Zaubern mit der Adresszeile von Google Chrome

20 Jul 2011 04:39

chrome-url.jpg Dass man in der Adresszeile von Google Chrome neben URL-Adressen auch direkt suchen kann, wissen die meisten Anwender. Doch damit nicht genug…
Eigentlich veröffentlicht am 20.06.2011

Die URL-Zeile von Chrome, dem Web-Browser von Google, nennt sich bekanntlich Omnibox. Bei der Installation von Chrome wird man als Benutzer gefragt, ob Chrome die Google-Suche als Default-Suchmaschine verwenden soll, oder ob man eine andere Suchmaschine wünscht. Die meisten Anwender werden ohne lange zu zögern die Default-Suchmaschine übernehmen. Das hat zur Folge, dass man in der Adresszeile alias Omnibox des Browsers direkt Suchbegriffe eintippen kann. Beim Auswählen von Suchvorschlägen oder dem Absenden eines eingegebenen Suchausdrucks wird dann die Google Suche mit Treffern zur Auswahl bzw. Eingabe angezeigt.

Nun wissen nicht unbedingt alle Anwender, dass man in der Google Suche nicht nur nach Wörtern oder Namen suchen kann, sondern dass die Suchmaschine Anfragen auch daraufhin testet, ob diese eindeutig interpretierbar sind. Entsprechende Ergebnisse werden dann sofort ausgegeben. Dokumentiert sind diese Möglichkeiten auf der Google-Infoseite über erweiterte Suchfunktionen. Und all diese erweiterten Möglichkeiten funktionieren auch direkt in der Adresszeile von Google Chrome!

Die Suchmaschine von Google interpretiert beispielsweise Rechenausdrücke. Wenn der Chrome-Browser geöffnet ist und Google als Default-Suche benutzt, ist die Adresszeile des Browsers zugleich ein ausgewachsener Taschenrechner. Er beherrscht die vier Grundrechenarten (mit +, -, * und /) sowie Exponentialrechnung (mit ^), Modulodivision (Rest einer Division, mit %) und Fakultät (mit ! hinter einer Zahl). Ferner werden noch einige Funktionen und mathematische Konstanten erkannt. Auch komplexere, geklammerte Ausdrücke werden aufgelöst. Hier ein paar Beispiele, was Sie in der URL-Zeile von Google Chrome alles rechnen können:

4 * (7 + 3)

39.90 - 39.90 * 0.19

2^8

22 % 7

7!

sqrt(169)

PI * 7

tan(1.43) + sin(0.5) + cos(0.43)

Eine weitere Form direkter Interpretation sind Währungs- oder Maßeinheiten-Umrechnungen. Auch die nachfolgenden Beispiele funktionieren direkt von der URL-Adresszeile von Google Chrome aus:

45 Euro in Dollar

25000 Yen in Euro

100 Pfund Sterling in Euro

8.95 Schweizer Fanken in Euro

35 liter in Gallonen

10 km in miles

100 km/h in mph

0.35 kg in Unzen

750g in pounds

182cm in inches

5m in yard

Weiterhin erkennt Google einige Stichwörter, auf die es direkte Antworten liefert. Am bekanntesten und beliebtesten sind wohl Wetteraussichten für Städte und Länder. Beispiele:

Wetter Krefeld

Wetter Malta

Was ebenfalls noch leidlich funktioniert, ist das Schlüsselwort definiere, um direkt Kurzdefinitionen zu Begriffen zu erhalten. Verwendet werden dazu in der Regel Definitionen aus den ersten Absätzen von Wikipedia-Artikeln. Die Funktion greift allerdings nur bei Begriffen, die halbwegs verbreitet sind. Beispiele:
definiere Hydrokultur

definiere Kropf

definiere Organigramm

definiere DNS

Weitere direkt interpretierte Eingaben sind eher ein Glücksspiel. Beispiele, die Google selbst für direkt interpretierte Eingaben nennt, wie Börsenkurse, Reiseverbindungen, Fußballergebnisse usw., funktionieren teilweise nicht oder gar nicht mehr. Man hat wohl erkannt, dass letztlich nur eindeutig interpretierbare Anfragen für direkte Antworten geeignet sind.

