Layoutspalten zu fischen, sondern ein solches Verhalten einfach als ein mögliches Stilmittel zu betrachten. Gleichzeitig könnte man endlich ein Kriegsbeil begraben und unterschiedliche Layoutvorstellungen als legitim betrachten.

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