Was die Adresszeile des Google-Browsers betrifft, sind die erweiterten Interpretationen der Google-Suche aber ohnehin nur ein Teil der Fähigkeiten. Ein anderer mächtiger Komplex, der die URL-Zeile in ein Instument für Power-User verwandelt, verbirgt sich hinter den Suchmaschinen, die sich in den Einstellungen von Chrome verwalten lassen. Zunächst müssen Sie dazu etwas Arbeit für die Einrichtung investieren. Am schnellsten sind die entsprechenden Einstellungen erreichbar, wenn Sie mit der rechten Maustaste in die Adresszeile von Chrome klicken und aus dem dann angezeigten Kontextmenü Suchmaschinen verwalten auswählen. Es öffnet sich eine Dialogseite, die das Verwalten von Suchmaschinen ermöglicht.

Interessant sind hierbei Einträge, die unter Andere Suchmaschinen möglich sind. Jeder Eintrag (jede Zeile im Einstelldialog) besteht links aus einem frei wählbaren Titel, in der Mitte aus einem Suchkürzel und rechts aus einer URL-Adresse. Wenn bereits Einträge existieren, können neue Einträge unten hinzugefügt werden. In neueren Versionen von Google Chrome fügt der Browser übrigens auch selbständig Websites hinzu, in denen Sie schon mal nach etwas gesucht haben. Explizites Speichern ist beim Hinzufügen oder Ändern von Einträgen nicht nötig. Beginnen wir mit einem ersten Beispieleintrag, nämlich zum Durchsuchen von Google Mail – interessant ist das natürlich nur, wenn man Google Mail nutzt.

Titel Google Mail durchsuchen
Suchkürzel gm
URL https://mail.google.com/mail/?shva=1#search/%s

Titel und Suchkürzel können Sie natürlich an eigene Vorstellungen anpassen. Das Suchkürzel sollte allerdings möglichst kurz sein. Sinnvoll ist eine Abkürzung für den Titel. Im Beispiel gm für Google Mail. Den URL-String können Sie, wenn Sie eigene, neue Einträge hinzufügen, einfach selbst herausbekommen: suchen Sie in der entsprechenden Webanwendung, also hier in Google Mail, nach irgendetwas. Kopieren Sie sich auf der Ergebnisseite den Inhalt der angezeigten URL-Zeile. Irgendwo in der URL kommt auch Ihr Suchbegriff vor. Ersetzen Sie diesen Suchbegriff durch die Zeichenfolge %s – das ist ein Platzhalter, den der Chrome-Browser erkennt und durch jeweils aktuelle Suchausdrücke ersetzt. Die URL-Adresse mit dem %s-Platzhalter gehört in die letzte Spalte des Suchmaschineneintrags.

Und jetzt wird es spannend. Geben Sie – am besten in einem neuen Browser-Tab – in die URL-Zeile das Suchkürzel ein, z.B. gm für die zuvor definierte „Suchmaschine“ Google Mail. Drücken Sie dann die TAB-Taste. Der vergebene Titel der „Suchmaschine“, im obigen Beispiel Google Mail durchsuchen, erscheint nun als Label in der URL-Zeile. Geben Sie rechts davon etwas ein, wonach Sie suchen möchten. Senden Sie die Eingabe mit der Enter-Taste ab. Sie erhalten – in diesem Fall – Suchtreffer von Google Mail.


Google Mail durchsuchen direkt aus der Chrome-URL-Zeile

Google Mail durchsuchen direkt aus der Chrome-URL-Zeile
Das Ganze funktioniert mit fast allen Webanwendungen, in denen man suchen kann. Bleiben wir zunächst bei den bekannten Google-Anwendungen. Als weitere Einträge in der Liste der „anderen Suchmaschinen“ sind denkbar:

Titel Google Docs
Suchkürzel gd
URL https://docs.google.com/#search/%s
Titel Google Bookmarks
Suchkürzel gb
URL https://www.google.com/bookmarks/l#q=%s
Titel Google Übersetzer Englisch nach Deutsch
Suchkürzel en>de
URL http://translate.google.de/#en|de|%s
Titel Google Maps
Suchkürzel gmap
URL http://maps.google.de/?hl=de&q=%s
Titel Google News
Suchkürzel gn
URL http://news.google.de/news/search?hl=de&q=%s
Titel Google Reader
Suchkürzel gr
URL http://www.google.de/reader/view/#search/%s/

Genaugenommen funktioniert der Trick mit allen Webanwendungen, die GET-Parameter als Input für irgendetwas verwenden. Das muss nicht unbedingt eine Suche sein. Ebenso können Sie „Suchkürzel“ definieren, um Webanwendungen direkt bestimmte Dinge ausführen zu lassen. Die URL-Zeile von Chrome mutiert dabei quasi zu einer Art Kommandozeile. So kommt selbst bei einem Chromebook Linux-Shell-Feeling auf! Hier ein paar Beispiele:

Titel Domain-Infos anzeigen
Suchkürzel di
URL http://www.netip.de/whois?domain=%

Mit diesem Eintrag können Sie sich blitzschnell Informationen über Domains bzw. Domain-Inhaber anzeigen lassen. Einmal eingerichtet, können Sie in der URL-Zeile von Chrome di eingeben, dann TAB drücken, und dann einen Domain-Namen eingeben – zum Beispiel newsgrape.com.

Titel Unix-Timestamp als Datum/Uhrzeit
Suchkürzel ut
URL http://elmar-eigner.de/tstamps.html?zeichen=%s

Manchmal wird man mit Unix-Zeitstempeln konfrontiert. Das sind hohe Zahlen, welche die Anzahl Sekunden seit dem Unix-Urknall 1.1.1970, 0.00 Uhr, darstellen. Eine solche Zahl kann man natürlich in eine menschenlesbare Datums-/Uhrzeitangabe umwandeln. Der Service auf elmar-eigner.de leistet eine derartige Umrechnung. Die Webanwendung ist via GET-Parameter steuerbar. Richtet man den Service so wie oben gezeigt als „andere Suchmaschine“ in Google Chrome ein, kann man anschließend in der URL-Zeile ut tippen, dann TAB drücken, und dann eine Timestamp-Zahl eingeben, z.B. 1234567890.

Web-Entwickler, SEO- und andere Spezialisten benötigen manchmal HTTP-Header-Ausgaben zu Webseiten-Aufrufen. Es gibt verschiedene Online-Services, die das ermöglichen. Der Service von Websniffer erlaubt auch die Übergabe von URL-Adressen als GET-Parameter. Daraus lässt sich für den Chrome-Browser folgendes URL-Zeilen-Tool basteln:

Titel HTTP-Header mit Websniffer
Suchkürzel hh
URL http://web-sniffer.net/?url=%s

Fertig eingerichtet, tippt man einfach hh, drückt TAB, gibt dann eine beliebige vollständige HTTP-Adresse ein, zu der man die Ausgabe wünscht, und sendet das Ganze mit Enter ab. Als Ergebnis erscheint dann die HTTP-Header-Ausgabe für die eingegebene HTTP-Adresse.

Möglicherweise kennen Sie andere Webanwendungen, mit denen Sie selber zu tun haben, die sich in irgendeiner Form via GET-Parameter steuern lassen. Viele Content-Management-Systeme etwa arbeiten mit GET-Parametern, um Daten zu verwalten. Wenn Sie einen geeigneten Parameterwert durch den Platzhalter %s ersetzen, können Sie sich auf diese Weise interessante Kurzbefehle für die URL-Zeile definieren.

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